Garten-Wollbiene sitzt auf lila Blüte

Wildbienen

Sie sind klein, oft unscheinbar – und für unsere Natur unverzichtbar. Wildbienen bestäuben unzählige Pflanzen und sichern so die Artenvielfalt. Doch viele Arten sind bedroht.

Wildbienen gehören zu den wichtigsten Bestäubern unserer Ökosysteme. Wenn die Sommersonne lacht und alles blüht, sind sie unermüdlich unterwegs und sammeln Pollen sowie Nektar. Die faszinierenden Insekten leisten einen wichtigen Beitrag zur Bestäubung von Bäumen, Wildpflanzen und Nutzpflanzen. Durch ihren Einsatz bestäuben Wildbienen fünfmal so viele Pflanzen wie die domestizierte Honigbiene. Doch die kleinen Helfer geraten zunehmend unter Druck: Rund die Hälfte aller Wildbienenarten gilt laut der Roten Liste Deutschlands mindestens als gefährdet. Wildbienen zu schützen bedeutet deshalb auch, unsere Artenvielfalt und viele natürliche Lebensräume zu bewahren.

3 - 30 mm

können Wildbienen groß sein.

50 %

aller Wildbienenarten stehen auf der roten Liste.

90 %

aller Wildbienenarten leben solitär, also nicht in Staaten.

70 %

der Wildbienenarten nisten unter der Erde.

über 600 Wildbienenarten

gibt es in Deutschland.

Wildbienen sichern die Bestäubung vieler Wild- und Nutzpflanzen. Etwa ein Drittel der weltweiten Nahrungsproduktion hängt von ihrer Bestäubungsleistung ab. Damit sind sie nicht nur unersetzlich für Ernteerträge in der Landwirtschaft, sondern tragen gleichzeitig entscheidend dazu bei, die Vielfalt und Existenz zahlreicher Wildpflanzen zu erhalten.

Viele Wildbienenarten sind hoch spezialisiert. Manche sammeln ausschließlich den Pollen einer einzigen Pflanzengattung oder -familie. Andere Zuckerquellen verschmähen sie. In Sielmanns Naturlandschaft in Brandenburg leben solche spezialisierten Arten. Dazu gehört beispielsweise die Heidekraut-Sandbiene (Andrena fuscipes), die auf Besenheide (Calluna vulgaris) angewiesen ist. Verschwindet die offene Heidelandschaft, geraten auch diese Wildbienenarten in Gefahr.

Die meisten Wildbienenarten bauen ihre Nester in der Erde. Besonders geeignet sind sonnige und lockere Sandflächen. Dort graben die Tiere kleine Gänge in die Erde – sogenannte Niströhren. Diese reichen von wenigen Zentimetern bis zu einem Meter tief in den Boden. Am Ende der Niströhre legen die Wildbienen ihre Brutzellen an. Einige Arten gestalten diese besonders kunstvoll: Blattschneiderbienen (Megachile) kleiden ihre Nester mit Blattstücken aus. Die Mohnbiene (Hoplitis papaveris) verziert ihre Niströhre mit Teilen von Blüten.

Eine Mohnbiene krabbelt aus ihrem Nest im Sand

Beim Sammeln tragen Wildbienen Pollen von einer Blüte zur nächsten und befruchten damit ganz nebenbei die Pflanzen, auf denen sie landen. So können einzelne Tiere täglich bis zu 5.000 Blüten bestäuben. Wildbienen sind im Gegensatz zu Honigbienen oft schon bei niedrigeren Temperaturen und geringer Sonneneinstrahlung aktiv. Dadurch bestäuben sie Pflanzen auch bei schlechtem Wetter. Außerdem fliegen auch die Wildbienen-Männchen Blüten an, was bei Honigbienen nur den Arbeiterinnen vorbehalten ist. Damit tragen Wildbienen innerhalb der gleichen Anzahl besuchter Blüten doppelt so stark zur Bestäubung bei wie Honigbienen.

Samthummel sitzt auf Blüten

Honigbienen (links im Bild) sind Nutztiere, die der Mensch vor einigen Tausend Jahren domestiziert hat. Honigbienen leben zusammen mit ihrer Königin in einem sozial organisierten Staat, dem Bienenstock. Hier übernimmt jeder seine ihm zugewiesene Aufgabe, um den Nachwuchs zu sichern.

Die meisten Wildbienenarten (rechts im Bild) hingegen leben als Einzelgänger. Sie kümmern sich ganz allein um das Nest, die Brutzellen, die Eier und die Versorgung der Nachkommen.

links eine Honigbiene und rechts eine Wildbiene

Ob Mauerbiene, Hummel oder Sandbiene – jede Wildbienenart hat ihre eigenen Ansprüche und spielt eine wichtige Rolle für unsere Natur.

Braunbürstige Hosenbiene sitzt im Sand
Goldene Schneckenhaus-Mauerbiene sitzt an Schneckenhaus
Bunte Blattschneiderbiene sitzt auf grünem Blatt auf Sand
Große Blutbiene sitzt auf lila Blüten
Blauschwarze Holzbiene beim Nestbau im Holz eines abgestorbenen Apfelbaumes
Nahaufnahme einer männlichen Garten-Wollbiene auf grünem Blatt

Dasypoda hirtipes

Der trockene Pollen reichert sich bei der Braunbürstigen Hosenbiene an den langen Haarbürsten der Hinterbeine an. Dadurch erweitern sich die Bürsten zu Hosen, die einer Ballonhose ähneln. Mit dieser kann sie um die 40 Milligramm Beute transportieren. Zum Vergleich: Eine Honigbiene schafft nur 20 Milligramm.
Braunbürstige Hosenbiene sitzt im Sand

Osmia aurulenta

Die Goldene Schneckenhaus-Mauerbiene nistet ausschließlich in leeren Schneckenhäusern. Diese dreht sie mit dem Eingang schräg nach unten und legt dann Zimmer an. Dazu nutzt sie selbstgemachten Mörtel aus zerkautem Pflanzenbrei für die Zwischenwände. Anschließend verschließt sie das Nest und versieht die renovierte Behausung mit einem Dach aus trockenen Halmen oder Kiefernadeln. Sie legt für gewöhnlich fünf bis sieben solcher Häuser für ihre Larven an.
Goldene Schneckenhaus-Mauerbiene sitzt an Schneckenhaus

Megachile versicolor

Die Bunte Blattschneiderbiene hat sich als kompetente Innendesignerin in der Insektenwelt einen Namen gemacht. Sie ist recht anspruchslos bei der Wahl ihrer Nistplätze. Es ist ihr egal, ob sie als Nachmieterin einzieht oder ein Eigenheim bauen muss. Sie nagt kleine Blattstückchen aus Wild- und Zierrosen oder Schlehen und benutzt diese als Tapete, um die Kammern der Niströhre auszukleiden. Beim Transport der Stückchen wirkt sie wie auf einem fliegenden Teppich.
Bunte Blattschneiderbiene sitzt auf grünem Blatt auf Sand

Sphecodes albilabris

Faul, gemein oder einfach nur clever? Die Große Blutbiene baut keine eigenen Nester. Sie ist eine Kuckucksbiene und ein Futterparasit. Das bedeutet, dass sie ihre Eier in fremde Nester legt. Dort werden die Larven unfreiwillig mit Pollen-Nektar-Gemisch von den jeweiligen Wirtsbienen gefüttert und großgezogen. Der Großen Blutbiene fehlen die körperlichen Voraussetzungen, um Pollen zu sammeln. Sie ernährt sich ausschließlich von Nektar.
Große Blutbiene sitzt auf lila Blüten

Xylocopa violacea

Die Blauschwarze Holzbiene wurde 2022 zum Gartentier des Jahres gekürt. Ihr 20 bis 28 Millimeter langer Körper und ihre Flügel schillern blau. Sie lebt an sonnigen Orten in hartem Totholz und in noch stehenden Laubbaumstämmen. Sie legt Gänge in Tot- oder Kaminholz und legt dort Brutzellen an, welche sie mit Wänden aus Sägespänen verschließt. Durch ihre relativ lange Lebensdauer ist sie eine der wenigen solitären Wildbienenarten, die ihre Laven kennenlernt.
Blauschwarze Holzbiene beim Nestbau im Holz eines abgestorbenen Apfelbaumes

Anthidium oblongatum

Die Garten-Wollbiene kennzeichnet sich durch einen wespenartig gelb-schwarz gestreiften Hinterleib. An dessen Ende haben die Männchen fünf schwarze Dornen. Diese benutzen sie als Waffe, um ihr Revier vor allen anderen Blütenbesuchern außer den Weibchen zu verteidigen. Dazu krümmen sie ihren Hinterleib nach vorn und rammen den Gegner von der Seite, sodass sogar deren Flügel verletzt werden können.
Nahaufnahme einer männlichen Garten-Wollbiene auf grünem Blatt
Abbildung des Buchtitels Wildbienen Naturführer

Sie möchten mehr über Wildbienen erfahren? Unser Experte Dr. Hannes Petrischak hat das Buch „Welche Wildbiene ist das?“ im KOSMOS Verlag herausgegeben. Mit diesem Naturführer können Sie Wildbienen ganz einfach bestimmen und mehr über ihre Lebensweise lernen.

Hannes Petrischak: Taschenbuch, 128 Seiten, ISBN 978-3-440-16893-6

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Das Bienensterben ist inzwischen in aller Munde. Von den bei uns heimischen über 600 Wildbienenarten, gilt inzwischen die Hälfte als gefährdet. Doch was sind die Gründe für ihr massives Sterben?

Spritzmittel wird gegen Busch gesprüht
Luftaufnahme. Blick auf Felder. Strukturarme Landschaft
Hummel voller Blütenstaub sitzt in violett-oranger Blüte
tote Hummel liegt auf dem Rücken auf einem Holzbrett
Sogenannte Insektizide werden im konventionellen Obst- und Gemüsebau sowie in der Landwirtschaft eingesetzt, um die Ernte vor vermeintlichen Schädlingen zu schützen. Doch statt gezielt nur wenige Arten anzugreifen, schaden solche Mittel auch anderen Insekten wie den Wildbienen. Insbesondere systemische Insektizide verteilen sich in allen Pflanzenteilen, sodass Bestäuber, die sich vom Pollen oder Nektar ernähren, direkt betroffen sind.
Spritzmittel wird gegen Busch gesprüht
In der konventionellen Landwirtschaft fehlen blütenreiche Pflanzen, die Insekten mit Pollen und Nektar als Futterquelle dienen. Oft blühen Monokulturen nur für kurze Zeit. Außerdem suchen Wildbienen auf eintönigen Agrarflächen vergebens nach Nistplätzen und Unterschlupfmöglichkeiten wie Totholz oder markhaltige Pflanzenstängel.
Luftaufnahme. Blick auf Felder. Strukturarme Landschaft
Schrumpfende Lebensräume führen zu sinkenden Wildbienen-Populationen. Immer mehr Natur muss Siedlungsflächen, Straßen und Industriegebieten weichen. Auch in privaten Gärten finden sich leider allzu oft Stein- und Schotterwüsten oder Pflanzen, die nicht heimisch sind. Dies hat zur Folge, dass Wildbienen weder die passende Nahrung noch geeignete Nistplätze finden.
Hummel voller Blütenstaub sitzt in violett-oranger Blüte
Lange, trockene Sommer, milde Winter und späte Fröste bedingt durch die Klimakrise belasten Insekten und Pflanzen gleichermaßen. Während vorgezogener Blühphasen oder starken Temperaturänderungen zehren Wildbienen ihre Energievorräte auf. So gerät ihr kompletter Biorhythmus durcheinander und sie werden anfälliger für Viren und andere Krankheitserreger. Zusätzlich setzt der Wassermangel den emsigen Wildbienen deutlich zu.
tote Hummel liegt auf dem Rücken auf einem Holzbrett

Die Heinz Sielmann Stiftung möchte das Sterben der Wildbienen aufhalten. In unseren Naturlandschaften und Biotopverbünden erhalten wir Nistgelegenheiten und Nahrung. In Vorträgen und Führungen informieren wir Privatpersonen und beraten daneben auch Unternehmen zu den Bedürfnissen von Wildbienen und wie zu ihrem Schutz beigetragen werden kann. Mit unserem Wildbienenbus fahren wir an Schulen und begleiten Kinder und Jugendliche beim Bau von Insekten-Nisthilfen und leisten wichtige Aufklärungsarbeit. Unterstützen Sie uns gerne mit Ihrer Spende!

Erfolg

Über 1.200 Schmetterlingsarten und über 1.740 Käferarten leben in den verschiedenen Lebensräumen der Döberitzer Heide.

Erfolg

Am Donnerstag, 26. März, hat die Heinz Sielmann Stiftung auf Gut Herbigshagen eine neue Ausstellung im Bienenhaus erstmals öffentlich vorgestellt. Im Rahmen einer feierlichen Schlüsselübergabe präsentierte die Stiftung gemeinsam mit Förderpartnern den neuen Erlebnisraum „Bienenwelten – Vielfalt entdecken“. Ab Samstag, 28. März, können Besucherinnen und Besucher die Ausstellung zu den regulären Öffnungszeiten des Natur-Erlebniszentrums erkunden.

Die neue Ausstellung verbindet Wissensvermittlung mit praktischem Erleben. Unterschiedliche Schautafeln, Module und Mitmachstationen vermitteln eindrücklich, welche Rolle Bienen für Bestäubung und Artenvielfalt spielen und wie ihr Schutz im Alltag unterstützt werden kann. Der Raum wird künftig auch als „Summendes Klassenzimmer“ für Umweltbildungsangebote und Veranstaltungen für Kita-Gruppen und Schulklassen genutzt. In der Imkerküche des Hauses werden demnächst Workshops für Familien und interessierte Gruppen zu Themen wie Honiggewinnung oder Bienenwachsverarbeitung angeboten.

Begeisterung für Bienen und Naturschutz wecken

„Wir erleben seit Jahren einen dramatischen Bestandsrückgang bei vielen Wildbienenarten. Wenn Lebensräume verloren gehen, verschwinden auch die Insekten, von denen unsere Natur und letztlich auch wir Menschen abhängen“, sagte Dr.-Ing. E.h. Fritz Brickwedde, Vorsitzender des Stiftungsrats der Heinz Sielmann Stiftung. „Deshalb ist es uns so wichtig, mit dem neu gestalteten Bienenhaus praktisches Wissen über diese Tiere zu vermitteln und das Bewusstsein für ihren Schutz zu stärken.“

Rund 600 Wildbienenarten leben in Deutschland, viele davon sind gefährdet. Intensive Landnutzung, Versiegelung von Flächen oder auch fehlende Nistmöglichkeiten und Nahrungsangebote machen ihnen das Überleben schwer. Hier setzen die „Bienenwelten“ an: Sie vermitteln Wissen und laden dazu ein, selbst aktiv zu werden – im eigenen Garten, auf dem Balkon oder im öffentlichen Raum.

Carolin Ruh, Vorstand der Heinz Sielmann Stiftung, betonte: „Gut Herbigshagen steht seit jeher für lebendige Umweltbildung. Mit den Bienenwelten stärken wir diesen Standort als außerschulischen Lernort und investieren bewusst in die Bildung kommender Generationen. Unser Anspruch ist es, Begeisterung für die Natur zu wecken – denn nur was uns fasziniert, sind wir bereit zu schützen.“

Vielfältige Umweltbildungsangebote im Bienenhaus geplant

Auch von Seiten der Förderpartner wurde das Projekt gewürdigt. Dr. Michael Glatthaar vom LEADER-Regionalmanagement Göttinger Land erklärte: „Die Bienenwelten zeigen beispielhaft, wie regionale Förderung nachhaltige Bildungsprojekte ermöglicht. Gerade Projekte, die Naturerleben und Umweltbildung verbinden, sind wichtig, um Menschen langfristig für den Schutz unserer Natur- und Kulturlandschaften zu gewinnen. Die neue Ausstellung führt eindrücklich vor Augen, dass Bienen weit mehr als Honiglieferanten sind. Sie sind Schlüsselarten in unserem Ökosystem.“

Annelore von Hof unterstrich stellvertretend für die Stadt Duderstadt die lokale Bedeutung des Projekts: „Gut Herbigshagen ist ein wichtiger Bildungs- und Begegnungsort für unsere Stadt und das Umland. Gemeinsam mit der Sparkasse Duderstadt freuen wir uns, dass wir dieses Projekt als Förderpartner mit ermöglichen konnten. Wir hoffen sehr, dass die neuen Bienenwelten möglichst viel Anklang bei den Bürgerinnen und Bürgern finden.“

Jascha Wieck von der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung ergänzte: „Bildung für nachhaltige Entwicklung bedeutet, Menschen zu befähigen, Verantwortung zu übernehmen. Die Bienenwelten vermitteln nicht nur Wissen, sondern auch konkrete Handlungsperspektiven – genau das begrüßen und unterstützen wir als Bingo-Umweltstiftung. Genau solche Orte brauchen wir, damit Naturschutz im Alltag der Menschen ankommt.“

Die Ausstellung wurde gemeinsam mit regionalen Dienstleistern und einem spezialisierten Ausstellungskonzeptbüro umgesetzt. Künftig soll sie fest in die Umweltbildungsangebote des Natur-Erlebniszentrums integriert werden. Geplant sind Programme für Kita-Gruppen und Schulklassen ebenso wie Familienangebote und Fachveranstaltungen. Das Projekt wurde durch die LEADER-Region Göttinger Land – mit Kofinanzierung des Landkreises Göttingen, der Stadt Duderstadt und der Sparkassenstiftung Untereichsfeld – sowie durch die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung gefördert.

Mehr Informationen unter: www.gut-herbigshagen.de

Erfolg

Auf zwei Untersuchungsflächen in der Döberitzer Heide hat der renommierte Wildbienenexperte Dr. Christoph Saure zwölf bisher für das Schutzgebiet unbekannte Wildbienen- und Wespenarten festgestellt. Auch bundesweit vom Aussterben bedrohte oder stark gefährdete Arten konnte er dokumentieren. Außerdem fand er 19 sogenannte oligolektische Arten – hochspezialisierte Wildbienen, die ausschließlich Pollen ganz bestimmter Pflanzen sammeln. „Nach bisherigen Erkenntnissen ist die Döberitzer Heide, was Wildbienen und Wespen angeht, das artenreichste Gebiet Brandenburgs“, erklärt Dr. Christoph Saure.

Art im Fokus: Die Purpurgoldwespe

Ein besonders bemerkenswerter Fund ist die Pupurgoldwespe Euchroeus purpuratus. Sie ist bundesweit vom Aussterben bedroht. In der Döberitzer Heide war sie lange Zeit verschollen und ist nach über 25 Jahren wiederentdeckt worden. Die Art lebt als Brutparasit. Sie legt ihre Eier in die Nester bestimmter Grabwespen. Dort entwickeln sich ihre Larven, töten die Nachkommen der Grabwespe und fressen die Nahrungsvorräte. „Dass wir diese ökologische Rarität nach so langer Zeit wiedergefunden haben, zeigt wie erfolgreich die Pflegemaßnahmen in der Döberitzer Heide sind“, sagt Saure.

Die außergewöhnliche Artenvielfalt ist das Ergebnis gezielter Landschaftspflege durch schonende extensive Beweidung. Die untersuchten Gebiete – die sogenannte Holzhofheide und die Heide am Natur-Erlebniszentrum in Elstal – liegen im nordwestlichen Teil der rund 3.600 Hektar großen Sielmanns Naturlandschaft. Beide Flächen werden regelmäßig beweidet, um die Ausbreitung von Bäumen und Sträucher zu verhindern und Offenland zu erhalten. So entstehen blütenreiche, offene Lebensräume, die in Deutschland zunehmend selten sind.

Schutz durch Pferde, Parkrinder, Schafe und Ziegen

Unterstützung kommt dabei von zahlreichen vierbeinigen Landschaftspflegern. Die grasenden Pferde, Parkrinder, Schafe und Ziegen haben jeweils unterschiedliche Effekte auf das Vorkommen verschiedener Pflanzenarten und beeinflussen das Blütenangebot für Wildbienen. Darüber hinaus bearbeiten die Weidetiere den Boden, indem sie zum Beispiel mit ihren Hufen scharren oder sich wälzen.

Die dabei entstehenden vegetationsfreien Stellen nutzen wiederum erdbewohnende Insekten, um ihre Nester im offenen Sandboden anzulegen. Die großen Säugetiere schaffen so auch ökologisch wertvolle Lebensräume für viele Wildbienen und Wespen, denn die große Mehrheit aller Wildbienen- und Wespenarten nistet im Boden.

Laut Dr. Hannes Petrischak, Wildbienenexperte und Leiter des Geschäftsbereichs Sielmanns Naturlandschaften & Naturerlebnis, tragen die von der Heinz Sielmann Stiftung etablierten Beweidungskonzepte entscheidend zum langfristigen Schutz dieser Lebensräume bei. „Die Ergebnisse bestärken uns, den eingeschlagenen Weg in Sachen Beweidung konsequent weiterzugehen“, so Petrischak.

Wärmebedürftige Arten auf dem Vormarsch

Einige Artenfunde zeigen auch deutlich: Der Klimawandel verändert die Tierwelt in der Region. So wurden wärmeliebende Wildbienenarten wie die Gelbbindige Furchenbiene (Halictus scabiosae), die Östliche Zwergwollbiene (Pseudoanthidium nanum) oder die Blauschwarze Holzbiene (Xylocopa violacea) sowie Wespenarten wie die Heuschreckensandwespe (Sphex funerarius) gefunden.

Noch vor drei Jahrzehnten kamen diese Arten in Brandenburg gar nicht oder nur sehr sporadisch vor. Aufgrund steigender Durchschnittstemperaturen und zunehmender Trockenheit breiten sie sich immer weiter nach Norden aus. „In Zukunft werden wir sicher noch weitere Arten für das Gebiet nachweisen können. Wärmeliebende Arten werden hinzukommen und es gibt immer noch Flächen auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz, die bisher nicht untersucht wurden“, resümiert Saure.

Mehr über Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide erfahren Sie hier.