Bunker in der Tangersdorfer Heide

Ein Bunker wird Fledermausquartier

In einem ehemaligen Schießstand in Sielmanns Naturlandschaft Tangersdorfer Heide konnten in den vergangenen Sommern Kotreste der größten heimischen Fledermausart nachgewiesen werden – dem Großen Mausohr (Myotis myotis).

Mit seinen 40 Zentimetern Flügelspannweite zieht es das Große Mausohr gewöhnlich im Sommer auf warme Dachstühle von Kirchen oder Schlössern, um dort seine Jungen zu gebären und aufzuziehen.

Offenbar bietet der verlassene Bunker in Sielmanns Naturlandschaft genau das, was die Tiere brauchen: Ausreichenden Schutz und Dunkelheit, um kopfüber und freihängend den Tag zu verschlafen...

bevor sie sich des nachts in der umliegenden Heidelandschaft über das große Angebot an Laufkäfern und anderen Insekten wie Maikäfer, Heuschrecken und Grillen hermachen.

Fledermaus kauert in Spalte

Um die hiesige Mausohr-Population zu schützen, werteten wir den Bunker im Herbst / Winter 2023 zu einem richtigen Sommerquartier auf.

Verschneiter Eingang eines Bunkers
Die einstigen Schießluken sind mit Brettern verschlossen, in deren freie Einflugöffnungen die Tiere ein- und ausflattern können.
Bunkerraum mit hohlen Betonwürfeln an der Decke
Fortan können sich die Fledermäuse nicht nur an den rauen Wänden festklammern, sondern sich auch in eigens angebrachte Hohlblocksteine und sogenannte Wärmeglocken hängen. Damit bieten wir mehr Platz und noch mehr Nischen für mehr Tiere.
Flacher Bunker, davor ein mit Betonplatten abgedecker Erdhaufen
Um den Mausohren ein ausreichend warmes Quartier zu bieten, wurde der Schießstand zusätzlich mit umliegender Erde umwallt und abgedeckt. So hält sich die Temperatur im thermisch abgedichteten Bunker besser konstant.

Fortan können sich die Fledermäuse nicht nur an den rauen Wänden festklammern, sondern sich auch in eigens angebrachte Hohlblocksteine und sogenannte Wärmeglocken hängen. Damit bieten wir mehr Platz und noch mehr Nischen für mehr Tiere.

Bunkerraum mit hohlen Betonwürfeln an der Decke
Wiese, dahinter Wald, im Vordergrund Baumstamm mit zwei daran befestigten kleinen Kästen

Ein geplantes Monitoring durch einen Experten wird in den nächsten Sommern zeigen, wie der ehemalige Bunker angenommen wird. Mit etwas Glück akzeptieren die Fledermäuse ihn auch als Wochenstube – den Ort, an dem sie ihren Nachwuchs bekommen. Eine kleiner

Eventuell werden auch andere, kältetolerantere Arten wie die Mopsfledermaus, die Zwerg- und Breitflügelfledermaus den verlassenen Schießstand als Ganzjahresquartier annehmen.

Außerdem dienen aufgehängte Schwalbennester den ansässigen Rauchschwalben als Brutstätte. Es könnte also trubelig werden im einst verlassenen Bunker.

Zwei Fledermäuse kauern eng nebeneinander

Neben Fledermäusen und Rauchschwalben gibt es weitere kleine und große Bewohner in der Tangersdorfer Heide, die die Heinz Sielmann Stiftung durch aktive Pflegemaßnahmen schützt.

Hier leben beispielsweise Biber und Wolf. Doch es sind vor allem die kleinsten Lebewesen, die vom Einsatz der Stiftung profitieren. Heidehummel, Blauschwarzer Drachenkäfer, Rotflügelige Schnarrschrecke oder Ameisenlöwe sind nur einige Beispiele für seltene Arten in der Tangersdorfer Heide.

Sandfarbenes, gut getarntes Insekt krabbelt aus Sandloch

Seit auf dem damaligen Truppenübungsplatz keine Panzer mehr Büsche und Bäume niederwalzen, wachsen insbesondere Offenlandschaften wie die Heideflächen schnell zu und nehmen ihnen Licht zum Wachsen. Damit die Heidepflanzen eine Chance haben, müssen Sträucher und Bäume entfernt werden.

Mithilfe von Maschinen wurden Kiefern aus einem 14 Hektar großen Gelände geholt und abgefahren. Gleichzeitig rissen Maschinen den Boden auf, um ein Mosaik aus Grasnarben und Erde zu gestalten – ähnlich der Oberfläche, die Panzer in vergangenen Zeiten ganz automatisch hinterließen.

Waldlichtung mit gerodeten Bäumen und Baumaschine
Zwei Birken vor erdiger Wiese, im Hintergund Wald
Trockener Wald mit Kiefern und Birken

Ohne solche Maßnahmen würde die Heidelandschaft verlorengehen – und mit ihr die Vielfalt an Tieren und Pflanzen, die auf die trockene, nährstoffarme Heide angewiesen sind. Spezialisierte Arten wie etwa die Heidekraut-Sandbiene würde beispielsweise ohne das Heidekraut verhungern.

Heidekraut-Seidenbiene an Heidekraut

Zusätzlich zu den Pflegemaßnahmen hat die Heinz Sielmann Stiftung auch die großflächige Entmunitionierung der Fläche in Auftrag gegeben. Das langfristige Ziel ist, dass die Landschaft auf Wanderwegen gefahrlos besuchbar und von Schafen extensiv beweidet werden kann.

Durch die Unterstützung unserer Spender:innen können wir die Tangersdorfer Heide als naturschutzfachliches Juwel erhalten, in dem sich die Natur frei entfalten kann.

Kästen mit alter, verrosteter Munition