Nach dem Ende des Tagebaus war die Landschaft in der Niederlausitz eine ausgeräumte Industriebrache, das Erdreich zerfurcht von den Schaufeln der Braunkohlebagger. Die Restlöcher mussten aufwendig saniert werden. Viele Ehrenamtliche setzten sich damals für den Naturschutz in der Region ein.
Leben nach der Kohle
Naturschutz Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen
Verschwundene Orte
1984 begann die Geschichte des Braunkohlenbergbaus in der Region auf dem Kamm des Landrückens. Damals noch in Handarbeit wurde die Kohle aus bis zu 40 Meter Tiefe geholt. Zwanzig Jahre später bediente man sich bereits der Kraft einer Pferdebahn, Anfang des 20. Jahrhunderts folgten Dampfmaschinen für die schweißtreibende Arbeit.
1985 wurde das Dorf Wanninchen abgerissen, um hier nach Kohle graben zu können. Die Bewohner mussten ihre Heimat verlassen. Sämtliche Häsuer wurden abgerissen – außer ein einziges. Insgesamt mussten 13 Dörfer verschwinden und mit ihnen Wälder, Äcker, Teiche und Moore.
Perspektiven für die Region
Die Flächen sollten verkauft werden. Die Menschen vor Ort überlegten, wie man die Landschaft im Sinne des Naturschutzes sichern könnte. Im Jahr 1999 besuchten Inge und Heinz Sielmann Brandenburg und beratschlagten, ob ihre Stiftung die Flächen erwerben könne.
Nie zuvor hatte eine private Stiftung so viel Fläche in der Bergbaufolgelandschaft erworben. Heinz Sielmann war skeptisch.
„Gott schuf die Lausitz, der Teufel schob die Kohle darunter“
Die Entscheidung
Inge Sielmann überzeugte ihren Mann schließlich. Gemeinsam standen sie in der Abendsonne an der Abbruchkante der Schlabendorfer Grube, als sie feststellte: „Heinz, hier werden wir tätig.“
Ein Jahr später erwarb die Stiftung die ersten 772 Hektar. Der Kauf der Flächen war ein Höhepunkt für den Naturschutz in der Niederlausitz, denn damit waren die Flächen endgültig gesichert.
Das Innerste nach außen gekehrt
Die Bagger holten nicht nur Kohle sondern auch uralten Sand aus der Tiefe nach oben. Die riesigen Abraumhalden bedecken heute die Oberfläche. Sie bieten kaum Nährstoffe und wenig Halt. Die Naturgewalten haben so leichtes Spiel. Die Sonne heizt den Boden auf, der sich in der Nacht stark abkühlt.
Der Wind pfeift darüber hinweg. Leben spendendes Wasser versickert schnell oder verdunstet. Hier können nur wahre Überlebenskünstler Wurzeln schlagen.
Heute buddeln hier andere.
Eine zweite Chance für die Natur
Wo einst die gigantischen Braunkohlebagger die Erde nach Bodenschätzen durchwühlten, entsteht eine neue Wildnis. Die scheinbar tote Wüste, die die Bagger hinterließen, ist voller Leben. Viele Tiere, die in der intensiv genutzten Landschaft kaum noch Lebensraum finden, haben die Bergbaufolgelandschaft für sich entdeckt.
Lebenselixier Wasser
Für den Braunkohletagebau mussten große Flächen zunächst trocken gelegt werden. Aufwändig wurde das Grundwasser abgesenkt und aus den Gruben gepumpt. Mit dem Ende des Kohletagebaus kehrte auch das Wasser zurück und mit ihm das Leben. Das Wasser gestaltet die Sandlandschaften.
Der Ameisenlöwe
Ideale Bedingungen für Spezialisten
Regen oder anstehendes Grundwasser füllt Bodensenken auf. Doch diese flachen Tümpel können schnell wieder austrocken. Daher kommen hier keine Fische vor. Das sind ideale Bedingungen für sich schnell entwickelnde Amphibien, wie diese Knoblauchkröte (Pelobates fuscus), und Libellen.
Deren Eier und Larven sind sicher vor räuberischen Fischen. Die Tümpel sind wichtige Trittsteine zwischen den Lebensräumen und fördern die Besiedlung der Landschaft.
Vögel des Glücks
Jedes Jahr im September und Oktober rasten Tausende „Vögel des Glücks“ auf ihrem Weg in den Süden in den Flachgewässern der Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen. Sie sind längst zu einem Markenzeichen für Wanninchen und die Region geworden.
Tagsüber finden die Kraniche auf den umliegenden Äckern Nahrung. Abends bei Sonnenuntergang fliegen sie am rotglühenden Himmel in die Flachgewässer ein. Im Winter folgen Hunderte Sing- und Höckerschwäne als Übernachtungsgäste auf dem Schlabendorfer See.
Der Flussregenpfeifer
Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen
Aus den 722 Hektar aus dem Jahr 2000 ist eine mittlerweile über 3.300 Hektar große Naturlandschaft geworden. Die Heinz Sielmann Stiftung kaufte in den letzten 24 Jahren weitere Flächen hinzu, zuletzt im Bergen-Weißacker Moor und bei Riedebeck.
Der naturtouristische Wert der Region ist gestiegen, denn konkrete Naturschutzziele wurden in der Sanierungsplanung verankert. Naturschutz, Wildnisentwicklung, Umweltbildung und Naturtourismus gehen Hand in Hand mit der touristischen Entwicklung und der bergrechtlichen Sanierung des Gebiets.
Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen ist heute ein Vorzeigeprojekt des Naturschutzes. Es ist eine wahrgewordene Zukunftsvision für die Bergbaufolgelandschaften für Mensch und Natur.
Natur-Erlebniszentrum
Das einzige und letzte Haus in Wanninchen, das die Bagger vom Dorf Wanninchen übrig ließen, ist seit 2001 ein Natur-Erlebniszentrum. Mit seinem Panoramablick über den Schlabendorfer See und den Natur-Erlebnis-Bereichen ist es Ziel vieler begeisterter Naturfans.
Seit vielen Jahren lockt es Familien und Schulklassen ein, hier die großen und kleinen Phänomene der Natur zu erkunden. Sie gehen auf Safari zu Vögeln, Insekten, Amphibien und Wolf, erfahren Interessantes in Vorträgen oder Filmvorführungen oder beobachten den herbstlichen Vogelzug.
Seit 2020 zeigt eine neue innovative Ausstellung die Geschichte der Landschaft. Großformatige Fotos, prägnante Texte und interaktive Elemente verdeutlichen die Geschichte und Entwicklung der Region vom Tagebau zur wildnisähnlichen Landschaft und ihren außerordentlichen Artenreichtum.
Ständig im Wandel
Betreten verboten
Die Sperrung der Gebiete hat direkte Auswirkungen auf die Umsetzung von Naturschutzzielen. Von der Ruhe profitieren viele Arten: der Wolf, der seit 2013 ein festes Revier bewohnt, Rot- und Schwarzwild, da keine Jagd erfolgt, sowie die Kraniche in ihren Schlafplätzen.
In diesem Zusammenhang werden neue Sanierungskonzepte diskutiert, welche einen stärkeren Fokus auf die Entwicklung von großflächigen Naturentwicklungsgebieten in der Bergbaufolgelandschaft legen.
Diese können einerseits den Sanierungsaufwand und die damit verbundenen Kosten minimieren, andererseits langfristig naturschutzfachlich hochwertige Lebensräume entstehen lassen.
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Die Erfolgsgeschichte in Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen zeigt: Der Kauf von Flächen ist eines der besten Mittel, um dem Verlust der Artenvielfalt entgegenzuwirken. Denn diese Flächen können langfristig im Sinne des Naturschutzes entwickelt werden. Unterstützen Sie uns dabei!