Hummeln

Hummeln gehören zu den ersten Frühjahrsboten und wichtigsten Bestäubern. Erfahren Sie, warum viele heimische Arten bedroht sind und wie ihr Schutz gelingt.

Hummeln gehören zu den bekanntesten und beliebtesten Insekten - sobald die Temperaturen über null Grad steigen, sind Hummeln mit ihrem tiefen Brummen unterwegs und sammeln Nektar und Pollen. Die staatenbildenden Insekten sind besonders robust. Selbst bei niedrigen Temperaturen und leichtem Niederschlag fliegen Hummeln von Blüte zu Blüte und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Bestäubung. Doch wie viele andere Wildbienenarten sind auch Hummeln stark vom Insektensterben betroffen. Drei heimische Hummelarten gelten bereits als ausgestorben oder verschwunden, weitere 13 Arten gelten mindestens als gefährdet. Hummeln zu schützen bedeutet deshalb auch, die biologische Vielfalt und funktionierende Ökosysteme zu bewahren.

bei 3 °C

fliegen Hummeln bereits durch die Lüfte.

16 Arten

stehen in Deutschland bereits auf der roten Liste.

18 Stunden

sind Hummeln etwa täglich unterwegs.

41 Hummelarten

gibt es in Deutschland.

1.000 Blüten

pro Tag kann eine Hummel etwa bestäuben.

Wer in Hummeln nur flauschige, scheinbar behäbige Insekten sieht, unterschätzt sie gewaltig. Mit erstaunlichen Anpassungen und besonderen Fähigkeiten meistern sie kalte Temperaturen, lange Flüge und die Bestäubung zahlreicher Pflanzen. Entdecken Sie, was Hummeln so außergewöhnlich macht.

Hummeln besitzen eine natürliche „Heizung“. Durch sogenanntes Wärmezittern ziehen sie ihre Flugmuskeln aktiv zusammen und erwärmen ihren Körper auf etwa 30 Grad Celsius. Dadurch können sie bereits bei niedrigen Temperaturen unterwegs sein und die ersten Frühlingspflanzen bestäuben. Ihre besondere Wärmeregulierung hilft Hummeln sogar in extremen Höhenlagen. Sie wurden bereits auf dem Mount Everest in rund 5.000 Metern Höhe beobachtet und bleiben selbst in großen Höhen noch flugfähig. Frühblüher wie Krokusse, Winterlinge oder Beerensträucher sind deshalb wichtige Nahrungsquellen für Hummelköniginnen nach der Winterruhe. Darum ist es so wichtig, dass in Gärten, Parks und auf Grünstreifen ausreichend Frühblüher zur Verfügung stehen. Fehlt diese Nahrung, wird der frühe Saisonstart zur Gefahr: Finden die Hummelköniginnen nicht ausreichend Nahrung, verhungern sie und können kein neues Hummelvolk gründen.

Eine Hummel sitzt auf einer Distelblüte, im Hintergrund Bergwiese und Alpenpanorama bei blauem Himmel

Mit ihrem bis zu zwei Zentimeter langen Rüssel erreichen Hummeln Pollen und Nektar in Blüten, die für viele andere Insekten unerreichbar bleiben. Außerdem hilft den Hummeln eine spezielle Technik, um den Pollen aus den Blüten herauszuschütteln. Sie hängen sich an die Blüten und vibrieren dabei mit ihren Flugmuskeln. Diese Vibrationstechnik macht Hummeln zu besonders effizienten Bestäubern. Vor allem Tomatenpflanzen und andere Nachtschattengewächse profitieren davon. Manche Hummelarten werden deshalb gezielt im Gewächshausanbau eingesetzt. Außerdem können Hummeln enorme Lasten an Pollen tragen – bis zum Doppelten ihres eigenen Körpergewichts.

Hummel sitzt im Sonnenlicht auf einer Blüte eines blühenden Obstbaumzweiges

Wie Honigbienen leben auch Hummeln in Staaten. Die Hummelkönigin ist allein verantwortlich für die Entstehung eines neuen Volkes. Am Ende des Jahres ist sie die einzig Überlebende im Hummelstaat. Arbeiterinnen und Drohnen sterben bereits im Sommer oder Herbst. Die Königinnen verbringen die kalte Jahreszeit geschützt in Laub- oder Komposthaufen, Böschungen oder Höhlen. Nach dem Erwachen aus der Winterstarre suchen die bereits befruchteten Königinnen einen geeigneten Ort für ihr Nest und bauen einen neuen Staat auf. Für ihre Nester bevorzugen Hummeln geschützte Orte wie Steinspalten, Holzhaufen oder verlassene Mäuselöcher. Dort legen die Königinnen zunächst nur eine Wabe mit sechs bis acht Eiern ab und versorgen die erste Brut eigenständig mit Nahrung. Erst später übernehmen geschlüpfte Arbeiterinnen die Pflege des Nestes.

Hummel zwischen trockenem Laub in Winterstarre

Nein – Hummeln können sehr wohl fliegen. Der Mythos ihrer angeblichen Flugunfähigkeit beruht auf veralteten Berechnungen aus der Luftfahrt. Bereits 1996 wurde dieser Irrglaube widerlegt. Man ging fälschlicherweise von der Aerodynamik eines Flugzeuges aus, für das die Gesetzmäßigkeiten starrer Tragflächen gelten. Doch im Gegensatz zu Flugzeugen besitzen Hummeln biegsame Flügel mit einem Gelenk in der Mitte, die Luftwirbel erzeugen und so genügend Auftrieb schaffen. Frühere Berechnungen berücksichtigten diese unterschiedlichen Größen- und Geschwindigkeitsverhältnisse nicht und führten deshalb zur falschen Schlussfolgerung.

Hummel im Anflug auf eine weiße Blüte

Ja, Hummeln können stechen – allerdings nur die Weibchen, also Königinnen und Arbeiterinnen. Hummeln gelten jedoch als ausgesprochen friedfertig und stechen nur, wenn sie sich bedroht fühlen. Beißen tun sie allerdings zur Abwehr nicht. Dieser Eindruck entsteht jedoch, weil Hummeln dicker als Honigbienen sind und sich mit ihren Beißwerkzeugen an ihrem Angreifer festhalten, um zuzustechen. Anders als Honigbienen besitzen Hummeln keinen Widerhaken am Stachel. Deshalb bleibt dieser nicht stecken und die Tiere sterben nach einem Stich nicht. Verglichen mit Bienen und Wespen gelten Hummeln allerdings als sehr friedfertig und greifen nur aus größter Not heraus an. Vor allem Baumhummeln verteidigen ihr Nest energisch. Deshalb sollte man ausreichend Abstand zu ihren Nestern halten.

Eine Hummel krabbelt auf einem Holzstück entlang

Es gibt weit mehr als die bekannte Erdhummel. Unsere heimischen Hummelarten haben sich an unterschiedliche Lebensräume und Nahrungsquellen angepasst. Gemeinsam tragen sie wesentlich zur Bestäubung unserer Wild- und Kulturpflanzen bei.

Gartenhummel an lila Blüte zum Saugen von Nektar
Ackerhummel sitzt auf pinker Blüte und saugt Nektar
Deichhummel saugt an pinker Blüte
Samthummel mit länglichem Körper auf einer hellen Blüte
Heidehummel saugt an Heidekraut
Eisenhuthummel

Bombus hortorum

Die weit verbreitete Gartenhummel bewohnt verschiedenste Lebensräume. Mit ihrem bis zu zwei Zentimeter langen Rüssel kommt sie auch an schwer erreichbaren Nektar. Das macht sie zu einem wichtigen Bestäuber von Klee und Obstbäumen. Als „Pocketmaker" lagert sie den gesammelten Pollen in Wachstaschen, um die Brut einfacher und schneller versorgen zu können. Ihr schwarzer, pelziger Körper mit den drei gelben Querstreifen und dem weißen Hinterteil ist etwa 15 Millimeter lang.
Gartenhummel an lila Blüte zum Saugen von Nektar

Bombus pascuorum

Die Ackerhummel ist aufgrund ihrer Anpassungsfähigkeit einer der häufigsten einheimischen Hummelarten. Sie ist in Wäldern, Parks und Gärten anzutreffen, bevölkert aber auch Wiesen, Weiden und Feldränder. Als Nistplätze dienen der Königin alte Vogelnester, Kompost, Laub- oder Heuhaufen sowie Grasbüschel und sogar Scheunen oder Dachböden. Weil sich die geschlüpfte Jungkönigin beim ersten Abflug den Ort ihrer Kinderstube merkt, kehrt sie zum Nisten oft dorthin zurück.
Ackerhummel sitzt auf pinker Blüte und saugt Nektar

Bombus distinguendus

Die große, fast vollständig goldgelb behaarte Deichhummel ist extrem selten geworden. Obwohl sie verschiedene Lebensräume bewohnt, gibt es einen dramatischen Rückgang ihrer Population. Sie leidet stark unter dem Verlust blütenreicher Flächen. Rotklee zählt zu ihren wichtigsten Nahrungspflanzen. Wie ihr Name verrät, lebt sie gerne in Deichen an der Küste, aber auch in Mäuse- oder Vogelnestern und Scheunen.
Deichhummel saugt an pinker Blüte

Bombus confusus

Mit ihren riesigen Komplexaugen beobachten die Männchen der Samthummel die Umgebung von erhöhten Warten aus und jagen von dort den Weibchen nach. Am wohlsten fühlen sie sich an trockenwarmen Standorten wie Hängen, Kuppen oder Weinbergbrachen. Die kurzen, samtartigen Haare der Männchen geben ihnen ihren Namen. Sie sind nur schwer von anderen rotbraunen Arten zu unterscheiden.
Samthummel mit länglichem Körper auf einer hellen Blüte

Bombus jonellus

Die gefährdete Heidehummel ist eine Charakterart der Heideflächen und hat unter anderem in Sielmanns Heide-Naturlandschaften einen geeigneten Lebensraum gefunden. Sie ähnelt äußerlich der Gartenhummel sehr, hat aber ein kurzes Gesicht mit kurzem Rüssel.
Heidehummel saugt an Heidekraut

Bombus gerstaeckeri

Die Eisenhuthummel ist die einzige oligolektische Hummelart. Das heißt, dass sie bei der Nahrungssuche auf eine bestimmte Pflanzenart, den Eisenhut, spezialisiert und angewiesen ist. In Deutschland kommt die Eisenhuthummel nur noch im bayrischen Alpenraum auf Höhen bis zu 2.500 Metern vor. Dort lebt sie bevorzugt in Mäusenestern oder Felsspalten.
Eisenhuthummel

In 55 ausführlichen Artenporträts sowie ergänzenden Beschreibungen weiterer Arten werden Verbreitung, Lebensräume und Nahrungspflanzen von 63 europäischen Hummelarten dokumentiert – von der weit verbreiteten Gartenhummel bis hin zur Polarhummel, die ausschließlich in der Tundra Skandinaviens vorkommt. Zu bestellen im Buchhandel Ihres Vertrauens.

Hannes Petrischak: Taschenbuch, 240 Seiten, ISBN 978-3-440-18180-5

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Damit Hummeln bis zum Herbst genügend Nahrung finden und ihre Jungköniginnen auf den Winter vorbereiten können, brauchen sie ein durchgängiges Blütenangebot und geeignete Lebensräume. Beides wird durch verschiedene Entwicklungen zunehmend beeinträchtigt.

Haufen braunes Laub auf Wiese
Spritzmittel wird gegen Busch gesprüht
Hummeln an Klee
Hummel sitzt auf einer pinken Distelblüte
tote Hummel liegt auf dem Rücken auf einem Holzbrett
Der Mensch greift immer tiefer in die Landschaft ein und verändert sie zu seinem Nutzen. Naturnahe Lebensräume werden immer knapper. Dies gilt auch für Wiesen, die zunehmend intensiv bewirtschaftet werden. Den Hummeln fehlen dadurch häufig die Nistmöglichkeiten. Das Verbrennen von Laub oder Umgraben des Komposthaufens im eigenen Garten kann die Zerstörung eines Nistplatzes oder Staates bedeuten, da sich Hummeln dort sehr wohl fühlen. Die Jungkönigin überwintert oft in solchen Unterschlüpfen.
Haufen braunes Laub auf Wiese
Insbesondere in der Landwirtschaft, aber auch in Privatgärten werden Insektengifte und andere Pestizide verwendet. Solche Mittel schaden jedoch auch Nützlingen wie den Hummeln. Bestäuberinsekten nehmen die Giftstoffe meist über den Nektar und Pollen behandelter Pflanzenblüten auf, was zu erheblichen Gesundheitsschäden bis hin zum Tod der Insekten führen kann.
Spritzmittel wird gegen Busch gesprüht
Tagen ohne Nahrung sterben sie. Deshalb sind sie bis zum Herbst auf ein durchgehendes Blütenangebot angewiesen. Häufige Mahd, Überdüngung, Grünlandumbruch und Entwässerung zerstören blütenreiche Wiesen. Gleichzeitig weichen Wildkräuter wie Rotklee, Löwenzahn und Taubnessel oft artenarmen Rasenflächen oder ökologisch wertlosen Zierpflanzen.
Hummeln an Klee
Hinzu kommt die klimawandelbedingte Verschiebung der Jahreszeiten, die die Saison des Blütenangebots verändert. Viele Pflanzen blühen früher als noch vor einigen Jahren, ab Spätsommer ist das Nektarangebot stark reduziert. Silberlinden gehören dann häufig im Herbst zu den letzten Nahrungsquellen und locken große Mengen Hummeln an. Ihr Nektar reicht jedoch nicht für alle aus. Ganze Hummelvölker drohen zu sterben, noch bevor die Jungköniginnen für die Winterstarre vorbereiten konnten.
Hummel sitzt auf einer pinken Distelblüte
Durch den Klimawandel verschieben sich die Klimazonen. Bei niedrigen Temperaturen wissen sich Hummeln zu helfen und können durch gezielte Kontraktionen ihre eigene Wärme produzieren. Diese Fähigkeit ist zu frühem Jahresbeginn ein Segen, entwickelt sich im Sommer jedoch zunehmend zum Problem. Hummeln laufen Gefahr in immer heißeren Sommern zu überhitzen und zu dehydrieren. So sind sie gezwungen in kältere Gebiete zu ziehen oder sie sterben aus.
tote Hummel liegt auf dem Rücken auf einem Holzbrett

Die Heinz Sielmann Stiftung möchte das Sterben von Hummeln und anderen Wildbienen aufhalten. Darum sorgen wir in unseren Naturlandschaften und deutschlandweiten Biotopverbünden dafür, dass Hummeln ein reiches Angebot an geeigneten Blühpflanzen und Möglichkeiten zum Nisten finden. Unterstützen Sie uns gerne mit Ihrer Spende!

Erfolg

Über 1.200 Schmetterlingsarten und über 1.740 Käferarten leben in den verschiedenen Lebensräumen der Döberitzer Heide.

Erfolg

Am Donnerstag, 26. März, hat die Heinz Sielmann Stiftung auf Gut Herbigshagen eine neue Ausstellung im Bienenhaus erstmals öffentlich vorgestellt. Im Rahmen einer feierlichen Schlüsselübergabe präsentierte die Stiftung gemeinsam mit Förderpartnern den neuen Erlebnisraum „Bienenwelten – Vielfalt entdecken“. Ab Samstag, 28. März, können Besucherinnen und Besucher die Ausstellung zu den regulären Öffnungszeiten des Natur-Erlebniszentrums erkunden.

Die neue Ausstellung verbindet Wissensvermittlung mit praktischem Erleben. Unterschiedliche Schautafeln, Module und Mitmachstationen vermitteln eindrücklich, welche Rolle Bienen für Bestäubung und Artenvielfalt spielen und wie ihr Schutz im Alltag unterstützt werden kann. Der Raum wird künftig auch als „Summendes Klassenzimmer“ für Umweltbildungsangebote und Veranstaltungen für Kita-Gruppen und Schulklassen genutzt. In der Imkerküche des Hauses werden demnächst Workshops für Familien und interessierte Gruppen zu Themen wie Honiggewinnung oder Bienenwachsverarbeitung angeboten.

Begeisterung für Bienen und Naturschutz wecken

„Wir erleben seit Jahren einen dramatischen Bestandsrückgang bei vielen Wildbienenarten. Wenn Lebensräume verloren gehen, verschwinden auch die Insekten, von denen unsere Natur und letztlich auch wir Menschen abhängen“, sagte Dr.-Ing. E.h. Fritz Brickwedde, Vorsitzender des Stiftungsrats der Heinz Sielmann Stiftung. „Deshalb ist es uns so wichtig, mit dem neu gestalteten Bienenhaus praktisches Wissen über diese Tiere zu vermitteln und das Bewusstsein für ihren Schutz zu stärken.“

Rund 600 Wildbienenarten leben in Deutschland, viele davon sind gefährdet. Intensive Landnutzung, Versiegelung von Flächen oder auch fehlende Nistmöglichkeiten und Nahrungsangebote machen ihnen das Überleben schwer. Hier setzen die „Bienenwelten“ an: Sie vermitteln Wissen und laden dazu ein, selbst aktiv zu werden – im eigenen Garten, auf dem Balkon oder im öffentlichen Raum.

Carolin Ruh, Vorstand der Heinz Sielmann Stiftung, betonte: „Gut Herbigshagen steht seit jeher für lebendige Umweltbildung. Mit den Bienenwelten stärken wir diesen Standort als außerschulischen Lernort und investieren bewusst in die Bildung kommender Generationen. Unser Anspruch ist es, Begeisterung für die Natur zu wecken – denn nur was uns fasziniert, sind wir bereit zu schützen.“

Vielfältige Umweltbildungsangebote im Bienenhaus geplant

Auch von Seiten der Förderpartner wurde das Projekt gewürdigt. Dr. Michael Glatthaar vom LEADER-Regionalmanagement Göttinger Land erklärte: „Die Bienenwelten zeigen beispielhaft, wie regionale Förderung nachhaltige Bildungsprojekte ermöglicht. Gerade Projekte, die Naturerleben und Umweltbildung verbinden, sind wichtig, um Menschen langfristig für den Schutz unserer Natur- und Kulturlandschaften zu gewinnen. Die neue Ausstellung führt eindrücklich vor Augen, dass Bienen weit mehr als Honiglieferanten sind. Sie sind Schlüsselarten in unserem Ökosystem.“

Annelore von Hof unterstrich stellvertretend für die Stadt Duderstadt die lokale Bedeutung des Projekts: „Gut Herbigshagen ist ein wichtiger Bildungs- und Begegnungsort für unsere Stadt und das Umland. Gemeinsam mit der Sparkasse Duderstadt freuen wir uns, dass wir dieses Projekt als Förderpartner mit ermöglichen konnten. Wir hoffen sehr, dass die neuen Bienenwelten möglichst viel Anklang bei den Bürgerinnen und Bürgern finden.“

Jascha Wieck von der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung ergänzte: „Bildung für nachhaltige Entwicklung bedeutet, Menschen zu befähigen, Verantwortung zu übernehmen. Die Bienenwelten vermitteln nicht nur Wissen, sondern auch konkrete Handlungsperspektiven – genau das begrüßen und unterstützen wir als Bingo-Umweltstiftung. Genau solche Orte brauchen wir, damit Naturschutz im Alltag der Menschen ankommt.“

Die Ausstellung wurde gemeinsam mit regionalen Dienstleistern und einem spezialisierten Ausstellungskonzeptbüro umgesetzt. Künftig soll sie fest in die Umweltbildungsangebote des Natur-Erlebniszentrums integriert werden. Geplant sind Programme für Kita-Gruppen und Schulklassen ebenso wie Familienangebote und Fachveranstaltungen. Das Projekt wurde durch die LEADER-Region Göttinger Land – mit Kofinanzierung des Landkreises Göttingen, der Stadt Duderstadt und der Sparkassenstiftung Untereichsfeld – sowie durch die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung gefördert.

Mehr Informationen unter: www.gut-herbigshagen.de

Erfolg

Auf zwei Untersuchungsflächen in der Döberitzer Heide hat der renommierte Wildbienenexperte Dr. Christoph Saure zwölf bisher für das Schutzgebiet unbekannte Wildbienen- und Wespenarten festgestellt. Auch bundesweit vom Aussterben bedrohte oder stark gefährdete Arten konnte er dokumentieren. Außerdem fand er 19 sogenannte oligolektische Arten – hochspezialisierte Wildbienen, die ausschließlich Pollen ganz bestimmter Pflanzen sammeln. „Nach bisherigen Erkenntnissen ist die Döberitzer Heide, was Wildbienen und Wespen angeht, das artenreichste Gebiet Brandenburgs“, erklärt Dr. Christoph Saure.

Art im Fokus: Die Purpurgoldwespe

Ein besonders bemerkenswerter Fund ist die Pupurgoldwespe Euchroeus purpuratus. Sie ist bundesweit vom Aussterben bedroht. In der Döberitzer Heide war sie lange Zeit verschollen und ist nach über 25 Jahren wiederentdeckt worden. Die Art lebt als Brutparasit. Sie legt ihre Eier in die Nester bestimmter Grabwespen. Dort entwickeln sich ihre Larven, töten die Nachkommen der Grabwespe und fressen die Nahrungsvorräte. „Dass wir diese ökologische Rarität nach so langer Zeit wiedergefunden haben, zeigt wie erfolgreich die Pflegemaßnahmen in der Döberitzer Heide sind“, sagt Saure.

Die außergewöhnliche Artenvielfalt ist das Ergebnis gezielter Landschaftspflege durch schonende extensive Beweidung. Die untersuchten Gebiete – die sogenannte Holzhofheide und die Heide am Natur-Erlebniszentrum in Elstal – liegen im nordwestlichen Teil der rund 3.600 Hektar großen Sielmanns Naturlandschaft. Beide Flächen werden regelmäßig beweidet, um die Ausbreitung von Bäumen und Sträucher zu verhindern und Offenland zu erhalten. So entstehen blütenreiche, offene Lebensräume, die in Deutschland zunehmend selten sind.

Schutz durch Pferde, Parkrinder, Schafe und Ziegen

Unterstützung kommt dabei von zahlreichen vierbeinigen Landschaftspflegern. Die grasenden Pferde, Parkrinder, Schafe und Ziegen haben jeweils unterschiedliche Effekte auf das Vorkommen verschiedener Pflanzenarten und beeinflussen das Blütenangebot für Wildbienen. Darüber hinaus bearbeiten die Weidetiere den Boden, indem sie zum Beispiel mit ihren Hufen scharren oder sich wälzen.

Die dabei entstehenden vegetationsfreien Stellen nutzen wiederum erdbewohnende Insekten, um ihre Nester im offenen Sandboden anzulegen. Die großen Säugetiere schaffen so auch ökologisch wertvolle Lebensräume für viele Wildbienen und Wespen, denn die große Mehrheit aller Wildbienen- und Wespenarten nistet im Boden.

Laut Dr. Hannes Petrischak, Wildbienenexperte und Leiter des Geschäftsbereichs Sielmanns Naturlandschaften & Naturerlebnis, tragen die von der Heinz Sielmann Stiftung etablierten Beweidungskonzepte entscheidend zum langfristigen Schutz dieser Lebensräume bei. „Die Ergebnisse bestärken uns, den eingeschlagenen Weg in Sachen Beweidung konsequent weiterzugehen“, so Petrischak.

Wärmebedürftige Arten auf dem Vormarsch

Einige Artenfunde zeigen auch deutlich: Der Klimawandel verändert die Tierwelt in der Region. So wurden wärmeliebende Wildbienenarten wie die Gelbbindige Furchenbiene (Halictus scabiosae), die Östliche Zwergwollbiene (Pseudoanthidium nanum) oder die Blauschwarze Holzbiene (Xylocopa violacea) sowie Wespenarten wie die Heuschreckensandwespe (Sphex funerarius) gefunden.

Noch vor drei Jahrzehnten kamen diese Arten in Brandenburg gar nicht oder nur sehr sporadisch vor. Aufgrund steigender Durchschnittstemperaturen und zunehmender Trockenheit breiten sie sich immer weiter nach Norden aus. „In Zukunft werden wir sicher noch weitere Arten für das Gebiet nachweisen können. Wärmeliebende Arten werden hinzukommen und es gibt immer noch Flächen auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz, die bisher nicht untersucht wurden“, resümiert Saure.

Mehr über Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide erfahren Sie hier.