Hummeln
Hummeln gehören zu den ersten Frühjahrsboten und wichtigsten Bestäubern. Erfahren Sie, warum viele heimische Arten bedroht sind und wie ihr Schutz gelingt.
Hummeln gehören zu den ersten Frühjahrsboten und wichtigsten Bestäubern. Erfahren Sie, warum viele heimische Arten bedroht sind und wie ihr Schutz gelingt.
Hummeln gehören zu den bekanntesten und beliebtesten Insekten - sobald die Temperaturen über null Grad steigen, sind Hummeln mit ihrem tiefen Brummen unterwegs und sammeln Nektar und Pollen. Die staatenbildenden Insekten sind besonders robust. Selbst bei niedrigen Temperaturen und leichtem Niederschlag fliegen Hummeln von Blüte zu Blüte und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Bestäubung. Doch wie viele andere Wildbienenarten sind auch Hummeln stark vom Insektensterben betroffen. Drei heimische Hummelarten gelten bereits als ausgestorben oder verschwunden, weitere 13 Arten gelten mindestens als gefährdet. Hummeln zu schützen bedeutet deshalb auch, die biologische Vielfalt und funktionierende Ökosysteme zu bewahren.
fliegen Hummeln bereits durch die Lüfte.
stehen in Deutschland bereits auf der roten Liste.
sind Hummeln etwa täglich unterwegs.
gibt es in Deutschland.
pro Tag kann eine Hummel etwa bestäuben.
Wer in Hummeln nur flauschige, scheinbar behäbige Insekten sieht, unterschätzt sie gewaltig. Mit erstaunlichen Anpassungen und besonderen Fähigkeiten meistern sie kalte Temperaturen, lange Flüge und die Bestäubung zahlreicher Pflanzen. Entdecken Sie, was Hummeln so außergewöhnlich macht.
Hummeln besitzen eine natürliche „Heizung“. Durch sogenanntes Wärmezittern ziehen sie ihre Flugmuskeln aktiv zusammen und erwärmen ihren Körper auf etwa 30 Grad Celsius. Dadurch können sie bereits bei niedrigen Temperaturen unterwegs sein und die ersten Frühlingspflanzen bestäuben. Ihre besondere Wärmeregulierung hilft Hummeln sogar in extremen Höhenlagen. Sie wurden bereits auf dem Mount Everest in rund 5.000 Metern Höhe beobachtet und bleiben selbst in großen Höhen noch flugfähig. Frühblüher wie Krokusse, Winterlinge oder Beerensträucher sind deshalb wichtige Nahrungsquellen für Hummelköniginnen nach der Winterruhe. Darum ist es so wichtig, dass in Gärten, Parks und auf Grünstreifen ausreichend Frühblüher zur Verfügung stehen. Fehlt diese Nahrung, wird der frühe Saisonstart zur Gefahr: Finden die Hummelköniginnen nicht ausreichend Nahrung, verhungern sie und können kein neues Hummelvolk gründen.
Mit ihrem bis zu zwei Zentimeter langen Rüssel erreichen Hummeln Pollen und Nektar in Blüten, die für viele andere Insekten unerreichbar bleiben. Außerdem hilft den Hummeln eine spezielle Technik, um den Pollen aus den Blüten herauszuschütteln. Sie hängen sich an die Blüten und vibrieren dabei mit ihren Flugmuskeln. Diese Vibrationstechnik macht Hummeln zu besonders effizienten Bestäubern. Vor allem Tomatenpflanzen und andere Nachtschattengewächse profitieren davon. Manche Hummelarten werden deshalb gezielt im Gewächshausanbau eingesetzt. Außerdem können Hummeln enorme Lasten an Pollen tragen – bis zum Doppelten ihres eigenen Körpergewichts.
Wie Honigbienen leben auch Hummeln in Staaten. Die Hummelkönigin ist allein verantwortlich für die Entstehung eines neuen Volkes. Am Ende des Jahres ist sie die einzig Überlebende im Hummelstaat. Arbeiterinnen und Drohnen sterben bereits im Sommer oder Herbst. Die Königinnen verbringen die kalte Jahreszeit geschützt in Laub- oder Komposthaufen, Böschungen oder Höhlen. Nach dem Erwachen aus der Winterstarre suchen die bereits befruchteten Königinnen einen geeigneten Ort für ihr Nest und bauen einen neuen Staat auf. Für ihre Nester bevorzugen Hummeln geschützte Orte wie Steinspalten, Holzhaufen oder verlassene Mäuselöcher. Dort legen die Königinnen zunächst nur eine Wabe mit sechs bis acht Eiern ab und versorgen die erste Brut eigenständig mit Nahrung. Erst später übernehmen geschlüpfte Arbeiterinnen die Pflege des Nestes.
Nein – Hummeln können sehr wohl fliegen. Der Mythos ihrer angeblichen Flugunfähigkeit beruht auf veralteten Berechnungen aus der Luftfahrt. Bereits 1996 wurde dieser Irrglaube widerlegt. Man ging fälschlicherweise von der Aerodynamik eines Flugzeuges aus, für das die Gesetzmäßigkeiten starrer Tragflächen gelten. Doch im Gegensatz zu Flugzeugen besitzen Hummeln biegsame Flügel mit einem Gelenk in der Mitte, die Luftwirbel erzeugen und so genügend Auftrieb schaffen. Frühere Berechnungen berücksichtigten diese unterschiedlichen Größen- und Geschwindigkeitsverhältnisse nicht und führten deshalb zur falschen Schlussfolgerung.
Ja, Hummeln können stechen – allerdings nur die Weibchen, also Königinnen und Arbeiterinnen. Hummeln gelten jedoch als ausgesprochen friedfertig und stechen nur, wenn sie sich bedroht fühlen. Beißen tun sie allerdings zur Abwehr nicht. Dieser Eindruck entsteht jedoch, weil Hummeln dicker als Honigbienen sind und sich mit ihren Beißwerkzeugen an ihrem Angreifer festhalten, um zuzustechen. Anders als Honigbienen besitzen Hummeln keinen Widerhaken am Stachel. Deshalb bleibt dieser nicht stecken und die Tiere sterben nach einem Stich nicht. Verglichen mit Bienen und Wespen gelten Hummeln allerdings als sehr friedfertig und greifen nur aus größter Not heraus an. Vor allem Baumhummeln verteidigen ihr Nest energisch. Deshalb sollte man ausreichend Abstand zu ihren Nestern halten.
Es gibt weit mehr als die bekannte Erdhummel. Unsere heimischen Hummelarten haben sich an unterschiedliche Lebensräume und Nahrungsquellen angepasst. Gemeinsam tragen sie wesentlich zur Bestäubung unserer Wild- und Kulturpflanzen bei.
Damit Hummeln bis zum Herbst genügend Nahrung finden und ihre Jungköniginnen auf den Winter vorbereiten können, brauchen sie ein durchgängiges Blütenangebot und geeignete Lebensräume. Beides wird durch verschiedene Entwicklungen zunehmend beeinträchtigt.