Schmetterlinge
Schmetterlinge faszinieren mit Farben und Tricks, sind aber durch Lebensraumverlust stark bedroht – viele Arten sind bereits selten geworden.
Schmetterlinge faszinieren mit Farben und Tricks, sind aber durch Lebensraumverlust stark bedroht – viele Arten sind bereits selten geworden.
Mit steigenden Temperaturen im Frühjahr flattern sie wieder durch Gärten, Wiesen und Wälder, begeistern mit ihren leuchtenden Farben und verzaubern mit ihrer eleganten Flugweise. Doch Schmetterlinge sind weit mehr als nur schöne Sommerboten. Viele Arten besitzen erstaunliche Überlebensstrategien: Manche tarnen sich als Wespe, andere ähneln als Raupe sogar Vogelkot, um Fressfeinde abzuschrecken. Gegen den menschengemachten Verlust von Lebensräumen und Futterpflanzen sind jedoch auch diese Anpassungskünstler kaum gewappnet. Dadurch geht die Artenvielfalt vielerorts zurück. Während der Zitronenfalter noch häufig zu beobachten ist, gelten Arten wie der Maivogel (Euphydryas maturna) oder der Große Schillerfalter (Apatura iris) inzwischen als äußerst selten. Der Schutz ihrer Lebensräume ist deshalb entscheidend, damit Schmetterlinge auch künftig unsere Landschaften bereichern.
kann das Puppenstadium einiger Nachtfalter dauern.
davon gelten laut Roter Liste als ausgestorben oder bestandsgefährdet.
schnell können Taubenschwänzchen (Macroglossum stellatarum) fliegen.
gibt es in Deutschland.
etwa lebte der erste gemeinsame Vorfahr der heutigen Tag- und Nachtfalter.
kann die Wanderbewegung des Distelfalters (Vanessa cardui) von Afrika bis nach Nordeuropa betragen und sich über sechs Generationen erstrecken.
Vom Ei über die Raupe und die Puppe bis zum geflügelten Falter: Schmetterlinge verändern ihr Aussehen im Laufe ihres Lebens grundlegend. Mit jedem Entwicklungsstadium ändern sich auch ihre Ansprüche an Nahrung und Lebensraum. Nur wenn sie in jeder Phase geeignete Bedingungen vorfinden, können sie sich erfolgreich entwickeln. Nur wenn alle Faktoren für den jeweiligen Lebensabschnitt genau passen, gelangen die Schmetterlinge unbeschadet ins nächste Stadium. Dabei spielen passende Futterpflanzen ebenso eine wichtige Rolle wie ausgeklügelte Warn- und Tarnmechanismen.
So vielfältig die Schmetterlinge in ihrer Form und Farbe sind, so unterschiedlich sind ihre Lebensräume. Sowohl die ausgewachsenen Falter als auch ihre Raupen sind oft eng an bestimmte Futterpflanzen angepasst und auf deren Vorkommen angewiesen. Deshalb reagieren sie äußerst sensibel auf einen Rückgang ihres spezifischen Futters. Die Raupen des Baldrian-Scheckenfalters (Melitaea diamina) ernähren sich beispielsweise ausschließlich von Baldrianblättern. Deshalb kommt diese Art als ausgewachsener Falter genau wie die Futterpflanze nur auf feuchten Wiesen, an Ufern und an lichtdurchfluteten Waldrändern vor. Im Ferbitzer Bruch in Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide findet der schöne Falter noch geeigneten Lebensraum. Geht die Vielfalt der Blütenpflanzen zurück, verschwinden oft auch die darauf spezialisierten Schmetterlingsarten.
Schmetterlinge haben im Laufe der Evolution erstaunliche Strategien entwickelt, um sich vor Fressfeinden zu schützen. Das Tagpfauenauge (Aglais io) besitzt markante Augenflecken auf den Flügeln. Diese sollen Feinde abschrecken, indem sie an die Augen größerer Tiere erinnern. Andere Arten tragen leuchtende Warnfarben, die ihre Ungenießbarkeit signalisieren. Der Jakobskrautbär (Tyria jacobaeae) zeigt potenziellen Angreifern auf diese Weise, dass er giftig ist. Besonders raffiniert ist die sogenannte Mimikry: Dabei ahmen harmlose Arten das Aussehen wehrhafter Tiere nach. Der Wespen-Glasflügler (Synanthedon vespiformis) ähnelt beispielsweise einer Wespe – sogar sein Fluggeräusch passt er an. Andere Schmetterlinge setzen auf Mimese, also Tarnung. Die Rostbinde verschmilzt mit zusammengeklappten Flügeln nahezu vollständig mit dem sandigen Untergrund.
Schmetterlinge sind wichtige Bestandteile funktionierender Ökosysteme. Als Larve, Raupe oder auch als Falter dienen sie Vögeln, Kröten, Fledermäusen, Igeln und anderen Tieren als proteinreiche Nahrung. Gleichzeitig übernehmen sie eine bedeutende Rolle als Bestäuber. Mit ihrem langen Rüssel erreichen sie auch tiefe Blütenkelche und bestäuben spezielle Pflanzenarten besonders effizient. Bestimmte Pflanzenarten wie Blutweiderich (Lythrum salicaria), Teufelsabbiss (Succisa pratensis) und Natternkopf (Echium) werden durch Schmetterlinge besonders effizient bestäubt. Diese Arten werden wegen ihrer violetten, roten oder pinkfarbenen Blüten gern von Tagfaltern angeflogen. Die Farben signalisiereneinen hohen Nektargehalt. Viele Schmetterlingsarten haben im Laufe der Evolution gelernt, diese Farben mit Nahrung zu verbinden und suchen daher gezielt nach Blüten dieser Farbe. Pflanzen mit gelben oder weißen Blüten sind bei Nacht gut sichtbar, da sie das vorhandene Mond- und Sternenlicht reflektieren. Darum ziehen Nachtkerzen und Lichtnelken vermehrt Nachtfalter an und werden von diesen bestäubt.
Schmetterlinge werden grob in Tag- und Nachtfalter unterschieden. Anders als ihre Namen vermuten lassen, sind jedoch nicht alle Nachtfalter ausschließlich in der Dunkelheit aktiv. Zu den Nachtfaltern gehören unter anderem Spinner, Spanner, Wickler, Geistchen, Zünsler, Bären, Glucken und Eulen. Viele dieser Arten fliegen vor allem nachts und sind oft unauffälliger gefärbt, damit sie tagsüber gut getarnt ruhen können. Es gibt jedoch auch tagaktive Nachtfalter. Dazu zählen beispielsweise das Taubenschwänzchen, die Tageule oder der Heidekrautspanner. Tagfalter sind dagegen meist tagsüber auf blühenden Pflanzen unterwegs. Sie besitzen häufig eine schlankere, glattere Körperform als die eher großen und flaumigen Nachtfalter. Während einer Flugpause klappen Tagfalter ihre Flügel hoch, um sich in ihrer Umgebung zu tarnen. Nachtfalter lassen ihre Flügel stattdessen dauerhaft geöffnet.
Lernen Sie einige heimische Schmetterlingsarten kennen und entdecken Sie ihre typischen Erkennungsmerkmale.
Schmetterlinge reagieren besonders empfindlich auf Veränderungen ihrer Umwelt. Der Verlust geeigneter Lebensräume und gestörte ökologische Zusammenhänge setzen immer mehr Arten unter Druck.
Schmetterlinge sind eng an bestimmte Lebensräume gebunden. Je nach Art leben sie auf Heiden, Wiesen, Streuobstwiesen, Brachen oder in Wäldern. Viele Raupen benötigen ganz bestimmte Futterpflanzen. Die erwachsenen Falter wiederum sind auf blütenreiche Landschaften angewiesen. Überwinternde Arten brauchen zusätzlich geschützte Strukturen, um die kalte Jahreszeit zu überstehen. Durch die Veränderung und Zerstörung ihrer Lebensräume geraten viele Schmetterlingsarten unter Druck. Flächen werden bebaut, intensiv genutzt oder häufig gemäht. Monotone Agrarlandschaften mit großflächigem Anbau von Raps, Sonnenblumen oder Hafer bieten oft nur wenig Nahrung und kaum geeignete Rückzugsorte. Besonders spezialisierte Arten finden dort kaum noch geeignete Bedingungen, um sich erfolgreich fortzupflanzen. Hinzu kommen Pestizide und andere Insektengifte, die den Schmetterlingen zusetzen.
Auf der anderen Seite führen Monokulturen wie Kiefernwälder dazu, dass sich bestimmte Arten wie Kiefernspinner (Dendrolimus pini), Nonnen oder Voreulen extrem vermehren. Auf diese Weise geraten empfindsame Ökosysteme ins Ungleichgewicht. Deutlich wird dies am Beispiel des Eichenprozessionsspinners (Thaumetopoea processionea). Seine haarigen Raupen werden normalerweise von Vogelarten wie Kuckuck (Cuculus canorus) oder Pirol (Oriolus oriolus) gefressen. In den vergangenen Jahren haben jedoch die Populationen von Kuckuck und Pirol abgenommen, während sich der Nachwuchs des Eichenprozessionsspinners überdurchschnittlich ausbreitet. Das zeigt, wie eng Artenvielfalt und stabile Ökosysteme miteinander verbunden sind.
Schon mit kleinen Maßnahmen können Sie Schmetterlingen helfen. Jeder naturnah gestaltete Garten oder Balkon schafft wertvolle Lebensräume und Nahrungsquellen und kann zur Schutz der Artenvielfalt unter den Schmetterlingen beitragen.