Nahaufnahme einer Hand, auf der ein brauner Vogel mit länglichen Kopffedern hockt

Wiedehopf-Beringung

Ein Personalausweis für den Wiedehopf

Der Wiedehopf (Upupa epops) zählt zu den faszinierendsten und zugleich seltensten Brutvögeln Deutschlands. In den Naturlandschaften der Heinz Sielmann Stiftung findet er wertvolle Lebensräume, in denen sein Nachwuchs regelmäßig beringt wird. Die gewonnenen Daten liefern wichtige Erkenntnisse über die Entwicklung der Population und helfen dabei, wirksame und zielgerichtete Schutzmaßnahmen für diese besondere Vogelart zu entwickeln.

In Sielmanns Naturlandschaften Brandenburg findet der Wiedehopf ausreichend Nahrung. Doch Brutplätze sind knapp, denn auf den ehemaligen Truppenübungsplätzen fehlen alte Bäume mit passenden Nisthöhlen weitgehend.

Bis zur Wende wurden Sielmanns Naturlandschaften Döberitzer Heide, Tangersdorfer Heide und Kyritz-Ruppiner Heide als Truppenübungsplätze genutzt. Mit der Wiedervereinigung Deutschlands zogen die Militärs ab. Sie hinterließen weite offene Sandlandschaften.

Diese wurden zu einem wichtigen Rückzugsraum für ganz besondere Artengemeinschaften. Für viele sind es letzte Refugien, denn in der intensiv genutzten Landschaft finden sie keinen Platz mehr.

Luftaufnahme ehemalige Panzerschießbahn in der Döberitzer Heide

Um den Mangel an Nistmöglichkeiten zu begegnen, ergänzt die Heinz Sielmann Stiftung das Angebot an natürliche Höhlen durch spezielle Nistkästen. Wiedehopfkästen werden in der Regel nur etwa 50 Zentimeter über dem Boden angebracht. Diese ungewöhnlich niedrige Montage verhindert, dass Stare als stärkere Brutkonkurrenten die Nisthilfe besetzen, und entspricht den natürlichen Ansprüchen des Wiedehopfs.

Bis 2023 konnten mit Spendengeldern 74 Nistkästen aufgehängt werden. In der Bergbaufolgelandschaft Wanninchen hängen 30 Nistkästen, in der Döberitzer Heide und in der Kyritz-Ruppiner Heide sind 25 beziehungsweise 19 Kästen installiert. Im Umfeld der Groß Schauener Seen hängen zwei Kästen.

Wiedehopf-Nistkasten in ca. 50 cm Höhe an einem Baum
Wiedehopf im Brutkasten

Die stabilen und geräumigen Kästen bieten ausreichend Platz für die Gelege von meist sieben Eiern und heranwachsenden Küken.

Jeweils im Mai, Juni und Juli laufen Ehrenamtliche und Mitarbeitende der Stiftung die Nistkästen ab, prüfen, ob diese besetzt sind und sammeln so wichtige Daten über die Wiedehopf-Population.

Sind Jungvögel im Nistkasten, werden die Tiere gewogen und vermessen. Dies lässt Rückschlüssen auf ihre Gesundheit und Ernährung zu. Dann legen sie ihnen einen Ring mit Nummer an. Mit dieser Nummer werden die Jungvögel bei der Beringungszentrale Hiddensee registriert.

 

 

Hand hält Wiege-Beutel, darin kauert ein Vogel

Jeder Ring liefert wertvolle Informationen, die helfen, den Wiedehopf besser zu schützen. Die wissenschaftlich anerkannte Methode ermöglicht Erkenntnisse über Bestandsentwicklung, Bruterfolg und Wanderbewegungen – und damit gezielte Naturschutzmaßnahmen. Dabei gilt stets: Das Wohl der Tiere hat oberste Priorität. Deshalb werden Beringungsprojekte nur nach sorgfältiger Prüfung und mit behördlicher Genehmigung durchgeführt. Selbstverständlich wird der Ring dabei äußerst vorsichtig von einer Fachperson angebracht.

Bisherige Auswertungen der Daten zeigen, dass ein großer Teil der Jungtiere im elterlichen Brutgebiet neue geeignete Plätze suchen. Deshalb ist es sinnvoll, die natürlichen Nistmöglichkeiten um die Kästen zu ergänzen.

Beringung eines Wiedehopf
Nahaufnahme kleiner Abschnitt eines silbernen Metallrings, darauf graviert Zahlen und Buchstaben

Der Ring funktioniert wie ein Personalausweis: Anhand der Nummer können wir den Weg des Vogels individuell verfolgen. So erfahren wir, wie viele der Jungtiere in das Gebiet zurückkehren, wo sie geschlüpft sind.

2025 stellten unsere Kollegen in 16 Gelegen insgesamt 106 Eier fest und konnten später 72 Jungvögel sowie drei bisher unmarkierte Alttiere erfolgreich beringen. Zum Start des Monitorings im Jahr 2021 waren es noch 14 Küken. 2024 waren es schon 58 Jungtiere. 2025 markiert nun einen neuen Spitzenwert.

Person hält Vogelküken in beiden Händen

Das ökologische Monitoring durch Beringung und Nistkastenkontrolle wird stichpunktartig durch den Einsatz von Wildtierkameras an den Kästen ergänzt.

Die Kameras machen es möglich die Nutzung der Nistkästen zu beobachten, ohne dafür einen enormen Personalaufwand leisten zu müssen. Im Rahmen einer Kooperation wurden uns diese von der Firma SECACAM zur Verfügung gestellt.

Die Nester und Küken in natürlichen Nisthöhlen werden nicht erfasst. Das heißt, die Population ist weitaus größer. Die Zählungen an den Nistkästen lassen den Rückschluss zu, dass beide Heidelandschaften bedeutende Lebensräume für das gesamte ostdeutsche Wiedehopf-Vorkommen sind.

Aufnahme einer Fotofalle, Nistkasten auf Wiese, daran sitzt ein Schwarz-weiß-oranger Vogel mit langen Kopffedern

Die Erfolgsgeschichte der Wiedehopfe zeigt: Durch Wissensgewinn können gezielte Maßnahmen umgesetzt und gesteuert werden! Ermöglichen Sie mit Ihrer Spende die Anschaffung von weiteren Nistkästen.