Blauer Schmetterling sitzt auf Sand

Insektenvielfalt in der Döberitzer Heide

Die Döberitzer Heide wird in ihren verschiedenen Lebensräumen wie Dünen, Sandtrockenrasen, Eichenwäldern, blütenreichen Wiesen und Weiden sowie Kleingewässern von einer atemberaubenden Insektenvielfalt bevölkert: Über 1.200 Schmetterlingsarten und über 1.740 Käferarten leben hier.

Allein im Dung von Wisent, Przewalski-Pferd und Galloway-Rind in der Döberitzer Heide finden sich Dungfliegen und 35 verschiedene Mist- und Dungkäfer. Sie sammeln, rollen und graben, um den wertvollen, medikamentenfreien Rohstoff als Nahrung für ihre Nachkommen zu sichern.

Der Stierkäfer (Typhaeus typhoeus) gräbt Schächte von bis zu 1,5 Meter in den Boden und lagert dort die kostbare Fracht.

Kleines sandiges Loch im Erdboden, darumherum Gras und kleine braune Kotkügelchen
Drei gelbe Fliegen auf schwarzem Kothaufen

Gelbe Dungfliegen treffen sich zur Paarung treffen auf frischem, noch warmem Dung, in den sie ihre Eier legen. Daraus entwickeln sich Larven, die sich von anderen im Dung befindlichen Insektenlarven ernähren.

Allerdings müssen die kleinen Krabbler stets achtgeben, dass sie nicht zur Beute räuberischer Großinsekten wie der Hornissenraubfliege (Asilus crabroniformis) oder des Behaarten Kurzflüglers (Emus hirtus) werden, denn diese gefährdeten Arten haben genau hier ihre Jagdreviere.

Braunes Insekt mit langen behaarten Beinen und großen schwarzen Komplexaugen sitzt auf sandigem Untergrund

Die Begegnung mit der 2,5 Zentimeter großen, schwarz-gelben Kreiselwespe (Bembix rostrata) zum Beispiel ist unvergesslich:

Sie landet mit lautem Brummton auf lockerem Sand und schiebt rasend schnell mit den Vorderbeinen Körner unter sich nach hinten weg. Gleichzeitig hält sie eine erbeutete Fliege unter dem Bauch fest.

Gelbe Wespe gräbt in Sandboden

Über das Offenland flattern attraktive Schmetterlinge wie Violetter und Dukaten-Feuerfalter, Ginster- und Argus-Bläuling, Reseda-Weißling, Rostbinde, Kleines Ochsenauge, Komma-Dickkopffalter, Weißfleck-Widderchen, Gestreifter Grasbär, Ampfer-Purpurspanner und Heide-Grünwidderchen.

Für die lichten Waldbereiche sind Trauermantel (Nymphalis antiopa), Großer Fuchs (Nymphalis polychloros), Großer und Kleiner Schillerfalter (Apatura iris/ilia), Kleiner Eisvogel (Limenitis camilla) und Wachtelweizen-Scheckenfalter (Melitaea athalia) charakteristisch.

Das wohl größte Tagfalter-Highlight der Döberitzer Heide ist der Eisenfarbige Samtfalter (Hipparchia statilinus), der offene Sandflächen braucht. Er gilt in Deutschland als vom Aussterben bedroht, weil seine Lebensräume sogar in Schutzgebieten durch hohe Nährstoffeinträge und Zuwachsen verschwinden.

Auf Niedermoorböden liegt mit dem Ferbitzer Bruch außerdem eines der wertvollsten Feuchtgebiete Brandenburgs. Über den Feuchtwiesen gaukeln hier Großer Feuerfalter, Prächtiger und Rotklee-Bläuling, Mädesüß-Perlmuttfalter und Baldrian-Scheckenfalter.

Schmetterling - schwarzrote Flügel mit weißem Rand - auf violetten Heideblüten
Brauner Schmetterling mit schwarzem Auge auf Flügel sitzt auf sandigem Untergrund
Falter mit großem Augenfleck und einer graubraunen Umrandung an den orange-braunen Flügeln des Großen Ochsenauges
Leuchtend oranger Dukatenfalter mit schwarz umrandeten Flügeln
Przewalski-Pferde wälzen sich auf Sand und im Gras

Wo Wisent und Pferde durch Fressen, Wälzen oder das Stampfen ihrer Hufe den Boden bearbeiten und die Vegetation kurz und vielfältig halten, entstehen Strukturen für vielen Insekten, die warme und offene Lebensräume bevorzugen.

Die Sandheiden und Sandrasen sind ein Eldorado für Heuschrecken. Ende April setzt das Lied der Feldgrille in der Döberitzer Heide ein. Ab Juli springt die Blauflügelige Ödlandschrecke (Oedipoda caerulescens) vor den Füßen der Spaziergänger auf.

Sie sitzt gerne auf sandigen oder geschotterten Wegen und ist trotz ihrer guten Tarnung aufgrund ihrer blauen Flügelfarbe gut zu erkennen, wenn sie loshüpft.

Blauflueglige Oedlandschrecke sitzt auf Sandboden

Die sandigen, blütenreichen Flächen beherbergen auch eine große Zahl von Wildbienenarten. Die Dünen-Pelzbiene (Anthrophora bimaculata) etwa steuert mit durchdringendem, hohem Summen im Juni und Juli die Blüten von Gewöhnlichem Natternkopf, Berg-Sandglöckchen und Rispen-Flockenblume an.

Viele weitere im Sand nistende Arten wie Heidekraut-Seidenbiene (Colletes succinctus), Braunbürstige Hosenbiene (Dasypoda hirtipes) oder Sand-Blattschneiderbiene (Megachile maritima) lassen sich in der Döberitzer Heide zahlreich beobachten.

Bunte Blattschneiderbiene sitzt auf grünem Blatt auf Sand
Seidenbiene auf Heidekraut
Braunbürstige Hosenbiene sitzt im Sand
Blauschwarze Holzbiene sitzt auf lila Blüten
Große Sandgängerbiene sitzt auf lila Blüten der Rispen-Flockenblume

In der Döberitzer Heide lebt also noch der so oft zitierte Traum bunter Schmetterlings-Wiesen, der andernorts längst der Vergangenheit angehört.