Flussseeschwalbe füttert Junges mit Fisch

Brutinseln für die Flussseeschwalben

Jeden Frühling kehrt die Flussseeschwalbe (Sterna hirundo) an die Groß Schauener Seen im südlichen Brandenburg zurück: Nach Tausenden Kilometern Flug aus Afrika ist sie endlich an der Seenkette angekommen. Hier verbringt sie den Sommer, um ihre Küken aufzuziehen. Flussseeschwalben leben in großen Kolonien.
 
Die eleganten Flussseeschwalben sind auf naturnahe Flusslandschaften angewiesen. Am liebsten brüten sie auf offenen, sandigen Ufern und Kiesbänken – Lebensräumen, die einen guten Überblick auf mögliche Feinde bieten und auf deren Untergrund die Eier und Küken der Flussseeschwalbe gut getarnt sind. Doch genau diese natürlichen Brutplätze sind in den vergangenen Jahrzehnten immer seltener geworden. Staudämme, der Ausbau von Wasserstraßen und die Bebauung von Uferbereichen haben viele Flüsse nachhaltig verändert und zahlreiche Kies- und Sandbänke verschwinden lassen. Die Folgen für die Flussseeschwalbe sind gravierend: Geeignete Brutplätze fehlen, vielerorts gehen die Bestände zurück. Inzwischen gilt die Art deutschlandweit als stark gefährdet.
Zwei Flussseeschwalben mit Küken am Ufer mit Muscheln und Steinen

Die Groß Schauener Seenkette befindet sich als Sielmanns Naturlandschaft im Besitz der Heinz Sielmann Stiftung. Über 1.000 Hektar Wasser und Ufer mit Röhrichten, Erlenbruchwald und Schilf bieten vielen Tier- und Pflanzenarten ein Zuhause.

Die Flussseeschwalbe ist hier wieder heimisch, nachdem sie lange in der Region fehlte. In den nährstoffreichen Seen finden die Vögel genug Nahrung.

Uferspitze mit Schilf vom Wasser aus fotografiert

Im Jahr 2001 konnte die Stiftung die Groß Schauener Seenkette erwerben und so die Flächen dauerhaft im Sinne des Naturschutzes sichern. Inge und Heinz Sielmann entschieden sich für diesen Schritt, um den Lebensraum für bedrohte Arten zu erhalten.

In den Folgejahren begleitete das Stifterehepaar die Weiterentwicklung der Sielmanns Naturlandschaft. Es entstanden unter anderem ein Naturlehrpfad, der Aussichtsturm Selchow, eine kleine Ausstellung und ein Fischadlerhorst auf einem Strommast.

Im Bild sind Heinz und Inge Sielmann mit dem damaligen Minister für Ländliche Entwicklung, Umwelt- und Verbraucherschutz im Land Brandenburg, Dietmar Woidke, zu sehen. Im Mai 2005 wurde gemeinsam mit dem Netzbetreiber e.dis eine Live-Kamera an dem Fischadlerhorst eingeweiht.

Veranstaltung in Sielmanns Naturlandschaft Groß Schauen mit Heinz und Inge Sielmann
Brutinsel aus Metall mit Steinchen gefüllt am Seeufer.

Um das Problem der fehlenden Brutplätze zu lösen, dachten sich die Naturschutz-Experten der Stiftung etwas Unkonventionelles aus.

Schwimmende Brutinseln, je sechs Quadratmeter groß, befüllt mit Sand und Kies, sollen natürliche Kiesbänke nachahmen. Die Plattformen bestehen aus wetterfestem Aluminium und wurde schwimmend konzipiert.

Auf den Inseln sind die jungen Nestlinge hervorragend vor Feinden wie Waschbären, Mardern und Füchsen geschützt. Der glatte Aluminiumrahmen bietet den Räubern keine Möglichkeit zum Hinaufklettern. Außerdem schützen kleine Holzdächer die Küken vor Fressfeinden aus der Luft.

Zusätzlich installierte Wildtierkameras überwachen das Treiben auf den Inseln, ohne die brütenden Vögel zu stören.

Bagger belädt Brutinsel mit Kies
Mitarbeitende der Fischerei Köllnitz, der Naturwacht Brandenburg und der Sielmann Stiftung beim Ausbringen der Brutinseln

2023 wurden die ersten beiden Inseln beladen und gemeinsam mit der Naturwacht Brandenburg und des Naturguts Köllnitz zu Wasser gelassen. Eine Brutinsel liegt so vor Anker, dass man sie vom hölzernen Aussichtsturm am Großen Wochowsee sehen kann.

Flussseeschwalben bei der Paarung

Kaum schwammen die Inseln, landeten die ersten Flussseeschwalben und begannen sofort mit der Balz und Paarung.

Die stark gefährdeten Vogel legten Eier, brüteten und verteidigten ihre Nester. Im Jahr 2023 wurden während einer Beringung 29 kleine Flusseeschwalben gezählt – ein großer Bruterfolg für die Art! Auch in den nächsten zwei Jahren konnten die Flussseeschwalben ähnlich viel Nachwuchs zeugen.

3 Vogeleier in Sandkuhle mit Muscheln
Junge Flussseeschwalben auf Kieseln. Eins sucht Schutz und unter Holzverschlag.
Flussseeschwalben-Küken vor Metallwand. Eins hat den Schnabel geöffnet.
Junge Flussseeschwalbe auf Brutinsel. Gelege aus vier Eiern auf Steinchen. Daneben Gummistiefel.
Junge Flussseeschwalben auf Kieseln. Eins sucht Schutz und unter Holzverschlag.
Junge Flussseeschwalben auf Kieseln
Junge Flussseeschwalbe in der Hand eines Mannes, der sie beringt.

Um mehr über das Leben jedes einzelnen Vogels und dessen Zugverhalten zu erfahren, erhält jedes der geschlüpften Küken einen Ring mit einer individuellen Nummer. In einem zentralen Register der Vogelwarte Hiddensee werden die beringten Vögel erfasst.

Wird ein Vogel mit Ring gefunden, zeichnen alle verfügbaren Daten ein umfassendes Bild: wo und wann das Tier geboren wurde und welche Route es im Herbst und Frühjahr fliegt. Fachleute sammeln so Erkenntnisse über Populationsgröße und Zugrouten.

Die Anschaffung der beiden Brutinseln wurde erst durch Spenden möglich. So konnte die Flussseeschwalben-Population in Sielmanns Naturlandschaft Groß Schauener Seen gesichert werden. Die Erfolge sind sichtbar und messbar.

Damit sich die Population weiter so gut entwickeln kann, haben wir im Winter 2025/2026 zwei weitere Brutinseln angeschafft.

 

Mann im Profil auf Brutinsel hält junge Flussseeschwalbe in den Händen.
Flussseeschwalbe im Profil auf Holzpfahl

Wir danken allen für ihre Unterstützung, die die Brutinseln ermöglicht haben!