Zwei braune Pilze auf Waldboden

Pilze sammeln – aber richtig

Mit Rücksicht auf Natur und Artenvielfalt in die Pilzsaison

Der Duft feuchter Waldböden, bunte Blätter und gut gefüllte Pilzkörbe – endlich ist Herbst und damit für viele Zeit zum Pilzesammeln. Damit die Freude an Steinpilz, Pfifferling und Co. nicht zulasten der Natur geht, lohnt es sich, einige Regeln zu beachten. So schützen Sie empfindliche Lebensräume und tragen dazu bei, dass auch kommende Generationen die faszinierende Welt der Pilze entdecken können.

Spätestens im Herbst zieht es viele Naturbegeisterte sprichwörtlich "in die Pilze". Doch welche Arten kann man jetzt überhaupt finden? Beliebte Speisepilze wie Steinpilz und Pfifferling hatten bereits früher im Jahr Saison, können aber auch im Herbst noch gesammelt werden.

In der goldenen Jahreszeit landen zum Beispiel Austernseitling, Stockschwämmchen, Marone, Schopftintling, Herbsttrompete und Krause Glucke im Körbchen. Doch man sollte mit Bedacht sammeln. Denn Pilze sind unersetzlich für die Funktionen in unseren Ökosystemen. Es sind faszinierende Lebewesen.

Eigentlich ist immer Pilzzeit. Rund ums Jahr kann man Fruchtkörper unterschiedlichster Arten finden. Außerdem machen Pilze keine Pause. Die Funktionen im Ökosystem laufen das ganze Jahr über ab.

Graue Pilze auf altem Holzstamm zwischen braunem Laub und kahlen Bäumen

Wildpilze wie Maronen oder Krause Glucke kommen in offenen Wäldern am Fuße von Baumstämmen und auf Stümpfen von Nadelbäumen wie der Gewöhnlichen Douglasie, Waldkiefer und Gemeinen Fichte vor.

Pfifferling und Steinpilz entdecken Sie dagegen in Mischwäldern. Sogar auf einem Spaziergang über Wiesen und Weiden können Sie Ihren Korb füllen, beispielsweise mit Wiesenchampignons oder Parasol. Grundsätzlich tragen mildes Wetter und eine hohe Luftfeuchtigkeit zu einem reichlichen Pilzbestand bei.

Sammeln Sie nur auf Flächen, von denen Sie wissen, dass dort keine Pestizide oder künstliche Düngemittel ausgebracht wurden. Vom Straßenrand sollten Sie aufgrund der Schadstoffbelastung besser keine Pilze mitnehmen. Außerdem sind Naturschutzgebiete und Nationalparks zum Pilzesammeln tabu.

Brauner Pilz auf Waldboden
Violetter Pilz mit kleinem Schirm und langem Stängel zwischen grünen Gräsern

Oft haben Speisepilze ähnliche Doppelgänger, die nicht essbar sind. Es gibt Arten, die leicht vertauscht werden: zum Beispiel Champignons mit dem tödlichen Knollenblätterpilz oder das Stockschwämmchen mit dem Gifthäubling.

Pilze ernähren sich von abgestorbenen pflanzlichen oder tierischen Überresten. Indem sie organisches Material wie Laub, Holzreste oder tierische Kadaver zersetzen, tragen sie maßgeblich zur Humusbildung bei. Das macht sie zu unersetzlichen Akteuren funktionierender Ökosysteme.

Das, was wir oberirdisch sehen und gemeinhin als Pilz bezeichnen, ist jedoch lediglich der Fruchtkörper. Der für die Natur wichtigste Hauptteil wächst unter der Erde: das Myzel, ein fadenförmiges Gewebe.

Braune Pilze mit großen Schirmen zwischen großen Baumstämmen im Wald

Über das Myzel versorgen Pilze unterirdisch Bäume und Büsche mit Nährsalzen und Wasser. Sie leben so mit höher wachsenden Pflanzen in einer symbiotischen Lebensgemeinschaft. Auf diese Weise haben Pilze für das Leben auf der Erde eine immense Bedeutung.

Doch übermäßige Abholzung und Veränderungen des natürlichen Baumbestandes gefährden dieses empfindliche Gleichgewicht. Auch die zunehmende Luftverschmutzung und Überdüngung machen den symbiotisch lebenden Pilzen zu schaffen.

Weißes haariges Pilzgeflecht auf verrottendem Holz
Braune Pilze mit langen Stängeln auf einem toten Stück Baumstamm

Das Myzel verbindet Bäume miteinander. Über das Geflecht warnen sie sich vor Raupen oder Käfern. Bedrohte Nachbarn bilden daraufhin zusätzliche Abwehrstoffe in ihren Blättern. Im Gegenzug versorgen die Bäume die Pilze mit Zucker aus der Photosynthese.

Wegen ihrer wichtigen Aufgabe für das Ökosystem sollten Sie an einer Fundstelle nie alle Pilze sammeln, sondern immer einige Exemplare stehen lassen. Beschädigte und matschige Exemplare, bleiben besser im Wald und halten den Nährstoffkreislauf in Gange.

Beachten Sie daher beim Sammeln von Waldpilzen auch unbedingt die zulässige Höchstmenge, die jedes Bundesland in Eigenregie festlegt. Sie beträgt meistens ein Kilogramm pro Kopf, um einen gewerblichen Handel mit Wildpilzen zu unterbinden und die Bestände zu schützen.

Pilze im Korb