Hirsch läuft auf trockener Wiese und röhrt

Hirschbrunft in der Döberitzer Heide

Wer an Rotwild denkt, hat meist dichte Wälder vor Augen. Tatsächlich ist Rotwild ursprünglich ein Bewohner des Offenlandes. Erst die Intensivierung der Jagd und Veränderungen seines Lebensraums durch den Menschen haben die Art zunehmend in die Wälder verdrängt. Dabei bietet gerade das Offenland ideale Voraussetzungen für die Hirschbrunft. Denn dort können sich die Hirsche mit ihrem markanten Röhren und ihrer imposanten Erscheinung besonders gut präsentieren.

Wenn der Herbst beginnt, wird es laut in unseren Wäldern. Es ist Paarungszeit für die Rothirsche (Cervus elaphus). Männliche Hirsche, die zuvor noch gemeinsam als Gefährten umherzogen, verwandeln sich zu erbitterten Rivalen. Zur Brunft beginnt ein eindrucksvolles Kräftemessen unter ihnen. Ein explosiver Mix aus Sexualhormonen setzt einen ohrenbetäubenden Wettbewerb in Gang: Die Hirsche konkurrieren darum, ihre Dominanz zu zeigen und sich mit den Hirschkühen zu paaren.

Zwei Hirsche kämpfen und stoßen mit gesenkten Köpfen ihre Geweihe zusammen

Mit seinem beeindruckenden, teils rund zehn Kilogramm schweren Geweih demonstriert der Platzhirsch seine Stärke. Hinzu kommt sein lautstarkes Röhren, das schon von Weitem mögliche Rivalen abschrecken und Aufmerksamkeit bei den Weibchen erzeugen soll.

Junge Hirsche werden dadurch bereits eingeschüchtert und oft fordern sich nur Rivalen von ähnlicher Größe und Vitalität zum Kampf heraus. Erst im Alter von sieben bis zehn Jahren kann ein Hirsch für gewöhnlich zum Platzhirsch werden und sein Rudel gegen andere Hirsche verteidigen.

Nahaufnahme eines röhrenden Hirschs
Röhrender Hirsch auf trockener Wiese neben Hirschkuh

Die Zeitspanne für die Empfängnis der Hirschkühe ist sehr kurz. Darum muss der Hirsch immer wieder durch Flehmen, also gezieltes Wittern, den richtigen Zeitpunkt vorhersehen, in dem es sich lohnt, jede einzelne Hirschkuh seines Rudels zu besteigen.

Um Energie zu sparen und kein hohes Verletzungsrisiko einzugehen, beschränken die Hirsche 1:1-Kämpfe auf ein Minimum. Vorab werden bereits so viele Schritte der gegenseitigen Einschätzung des Gegners durchlaufen, dass in den meisten Fällen kämpferische Auseinandersetzungen unnötig werden.

Grundsätzlich kämpfen Hirsche in der Brunftzeit nicht, wenn keine Hirschkuh in der Nähe ist. Zum Ende der Paarungszeit entbrennt aber ein heftiger Konkurrenzkampf um die letzte Kuh. Viele Hirsche wittern dann ihre letzte Chance zur Fortpflanzung und es kommt bisweilen auch zu schweren Verletzungen.

Das Rudel zusammenhalten, das Kahlwild decken, gegenüber Rivalen Macht demonstrieren, Tag ein Tag aus ohrenbetäubend röhren und sich im Ernstfall sogar mit vollem Körpereinsatz zur Wehr setzen... Die Brunftzeit ist für den Hirschen kräftezehrend und fordert ihren Tribut.

Nach vier Wochen ohne ausgiebig zu fressen und zu schlafen bleibt der Platzhirsch ermattet zurück. Am Ende der Brunftzeit hat der imposante Hirsch bis zu einem Drittel seines Körpergewichts verloren. Doch nicht vergeblich: Er hat den Fortbestand seines Rudels gesichert.

Rothirsch mit Rudel
Zwei männliche Hirsche paaren sich auf Wiese

Um einem anderen Überlegenheit zu signalisieren, kann es in seltenen Fällen während der Brunft dazu führen, dass ein Hirsch einen anderen Hirsch besteigt. Dies dient dazu, die Rangordnung zu klären.

Aufgrund der klimatischen Bedingungen beginnt die Brunft tendenziell im Nordosten früher als im Südwesten. Immer höhere Temperaturen zu Herbstbeginn führen zu dazu, dass die Impulsivität der Hirsche etwas "abkühlt". Bei allzu großer Hitze ist die ohnehin anstrengende Brunft noch beschwerlicher.

Um richtig in Wallung zu kommen, braucht der Hirsch kalte Temperaturen in Richtung null Grad Celsius.

liegender Rothirsch