Aurora Falter sitzt auf einer lila Blüte

Schmetterlinge

Schmetterlinge faszinieren mit Farben und Tricks, sind aber durch Lebensraumverlust stark bedroht – viele Arten sind bereits selten geworden.

Mit steigenden Temperaturen im Frühjahr flattern sie wieder durch Gärten, Wiesen und Wälder, begeistern mit ihren leuchtenden Farben und verzaubern mit ihrer eleganten Flugweise. Doch Schmetterlinge sind weit mehr als nur schöne Sommerboten. Viele Arten besitzen erstaunliche Überlebensstrategien: Manche tarnen sich als Wespe, andere ähneln als Raupe sogar Vogelkot, um Fressfeinde abzuschrecken. Gegen den menschengemachten Verlust von Lebensräumen und Futterpflanzen sind jedoch auch diese Anpassungskünstler kaum gewappnet. Dadurch geht die Artenvielfalt vielerorts zurück. Während der Zitronenfalter noch häufig zu beobachten ist, gelten Arten wie der Maivogel (Euphydryas maturna) oder der Große Schillerfalter (Apatura iris) inzwischen als äußerst selten. Der Schutz ihrer Lebensräume ist deshalb entscheidend, damit Schmetterlinge auch künftig unsere Landschaften bereichern.

3 Jahre

kann das Puppenstadium einiger Nachtfalter dauern.

42 %

davon gelten laut Roter Liste als ausgestorben oder bestandsgefährdet.

80 km/h

schnell können Taubenschwänzchen (Macroglossum stellatarum) fliegen.

etwa 190 Tagfalterarten

gibt es in Deutschland.

vor 300 Mio. Jahren

etwa lebte der erste gemeinsame Vorfahr der heutigen Tag- und Nachtfalter.

15.000 km

kann die Wanderbewegung des Distelfalters (Vanessa cardui) von Afrika bis nach Nordeuropa betragen und sich über sechs Generationen erstrecken.

Vom Ei über die Raupe und die Puppe bis zum geflügelten Falter: Schmetterlinge verändern ihr Aussehen im Laufe ihres Lebens grundlegend. Mit jedem Entwicklungsstadium ändern sich auch ihre Ansprüche an Nahrung und Lebensraum. Nur wenn sie in jeder Phase geeignete Bedingungen vorfinden, können sie sich erfolgreich entwickeln. Nur wenn alle Faktoren für den jeweiligen Lebensabschnitt genau passen, gelangen die Schmetterlinge unbeschadet ins nächste Stadium. Dabei spielen passende Futterpflanzen ebenso eine wichtige Rolle wie ausgeklügelte Warn- und Tarnmechanismen.

So vielfältig die Schmetterlinge in ihrer Form und Farbe sind, so unterschiedlich sind ihre Lebensräume. Sowohl die ausgewachsenen Falter als auch ihre Raupen sind oft eng an bestimmte Futterpflanzen angepasst und auf deren Vorkommen angewiesen. Deshalb reagieren sie äußerst sensibel auf einen Rückgang ihres spezifischen Futters. Die Raupen des Baldrian-Scheckenfalters (Melitaea diamina) ernähren sich beispielsweise ausschließlich von Baldrianblättern. Deshalb kommt diese Art als ausgewachsener Falter genau wie die Futterpflanze nur auf feuchten Wiesen, an Ufern und an lichtdurchfluteten Waldrändern vor. Im Ferbitzer Bruch in Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide findet der schöne Falter noch geeigneten Lebensraum. Geht die Vielfalt der Blütenpflanzen zurück, verschwinden oft auch die darauf spezialisierten Schmetterlingsarten.

Baldrian Scheckenfalter sitzt zwischen Blüten im Grünen

Schmetterlinge haben im Laufe der Evolution erstaunliche Strategien entwickelt, um sich vor Fressfeinden zu schützen. Das Tagpfauenauge (Aglais io) besitzt markante Augenflecken auf den Flügeln. Diese sollen Feinde abschrecken, indem sie an die Augen größerer Tiere erinnern. Andere Arten tragen leuchtende Warnfarben, die ihre Ungenießbarkeit signalisieren. Der Jakobskrautbär (Tyria jacobaeae) zeigt potenziellen Angreifern auf diese Weise, dass er giftig ist. Besonders raffiniert ist die sogenannte Mimikry: Dabei ahmen harmlose Arten das Aussehen wehrhafter Tiere nach. Der Wespen-Glasflügler (Synanthedon vespiformis) ähnelt beispielsweise einer Wespe – sogar sein Fluggeräusch passt er an. Andere Schmetterlinge setzen auf Mimese, also Tarnung. Die Rostbinde verschmilzt mit zusammengeklappten Flügeln nahezu vollständig mit dem sandigen Untergrund.

Weißblauer Schmetterling sitzt an einer Blüte in einer Blühwiese

Schmetterlinge sind wichtige Bestandteile funktionierender Ökosysteme. Als Larve, Raupe oder auch als Falter dienen sie Vögeln, Kröten, Fledermäusen, Igeln und anderen Tieren als proteinreiche Nahrung. Gleichzeitig übernehmen sie eine bedeutende Rolle als Bestäuber. Mit ihrem langen Rüssel erreichen sie auch tiefe Blütenkelche und bestäuben spezielle Pflanzenarten besonders effizient. Bestimmte Pflanzenarten wie Blutweiderich (Lythrum salicaria), Teufelsabbiss (Succisa pratensis) und Natternkopf (Echium) werden durch Schmetterlinge besonders effizient bestäubt. Diese Arten werden wegen ihrer violetten, roten oder pinkfarbenen Blüten gern von Tagfaltern angeflogen. Die Farben signalisiereneinen hohen Nektargehalt. Viele Schmetterlingsarten haben im Laufe der Evolution gelernt, diese Farben mit Nahrung zu verbinden und suchen daher gezielt nach Blüten dieser Farbe. Pflanzen mit gelben oder weißen Blüten sind bei Nacht gut sichtbar, da sie das vorhandene Mond- und Sternenlicht reflektieren. Darum ziehen Nachtkerzen und Lichtnelken vermehrt Nachtfalter an und werden von diesen bestäubt.

Schmetterlinge werden grob in Tag- und Nachtfalter unterschieden. Anders als ihre Namen vermuten lassen, sind jedoch nicht alle Nachtfalter ausschließlich in der Dunkelheit aktiv. Zu den Nachtfaltern gehören unter anderem Spinner, Spanner, Wickler, Geistchen, Zünsler, Bären, Glucken und Eulen. Viele dieser Arten fliegen vor allem nachts und sind oft unauffälliger gefärbt, damit sie tagsüber gut getarnt ruhen können. Es gibt jedoch auch tagaktive Nachtfalter. Dazu zählen beispielsweise das Taubenschwänzchen, die Tageule oder der Heidekrautspanner. Tagfalter sind dagegen meist tagsüber auf blühenden Pflanzen unterwegs. Sie besitzen häufig eine schlankere, glattere Körperform als die eher großen und flaumigen Nachtfalter. Während einer Flugpause klappen Tagfalter ihre Flügel hoch, um sich in ihrer Umgebung zu tarnen. Nachtfalter lassen ihre Flügel stattdessen dauerhaft geöffnet.

Lernen Sie einige heimische Schmetterlingsarten kennen und entdecken Sie ihre typischen Erkennungsmerkmale.

Aurora Falter sitzt auf einer lila Blüte
Lilagold Feuerfalter sitzt auf Zweigspitze
Segelfalter mit bleich-gelben Flügeln mit je sechs schwarzen Querstreifen auf jedem Vorderflügel. Die Hinterflügel bestechen durch lange schwarze Fortsätze und drei blaue Augenflecken.
Tagpfauenauge mit markanten Augenflecken
Orangefarbener Falter mit schwarz-gelb-weiß gemusterten Flügeloberseiten im offenen Waldland
Orangefarbener Kaisermantel mit schwarzer Zeichnung auf lila Blüte
Schwalbenschwanz mit seinen großen Flügeln mit schwarz-gelber Zeichnung mit blauen und orangen Akzenten mache ihn unverkennbar
Schwarzer Schmetterling mit orange und weißer Musterung auf den Flügeldecken
Zitronenfalter mit seinen gelben Flügeln sitzt auf einer lila Blüte
beigebrauner Eisenfarbiger Samtfalter mit markantem Augenfleck auf sandigem Boden
Kleiner Schillerfalter mit seinen blauleuchtenden Flügeln zählt zu den Edelfaltern
Großer Schillerfalter mit Augenfleck auf den Außenflügel sitzt auf einem Baumstumpf
Leuchtend oranger Dukatenfalter mit schwarz umrandeten Flügeln
Brauner Falter auf Farn
Falter mit großem Augenfleck und einer graubraunen Umrandung an den orange-braunen Flügeln des Großen Ochsenauges

Anthocharis cardamines

Aurora-Falter haben weiße Flügel mit einer grau bis grau-schwarzen Färbung an den äußersten Spitzen der Vorderflügel und einem schwarzen Punkt in der Mitte. Bei den Männchen sind die Vorderflügel außerdem zur Hälfte orange gefärbt. Aurora-Falter findet man auf mageren und trockenen Wiesenbereichen, auf Feuchtwiesen oder in lichten, feuchten Wäldern. Sie ernähren sich von Kreuzblütlern wie zum Beispiel dem Wiesenschaumkraut.
Aurora Falter sitzt auf einer lila Blüte

Lycaena hippothoe

Die Männchen des Lilagold-Feuerfalters fallen durch ihre leuchtend rot gefärbten und violett übergossenen Flügeloberseiten auf. Die Weibchen sind zurückhaltend gelbbraun mit weiß gesäumten Flügelrändern. Der Falter ist auf Magerrasen, Feuchtwiesen, Sumpf- und Feuchtstellen zuhause. Dort finden seine Raupen ihre Nahrung, den Wiesen-Sauerampfer.
Lilagold Feuerfalter sitzt auf Zweigspitze

Iphiclides podalirius

Der laut Roter Liste in Deutschland stark gefährdete Segelfalter liebt es sonnig, heiß und trocken. Seine Flügel sind bleich gelb oder hell und haben sechs schwarze Querstreifen auf jedem Vorderflügel. Die Hinterflügel bestechen durch lange schwarze Fortsätze und drei blaue Augenflecken. Der Segelfalter lebt in Gärten, Feldern und offenem Waldland.
Segelfalter mit bleich-gelben Flügeln mit je sechs schwarzen Querstreifen auf jedem Vorderflügel. Die Hinterflügel bestechen durch lange schwarze Fortsätze und drei blaue Augenflecken.

Aglais io

Das Tagpfauenauge, erkennbar an den großen Augenflecken, zählt zu den bekanntesten Schmetterlingen. Man findet ihn in blütenreichen Parks und Gärten sowie in lichten und sonnendurchfluteten Wäldern. Während der Schmetterling sich an bis zu 200 verschiedenen Futterquellen bedient, sind seine Raupen ausschließlich auf Brennnesseln fokussiert. Zum Überwintern ziehen sich die ausgewachsenen Schmetterlinge in Höhlen, Abwasserkanäle, Garagen oder feuchte Keller zurück.
Tagpfauenauge mit markanten Augenflecken

Nymphalis polychloros

Der orangefarbene Große Fuchs mit seinen schwarz-gelb-weiß gemusterten Flügeloberseiten lebt im offenen Waldland und an Waldrändern sowie Gebüschsäumen von Gewässern. Seine Raupen ernähren sich von Apfel- und Birnbaum sowie diversen Laubbaumarten. Als einer der wenigen Schmetterlinge, die als Falter den Winter überstehen, versteckt sich der Große Fuchs vor der Kälte in Baumhöhlen, in Schuppen oder unter Brücken.
Orangefarbener Falter mit schwarz-gelb-weiß gemusterten Flügeloberseiten im offenen Waldland

Argynnis paphia

Auf sonnigen Waldrändern und blütenreichen Waldlichtungen und - wiesen finden Beobachtende den Kaisermantel. Er ist mit bis zu 65 Millimetern Spannweite der größte Perlmutterfalter Mitteleuropas. Die Flügeloberseiten der Männchen sind leuchtend orange gefärbt und haben braune Flecken sowie dunkle Duftschuppenstreifen. Veilchen sind die Hauptnahrungsquelle seiner Raupen.
Orangefarbener Kaisermantel mit schwarzer Zeichnung auf lila Blüte

Papilio machaon

Der Schwalbenschwanz ist einer unserer größten heimischen Schmetterlinge. Die schwarz-gelbe Flügelzeichnung mit blauen und orangen Akzenten macht ihn unverkennbar. Sein Raupe erreicht eine Körperlänge von viereinhalb Zentimetern und ist giftgrün mit schwarzen Streifen und orange-gelben Punkten. Der Schwalbenschwanz legt seine Eier an Wilder Möhre ab. Im Garten weicht er häufig auf Gartenmöhre, Petersilie, Fenchel oder Dill aus, die seinen geschlüpften Raupen als Futter dienen.
Schwalbenschwanz mit seinen großen Flügeln mit schwarz-gelber Zeichnung mit blauen und orangen Akzenten mache ihn unverkennbar

Vanessa atalanta

Der Admiral ist häufig an überreifem Obst zu finden. Er hat dunkelbraune Vorderflügeloberseiten mit einer breiten roten Binde in der Mitte. Die Spitzen der Vorderflügel sind schwarz mit großen und kleinen weißen Flecken. Der bis zu 65 Millimeter große Falter bewohnt Wälder, Gärten, aber auch landwirtschaftlich genutztes Gelände und Siedlungen. Seine Raupen fressen ausschließlich Brennnesseln – eine Futterpflanze, die jedoch mehr und mehr aus Gärten und Parks verschwindet.
Schwarzer Schmetterling mit orange und weißer Musterung auf den Flügeldecken

Gonepteryx rhamni

Das Männchen des Zitronenfalters trägt kräftig gelb gefärbte Flügel, das Weibchen ist heller. Der Falter lebt in lichten Wäldern oder sonnigen Hängen. Dank körpereigenem Frostschutzmittel im Blut überstehen Zitronenfalter Temperaturen von -20°C. Auf diese Weise bestens präpariert verbringen sie den Winter nahezu ungeschützt in Baumspalten oder in Grasbüscheln. Zitronenfalter können bis zu dreizehn Monate alt werden und sind damit die langlebigsten Schmetterlinge Europas.
Zitronenfalter mit seinen gelben Flügeln sitzt auf einer lila Blüte

Hipparchia statilinus

Aufgrund seiner Vorliebe für Heidekräuter ist der Eisenfarbige Samtfalter ein typischer Bewohner in Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide und in Wanninchens Bergbaufolgelandschaft. Sein Vorkommen dort ist besonders spektakulär, da die Art in Brandenburg als vom Aussterben bedroht gilt und deutschlandweit streng geschützt ist. Der anspruchsvolle Tagfalter lebt auf offenen Flächen mit trockenwarmem Sand oder Sandtrockenrasen und gilt als Rarität unter den Tagfaltern.
beigebrauner Eisenfarbiger Samtfalter mit markantem Augenfleck auf sandigem Boden

Apatura ilia

Der Kleine Schillerfalter zählt zu den Edelfaltern. Die Größenangabe im Namen mag auf den ersten Blick paradox erscheinen, da er mit bis zu 60 Millimetern Spannweite zu den größten Faltern Europas zählt. Der Hinweis "klein" bezieht sich nur auf den Größenunterschied zwischen den Geschlechtern. Kleine Schillerfalter meiden Blütennektar und nehmen stattdessen Mineralien an feuchten Bodenstellen, Kot und Tierkadavern auf. Als Raupe ernähren sie sich ausschließlich von Pappeln.
Kleiner Schillerfalter mit seinen blauleuchtenden Flügeln zählt zu den Edelfaltern

Apatura iris

Die Flügel vom Männchen des Großen Schillerfalter schillern kräftig blau. Die Schmetterlinge, die eine Spannweite von bis zu 70 Millimetern erreichen können, sind in lichten Auwäldern und Laubmischwäldern zu finden. Die Raupen dieser Art ernähren sich hauptsächlich von Weiden. Im Gegensatz zu vielen anderen Schmetterlingsarten zeigen die ausgewachsenen Falter ein ungewöhnliches Verhalten: Statt an Blüten kann man sie häufig an Tierkot oder -urin sowie Aas Nährstoffe saugen sehen.
Großer Schillerfalter mit Augenfleck auf den Außenflügel sitzt auf einem Baumstumpf

Lycaena virgaureae

Der Name des Feuer-Dukatenfalter weist auf die auffällige goldene oder kupferfarbene Zeichnung auf den Flügeloberseiten dieser Schmetterlingsart hin. Er lebt auf eher sandigen Böden, Waldwiesen, Lichtungen und an breiten Forstwegen. Seine Bestände gehen vielerorts bedrohlich stark zurück. In den blütenreichen Sielmanns Naturlandschaften Döberitzer Heide und Groß Schauen hingegen ist er noch oft anzutreffen, denn hier findet er reichlich Nahrung.
Leuchtend oranger Dukatenfalter mit schwarz umrandeten Flügeln

Aphantopus hyperantus

Der mittelgroße Braune Waldvogel mit seiner eintönig braunen Färbung gehört zu den unscheinbaren Faltern. Lediglich die charakteristischen, kleinen Augenflecken und leicht gräulichen Längsstreifen bieten etwas Kontrast zum Braun der Flügel. Der Schmetterling bevorzugt halbschattige Gebiete mit hochgewachsenen Büschen und Sträuchern. So findet man ihn auf Waldlichtungen, Waldwegen oder an Waldrändern. Im deutschen Sprachraum wird er auch als Schornsteinfeger bezeichnet.
Brauner Falter auf Farn

Maniola jurtina

Ein großer Augenfleck und eine graubraune Umrandung ziert die orange-braunen Flügel des Großen Ochsenauges. Die graue Binde hilft Schmetterlingsbeobachtenden gegen die Verwechslungsgefahr mit anderen Edelfaltern. Durch seine nahrungsbezogene Vielseitigkeit und Flexibilität ist das Große Ochsenauge weit verbreitet. Es bevorzugt offene und trockene bis leicht feuchte Gebiete und ist beispielsweise im Sielmanns Biotopverbund Bodensee oft anzutreffen.
Falter mit großem Augenfleck und einer graubraunen Umrandung an den orange-braunen Flügeln des Großen Ochsenauges

Mit unserem kompakten Naturführer lernen Sie Erkennungsmerkmale einiger typischer heimischer Schmetterlinge kennen und erfahren, in welchem Monat Sie welche Art am besten beobachten können. Außerdem finden Sie darin eine kleine Übersicht, mit welchen Pflanzen Sie Schmetterlingen und ihren Raupen helfen können.

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Schmetterlinge reagieren besonders empfindlich auf Veränderungen ihrer Umwelt. Der Verlust geeigneter Lebensräume und gestörte ökologische Zusammenhänge setzen immer mehr Arten unter Druck.

Schmetterlinge sind eng an bestimmte Lebensräume gebunden. Je nach Art leben sie auf Heiden, Wiesen, Streuobstwiesen, Brachen oder in Wäldern. Viele Raupen benötigen ganz bestimmte Futterpflanzen. Die erwachsenen Falter wiederum sind auf blütenreiche Landschaften angewiesen. Überwinternde Arten brauchen zusätzlich geschützte Strukturen, um die kalte Jahreszeit zu überstehen. Durch die Veränderung und Zerstörung ihrer Lebensräume geraten viele Schmetterlingsarten unter Druck. Flächen werden bebaut, intensiv genutzt oder häufig gemäht. Monotone Agrarlandschaften mit großflächigem Anbau von Raps, Sonnenblumen oder Hafer bieten oft nur wenig Nahrung und kaum geeignete Rückzugsorte. Besonders spezialisierte Arten finden dort kaum noch geeignete Bedingungen, um sich erfolgreich fortzupflanzen. Hinzu kommen Pestizide und andere Insektengifte, die den Schmetterlingen zusetzen.

Akurat gemähte Wiese mit erkennbaren Spuren eines Mähtraktors

Auf der anderen Seite führen Monokulturen wie Kiefernwälder dazu, dass sich bestimmte Arten wie Kiefernspinner (Dendrolimus pini), Nonnen oder Voreulen extrem vermehren. Auf diese Weise geraten empfindsame Ökosysteme ins Ungleichgewicht. Deutlich wird dies am Beispiel des Eichenprozessionsspinners (Thaumetopoea processionea). Seine haarigen Raupen werden normalerweise von Vogelarten wie Kuckuck (Cuculus canorus) oder Pirol (Oriolus oriolus) gefressen. In den vergangenen Jahren haben jedoch die Populationen von Kuckuck und Pirol abgenommen, während sich der Nachwuchs des Eichenprozessionsspinners überdurchschnittlich ausbreitet. Das zeigt, wie eng Artenvielfalt und stabile Ökosysteme miteinander verbunden sind.

Raupen des Eichenprozessionsspinners an einem liegenden Baumstamm

Schon mit kleinen Maßnahmen können Sie Schmetterlingen helfen. Jeder naturnah gestaltete Garten oder Balkon schafft wertvolle Lebensräume und Nahrungsquellen und kann zur Schutz der Artenvielfalt unter den Schmetterlingen beitragen.

  • Pflanzen Sie nektarreiche Blumen: Schmetterlinge bevorzugen Blumen wie Disteln, Heilziest, Natternkopf, Blutweiderich, Echten Baldrian oder Gewöhnlichen Wasserdost, die mit ihren flachen, offenen Blüten in rot oder violett leicht zugänglich sind.
  • Sorgen Sie für Raupenfutterpflanzen: Um den Hunger der gefräßigen Raupen von Kleinem Fuchs, Admiral oder Kaisermantel zu stillen, sollten einheimische Wildpflanzen wie Brennnesseln, Himbeeren, Brombeeren und Veilchen im Garten nicht fehlen.
  • Schaffen Sie unterschiedliche Pflanzenhöhen: Mit niedrigen Bodendeckern, mittelgroßen Stauden und höheren Sträucher werden Sie den unterschiedlichen Vorlieben der Schmetterlinge hinsichtlich Höhe und Art der Pflanzen gerecht.
Kleiner Perlmutterfalter auf Wasserdost
  • Bieten Sie sonnige Plätze an: Schmetterlinge sind kaltblütig und benötigen Sonnenwärme, um ihre Körpertemperatur zu regulieren. Sorgen Sie darum für sonnige Bereiche, in denen sich Schmetterlinge aufwärmen können.
  • Stellen Sie Wasser bereit: Schmetterlinge benötigen Wasser zum Trinken und Erfrischen. Dazu eignen sich flache Schalen mit ein paar Steinen, die als Landeplätze dienen.
  • Sorgen Sie für geschützte Rückzugsorte: Dichte Büsche, Hecken oder Kletterpflanzen bieten Schutz vor Wind und Witterung.
  • Verzichten Sie auf Pestizide: Insektengifte schaden nicht nur Schädlingen, sondern auch Schmetterlingen und vielen anderen Insekten. Natürliche Alternativen wie Brennnesseljauche oder die Förderung von Nützlingen helfen, das ökologische Gleichgewicht zu erhalten.
Schwarz-weißer Schmetterling auf violetter Blüte

Die Heinz Sielmann Stiftung erhält Offenlandlebensräume, auf die viele Schmetterlinge angepasst und angewiesen sind. In unseren Heidelandschaften sowie an den Weiher- und Wiesenstandorten unserer Biotopverbünde finden seltene Schmetterlingsarten Pflanzen, auf die sie seit Millionen Jahren spezialisiert sind.

Erfolg

Mit Drohnen und Fernerkundung untersuchten Forschende die Kyritz-Ruppiner Heide aus der Luft und gewannen wertvolle Erkenntnisse über den Zustand und die Pflege der einzigartigen Heidelandschaft.

Erfolg

Über 1.200 Schmetterlingsarten und über 1.740 Käferarten leben in den verschiedenen Lebensräumen der Döberitzer Heide.

Erfolg

Etwa 31 Schmetterlingsarten in Brandenburg leben ausschließlich in Heidelandschaften. Bis auf wenige Ausnahmen kommen sie alle in Sielmanns Naturlandschaft Kyritz-Ruppiner Heide vor. Das stellten Experten im Auftrag der Heinz Sielmann Stiftung fest: ein herausragender Befund, der die Einzigartigkeit von Sielmanns Naturlandschaft Kyritz-Ruppiner Heide belegt. Insgesamt wurden in dem Gebiet 264 Arten von Großschmetterlingen registriert. 

Hohe Artenvielfalt und gesunde Bestände

Besonders erfreulich ist dabei nicht nur die große Artenvielfalt, sondern auch die schiere Anzahl an vorgefundenen Art-Individuen, was für durchweg stabile Vorkommen spricht. „Die Ergebnisse zeigen, dass in der Kyritz-Ruppiner Heide ideale Lebensbedingungen für viele heidetypische Schmetterlingsarten herrschen“, sagt Schmetterlingsexperte Dr. Jörg Gelbrecht, der durch die Heinz Sielmann Stiftung mit der Erfassung beauftragt worden war. 

Störfaktoren wie Düngemittel und Pestizide aus der Landwirtschaft oder künstliches Licht dringen in viele Teile von Sielmanns Naturlandschaft Kyritz-Ruppiner Heide nicht vor. „Das Gebiet ist dadurch ein wertvoller Rückzugsraum für Arten, die aus anderen Gegenden bereits verschwunden sind“, erklärt Gelbrecht. 

Rückkehr eines Spezialisten

Unter den gefundenen Arten befinden sich bekannte Tagfalter wie Zitronenfalter (Gonepteryx rhamni), Trauermantel (Nymphalis antiopa) und Argusbläuling (Plebejus argus), ebenso weniger bekannte Arten wie Mondvogel (Phalera bucephala), Zimtbär (Phragmatobia fuliginosa) oder Holzeule (Lithophane ornitopus): Allesamt Schmetterlinge, die auch andere Ökosysteme als Heidelandschaften besiedeln können. 

Für die Experten ist jedoch vor allem die hohe Vielfalt von Arten bemerkenswert, die auf Heidekraut oder Heiden als Lebensraum angewiesen sind. Darunter befinden sich solche wie der Steppenheiden-Grünspanner (Chlorissa viridata), der Frankfurter Ringelspinner (Malacosoma franconica) und die Sandheiden-Rindeneule (Acronicta cinerea). Wegen ihrer starken Spezialisierung sind sie entsprechend anspruchsvoll in Bezug auf ihre Lebensräume.

So auch der deutschlandweit vom Aussterben bedrohte Heidekraut-Fleckenspanner (Dyscia fagaria): Er wurde 1995 zuletzt im heutigen Gebiet von Sielmanns Naturlandschaft Kyritz-Ruppiner Heide registriert und ist hier nun wiedergefunden worden. Er ist auf große, offene Heiden angewiesen, die mit sandigen Stellen durchsetzt sind. 

Ohne Pflege verschwindet die Heidelandschaft

Solche Offenlandschaften haben ursprünglich unter anderem Großwildherden auf natürliche Weise geschaffen. Heute befinden sich die letzten großen Heiden in Brandenburg fast alle auf ehemaligen Truppenübungsplätzen wie der Kyritz-Ruppiner Heide. Dort hat die langjährige militärische Nutzung den Boden künstlich offen gehalten. 

Seit 2011 hat die Heinz Sielmann Stiftung insgesamt 4.000 Hektar im Süden der Kyritz-Ruppiner Heide erworben, um diese dauerhaft für den Naturschutz zu sichern und gemeinsam mit Partnern wie dem Bundesforst zu pflegen. Ohne menschliches Zutun würden die Heideflächen mit der Zeit zuwachsen und verschwinden.

„Die Ergebnisse unseres Schmetterlings-Monitorings sind auch ein Beleg dafür, dass wir bei der Pflege der Landschaft in den vergangenen Jahren vieles richtig gemacht haben. Das freut uns natürlich“, sagt Dr. Jörg Müller, Verantwortlicher für ökologisches Monitoring bei der Heinz Sielmann Stiftung. 

„Die Kyritz-Ruppiner Heide befindet sich als Landschaft in einem empfindlichen Zustand“, sagt Müller. „Würden wir nicht ständig gegen den zunehmenden Bewuchs anarbeiten, würde die Heidelandschaft allmählich zu einem Wald werden. Damit würden auch viele der hier lebenden seltenen Arten verschwinden.“ Weil Sielmanns Naturlandschaft Kyritz-Ruppiner Heide so groß ist, kann allerdings nicht ständig an allen Stellen zugleich das Vordringen von Pflanzen verhindert werden. „Deshalb haben wir auf dem Gebiet ganz unterschiedliche Zustände der Heide“, sagt Müller. 

Artenreichtum nicht bloß bei Schmetterlingen

So profitiert etwa die Heidekraut-Bodeneule (Xestia agathina), ein ebenfalls hochspezialisierter Nachtfalter, von der Verbuschung der Landschaft: Die Raupe des Falters frisst nichts anderes als Besenheide, braucht jedoch zugleich Halbschatten – den sie unter vordringenden Bäumen findet. Bisher trat die Art nur südlich von Berlin auf. In der Kyritz-Ruppiner Heide konnte sie nun erstmals nachgewiesen werden, was zugleich ihren nordöstlichsten Verbreitungspunkt markiert. 

„Die herausragende Vielfalt der heidetypischen Großschmetterlinge ist dabei nur ein Beispiel für den Artenreichtum von Sielmanns Naturlandschaft Kyritz-Ruppiner Heide“, betont Monitoring-Experte Müller. Auch bedrohte Vogelarten wie die Heidelerche oder der Wiedehopf und viele weitere heimische Tiere und Pflanzen finden hier diverse Lebensräume, die andernorts verschwunden sind. „Wir müssen ständig weiter daran arbeiten, dass uns diese wertvolle Landschaft nicht durch die Finger rinnt“, sagt Müller.

Mehr Informationen über Sielmanns Naturlandschaft Kyritz-Ruppiner Heide finden Sie hier. 

Weitere Hintergründe zur Entstehung und Pflege von Heidelandschaften finden Sie hier.