Naturnahe Gärten orientieren sich an natürlichen Kreisläufen. Heimische Pflanzen bieten Nahrung für zahlreiche Tierarten, während vielfältige Strukturen wie Hecken, Totholz, Laubhaufen oder offene Bodenstellen wertvolle Rückzugs- und Nistmöglichkeiten schaffen. So werden selbst kleine Flächen zu wichtigen Bausteinen für die Artenvielfalt mitten im Siedlungsraum.

Naturnaher Garten

Kleine Fläche, große Wirkung

Zwischen kurz gemähtem Rasen und Schotterflächen verlieren viele Gärten ihre ökologische Funktion. Aufgeräumt und pflegeleicht wirken sie zwar ordentlich, bieten aber kaum Lebensraum für Tiere und Pflanzen.

Naturnahe Gärten sind das Gegenteil: Statt auf Ordnung und Kontrolle gibt es hier Vielfalt, Struktur und Entwicklung. Ein Mosaik aus heimischen Blühpflanzen unterschiedlicher Wuchshöhen, Gehölzen, offenen Bodenstellen und wilden Ecken bietet Nahrung, Nistplätze und Rückzugsorte für tierische Besucher.

 

3,6 Millionen

Menschen besitzen in Deutschland einen Garten.

3,9 Milliarden

Euro geben die Deutschen jährlich für ihre Gartenpflanzen aus.

17 Stunden

verbringen Menschen mit Garten pro Woche an der frischen Luft.

< 42 %

der Gartenbesitzer:innen würden gern mehr Zeit in ihrem Garten verbringen.

440 km²

groß sind alle Kleingärten zusammengerechnet.

Naturnahe Gärten leisten einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz – direkt vor der Haustür. Zusammengenommen besitzen Deutschlands Gärten ein enormes Potenzial: Ihre Gesamtfläche entspricht in etwa der aller deutschen Naturschutzgebiete. Werden sie naturnah gestaltet, können sie einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt leisten.

Entscheidend ist ihre Vielfalt: Blühflächen, Gehölze, offene Bodenstellen, Totholz und wilde Ecken schaffen ein Mosaik unterschiedlicher Lebensräume. Hier finden Insekten Nahrung, Vögel Nistplätze und zahlreiche Kleintiere Unterschlupf. Naturnahe Gärten orientieren sich an natürlichen Kreisläufen und fördern ein stabiles ökologisches Gleichgewicht. Auf chemische Pflanzenschutzmittel kann weitgehend verzichtet werden, weil viele Prozesse durch natürliche Wechselwirkungen reguliert werden.

Darüber hinaus fungieren Gärten als Trittsteine im Biotopverbund. Sie verbinden Lebensräume miteinander und ermöglichen es Insekten, Vögeln und anderen Tieren, sich durch unsere Siedlungslandschaften zu bewegen und neue Lebensräume zu erschließen.

Auch für Klima und Umwelt spielen naturnahe Gärten eine wichtige Rolle. Sie verbessern das Mikroklima, speichern Wasser, fördern gesunde Böden und helfen dabei, Städte und Dörfer widerstandsfähiger gegenüber Hitze und Trockenheit zu machen.

Gemüsebeet mit Lauch und Ringelblumen

Wer seinen Garten naturnah gestaltet, schafft ein Zuhause für viele faszinierende Tiere und Pflanzen. Es ist ein besonderes Erlebnis, den Garten mit Igeln, Vögeln, Wildbienen, Schmetterlingen und vielen weiteren Lebewesen zu teilen – und die Natur jeden Tag direkt vor der eigenen Haustür zu entdecken.

Wendehals sitzt auf einem Ast
Jynx torquilla
Sehr hohes Risiko des Aussterbens
Trauermantel sitzt auf Waldboden
Nymphalis antiopa
Bestände merklich rückläufig, aber aktuell noch nicht gefährdet
Zauneidechse sitzt auf einem Stamm
Lacerta agilis
Bestände merklich rückläufig, aber aktuell noch nicht gefährdet
Eichhoernchen sitzt auf einer Bank
Sciurus vulgaris
Die Bestände der Art sind stabil
Blühender Weißdorn
Crataegus monogyna
Die Bestände der Art sind stabil
Fuchs steht auf einer Wiese
Vulpes vulpes
Die Bestände der Art sind stabil
Blühender Krautiger Holunder
Sambucus ebulus
Die Bestände der Art sind stabil
Siebenschläfer sitzt an dem Ast eines Eichelbaum
Glis glis
Die Bestände der Art sind stabil
Teichmolch schwimmt durch einen Teich
Lissotriton vulgaris
Die Bestände der Art sind stabil
Waldmaus sitzt im Laub
Apodemus sylvaticus
Die Bestände der Art sind stabil
Zimtbär sitzt im Gras
Phragmatobia fuliginosa
Die Bestände der Art sind stabil
Zitronenfalter sitzt an einer Blüte
Gonepteryx rhamni
Die Bestände der Art sind stabil
Eichelhaeher sitzt im Schnee
Garrulus glandarius
gem. Roter Liste
Angaben gemäß der Roten Liste Deutschlands

Gärten könnten wertvolle Lebensräume für Tiere und Pflanzen sein. Doch vielerorts dominieren Schotterflächen, kurz gemähte Rasen und versiegelte Bereiche. Heimische Blühpflanzen, wilde Ecken und strukturreiche Lebensräume verschwinden. Für Insekten, Vögel, Amphibien und Kleinsäuger bedeutet das: weniger Nahrung, weniger Nistplätze und weniger Rückzugsorte.

Zusätzlich belasten Pflanzenschutzmittel und andere Biozide die Artenvielfalt. Sie treffen nicht nur Schädlinge, sondern auch viele nützliche Insekten und Bodenorganismen. Mähroboter können insbesondere für nachtaktive Tiere wie Igel zur Gefahr werden. Gleichzeitig verschärft der Klimawandel die Situation: Längere Trockenperioden und zunehmende Hitze setzen Pflanzen und Tieren zu und lassen Wasserstellen austrocknen.

Gerade weil natürliche Lebensräume immer seltener werden, kommt naturnahen Gärten heute eine besondere Bedeutung zu. Jeder Garten, der Nahrung, Wasser und Rückzugsorte bietet, stärkt die Artenvielfalt und macht unsere Siedlungen lebenswerter.

Kurz geschnittener Rasen, darauf exakt gerade geschnittene Hecke
Für Tiere zählt nicht, wie ordentlich ein Garten wirkt, sondern wie vielfältig er strukturiert ist. Totholz, Laub, heimische Gehölze und blütenreiche Flächen schaffen Bedingungen, die in unserer intensiv genutzten Landschaft immer seltener werden.
Dr. Hannes Petrischak
Biologe, Wildbienen-Experte und Leitung Geschäftsbereich Sielmanns Naturlandschaften & Naturerlebnis

Dr. Hannes Petrischak, Biologe und Leiter des Geschäftsbereiches Sielmanns Naturlandschaften & Naturerlebnis, begeistert nicht nur mit spannenden Insekten-Webinaren. In seinen Büchern teilt er mit Ihnen sein Expertenwissen anschaulich und leicht verständlich.

Gartenhummel an lila Blüte zum Saugen von Nektar
Dr. Hannes Petrischak führt Sie durch die tierische Vielfalt naturnaher Gärten. Das Buch zeigt auf 400 farbigen Fotos mehr als 200 Tierarten und ihre Verstecke in unserer Umgebung. Erfahren Sie mehr über Vögel, Wildbienen, Schmetterlinge, Eichhörnchen und Co. Hannes Petrischak: Gartensafari - Der heimischen Natur auf der Spur. Oekom Verlag, 2022, ISBN: 978-3-96238-247-6.
Im Naturführer „Gartentiere lebensgroß“ stellt Dr. Hannes Petrischak 68 Arten und ihre Merkmale anhand lebensgroßer Abbildungen vor. So lassen sich Gartentiere ganz einfach bestimmen. Lesen Sie Wissenswertes über unsere heimische Tierwelt und nützliche Tipps zum Gärtnern. Hannes Petrischak: Gartentiere lebensgroß. Das lebt in deinem Garten, Kosmos Verlag, 2024, ISBN: 978-3-440-15948-4.
Über 570 Wildbienen-Arten gibt es in Deutschland. Sie leisten wichtige Arbeit bei der Bestäubung. Dr. Hannes Petrischak stellt im KOSMOS Naturführer 100 heimische Wildbienen-Arten vor und gibt praktische Tipps, wie wir Wildbienen beobachten und schützen können. Hannes Petrischak: Welche Wildbiene ist das?, KOSMOS Verlag, 2021, ISBN: 978-344-016-893.
In 55 ausführlichen Artporträts sowie ergänzenden Beschreibungen weiterer Arten dokumentiert Hannes Petrischak Verbreitung, Lebensräume und Nahrungspflanzen von 63 europäischen Hummelarten. von der weit verbreiteten Gartenhummel bis hin zur Polarhummel, die ausschließlich in der Tundra Skandinaviens vorkommt. Hannes Petrischak: KOSMOS-Hummelführer. KOSMOS Verlag, 2026, ISBN: 978-3-440-18180-5.
Andrea Gerhard vom Nachhaltigkeitspodcast ZWEIvorZwölf spricht mit Hannes Petrischak darüber, weshalb ein Garten oder Balkon jederzeit ein Entdeckungsort für die kleinen Wunder der Natur ist und warum wir Wespen nicht anhauchen sollten. Außerdem geht es um Veränderungen der heimischen Natur durch den Klimawandel.
Gartenhummel an lila Blüte zum Saugen von Nektar

Schon kleine Veränderungen machen einen großen Unterschied. Wer seinen Garten naturnah gestaltet, schafft Lebensraum für viele Arten – direkt vor der eigenen Haustür. Unsere Gartentipps und das praktische Tierwissen unserer Fachleute unterstützten Sie dabei.

Viel Spaß beim naturnahen Gärtnern!

Lassen Sie wilde Ecken und unterschiedliche Strukturen zu: Blühwiesen, offener Boden, Hecken, Stein- oder Laubhaufen bieten Nahrung und Rückzugsorte für zahlreiche Tiere wie Eidechsen, Igel oder Zaunkönige.

Heimische, blütenreiche Stauden wie Natternkopf, Wilde Karde oder Königskerze sind an die regionalen Bedingungen angepasst und liefern Nektar und Pollen für Insekten. Ihre Samenstände dienen Vögeln bis in den Winter als Nahrung.

Verzichten Sie auf Pestizide und Kunstdünger. Nützlinge wie Marienkäfer oder Florfliegen helfen dabei, Schädlinge auf natürliche Weise zu regulieren.

Achten Sie beim Kauf von Blumenerde auf torffreie Produkte. So schützen Sie Moore und vermeiden unnötige CO₂-Emissionen.