Hirschbrunft in der Döberitzer Heide
Ruf der Wildnis
Hitzige Kontrahenten
Wenn der Herbst beginnt, wird es laut in unseren Wäldern. Es ist Paarungszeit für die Rothirsche (Cervus elaphus). Männliche Hirsche, die zuvor noch gemeinsam als Gefährten umherzogen, verwandeln sich zu erbitterten Rivalen. Zur Brunft beginnt ein eindrucksvolles Kräftemessen unter ihnen. Ein explosiver Mix aus Sexualhormonen setzt einen ohrenbetäubenden Wettbewerb in Gang: Die Hirsche konkurrieren darum, ihre Dominanz zu zeigen und sich mit den Hirschkühen zu paaren.
Im Rampenlicht
Mit seinem beeindruckenden, teils rund zehn Kilogramm schweren Geweih demonstriert der Platzhirsch seine Stärke. Hinzu kommt sein lautstarkes Röhren, das schon von Weitem mögliche Rivalen abschrecken und Aufmerksamkeit bei den Weibchen erzeugen soll.
Junge Hirsche werden dadurch bereits eingeschüchtert und oft fordern sich nur Rivalen von ähnlicher Größe und Vitalität zum Kampf heraus. Erst im Alter von sieben bis zehn Jahren kann ein Hirsch für gewöhnlich zum Platzhirsch werden und sein Rudel gegen andere Hirsche verteidigen.
Auf den richtigen Zeitpunkt kommt es an
Fettreserven aufsparen
Um Energie zu sparen und kein hohes Verletzungsrisiko einzugehen, beschränken die Hirsche 1:1-Kämpfe auf ein Minimum. Vorab werden bereits so viele Schritte der gegenseitigen Einschätzung des Gegners durchlaufen, dass in den meisten Fällen kämpferische Auseinandersetzungen unnötig werden.
Grundsätzlich kämpfen Hirsche in der Brunftzeit nicht, wenn keine Hirschkuh in der Nähe ist. Zum Ende der Paarungszeit entbrennt aber ein heftiger Konkurrenzkampf um die letzte Kuh. Viele Hirsche wittern dann ihre letzte Chance zur Fortpflanzung und es kommt bisweilen auch zu schweren Verletzungen.
Schwerstarbeit
Das Rudel zusammenhalten, das Kahlwild decken, gegenüber Rivalen Macht demonstrieren, Tag ein Tag aus ohrenbetäubend röhren und sich im Ernstfall sogar mit vollem Körpereinsatz zur Wehr setzen... Die Brunftzeit ist für den Hirschen kräftezehrend und fordert ihren Tribut.
Nach vier Wochen ohne ausgiebig zu fressen und zu schlafen bleibt der Platzhirsch ermattet zurück. Am Ende der Brunftzeit hat der imposante Hirsch bis zu einem Drittel seines Körpergewichts verloren. Doch nicht vergeblich: Er hat den Fortbestand seines Rudels gesichert.
Dominanz beweisen
Einfluss des Klimas
Aufgrund der klimatischen Bedingungen beginnt die Brunft tendenziell im Nordosten früher als im Südwesten. Immer höhere Temperaturen zu Herbstbeginn führen zu dazu, dass die Impulsivität der Hirsche etwas "abkühlt". Bei allzu großer Hitze ist die ohnehin anstrengende Brunft noch beschwerlicher.
Um richtig in Wallung zu kommen, braucht der Hirsch kalte Temperaturen in Richtung null Grad Celsius.