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Winterlibellen warten schon auf den Frühling

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Die Gemeine Winterlibelle (Sympecma fusca) hat einen für Libellen außergewöhnlichen Lebenszyklus: Während ihre Libellen-Verwandtschaft den Winter in Form von Larven am schlammigen Gewässergrund oder auch als Ei überdauert, übersteht sie die kalte Jahreszeit als voll entwickeltes Insekt. Dafür pflanzen sie sich im Frühling als Allererste fort: Schon im März und April kehren die filigranen Kleinlibellen zum Wasser zurück.

Diese Winterlibelle (Sympeca fusca) ruht im Spätsommer in der Döberitzer Heide an den Blütenständen der Besenheide. Foto: H. Petrischak

Ausgezeichnete Tarnung: Auf dem Baumstamm ist die Winterlibelle nahezu unsichtbar. Foto: H. Petrischak

Die Männchen treffen als erste ein und warten auf die Weibchen. Direkt nach der Paarung erfolgt die Eiablage. Winterlibellen bevorzugen stehende Gewässer, oft in Waldnähe, die einen ausgeprägten Röhrichtgürtel besitzen und von der Sonne beschienen werden.

Wenn die Tiere im Frühling ihre Eier legen, ist die Vegetation noch nicht weit entwickelt. Die fast immer im Tandem fliegenden Pärchen suchen daher sehr oft abgestorbene, auf der Wasseroberfläche treibende Pflanzenhalme auf. Das Männchen hält das Weibchen mit seinen Hinterleibszangen dicht hinter dem Kopf fest. Damit stellt es sicher, dass sich nicht noch in letzter Minute ein anderes Männchen mit dem Weibchen paart. Mit einem Legebohrer sticht das Weibchen in das Pflanzenmaterial und steckt die Eier hinein. Nach wenigen Wochen schlüpfen die räuberischen Larven, die bis zum Sommer zwischen den Wasserpflanzen rasch heranwachsen. Zwischen Ende Juli und Anfang August befreien sich die Winterlibellen der nächsten Generation aus der Larvenhaut. 

Bald darauf verlassen die Winterlibellen die Umgebung ihrer Gewässer und verteilen sich oft kilometerweit entfernt in offenen Landschaften und an Waldrändern. Meistens sitzen sie im Herbst mit ihrer bräunlichen Färbung gut getarnt an Halmen und auf Zweigen. Im Winter suchen die Tiere geschützte Verstecke auf.

Die Gemeine Winterlibelle hat wegen dieser Lebensweise ein hohes Wärmebedürfnis: Sie benötigt warme, sonnige Tage im zeitigen Frühjahr für die Fortpflanzung und sich rasch erwärmende Gewässer für die zügige Entwicklung der Larven. Auch im Herbst kann man sie vor allem in sonnigen, windgeschützten Lagen, etwa in den saarländischen Halbtrockenrasen, beobachten. In Jahren mit ungünstiger Witterung kann sie hohe Verluste erleiden. Der ungewöhnliche Lebenszyklus führt dazu, dass die erwachsenen Tiere ein für Insekten sehr hohes Alter von fast einem Jahr erreichen können.

In Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide lässt sich die Winterlibelle gut beobachten: Im Spätsommer und Herbst erscheint sie in Heideflächen und Waldschneisen, im Frühjahr erfolgt die Eiablage in Kleingewässern, insbesondere im Ferbitzer Bruch.

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