Naturschutz beginnt oft direkt vor der eigenen Haustür. Schon mit wenigen einfachen Maßnahmen lassen sich wertvolle Rückzugsorte für heimische Tiere schaffen – und aus einem gewöhnlichen Garten kann ein wichtiger Baustein für mehr Artenvielfalt werden.
Naturnahe Strukturen im Garten
Trockenmauer, Totholz & Co.
Kleine Strukturen, große Wirkung
Was auf den ersten Blick nach Gartenabfall oder Bauruine aussieht, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als wahres Naturparadies: Ein lockerer Holzstapel, eine sonnengewärmte Trockenmauer oder ein dichter Heckenstreifen bieten Lebensraum für jene Tiere, die es zunehmend schwer haben.
Gerade Igel, Reptilien, Amphibien und Insekten wie Wildbienen finden in aufgeräumten Gärten und intensiv genutzten Landschaften kaum noch Rückzugsorte. Dabei lässt sich mit einfachen Mitteln viel für die Artenvielfalt tun – wenn wir den Mut zur Wildnis haben.
Lieblingsplatz für Sonnenanbeter
Trockenmauer
Steinhaufen und Trockenmauern – also aufgeschichtete Natursteine ohne Mörtel – sind echte Multitalente. In Südexposition gebaut, sind sie Hotspots für Blindschleichen und Eidechsen, die hier jagen, sich sonnen oder verstecken.
Für Trockenmauern sind flache, regionale Natursteine plus etwas Schotter fürs Fundament und Hinterfüllung ideal. Trockenmauern dienen als Beet- oder Grundstücksgrenze, Sitzplatz oder zur Dekoration. Den Bau einer mehrlagigen Trockenmauer überlassen Sie am besten einem Naturgarten‑Profi.
Steinhaufen
Kostengünstiger und platzsparender lassen sich gefundene Steine von Äckern oder Wiesen gezielt im Garten einsetzen. Als lockerer Steinhaufen sind sie strukturreiche Rückzugsorte für Eidechsen, Kröten oder Insekten.
Zwischen den Steinen entstehen Hohlräume, die Schutz, Wärme und Überwinterungsmöglichkeiten bieten.
Große, flache Steine bieten Reptilien Sonnenplätze. Kühle, feuchte Spalten dazwischen nutzen Kröten als Versteck. Poröse oder rissige Steine schaffen Nischen für Insekten. Auch Spitzmäuse und Mauswiesel beziehen ein solches Zuhause gerne.
Arrangieren Sie unterschiedlich große Steine mit einem Durchmesser ab 15 cm zu einem 1-3 m³ großen Haufen in windgeschützter Lage. (Erst ab 3 m³ bietet der Haufen zuverlässigen Schutz im Winter.) Für die unterste Steinschicht empfiehlt es sich diese halb in den Boden einzubringen.
Auch Recyclingmaterial wie alte Ziegelsteine finden so eine sinnvolle Zweitverwertung. Unterschiedliche Formen, Größen und Oberflächen der Steine erhöhen die Strukturvielfalt und damit die Vielfalt ihrer Nutzer.
Totholz: Wo das Leben nach dem Tod beginnt
Unterschätzter Lebensraum
Geeignete Hohlräume werden von Igeln, Fledermäusen, Vögeln, Eidechsen und sogar Siebenschläfern und Haselmäusen als Versteck, Unterschlupf oder Rückzugsort genutzt.
Spinnen, Käfer, Falter, Eidechsen, Vögel wie der Zaunkönig und auch Igel nutzen das neue Zuhause gern.
Totholzhecken: Lebensadern für Tiere
Benjeshecke
Ursprünglich zur Einfriedung von Flächen gedacht, entwickeln sich solche Totholzhecken im Laufe der Zeit zu wertvollen Lebensräumen: Igel, Vögel, Amphibien und Insekten finden darin Schutz, Unterschlupf oder Brutplätze.
Insbesondere dann, wenn sich durch Sameneintrag aus der ursprünglich "toten" Hecke, ein natürlicher, lebendiger Lebensraum entsteht – wie es der Fall ist bei einer Benjeshecke.
Für eine Benjeshecke – eine Form der Totholzhecke – setzen Sie zwei Holzpfosten im Abstand von 1-1,5 m und schichten dazwischen Äste und Zweige locker 1 m hoch auf. Die Länge ist flexibel. Für längere Hecken ergänzen Sie weitere Pfostenpaare. Durch Nachlegen bleibt die Struktur dauerhaft lebendig.
Die lockere Struktur bietet Rückzugsmöglichkeiten und Brutplätze. Zudem wird die Totholzhecke von diversen Kleintieren für ihre Wanderungen genutzt, da sie als sogenanntes Linienbiotop verschiedene andere Biotope miteinander verbindet.
Mit der Zeit kann durch Samenflug und natürliche Sukzession eine dichte, artenreiche Hecke aus Wildsträuchern entstehen. So verbindet die Totholzhecke Strukturvielfalt mit sinnvoller Nutzung von Gartenrückschnitt.
Laub: Die raschelnde Zuflucht im Winter
Laubhaufen
Marienkäfer, Florfliegen und einige Schmetterlingsarten suchen im dichten, isolierenden Material Schutz vor Frost. Aber nicht nur adulte Insekten, sondern auch deren Eier und Puppen überwintern an Blättern und Stängeln. Wer Herbstlaub achtlos in Säcke stopft und abtransportieren lässt, entfernt damit also oft ungewollt die nächste Generation nützlicher Gartenhelfer – noch bevor sie überhaupt sichtbar wird.
Für mehr Artenvielfalt häufen Sie Laub kombiniert mit Ästen und Zweigen zu einem (wenn möglich 3 m³) großen, lockeren Haufen an. Ein wind- und witterungsgeschützter Standort zum Beispiel an einer Hecke oder einem Zaun ist ideal.
Freuen Sie sich über die Anwesenheit von Amphibien, Reptilien und bei großen Hohlräumen auch über Igel.
Offener Sandboden: Kinderstube für Insekten
Offene Bodenstellen
Solche offenen Bodenstellen sind in der Landschaft selten geworden – umso wichtiger ist es, sie im Garten gezielt zu schaffen.
Etwa 1 m³ ungereinigten, lehmhaltigen Sand auf mindestens einem Quadratmeter zu einer Höhe von 30-50 cm anhäufen. Ein sonniger, trockener und windgeschützter Standort mit südlicher Ausrichtung unter Dachunterständen oder an Zäunen ist ideal.
Die Sandfläche sollten Sie nicht bepflanzen oder abdecken – je offener und störungsärmer, desto besser für spezialisierte Arten.
Während Wildbienen den Sand für Niströhren nutzen, baden Vögel wie Haussperlinge darin. Eidechsen legen ihre Eier in selbstgegrabenen Erdröhren im Sand ab und sonnen sich ebenso wie Blindschleichen auf der warmen Fläche.
Wasserstellen – Lebensretter an heißen Tagen
Wassertränken
Stellen Sie eine flache Schale auf, die Sie täglich mit frischem Wasser auffüllen. Steine und Ästchen darin bieten selbst kleinen Insekten wie Wildbienen und Schmetterlingen sichere Landeplätze. So können sie gefahrlos Wasser aufnehmen, ohne zu ertrinken. Auch getränkte Schwämme eignen sich gut.
Wer mehr Platz im Garten hat, kann auch über einen kleinen naturnahen Teich nachdenken. Damit schaffen Sie nicht nur eine dauerhafte Wasserquelle, sondern bieten auch Lebensraum für weitere Tiere und Pflanzen. Mit etwas Glück siedeln sich sogar Frösche an.
Nistkästen – Ersatz für verlorene Brutplätze
Nistkästen
Mit den richtigen Nistkästen bieten Sie Vögeln einen sicheren Brutplatz, der die fehlenden natürlichen Strukturen ersetzt.
Höhlenbrüter wie Meisen oder Kleiber brauchen geschlossene Kästen mit einem passenden Einflugloch. Halbhöhlenbrüter wie Rotkehlchen oder Grauschnäpper bevorzugen hingegen halboffene Kästen, die gut geschützt angebracht werden.
Hängen Sie die Kästen an einen ruhigen, wettergeschützten Ort und reinigen Sie sie erst im Herbst. Es lohnt sich sie ganzjährig hängen zu lassen: Im Herbst und Winter sind sie ein willkommener Unterschlupf für Haselmäuse, Gartenschläfer oder auch Fledermäuse.
Insektenhotel
Auch Wildbienen, Grabwespen und anderen Bestäuber können Sie mithilfe eines Insektenhotels "unter die Flügel greifen". Ideal ist ein sonniger, wettergeschützter Platz in 1-2 m Höhe, nach Südost oder Süden ausgerichtet.
Geeignete Materialien sind Schilf- und Bambusröhrchen mit geschlossenen Enden. Mauerbienen tun Sie mit senkrechten, vor Witterung geschützten Lehmwänden einen Gefallen. Aber Finger weg von Modellen mit Holzwolle, Stroh oder Tannenzapfen – sie werden kaum genutzt und ziehen Bruträuber an.
Achten Sie auf die richtige Bohrung: Bohrlöcher im Holz sollten nicht ins Stirnholz gesetzt werden, da leicht Risse entstehen und Feuchtigkeit eindringen kann. Besser quer in die Seiten eines Stammes bohren, dort wo die Rinde war – so bleibt die Insektenbrut trocken und geschützt.
Fledermauskasten
Ein Fledermauskasten ersetzt fehlende Rückzugorte am Tag für die fliegenden Säuger, die immer weniger Spalten und Hohlräume in alten Bäumen oder Gebäuden finden. Hängen Sie den Kasten mindestens 3–4 m hoch geschützt vor Wind an einer freien, sonnigen bis halbschattigen Wand oder einem Baumstamm auf.