Wisent

Nachhaltige Maßnahmen zum Naturschutz

Jedes renaturierte Biotop, jede geschützte Art und jedes erfolgreich umgesetzte Projekt für Biodiversität ist ein Schritt hin zu mehr biologischer Vielfalt. Hier finden Sie eine Auswahl besonderer Erfolge der Heinz Sielmann Stiftung – Beispiele dafür, wie nachhaltiger Naturschutz messbare Veränderungen bewirken kann.

166 Ergebnisse
Erfolg
Landwirtschaft Naturschutz & Biodiversität Wissenschaft & Forschung

Mehr als 30 Schneckenarten haben Experten auf einer Projektfläche der Heinz Sielmann Stiftung bei Allershausen im Landkreis Freising nachgewiesen – darunter mehrere Arten, die in Bayern auf der Roten Liste stehen. Die Funde untermauern den hohen ökologischen Wert der Fläche, die mithilfe von Wasserbüffeln naturschutzfachlich gepflegt und entwickelt wird.

In der Gemeinde Allershausen nahe Freising weidet seit drei Jahren unter der Obhut eines lokalen Landwirts eine kleine Gruppe Wasserbüffel auf einer 6,5 Hektar großen Projektfläche der Heinz Sielmann Stiftung. Die extensive Beweidung soll die vielfältigen Lebensräume im Flusstal der Amper erhalten und weiterentwickeln: Durch Fraß und Tritt öffnen die robusten Tiere dichte Vegetation, während beim Suhlen offene Bodenstellen und neue Kleingewässer entstehen. Solche Strukturen können zahlreichen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum bieten. Auch in anderer Hinsicht leisten die Büffel erfolgreiche Arbeit. Sie fressen die Bestände des invasiven Drüsigen Springkrauts, das andere standorttypische Arten zu verdrängen drohte.

Erstaunliche Schneckenvielfalt

Ein von der Heinz Sielmann Stiftung beauftragtes Monitoring liefert nun neue Erkenntnisse über die Artenvielfalt auf der Projektfläche: Insgesamt wurden mehr als 30 Schneckenarten nachgewiesen, darunter acht Arten mit Rote-Liste-Status. Zu den bemerkenswertesten Funden zählt die nur wenige Millimeter große Bauchige Windelschnecke (Vertigo moulinsiana). Ebenfalls nachgewiesen wurde die Zweizähnige Laubschnecke (Perforatella bidentata). Beide Arten gelten in Bayern als stark gefährdet.

„Als besonders artenreich erwies sich eine Substratprobe an einem halb versumpften Standort ganz in der Nähe der Büffeltümpel“, erzählt Mollusken-Experte Martin Gabriel. „Bei der Auswertung habe ich darin Unmengen von Windelschnecken gefunden, allein in dieser Probe vier Arten. Das habe ich so überhaupt noch nie gehabt.“

In der Probe fanden sich laut Gabriel unter anderem zahlreiche Exemplare der Schmalen Windelschnecke (Vertigo angustior), deren Gehäuse ebenfalls kaum zwei Millimeter misst. Am wohlsten fühlen sich die Winzlinge in feuchten Wiesen an Flussläufen und Tümpeln. Wegen des Rückgangs geeigneter Flächen wird die Schmale Windelschnecke in Bayern auf der Vorwarnliste geführt.

Wertvolles Lebensraummosaik auf engem Raum

Besonders erstaunt hat den erfahrenen Schneckenkenner die Vielfalt an Arten auf einer so kleinen Fläche. Schnecken, die es am liebsten feucht haben, und andere, die trockene Bedingungen bevorzugen, leben hier unmittelbar nebeneinander. Für den Mollusken-Experten spricht das für den hohen ökologischen Wert der Projektfläche im Ampertal.

Auch Dr. Jörg Müller, Biologe und Fachexperte für ökologisches Monitoring bei der Heinz Sielmann Stiftung, bestätigt: „Das Auengebiet im Ampertal ist wirklich außergewöhnlich und für den Naturschutz von hoher Bedeutung. Sumpfige Bereiche, Tümpel, Feuchtwiesen, Trockenrasen und Laubwald bilden hier auf engem Raum ein strukturreiches Landschaftsmosaik. Das zeigt sich auch an dem vielfältigen Molluskenvorkommen. Die Projektfläche bietet all diesen Arten mit unterschiedlichen Lebensraumansprüchen einen Platz.“

Beweidung im Fokus der Forschung

Wissenschaftlich begleitet wird das Naturschutzprojekt außerdem von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf. Die Forschungsgruppe um Prof. Dr. Volker Zahner will unter anderem herausfinden, wie sich die Büffelbeweidung auf den Wasserhaushalt der von Austrocknung bedrohten Fläche auswirkt.

„Für eine abschließende Bewertung ist es noch zu früh. Wir sehen aber schon jetzt, dass sich die Büffelsuhlen, in denen sich der Regen sammelt und hält, positiv auf den von Austrocknung bedrohten Erlenwald auswirken. Zudem ist das invasive Drüsige Springkraut nahezu komplett verschwunden“, erklärt Zahner, der auch Stiftungsratsmitglied bei der Heinz Sielmann Stiftung ist.

Besonders freue ihn die große gesellschaftliche Akzeptanz, die das Projekt schon jetzt genießt. „Die Büffelweide ist zu einem beliebten Ausflugsziel geworden und hat auch das Interesse benachbarter Gemeinden geweckt“, sagt Zahner: „Perspektivisch ist daher unsere Idee, die Wasserbüffel als ökologische Landschaftspfleger auch auf anderen Flächen im Ampertal und Isartal zu etablieren.“

Erfolg
Umweltbildung

15 Schulklassen, 274 Kinder und jede Menge Naturerlebnisse: Beim Umweltbildungsprojekt „Natur zum Anfassen“ erforschten Grundschulkinder in Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen, wer in Hecken, Laub- und Steinhaufen lebt. Dabei blieb es nicht beim Beobachten: Die Kinder packten selbst mit an und schufen neue Lebensräume für Tiere.

Unter dem Motto „Wildes Leben – wer wohnt in Hecke, Laub- und Steinhaufen?“ waren in den vergangenen Wochen 15 Grundschulklassen aus der Region zu Gast im Heinz Sielmann Natur-Erlebniszentrum in Wanninchen. Insgesamt 275 Mädchen und Jungen erkundeten das Außengelände und den nahe gelegenen Görlsdorfer Wald.

Ausgerüstet mit Ferngläsern und Becherlupen gingen die Nachwuchsforscherinnen und -forscher auf Entdeckungstour. Sie untersuchten den Waldboden, nahmen Hecken, Laub und Steinhaufen genauer unter die Lupe und erfuhren, welche Tiere hier Nahrung, Schutz oder einen Platz für ihren Nachwuchs finden.

Von Eidechsen und weit reisenden Steinschmätzern

Anhand ausgewählter Tierarten lernten die Kinder die Besonderheiten der verschiedenen Lebensräume kennen. So erfuhren sie beispielsweise, dass Eidechsen ihre Eier in sandigen Boden legen und auf der Flucht bis zu 25 km/h schnell werden können. Auch der Steinschmätzer sorgte für Überraschungen: Der kleine Zugvogel legt auf seinem jährlichen Weg von den Brut- in die Überwinterungsgebiete rund 15.000 Kilometer zurück. Eltern und Jungvögel können sich außerdem anhand bestimmter Rufe erkennen und wiederfinden.

Das neu erworbene Wissen konnten die Kinder gleich praktisch anwenden. Mit Arbeitshandschuhen ausgestattet, bauten sie gemeinsam Steinhaufen und eine Benjeshecke. Damit entstanden zusätzliche Verstecke, Nistmöglichkeiten und Nahrungsquellen für verschiedene Tierarten. Gleichzeitig bietet eine Benjeshecke Schutz vor Wind und schafft ein besonderes Kleinklima.

Anpacken für den Naturschutz

Im Mittelpunkt der Projekttage stand das unmittelbare Naturerlebnis. Die Kinder konnten beobachten, fühlen, entdecken und vor allem selbst aktiv

werden. Statt Naturschutz nur theoretisch kennenzulernen, gestalteten sie Lebensräume mit den eigenen Händen.

Ob beim Erforschen des Waldbodens, beim Beobachten kleiner Tiere oder beim gemeinsamen Bau neuer Strukturen: Die Projekttage vermittelten spielerisch, welche Bedeutung vermeintlich unscheinbare Lebensräume wie Laub-, Totholz- oder Steinhaufen für die biologische Vielfalt haben.

Und weil der Herbst in Wanninchen noch ein ganz anderes Naturschauspiel bereithielt, richteten die Kinder zwischendurch auch den Blick in den Himmel: Am Schlabendorfer See ließen sich zahlreiche Zugvögel auf ihrer herbstlichen Reise beobachten.

 

Schlüsselprojekt für die regionale Umweltbildungsarbeit

Am diesjährigen Projekt beteiligten sich Grundschulklassen unter anderem aus Senftenberg, Finsterwalde, Crinitz, Golßen, Herzberg, Schönwalde und Dahme. „Die Projekttage bieten nicht nur den Kindern die Möglichkeit, mitten in der Natur zu lernen. Für uns und die engagierten Lehrerinnen und Lehrer bietet sich die Chance, ein Netzwerk aufzubauen, Bedarfe der regionalen Schulen zu erfassen und Ideen auszutauschen“, sagt Anna Polls von der Heinz Sielmann Stiftung in Wanninchen.

Die kostenlosen Exkursionstage wurden durch die Unterstützung von enviaM und MITGAS ermöglicht. Ein Dank gilt außerdem den Lehrkräften und Begleitpersonen, die mit ihren Klassen den Unterricht nach draußen verlegten – und natürlich den 274 Nachwuchsforscherinnen und -forschern für ihre Neugier, ihre Fragen und ihren tatkräftigen Einsatz.

Nach den Exkursionstagen geht „Natur zum Anfassen“ für die teilnehmenden Schulklassen kreativ weiter. Bis zum 13. Oktober 2026 können die Kinder ihre Erlebnisse und Eindrücke zu Papier bringen und beim Kalenderwettbewerb von „Natur zum Anfassen“ einreichen.

Erfolg
Landwirtschaft Naturschutz & Biodiversität

Gemeinsam mit der Regierung von Niederbayern und Flächeneigentümer Sebastian Schellenberg entwickelt die Heinz Sielmann Stiftung die Fläche im Daxsteingebiet im Landkreis Freyung-Grafenau zum Schutz der Rotflügeligen Schnarrschrecke (Psophus stridulus) weiter. „Ziel ist es im ersten Schritt, die bestehende, noch sehr fragile Population zu stabilisieren“, erklärt Bernhard Gohlke, Leiter der Sielmanns Biotopverbünde Ostbayern. „Dafür wurde bereits ein monotoner Fichtenbestand gerodet und die Fläche erweitert. Nun soll sie im nächsten Schritt schonend beweidet werden.“

Große Verantwortung für Niederbayern

Die Rotflügelige Schnarrschrecke ist in Bayern und deutschlandweit als stark gefährdet eingestuft. „Im Landkreis Freyung-Grafenau sind inzwischen nahezu alle früher bekannten Fundorte verschwunden“, betont Heuschreckenexperte Dr. Matthias Dolek, der mit dem Monitoring beauftragt wurde. „Ihre Lebensräume, die meist durch schonende Bewirtschaftung von mageren Wiesenflächen entstehen, sind stark verdrängt worden.“

Der aktuelle Nachweis von gleich mehreren Individuen unterstreicht die Bedeutung der Fläche: „Nur an diesem Standort und an einem weiteren konnte die Art im Landkreis Freyung-Grafenau erneut bestätigt werden. Wir tragen damit eine besondere Verantwortung für den Erhalt der Art in der Region“, betont Stefan Radlmair, Leiter des Sachgebiets Naturschutz an der Regierung von Niederbayern.

Ein knatterndes Geräusch mit großer Bedeutung

Im Flug erzeugen die Männchen der Rotflügeligen Schnarrschrecke ihr charakteristisches knatterndes Geräusch und zeigen dabei ihre roten Hinterflügel. Am Boden hingegen ist die Art mit ihrer schwärzlichen bis braungrauen Tarnfärbung schwer zu entdecken. Die Art besiedelt unter anderem magere Wiesen mit offenen Bodenstellen. Eine wichtige Maßnahme für die Entwicklung geeigneter Lebensräume ist daher die extensive Beweidung. Die Weidetiere halten die Vegetation schütter und schaffen durch ihren Tritt immer wieder offene Bodenstellen – genau die Strukturen, die die Rotflügelige Schnarrschrecke braucht.

Weitere Flächen gesucht

Flächeneigentümer Sebastian Schellenberg unterstützt das Projekt, indem er sein Grundstück zur Verfügung stellt. Die Rodung des Fichtenbestands hat er durch den Holzertrag finanziert. Für seine Familie ist Naturschutz zu einer persönlichen Erfahrung geworden. „Unsere Kinder gehen mit offenen Augen und Ohren über das Grundstück. Es macht uns sehr stolz, zum Erhalt der Arten beitragen zu können“, berichtet Schellenberg.

Die Heinz Sielmann Stiftung möchte gemeinsam mit ihren Partnern weitere geeignete Flächen für die Rotflügelige Schnarrschrecke entwickeln. „Isolierte Lebensräume reichen nicht aus, um die Art zu erhalten. Wir suchen daher weitere Flächeneigentümer im Brotjackriegel, die sich beteiligen möchten, sodass wir längerfristig einen Verbund an Lebensräumen für die Schnarrschrecke und viele weitere Arten entwickeln können“, so Gohlke. Interessierte Flächenbesitzer können sich direkt an ihn wenden: bernhard.gohlke@sielmann-stiftung.de

Erfolg
Wissenschaft & Forschung

Monitoring durch Beringung, Quartierkontrollen und technische Methoden liefern Einblicke in die Arten und Populationsbestände unserer Fledermäuse.

Erfolg
Wissenschaft & Forschung

Mit Drohnen und Fernerkundung untersuchten Forschende die Kyritz-Ruppiner Heide aus der Luft und gewannen wertvolle Erkenntnisse über den Zustand und die Pflege der einzigartigen Heidelandschaft.

Erfolg
Artenvielfalt

Bis zu zehn Jahre braucht der Gelbe Frauenschuh bis zur ersten Blüte. In der Pupplinger Au findet die seltene Orchidee ideale Bedingungen. Erfahren Sie, warum ihr Schutz so wichtig ist.

Erfolg
Besucherhinweis Heinz Sielmann Ratgeber

In der neu erschienenen Biografie „Abenteuer Naturfilm: Heinz Sielmann – Vom Tierfilmer zum Medienpionier“ erzählt der Autor Prof. Michael Sutor von Sielmanns gefährlichen Drehs in Südamerika und Papua-Neuguinea und vom Aufbruch des damals noch jungen deutschen Fernsehens. Auf Grundlage von Tagebüchern, Briefen und eindrucksvollen Fotografien entsteht das fesselnde Porträt eines Mannes, der mit seinen Tierfilmen neue Wege ging und damit Generationen von Fernsehzuschauern für die Schönheit und den Schutz der Natur sensibilisierte.

Vom leidenschaftlichen Tierfilmer zum Medienpionier

Am Donnerstag, 1. Oktober, lädt die Heinz Sielmann Stiftung anlässlich des 20. Todestags ihres berühmten Gründers (6. Oktober) zu einer kostenfreien Buchpräsentation mit Multimedia-Vortrag ins Museum der Natur Hamburg ein. Prof. Michael Sutor wird exklusive Einblicke in seine Recherchen geben. Anhand ausgewählter Fotografien und Filmsequenzen lässt der Autor legendäre Expeditionen Heinz Sielmanns wieder lebendig werden und zeichnet dessen Werdegang vom leidenschaftlichen Tierfilmer zum international anerkannten Pionier des Naturfilms nach.

Im anschließenden Bühnengespräch mit dem Autor geht es um das Lebenswerk von Heinz Sielmann und die Frage, welche Bedeutung sein Vermächtnis für Naturfilm und Naturschutz bis heute hat.

 

PROGRAMM

Abenteuer Naturfilm - Buchpremiere mit Multimedia-Vortrag zum 20. Todestag von Heinz Sielmann

Wann? Donnerstag, 1. Oktober 2026, 18:30 Uhr

Wo? Museum der Natur Hamburg – Zoologie, Bundesstraße 52, 20146 Hamburg

18:00 Uhr Einlass

18:30 Uhr Multimedia-Vortrag von Prof. Michael Sutor zum Erscheinen des Buches „Abenteuer Naturfilm“

19:30 Uhr Bühnengespräch mit Prof. Michael Sutor, moderiert von Christian Wolf, Heinz Sielmann Stiftung

20:00 Uhr Signierstunde und Get-together bei Snacks und Getränken

Der Eintritt ist frei. Für die Veranstaltung steht ein begrenztes Platzangebot zur Verfügung. Eine Anmeldung ist bis zum 24. September 2026 erforderlich.

Anmeldung unter: www.sielmann-stiftung.de/abenteuer-naturfilm-hamburg

Über den Autor

Prof. Michael Sutor studierte Freie Kunst an der HBK Braunschweig. Als Regisseur und Kameramann realisierte er bislang unter anderem über 20 TV-Produktionen. Von 2005 bis 2026 unterrichtete er an der Hochschule Hannover Dokumentarfilm.

Erfolg
Heinz Sielmann Naturschutz & Biodiversität

Erstmals seit Jahrzehnten fließt die Alte Niers auf dem Teilabschnitt nördlich des Bresgesparks wieder an der Oberfläche. Über viele Jahre war der Bach hier unterirdisch kanalisiert. Im Rahmen eines gemeinsamen Naturschutzprojekts entwickeln die Stadt Mönchengladbach, die NEW, mags und die Heinz Sielmann Stiftung die rund zwei Hektar große Fläche nun zu einem naturnahen Lebensraum mit Ufer- und Auenbereichen, artenreichem Grünland und heimischen Gehölzen. Ein öffentlicher Weg und Informationsangebote sollen das Gelände zugleich für die Bevölkerung als Ort für Naturerlebnisse und Naherholung erschließen.

Neue Lebensräume mitten in der Stadt

„Mit dem Wasser im neuen Bachbett ist jetzt die Voraussetzung geschaffen, dass die Natur hier zurückkehren kann. Dieses Projekt zeigt beispielhaft, wie Naturschutz und Stadtentwicklung erfolgreich zusammengebracht werden können. Es entstehen neue Lebensräume und zugleich ein Ort, an dem Menschen Natur unmittelbar erleben können. Das Heinz Sielmann Biotop hat das Potenzial, zu einem Vorbild für viele weitere Projekte dieser Art in Nordrhein-Westfalen zu werden“, betont Oliver Krischer, Minister für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen.

„Der gebürtige Rheydter Heinz Sielmann hat mit seinen Natur- und Tierfilmen Millionen Menschen die Tierwelt nähergebracht und Begeisterung für die Natur geweckt. Nun entsteht in seiner Heimatstadt ein Ort, der genau daran anknüpft: Hier können Menschen Natur entdecken, Tiere beobachten und erleben, wie sich ein neuer Lebensraum entwickelt. Dass dieser besondere Ort Wirklichkeit wird, ist dem gemeinsamen Engagement vieler Beteiligter zu verdanken. Dafür danke ich allen Partnern, die dieses Projekt möglich machen“, sagt Felix Heinrichs, Oberbürgermeister von Mönchengladbach.

Ein Baustein auf dem Weg zur klimaresilienten Stadt

Die Offenlegung der Alten Niers fügt sich auch in die Pläne der Stadt zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels ein. Mönchengladbach verfolgt das Ziel, Grün- und Wasserstrukturen stärker zu vernetzen, Flächen zu entsiegeln und die Stadt damit widerstandsfähiger gegenüber Hitze, Trockenheit und Starkregen zu machen.

„Ein offenes Gewässer, naturnahe Ufer und Feuchtwiesen können dazu beitragen, Wasser stärker in der Landschaft zu halten und zugleich kühlende, ökologisch wertvolle Räume zu schaffen. Mit Gewässerrenaturierungen, wie hier an der Alten Niers, und weiteren Maßnahmen verfolgen wir diesen Ansatz bereits an mehreren Stellen in Mönchengladbach und wollen ihn weiter ausbauen“, erläutert Claudia Schwan-Schmitz, Technische Beigeordnete und Dezernatsleiterin für Planen, Bauen, Mobilität und Umwelt der Stadt Mönchengladbach.

NEW AG setzt wasserbauliche Maßnahmen um

Die wasserbauliche Planung und Umsetzung des Projekts liegen bei der NEW, die bereits andere Gewässer in Mönchengladbach wie den Bungtbach erfolgreich renaturiert hat. Eine Besonderheit des Vorhabens an der Alten Niers ist die Verbindung von Gewässerentwicklung, Naturschutz und öffentlicher Besucherlenkung auf einer innerstädtischen Fläche.

„Die besondere Herausforderung besteht darin, einen bislang verrohrten Gewässerabschnitt im städtischen Raum wieder offenzulegen und dabei Wasserwirtschaft, Naturschutz und öffentliche Nutzung zusammenzubringen. Gerade diese Verbindung macht das Projekt auch für weitere Vorhaben interessant. Es ist keine Schablone, die sich eins zu eins übertragen lässt, aber ein gutes Beispiel dafür, wie wir vergleichbare Projekte gemeinsam mit starken Partnern entwickeln können“, sagt Thomas Bley, Vorstand der NEW.

Ein Biotop in Heinz Sielmanns Geburtsstadt

Das neue Biotop trägt den Namen des bekannten Tierfilmers und Naturschützers Heinz Sielmann, der 1917 in Rheydt geboren wurde. Gemeinsam mit seiner Frau Inge gründete er 1994 die Heinz Sielmann Stiftung. Das Biotop soll an seinem Geburtsort dauerhaft Naturschutz und Naturerleben miteinander verbinden.

„Heinz Sielmann wäre sicherlich stolz auf das, was hier in seiner Geburtsstadt entsteht. Er hat sein Leben lang dafür geworben, Natur zu beobachten, zu verstehen und zu schützen. Genau dafür soll auch das Heinz Sielmann Biotop an der Alten Niers stehen. Mit der Inbetriebnahme des neuen Bachlaufs haben wir einen weiteren Meilenstein in der Umsetzung dieses Projekts erreicht. Wir arbeiten mit Hochdruck darauf hin, das Biotop im kommenden Jahr zu Heinz Sielmanns 110. Geburtstag feierlich einweihen zu können“, sagt Dr.-Ing. E.h. Fritz Brickwedde, Vorsitzender des Stiftungsrates der Heinz Sielmann Stiftung.

Nach der Fertigstellung des Bachlaufs steht nun ab September die Gestaltung der umliegenden Flächen an. Dafür werden unter anderem Blühflächen gesät, Steinhaufen und Benjeshecken angelegt und zahlreiche Bäume und Sträucher gepflanzt. Die Einweihung des Biotops ist für den 2. Juni 2027 geplant.

Erfolg
Naturschutz & Biodiversität

Die Larven der Flussperlmuschel (Margaritifera margaritifera) können sich in unserer Region nur auf den Kiemen der Bachforelle entwickeln. Das neue Naturschutzprojekt der Heinz Sielmann Stiftung im Landkreis Freyung-Grafenau verbessert nun gezielt den Lebensraum der Fischart. In enger Kooperation mit dem bundesweiten Artenschutzprojekt für die Flussperlmuschel „Margaritifera Restoration Alliance“ (MARA) sollen dadurch auch die Chancen für die in Deutschland vom Aussterben bedrohte Muschel verbessert werden.

Geplante Maßnahmen

Auf den neu erworbenen Flächen der Stiftung bei Ranfels werden in den kommenden Jahren zwei Fließgewässerabschnitte und ihre angrenzenden Flächen ökologisch aufgewertet. Geplant ist eine Verbesserung der Gewässerstruktur, beispielsweise durch die Einbringung von Kies, der der Bachforelle geeignete Laichplätze bietet und zugleich wichtige Lebensräume für die Flussperlmuschel schafft.

Die Förderung einer naturnahen Auenvegetation und die Bepflanzung der Ufer sorgen für mehr Schatten, halten die Gewässer im Sommer kühler und schaffen zugleich wertvolle Lebensräume für Tiere und Pflanzen. Eine extensive Bewirtschaftung auf anliegenden Flächen soll zudem Nährstoff- und Schadstoffeinträge reduzieren.

Gemeinsam für die Flussperlmuschel

„Auf unseren Flächen befinden sich Zuflüsse der Kleinen und der Großen Ohe. Diese werden wir durch unsere Maßnahmen wieder attraktiv für die Bachforelle, insbesondere für Laich und Jungtiere, gestalten“, erklärt Bernhard Gohlke, Leiter der Sielmanns Biotopverbünde Ostbayern. „Wir stimmen uns dabei eng mit dem Landschaftspflegeverein Passau ab, der an MARA beteiligt ist und vor Ort über die entsprechende Expertise zum Schutz der Flussperlmuschel verfügt.“

Dr. Marco Denic, Verantwortlicher für das MARA-Projekt beim Landschaftspflegeverband Passau, betont: „Dass die Heinz Sielmann Stiftung diese Flächen erworben hat, erleichtert unsere Arbeit und begünstigt die positiven Effekte auf die Lebensräume der Flussperlmuschel. Wir sind sehr froh über diese wichtige Kooperation.“

Eine stark gefährdete Art

Die Bestände der Flussperlmuschel sind seit den 1930er Jahren um rund 90 Prozent zurückgegangen. Wasserverschmutzung, Gewässerausbau und die Intensivierung der Bodennutzung haben ihre Lebensräume weitgehend zerstört. Deutschland trägt eine besondere Verantwortung für ihren Schutz, da hier einige ihrer wichtigsten verbliebenen Bestände Mitteleuropas vorkommen.

Die Bachforelle ist für das Überleben der Muschel entscheidend: Ihre Larven, sogenannte Glochidien, heften sich an die Kiemen der Wirtsfische und reifen dort zu Jungmuscheln heran. Anschließend lösen sie sich von den Kiemen und sinken auf den Gewässergrund, wo sie ihr weiteres Leben verbringen. „In unseren bayerischen Mittelgebirgsgewässern besitzt die Flussperlmuschel nur die Bachforelle als Wirtsfisch“, erklärt Gohlke. „Leider sind auch ihre Bestände stark rückläufig.“

Ökologische Bedeutung der Flussperlmuschel

Die Flussperlmuschel trägt ihrerseits zur Verbesserung der Gewässerqualität bei: Über 50 Liter Wasser kann eine einzelne erwachsene Muschel täglich filtern – davon profitieren auch zahlreiche andere Organismen. Ihren Lebenszyklus kann man zeitlich mit dem eines Menschen vergleichen: Erst mit etwa 15 Jahren wird die Muschel geschlechtsreif, manche Exemplare werden über 100 Jahre alt.

„Allein die Tatsache, dass die Flussperlmuschel dieses hohe Alter erreicht, gibt uns noch die Möglichkeit, sie zu retten. Nachkommen gibt es seit vielen Jahrzehnten kaum mehr“, betont Denic. Aktuell wird mit einem Nachzuchtprogramm nachgeholfen. Langfristiges Ziel der Umweltorganisationen ist es, die Süßwasser-Ökosysteme wieder zu stärken und damit die Überlebenschancen zahlreicher Arten zu verbessern.

Erfahren Sie hier mehr über Sielmanns Biotopverbünde Ostbayern.