Lebensraum Moore

Moore spielen eine zentrale Rolle im Klimaschutz und sind wertvolle Lebensräume. Doch sie sind stark bedroht und trocknen zunehmend aus. Der Schutz der Moore ist gleichermaßen entscheidend im Kampf gegen den Klimawandel und für den Erhalt der Artenvielfalt.

Moore als Klimaschützer in Gefahr

Moore sind geheimnisvolle Landschaften und zugleich unverzichtbare Ökosysteme: Sie speichern große Mengen Kohlenstoff, regulieren den Wasserhaushalt und bieten hoch spezialisierten Tier- und Pflanzenarten ein Zuhause.

Doch diese wertvollen Lebensräume sind stark bedroht. Moore trocknen aus und verlieren dadurch nicht nur ihre ökologische Funktion – sie setzen auch große Mengen an klimaschädlichem CO₂ frei und  verlieren ihre Funktion als Klimaschützer. Darum ist der Schutz der Moore entscheidend für die Artenvielfalt und unser Klima.

1 mm

wächst die Torfschicht im Moor pro Jahr. Bis ein Meter Torf entsteht, dauert es tausend Jahre.

1,5 Mio.

Hektar umfassten die Moore in Deutschland ursprünglich, das entspricht 4,2 Prozent der Landesfläche.

5 %

der Moore in Deutschland gelten heute noch als naturnah. Der Rest wurde entwässert.

30 cm

muss die Torfschicht dick sein, damit man von einem echten Moor sprechen kann.

30 %

des erdgebundenen Kohlenstoffs werden von Mooren gespeichert, obwohl diese nur drei Prozent der globalen Landfläche bedecken.

50 %

der europäischen Moore sind nicht mehr intakt.

Moore gehören zu den bedeutendsten natürlichen Kohlenstoffspeichern der Erde. Unter den dauerhaft nassen und sauerstoffarmen Bedingungen im Moor werden abgestorbene Pflanzenreste nur sehr langsam zersetzt. Dadurch reichert sich organisches Material über lange Zeiträume als Torf an. Der Kohlenstoff, den die Pflanzen während ihres Wachstums aus der Atmosphäre aufgenommen haben, wird so im Torf gespeichert. Solange ein Moor intakt und wassergesättigt bleibt, wird dieser Kohlenstoff nur in geringem Umfang freigesetzt und kann über Jahrhunderte bis Jahrtausende im Torfkörper erhalten bleiben.

Bedeutung von Torfmoos
Feuchte Stelle mit Torfmoos von oben.

Torfböden wirken wie natürliche Schwämme. Sie können große Wassermengen aufnehmen und speichern. Ein intaktes Hochmoor kann bei Starkregen etwa 90 Prozent des Niederschlagswassers aufnehmen und später nach und nach abgeben. Diese Schwammwirkung macht Moore zu Retentionsräumen, die das Wasser zurückhalten. Sie leisten demnach einen wichtigen Beitrag zum natürlichen Hochwasserschutz und stabilisieren den Wasserhaushalt der Landschaft.

Feuchtgebiet im Moor. Grasbüschel gucken aus dem Wasser.

Im Moor herrschen besondere Bedingungen: nasse Böden, Nährstoffarmut und oft saures Wasser. Nur spezialisierte Pflanzen wie Torfmoose können hier dauerhaft wachsen und bilden die Grundlage dieses einzigartigen Lebensraums. Hier verschwimmen die Grenzen zwischen Wasser und Land – ideale Bedingungen für hoch spezialisierte Arten wie den Hochmoor-Perlmuttfalter, den Moorfrosch oder die Sumpfschrecke. Viele dieser Arten kommen ausschließlich in intakten Mooren vor und sind auf ihren Schutz angewiesen.

Wald Wiesenvögelchen sitzt auf einem Blatt
Coenonympha hero
Sehr hohes Risiko des Aussterbens
Wiesenpieper sitzt auf einem Stamm
Anthus pratensis
Sehr hohes Risiko des Aussterbens
Grosse Moosjungfer sitzt auf einem Blatt
Leucorrhinia pectoralis
Hohes Risiko des Aussterbens
Rundblättriger Sonnentau an Waldboden
Drosera rotundifolia
Hohes Risiko des Aussterbens
Blühende Sumpf Dotterblume auf einem Feld
Caltha palustris
Bestände merklich rückläufig, aber aktuell noch nicht gefährdet
Acrocephalus schoenobaenus
Die Bestände der Art sind stabil
Nasses Sumpf Storchschnabel auf einer Wiese
Geranium palustre
Die Bestände der Art sind stabil
Wachsenedes Wiesenschaumkraut auf einer Wiese
Cardamine pratensis
Die Bestände der Art sind stabil
Zimtbär sitzt im Gras
Phragmatobia fuliginosa
Die Bestände der Art sind stabil
Angaben gemäß der Roten Liste Deutschlands

Entwässerung, wirtschaftliche Nutzung und die Klimakrise entziehen Mooren ihr wichtigstes Element: das Wasser. In Bergbaufolgelandschaften war es nötig, das Grundwasser abzusenken – auch hier sind ausgetrocknete Moore die Folge. Viele andere Moore wurden entwässert, um sie land- oder forstwirtschaftlich zu nutzen oder Torf abzubauen. Dabei wird der im Boden gespeicherte Kohlenstoff freigesetzt und gelangt als CO₂ in die Atmosphäre. Mit der Entwässerung verschwinden die besonderen Lebensbedingungen des Moores – und damit auch die seltenen Arten, die auf diesen Lebensraum angewiesen sind. Ohne Schutz und Wiedervernässung gehen Moore langfristig verloren.

Schubkarre mit Blumenerde-Säcken
Schützen Sie Moore, indem Sie nur torffreie Blumenerde kaufen! Denn wer Blumenerde mit Torf kauft, trägt zum Torfabbau bei. Dafür werden Moore zerstört und trockengelegt. Der über Jahrtausende im Torf gespeicherte Kohlenstoff wird freigesetzt und gelangt als klimaschädliches CO₂ in die Atmosphäre. Achten Sie deshalb beim Kauf ausdrücklich auf die Kennzeichnung „torffrei“. So helfen Sie, Moore als wertvolle Kohlenstoffspeicher zu erhalten und das Klima zu schützen.
Prof. Michael Succow
Der Verlust unserer Moore verstärkt die Klimaerwärmung dramatisch. Wer gegensteuern will, muss die Funktionstüchtigkeit dieser Ökosysteme erhalten.
Prof. Dr. Michael Succow
Moorexperte und Träger des alternativen Nobelpreises

Moore gehören zu den wertvollsten Lebensräumen für den Klima- und Artenschutz. Als Heinz Sielmann Stiftung erwerben und sichern wir Moorflächen, revitalisieren geschädigte Moore durch die Wiederherstellung natürlicher Wasserhaushalte und entwickeln ehemalige Abbauflächen zu lebendigen Moorlandschaften. Ob in Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen oder in unseren Biotopverbünden in Süddeutschland – wir schaffen die Voraussetzungen dafür, dass Moore wieder Lebensraum für seltene Arten werden und gleichzeitig ihre wichtige Funktion als Kohlenstoffspeicher erfüllen. Zugleich unterstützen wir wissenschaftliche Forschungsprojekte zu Mooren, um wirksame Schutzmaßnahmen weiterzuentwickeln.

Feuchtgebiet im Moor. Birken im Hintergrund.
Feuchtgebiet im Moor. Birken im Hintergrund.
Vermessungsgeräte auf Moorboden
Braunkohletagebau hat viele Landschaften in Deutschland stark geschädigt. In Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen unterstützen wir ihre Erholung. Durch die Absenkung des Grundwassers trockneten Moore aus. Für ihre Revitalisierung werden individuelle Maßnahmen umgesetzt – vor allem eine Neuordnung des Wasserhaushalts, etwa durch das Verschließen von Gräben oder den Einbau von Dichtungsschichten.
Feuchtgebiet im Moor. Birken im Hintergrund.
In Sielmanns Naturlandschaften Brandenburg und unseren Biotopverbünden in Süddeutschland kaufen wir Moore. Sind sie in einem schlechten Zustand, setzen wir Maßnahmen zur Verbesserung um. Zurzeit befinden sich zum Beispiel in Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen etwa 273 Hektar Moore im Besitz der Stiftung und werden so im Sinne des Naturschutzes bewahrt.
Feuchtgebiet im Moor. Birken im Hintergrund.
In Sielmanns Naturlandschaften Brandenburg und unseren Biotopverbünden in Süddeutschland kaufen wir Moore. Sind sie in einem schlechten Zustand, setzen wir Maßnahmen zur Verbesserung um. Zurzeit befinden sich zum Beispiel in Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen etwa 273 Hektar Moore im Besitz der Stiftung und werden so im Sinne des Naturschutzes bewahrt.
Vermessungsgeräte auf Moorboden
In Nordbayern renaturiert die Heinz Sielmann Stiftung eine 5,5 Hektar große ehemalige Niedermoorfläche bei Massing. Durch extensive Beweidung mit Wasserbüffeln und Murnau-Werdenfelser Rindern wird die Artenvielfalt gefördert. Ziel ist es, seltene Arten wie die stark gefährdete Bekassine zu schützen. Gleichzeitig leisten wiedervernässte Moore einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz.
Erfolg

Die trockenen Sommer der Jahre 2018 bis 2025 haben viele Gewässer-, Feucht- und Moorbereiche der Döberitzer Heide austrocknen lassen. Tier- und Pflanzenarten, die diese Ökosysteme brauchen, verlieren ihren Lebensraum. Außerdem setzt die zunehmende Entwässerung der Moorböden große Mengen CO₂ frei. Das Wehr soll das Wasser dort halten, wo es gebraucht wird.

„Wasser ist das Überlebenselixier für die Niederung des Großen Grabens und das Ferbitzer Bruch. Wenn wir es in trockenen Sommern in der Landschaft halten können, bleiben uns viele gefährdete Arten erhalten oder kehren hoffentlich zurück“, erklärt Jörg Fürstenow, zuständig für ökologisches Monitoring und Landschaftspflegemanagement bei der Heinz Sielmann Stiftung.

Ein Wehr als steuerbares Ventil im Großen Graben

Das Bauwerk an der Speckdammbrücke ist das erste von mehreren Stauwerken im Verlauf des Großen Grabens. Es staut den Wasserstand gezielt an und wird mit einem Zugang für mobile Pumpentechnik ausgestattet. So lässt sich ein hoher Wasserstand auch dann halten, wenn die nahe gelegene Havel weniger Wasser führt. Das Wehr wirkt damit wie ein Ventil, das den Abfluss bremst, statt das kostbare Wasser unkontrolliert fortfließen zu lassen.

Das erwartet Besucherinnen und Besucher während der Bauzeit

Während der Arbeiten bis voraussichtlich Ende August ist im Umfeld der Speckdammbrücke mit Baufahrzeugen zu rechnen. Der südliche Eingang zur Döberitzer Heide wird voraussichtlich zeitweise nur eingeschränkt genutzt werden können. Da weite Teile des ehemaligen Truppenübungsplatzes noch immer Munitionsverdachtsflächen sind, dürfen Baustellenbereiche grundsätzlich nicht betreten werden. Besucherinnen und Besucher müssen sich an die Absperrungen und Hinweisschilder vor Ort halten.

Aktuelle Informationen zu Sperrungen und Umleitungen finden Sie unter www.sielmann-stiftung.de/doeberitzer-heide

 

HINTERGRÜNDE

Bauprojekt für einen stabilen Wasserhaushalt in der Döberitzer Heide

Das Wehr an der Speckdammbrücke ist Teil eines größeren Vorhabens, das den Wasserhaushalt der gesamten Niederung neu ordnet. Ein zweites Wehr an der Wasserscheide nahe der Mündung des Ferbitzer Bruchgrabens verhindert, dass Wasser ungeregelt in Richtung Priort abfließt und im Winter verloren geht. Ein Rohrschöpfwerk am Ferbitzer Bruch hält dort den Wasserstand über weite Teile des Jahres und sichert die wertvollen Pfeifengraswiesen mit Filz-Segge oder Sumpf-Knabenkraut. Erst im Zusammenspiel der drei Bauwerke entsteht ein stabiles Wasserregime für seltene Arten wie Rotbauchunke, Kammmolch, Schlammpeitzger oder Kranich.

Das Vorhaben „Anlage, Sicherung und Stabilisierung von Feucht- und Nasslebensräumen in der Niederung des Großen Grabens mit Ferbitzer Bruch" wird im Rahmen des ELER-Fonds gefördert. Der erste Teil lief von 2022 bis 2024; der zweite Teil widmet sich vorrangig dem Wasserrückhalt und der Regulierung.

Erfolg

Insgesamt 210 Arten, davon 113 Wildbienen und 97 Wespen: Das ist die bemerkenswerte Bilanz einer wissenschaftlichen Erfassung von Stechimmen in den Mooren von Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen. „Schon während der Auswertung deutete sich an, dass die Ergebnisse wirklich außergewöhnlich sein werden“, sagt Dr. Christoph Saure vom Senckenberg Deutschen Entomologischen Institut. Er hat die Untersuchung im Auftrag der Heinz Sielmann Stiftung federführend durchgeführt.

Womit selbst Saure und sein Expertenteam nicht gerechnet haben: Von den vorgefundenen Arten ist fast jede fünfte in Brandenburg gefährdet (19 Prozent). Gut jede zehnte Art (13 Prozent) steht auf der deutschlandweiten Roten Liste. Drei der gefundenen Arten galten bislang in Brandenburg als verschollen oder ausgestorben. Ihre Ergebnisse publizierten die Experten nun im Fachblatt Märkische Entomologische Nachrichten. Laut der Studie sind die Moore „offensichtlich für Stechimmen von großer Bedeutung, für einige Arten sogar von gesamtstaatlicher Bedeutung.“

Wertvoller Lebensraum mit bewegter Geschichte

Herausragend ist etwa der Fund von Vechts Bartwegwespe (Dipogon vechti). Diese Art braucht zum Überleben Wälder mit hohem Totholzbestand und erbeutet Spinnen. In Deutschland ist sie sehr selten, in Brandenburg galt sie bislang als verschollen. Auch der Dunkle Fliegenjäger (Ectemnius rugifer) ist eine echte Rarität: In Brandenburg wurde er zuletzt 1987 gefunden, deutschlandweit gilt er als vom Aussterben bedroht.

Beide Arten brauchen zum Überleben alte und ursprüngliche Wälder und Moore, wie sie in der Region über Jahrtausende existierten. Doch mit der Senkung des Grundwassers für den Bergbau ab den 1970er Jahren wurden die Moore von Wanninchen über Jahrzehnte hinweg stark geschädigt. Erst seit dem Erwerb durch die Heinz Sielmann Stiftung im Jahr 2000 können sich die insgesamt 270 Hektar großen Flächen, namentlich das Bergen-Weißacker Moor, Brandteichmoor und Grünswalder Moor, wieder erholen.

Weitere seltene Funde zu erwarten

Dass ausgerechnet hier für ausgestorben gehaltene Reliktarten wiedergefunden wurden, war eigentlich nicht zu erwarten und hat auch den Experten Christoph Saure überrascht. „Diese Arten müssen jahrzehntelang unbemerkt und zurückgezogen überlebt haben“, sagt Saure: „Dass wir sie nun finden konnten, zeigt, dass ihre Zahlen zugenommen haben müssen. Das ist vor allem dem Erhalt der Moore durch die Heinz Sielmann Stiftung zu verdanken.“

Für die Zukunft erwartet er noch weitere interessante Funde: „Wir haben für diese Studie nur reduzierte Methoden angewendet. Die Befunde zeigen jetzt schon, dass man bei mehr Aufwand mit weiteren bemerkenswerten Arten rechnen kann.“

Vielfältiges Mosaik von Lebensräumen

„Studien wie diese zeigen den hohen ökologischen Wert der hier vorhandenen Lebensräume“, sagt Ralf Donat, Leiter von Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen: „Der Artenreichtum in den Mooren entsteht auch, weil hier viele unterschiedliche Lebensräume direkt angrenzen.“ Einige bedrohte Arten, die in der Studie festgestellt wurden, profitieren demnach von den offenen Flächen, die die Moore bieten. Zu ihnen zählen auch Arten, die gar nicht direkt auf Feuchtgebiete angewiesen sind.

Ein Beispiel ist die in Brandenburg stark gefährdete Heidehummel (Bombus jonellus) oder die auf der Vorwarnliste für bedrohte Arten geführte Heidekraut-Seidenbiene (Colletes succinctus). Auch die Schwärzliche Wespenbiene (Nomada furva) ist so ein besonderer Fall. Sie parasitiert Bienen, die offene, blütenreiche Landschaften bevorzugen. Zuletzt wurde die Art 1986 in Brandenburg registriert. Zwar kommt sie in manchen anderen Bundesländern vor, gilt dort jedoch stets mindestens als stark gefährdet.

Verblüffende Funde auch in anderen Tiergruppen

„Eine solche Artenvielfalt und vor allem die Funde hochangepasster Spezialisten zeigen, dass es vor 25 Jahren richtig und wichtig war, die Flächen der Moore von Wanninchen zu erwerben“, sagt Donat. „Wir können hier die Landschaft dabei beobachten, wie sie sich von den gravierenden Einwirkungen der vergangenen Jahrzehnte erholt und immer mehr Wert für die Natur erhält.“

Auch in anderen Tiergruppen zeigte sich bereits, dass die Moore von Wanninchen ökologische Schätze bergen. Im gleichen Untersuchungszeitraum wurde auch eine besondere Artengemeinschaft von Schwebfliegen festgestellt. Im vergangenen Jahr wurde ein außergewöhnlicher Spinnenfund gemacht: Das Feder-Zwergstachelbein galt bis dato in Brandenburg als verschollen.

 

Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen feiert in diesem Jahr ihr 25-jähriges Bestehen und lädt aus diesem Anlass am 14. und 15. Juni zum großen Jubiläums-Wochenende nach Wanninchen ein. Interessierte erwartet ein reichhaltiges Informationsprogramm und Ausstellungen.

Mehr über Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen erfahren Sie hier.

Erfolg

Die Hummelschwebfliege (Mallota fuciformis) macht ihrem Namen alle Ehre: Nicht nur, dass sie mit ihrem Pelz und ihren Farben nahezu perfekt eine Erdhummel imitiert. Sie fliegt auch hoch und laut wie eine Hummel, und wie eine Hummel ernährt sie sich rein vegetarisch von Blütennektar und Pollen. Das macht die Hummelschwebfliege wie ihr Vorbild zu einer wichtigen Bestäuberin von Blütenpflanzen.

Erstaunliche Funde: Zwei neue Arten für Brandenburg

Das besondere und seltene Insekt ist bei einer wissenschaftlichen Bestandsaufnahme von Fliegen und Hautflüglern in den Mooren von Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen festgestellt worden. Durch die Heinz Sielmann Stiftung beauftragte Experten hatten das Gebiet im Sommer 2023 untersucht, nun liegen die Ergebnisse vor.

106 Arten von Schwebfliegen wurden in den Mooren gefunden: 40 Prozent aller Arten, die in Brandenburg vorkommen und gut ein Fünftel aller Schwebfliegen-Arten in Deutschland. „Das sind herausragende Zahlen. Sie zeigen, wie wichtig die untersuchten Lebensräume für diese Tiergruppe sind“, erklärt Dr. Jörg Müller, Experte für ökologisches Monitoring bei der Heinz Sielmann Stiftung: „Die abwechslungsreiche Landschaft spiegelt sich in einer reichen Artenvielfalt wider.“

21 der gefundenen Arten gelten in Brandenburg als extrem selten, gefährdet oder gar vom Aussterben bedroht. Zu letzteren zählt auch die Hummelschwebfliege. Zwei gefundene Arten wurden sogar noch nie zuvor in Brandenburg registriert: die Schwebfliegen Parasyrphus nigritarsis und Sphaerophoria philanthus.

Prädikat „besonders wertvoll“

Untersucht wurden das Bergen-Weißacker Moor, Brandteichmoor und Grünswalder Moor. Alle drei sind durch die Bergbauarbeiten in den vergangenen Jahrzehnten stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Seit die Heinz Sielmann Stiftung die Flächen für den Naturschutz erworben hat, können sich die Moore allmählich erholen. Das nun vorliegende Expertengutachten attestiert: Die Moore seien „von hoher regionaler Bedeutung“ für die Artenvielfalt und als Lebensräume für Schwebfliegen „besonders wertvoll“.

Dabei sind Moore für viele der gefundenen Arten gar nicht der bevorzugte Lebensraum. Die Hummelschwebfliege etwa braucht alte Bäume und Obstblüten, die sie in den angrenzenden Wäldern und Heiden findet. Auf ihren Wanderwegen dazwischen kreuzt sie die Moore und wurde womöglich deshalb hier gefunden.

Nahezu perfekte Täuschung

Dass die Hummelschwebfliege Erdhummeln nachahmt, ist kein Zufall: Hummeln können zur Verteidigung stechen, während die Fliege selbst völlig harmlos ist. Die fast perfekte Imitation schützt sie vor potentiellen Fressfeinden. Mimikry heißt dieses Phänomen in der Biologie. Auch andere Schwebfliegen nutzen die Strategie und tarnen sich als Biene, Wespe oder Hornisse.

Trotzdem gibt es ein paar deutliche Unterschiede zwischen Imitat und echter Hummel: Die Fliege hat nur ein Flügelpaar, während Hummeln vier Flügel besitzen. Auch der Blick aufs Insektengesicht verrät die Zugehörigkeit. Bei Schwebfliegen sitzt zwischen zwei halbmondförmigen Facettenaugen ein stummeliges Fühlerpaar. Hummeln haben dagegen ovale Augen und tragen an ihrem Kopf zwei deutlich sichtbare Fühler.

Lebensweise gibt Rätsel auf

Die Hummelschwebfliege ist wie ihr Vorbild bereits früh im Jahr unterwegs: Schon Ende März wird sie aktiv und besucht blühende Obstgehölze wie Apfel, Pflaumen oder Weißdorn. Nur wenige Wochen lebt sie als ausgewachsenes Tier. In dieser Zeit paart sie sich und legt ihre Eier ab. Ihre Larven leben in feuchten, mulmigen Höhlen alter Bäume. Was sie dort machen? „Das weiß niemand so genau“, sagt Müller: „Trotz ihrer wichtigen ökologischen Funktion ist die Lebensweise vieler Schwebfliegen, insbesondere der Larven, bisher noch zu wenig erforscht.“

Heimat für viele seltene und gefährdete Arten

Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen bietet der rätselhaften und gefährdeten Art aber offenbar beste Lebensbedingungen: Rings um die Moore findet sie die nötigen Blüten sowie alte Weiden als Kinderstuben für ihre Larven. „Es ist erstaunlich, wie schnell die Natur hier Wunden aus der Vergangenheit in der Landschaft schließt und sich neu entwickelt“, sagt Ralf Donat, Leiter von Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen: „Uns ist es ein Anliegen, sie dabei durch geeignete Maßnahmen zu unterstützen. Erst dieser Prozess ermöglicht die enorme Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten, die auch Experten hier immer wieder faszinieren.“

Mehr über Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen erfahren Sie hier.

Hier finden Sie einen kompakten Naturführer der Heinz Sielmann Stiftung über heimische Schwebfliegen.

Unterstützen Sie uns dabei, Flächen zu kaufen, um diese dauerhaft für die Natur zu bewahren.

Jetzt spenden