Lebensraum Wald
Wälder sind die grüne Lunge unseres Planeten und für funktionierende Ökosysteme unverzichtbar. Dennoch schreitet der Verlust naturnaher Wälder weltweit weiter voran.
Wälder sind die grüne Lunge unseres Planeten und für funktionierende Ökosysteme unverzichtbar. Dennoch schreitet der Verlust naturnaher Wälder weltweit weiter voran.
Der Wald ist seit Jahrtausenden Anziehungspunkt für Menschen. Früher Schauplatz schauriger Mythen und Märchen, gewinnt er heute als Ort der Erholung und des Naturerlebens sowie als wichtiger Ausgleich zum Alltag neue Bedeutung.
Doch wie steht es um unsere Wälder? Als Kohlenstoffspeicher, Luftreiniger und Lebensraum übernehmen sie zentrale Aufgaben für Mensch und Natur. Gleichzeitig geraten sie durch Klimawandel und intensive Nutzung zunehmend unter Druck. Der Schutz unserer Wälder ist daher entscheidend für Klima, Artenvielfalt und unsere Zukunft.
der Wälder in Deutschland können sich frei entwickeln. Der Rest wird bewirtschaftet oder anderweitig durch uns beeinflusst.
gibt es schätzungsweise weltweit, das sind ca. 422 Bäume pro Person.
Wald gibt es in Deutschland, also fast ein Drittel der gesamten Landesfläche.
Sauerstoff erzeugen unsere Wälder in etwa jährlich.
kann es dauern, bis eine Eiche zum ersten Mal Früchte trägt.
alt soll der älteste noch lebende Baum der Welt sein, eine Fichte im schwedischen Fulufjäll-Gebirge.
Ohne menschlichen Einfluss wäre Deutschland heute überwiegend von Buchenwäldern bedeckt – etwa drei Viertel der Fläche. Tatsächlich sind es nur noch rund 15 Prozent. Besonders alte, naturnahe Buchenwälder sind extrem selten: Sie machen weniger als ein Promille der Fläche aus. Einige dieser letzten ursprünglichen Wälder wurden als UNESCO-Weltnaturerbe ausgezeichnet.
Naturnahe Wälder unterscheiden sich grundlegend von intensiv genutzten Wirtschaftswäldern. Sie sind strukturreich, vielschichtig und entwickeln sich weitgehend ohne Eingriffe des Menschen. Gerade diese Vielfalt an Strukturen macht sie zu besonders wertvollen Lebensräumen.
Ein entscheidender Faktor ist das Totholz: Abgestorbene Bäume bleiben im Wald und werden nicht entfernt. Sie bieten Lebensraum für unzählige Tiere, Pilze und Pflanzen – darunter viele seltene und gefährdete Arten, die auf solche Strukturen angewiesen sind. In naturnahen Wäldern entstehen außerdem Baumhöhlen, Bruchstellen, alte Kronen und unterschiedliche Altersphasen nebeneinander. Dieses Nebeneinander schafft ein komplexes Ökosystem mit zahlreichen Nischen. In intensiv bewirtschafteten Wäldern fehlen diese Strukturen häufig. Bäume werden meist gefällt, bevor sie alt werden oder ökologisch wertvolle Merkmale ausbilden. Dadurch gehen wichtige Lebensräume verloren und die biologische Vielfalt nimmt ab.
Wälder spielen eine zentrale Rolle im Klimaschutz, doch gleichzeitig leiden sie selbst unter den Folgen der Klimakrise. Um aus Kohlendioxid (CO₂) Sauerstoff zu produzieren, benötigen Bäume vor allem Wasser. Die deutschen Wälder erzeugen jährlich etwa 25–38 Millionen Tonnen Sauerstoff. Das ist etwa eineinhalb mal mehr als wir zum Atmen brauchen. Da wir allerdings nicht nur atmen, sondern durch Autos, Flugverkehr, Industrie oder Heizen zusätzlich riesige Mengen CO₂ verursachen, reicht die CO₂-Aufnahme des Waldes nicht aus, um sämtliche menschengemachten CO₂-Emissionen auszugleichen. Es verbleibt zu viel des Treibhausgases in der Atmosphäre, was die Klimakrise verstärkt. Die Folge sind steigende Temperaturen, lange Trockenperioden, Starkregen und lange Frostperioden.
Trockenheitstolerante Baumarten wie Kiefer und Eiche können damit bis zu einem gewissen Grad umgehen. Feuchtigkeitsliebende Arten wie Fichte oder Buche können dem Wandel weniger gut standhalten. Je mehr Blätter ein Baum hat, desto mehr Wasser verdunstet er. Laubbäume wie die Buche verlieren jedoch im Herbst ihre Blätter und senken damit ihren Wasserverbrauch. Nadelbäume wie die Fichte behalten ihre Nadeln das ganze Jahr über – und verdunsten deshalb auch im Winter weiterhin Wasser. Wenn es über längere Zeit zu trocken ist, wird Wasser für alle Bäume knapp. Um sich zu schützen, reagieren viele Laubbäume, indem sie ihre Blätter früher abwerfen. So verringern sie zwar den Wasserverlust, doch gleichzeitig verlieren sie die Grundlage für die Energieproduktion. Denn ohne Blätter können Bäume keine Photosynthese betreiben und somit keine Nährstoffe bilden. Sie gehen geschwächt in die nächste Wachstumsperiode und sind anfälliger für Hitze, Stürme und Krankheiten.
So gerät der Wald immer stärker unter Druck und mit ihm ein wichtiger Bestandteil bei der Bewältigung der Klimafolgen sowie ein zentraler Lebensraum für die Artenvielfalt.
Die Heinz Sielmann Stiftung kauft gezielt Waldflächen und entzieht sie dauerhaft der Holzwirtschaft. Alte Laubwälder und artenreiche Bestände können sich ungestört entwickeln. Totholz bleibt als wichtiger Lebensraum für Pilze, Insekten und seltene Tiere erhalten. Zugleich sichert die Stiftung Wanderwege und macht die Wälder für Besucher erlebbar.