Erdboden in Garten mit darauf liegender Harke, im Hintergund verschwommen eine Frau mit Schubkarre
Gartentipps

Klimaangepasst gärtnern

Die durchschnittliche Jahrestemperatur in Deutschland stieg von 1881 bis 2026 konsequent an, in den letzten Jahren sprunghaft. Dürren, Hochwasser oder Brände sind die gravierendsten Veränderungen, die die Klimakrise verursacht. Die Weltgemeinschaft steht vor der Herausforderung die Folgen abzupuffern. Kann man angesichts der globalen Dimension nur noch den Kopf in den Gartenboden stecken?

Jeder zweite deutsche Privathaushalt hat einen eigenen Garten. Gärten sind eine wertvolle grüne Infrastruktur für Natur und Mensch. Doch sie müssen gegen den Klimawandel gewappnet sein, denn dann können sie sogar eine maßgebliche Wirkung gegen die Krise entfalten.

Bei langen Hitzeperioden schickt der Gartenbesitzer das ein oder andere Stoßgebet für ein paar Tropfen Regen Richtung Himmel. Zu absoluten Unzeiten zerzausten Stürme die Staudenbeete oder durchlöcherte Hagel die Salaternte. Später Frost vernichtete die zu frühe Obstbaumblüte und Starkregen schwemmte das Saatgut und die Jungpflanzen vom Beet.

Um Gärten fit für den Klimawandel zu machen, ist eine Anpassung der Gartenpraxis nötig. Die Bodenbearbeitung und die Bewässerung müssen an trockene Sommer und milde Winter angepasst werden. Im Kern sollte man auf drei Dinge achten: richtig mulchen, richtig gießen und die richtige Pflanzenwahl.

vertrockneter Rasen
blühender Haselnusszweig

Im Jahr 2020 hingen die gelben Kätzchen bereits Mitte Januar an den Büschen - anstatt, wie gewohnt, ab Mitte Februar.

Beim Gießen gilt in Zukunft, weniger ist mehr! Lieber alle paar Tage intensiv gießen, als häufig nur oberflächlich.

Oberflächenwasser ist für die Pflanzen meist nicht verfügbar, denn es verdunstet schnell. Außerdem lernen die Pflanzen nicht, sich Wasser aus tieferen Erdschichten zu besorgen. Ihre Wurzeln bleiben an der Oberfläche. Außerdem empfiehlt es sich, in den kälteren Abendstunden oder am Morgen zu gießen, damit nicht zuviel Wasser verdunstet.

Erdboden mit Pflanze und gelber Blüte, darauf ein schwarzes Rohr, aus dem Wasser tropft

Mit heißeren und trockeneren Sommern gewinnt ein gesunder Boden zunehmend an Bedeutung. Im Frühjahr kann die Erde im Gemüsebeet zunächst unbedeckt bleiben, damit sie sich schneller erwärmt. Spätestens ab Mai empfiehlt es sich jedoch, die Beete mit einer Mulchschicht aus Pflanzenmaterial zu bedecken. Das schützt den Boden vor Austrocknung, verbessert seine Wasserspeicherfähigkeit und fördert das Bodenleben. Davon profitieren wiederum die Gemüsepflanzen. Gleichzeitig bleiben wertvolle organische Materialien im natürlichen Nährstoffkreislauf des Gartens.

Positive Nebeneffekte: Die Bodenfruchtbarkeit wird erhöht und Beikräuter unterdrückt. Aber Obacht: Wer Stroh oder Holzhackschnitzel als Mulch verwendet, sollte zusätzlich organisch düngen. Beim Abbau dieser Materialien verbrauchen die Bodenorganismen viel Stickstoff, der den Pflanzen dann vorübergehend nicht zur Verfügung steht.

Person bedeckt Gartenboden um eine Pflanze mit Stroh

Große Rasenflächen und Beete mit durstigen Stauden werden nur noch schwer über trockene und heiße Sommer zu retten sein. Kurzerhand auf exotische Pflanzen aus dem Mittelmeerraum zu setzen, bringt jedoch neue Probleme: Die hiesigen Insekten finden auf ihnen kaum bis gar keine Nahrung, da sie sich über Jahrtausende gemeinsam mit den heimischen Pflanzen entwickelt haben. Viele Wildbienen sind sogar auf den Pollen ganz bestimmter Pflanzenarten spezialisiert. Fehlen diese, finden sie selbst in einem üppig blühenden Garten keine geeignete Nahrung.

Stattdessen empfehlen wir, auf heimische, hitzeresistente Wildstauden, Sträucher, Bäume und Kräuter zu setzen. Sie sind an die Bedingungen vor Ort angepasst, verbessern das Mikroklima und bieten Nahrung sowie Lebensraum für zahlreiche Tierarten. So entsteht ein Garten, der nicht nur den Folgen des Klimawandels besser standhält, sondern gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt leistet.

Natternkopf-Mauerbiene (Osmia adunca) in der Döberitzer Heide

Sie tragen die genetische Anpassung an bestimmte Klimaeffekte bereits in sich.

Neue Klimabedingungen bedeutet für die meisten Arten Veränderungen ihrer Lebensräume. Einige Tier- und Pflanzenarten breiten sich zu langsam aus, um angestammte Lebensräume zu verlassen und neue zu besiedeln. Der Klimawandel ist zu schnell für sie. Sie werden verschwinden.

Andere Arten, die sehr mobil sind, werden neue Lebensräume besiedeln, wenn es sie denn gibt. Die Artenzusammensetzung in unserer Umwelt wird sich massiv ändern. Wärmeliebende Arten und solche, die mit Trockenheit umgehen können, werden profitieren. Wie z. B. die Blauschwarze Holzbiene (Xylocopa violacea). Sie kommt ursprünglich aus der Mittelmeerregion. Im letzten Jahrzehnt ist sie ein gern gesehener Gartengast, auch in Norddeutschland geworden.

Blauschwarze Holzbiene beim Nestbau im Holz eines abgestorbenen Apfelbaumes

Kleine Teiche, Sickermulden oder Sumpfbeete bieten Lebensraum für Amphien und Insekten. Außerdem sorgen sie durch Verdunstung für natürliche Kühlung im Garten.

Gartenteich mit Wasserpflanzen

Die Vegetationsperiode und damit das Anbaufenster verlängern sich. Kübelpflanzen können länger im Freien bleiben.

Im Herbst werden späte Saaten möglich. Auf freien Beeten könnten zusätzliche Gemüsekulturen bis zum Winter heranreifen. Blatt-, Kohl- und Wurzelgemüse wachsen im warmen und feuchten Herbst weiter. Aber nicht nur Gemüse gedeiht, sondern auch hartnäckigen Pilzkrankheiten oder gefräßigen Insekten.

Zwei Hände halten einen Kohlkopf

Die Jahreszeiten verschieben sich. In den vergangenen 50 Jahren begannen Frühling, Sommer und Herbst immer früher. Der Winter ist heute fast vier Wochen kürzer als noch vor einem halben Jahrzehnt. Folglich wird auch die Vegetationsperiode länger.

Unter diesen Voraussetzungen ist altes Gartenwissen nicht mehr hilfreich. Am ehesten kann man sich am phänologischen Kalender orientieren, der Gartenarbeiten bestimmten Entwicklungsstadien in der Pflanzenwelt zuordnet.

Der phänologische Kalender passt in jedes Klima und jede Landschaft. Dann ist es nicht mehr wichtig, ob man Rosen im März oder April schneidet, Hauptsache man tut es kurz nach der Forsythienblüte.

Grauer Vogel sitzt auf Ast mit Blättern