Luftbild eines Waldes mit angrenzender violetter Heidefläche

Sielmanns Naturlandschaft Kyritz-Ruppiner Heide

Die Kyritz-Ruppiner Heide ist eine der größten zusammenhängenden Heidelandschaften Europas, gehört zu den größten unzerschnittenen Räumen Deutschlands und ist seit 2012 als Nationales Naturerbe ausgewiesen. Seit 2026 ist das gesamte Gebiet zudem als Sternenpark anerkannt.

Die Kyritz-Ruppiner Heide ist eine einzigartige Naturlandschaft im Nordwesten Brandenburgs und die größte Heidefläche Deutschlands. Ihre weitläufigen Offenlandlebensräume bieten seltenen Arten wichtige Rückzugsorte.

Durch jahrzehntelange militärische Nutzung entstand eine offene, unzerschnittene Landschaft, die heute zahlreichen spezialisierten und seltenen Arten Lebensraum bietet. Dazu zählen der Heide-Sandlaufkäfer, das Große Mausohr, die Rote Röhrenspinne, die Blauflügelige Ödlandschrecke sowie viele Wildbienen- und Falterarten. Auch Vögel wie Ziegenmelker, Wiedehopf und Steinschmätzer finden hier wichtige Rückzugsräume.

Lage
Größe
Lebensräume
Besonderheiten
Global Goals

Die Kyritz-Ruppiner Heide erstreckt sich über 12.000 Hektar im Nordwesten Brandenburgs und zählt zu den größten Heidelandschaften Europas.

Von 1945 bis 1992 als sowjetischer Truppenübungsplatz genutzt, blieb eine offene, weitgehend ungestörte Landschaft erhalten. Rund 9.400 Hektar stehen heute unter hohem Schutzstatus nach der FFH-Richtlinie.

Als Teil des Nationalen Naturerbes ist die Fläche ein wichtiger Schlüssellandschaftsraum für den Erhalt seltener Offenland- und Heidearten in Deutschland.

Die Kyritz-Ruppiner Heide ist geprägt von Sandböden, Heidekrautflächen, Sukzessionswäldern und Kiefernwäldern. Sie bietet spezialisierten Arten wie Ziegenmelker, Heidelerche, Blauflüglige Ödlandschrecke, Wildbienen und Schmetterlingen geeignete Lebensräume. Offene Sandflächen und strukturreiche Übergänge zu Wäldern und Waldrändern schaffen vielfältige ökologische Nischen.

Nahaufnahme violette Heidepflanzen

In der Kyritz-Ruppiner Heide wurden über 2.300 Arten nachgewiesen, darunter 1.599 Tiere, 264 Großschmetterlingsarten, 245 Gefäßpflanzen, 125 Flechten und seltene Vögel wie der Brachpieper mit 27 Revierpaaren.

Brachpieper steht im Sand
Anthus campestris
Art so gut wie augestorben, nur noch Restbestände vorhanden
Kornweihe fliegt über ein Feld
Circus cyaneus
Art so gut wie augestorben, nur noch Restbestände vorhanden
Rote Röhrenspinne krabbelt über Sandboden
Eresus kollari
Sehr hohes Risiko des Aussterbens
Heidehummel saugt an Heidekraut
Bombus jonellus
Hohes Risiko des Aussterbens
Wiedehopf im Anflug auf sein Nest
Upupa epops
Hohes Risiko des Aussterbens
Wolf steht auf einem Feld
Canis lupus
Hohes Risiko des Aussterbens
Ziegenmelker liegt auf einem Ast
Caprimulgus europaeus
Hohes Risiko des Aussterbens
Sandbiene sitzt an einer Blüte
Andrena fuscipes
Bestände merklich rückläufig, aber aktuell noch nicht gefährdet
Seidenbiene auf Heidekraut
Colletes succinctus
Bestände merklich rückläufig, aber aktuell noch nicht gefährdet
Heidelerche sitzt auf einem Baumstamm
Lullula arborea
Bestände merklich rückläufig, aber aktuell noch nicht gefährdet
Zwei Waldschnepfe fressen
Scolopax rusticola
Bestände merklich rückläufig, aber aktuell noch nicht gefährdet
Erdhummel mit schwarzem Hinterleib an Heideblüte
Bombus terrestris
Die Bestände der Art sind stabil
Schneefloh steht auf einem Blatt
Bolerus hyemalis
Die Bestände der Art sind stabil
Schwarzkehlchen steht auf dem Ende eines Stammes
Saxicola rubicola
Die Bestände der Art sind stabil
Seeadler im Flug
Haliaeetus albicilla
Die Bestände der Art sind stabil
Zimtbär sitzt im Gras
Phragmatobia fuliginosa
Die Bestände der Art sind stabil
Angaben gemäß der Roten Liste Deutschlands

Seit 2012 betreut die Heinz Sielmann Stiftung rund 4.000 Hektar im Süden des ehemaligen Truppenübungsplatzes „Wittstock“ (Bombodrom) und sichert die Fläche als Teil des Nationalen Naturerbes dauerhaft für den Naturschutz.

Die frühere militärische Nutzung hat großflächige, offene Heideflächen erhalten, die heute selten sind. Ziel ist es, Verwaldung oder Vergrasung zu verhindern und die Landschaft als Lebensraum für Flora und Fauna zu bewahren.

Zugleich dient die Fläche als Modell für wissenschaftlich fundierte Pflege, Monitoring und Naturschutzmanagement.

Luftbild Heidefläche mit Bäumen und Sandwegen

Die Stiftung pflegt die Heideflächen durch extensive Beweidung, kontrolliertes Brennen und Heidemahd, um die Offenlandschaft zu erhalten. In Kooperation mit dem Bundesforst Westbrandenburg werden Kiefernforste zu artenreichen, klimaresilienten Laubmischwäldern umgebaut.

Konikpferde in der Kyritz-Ruppiner Heide beweiden das Offenland
Lodernde Brandstellen auf Heideboden mit Birken und Fichten
Mit Moos bewachsener alter Baumstamm liegt im Wald, im Hntergund Nadelbäume
Kompakt gebautes Fahrrad steht auf einem Sandweg in violetter Heidefläche, im Hintergrund Bäume und ein Aussichtsturm
Luftaufnahme einer violetten Heidefläche mit vereinzelten Bäumen
Konikpferde halten die Heide offen, verhindern Verbuschung und schaffen durch Fraß- und Trittmuster Lebensräume für Insekten und Kleintiere.
Konikpferde in der Kyritz-Ruppiner Heide beweiden das Offenland
Gezielte Mahd und kontrolliertes Brennen fördern die Regeneration von Heidekraut, einer für viele seltene Arten wichtigen Vegetation. So kann sich die Heide verjüngen und wieder neu austreiben. Die Wirksamkeit der Maßnahmen untersucht die Stiftung mithilfe von Drohnenaufnahmen.
Lodernde Brandstellen auf Heideboden mit Birken und Fichten
Monokulturen aus Kiefer werden behutsam aufgelichtet, um artenreichere und klimastabile Laubmischwälder zu entwickeln und die Biodiversität zu erhöhen.
Mit Moos bewachsener alter Baumstamm liegt im Wald, im Hntergund Nadelbäume
Alte Übungsflächen werden gesichert und entmunitioniert, um Naturschutzmaßnahmen zu ermöglichen und das Gebiet nachhaltig für den Ökotourismus zu erschließen.
Kompakt gebautes Fahrrad steht auf einem Sandweg in violetter Heidefläche, im Hintergrund Bäume und ein Aussichtsturm
Unter dem Projektnamen „NaTec-KRH“ wurden Fernerkundung via Drohne und KI eingesetzt, um von 2017 bis 2023 die Landschaftsentwicklung und Pflegeerfolge zu überwachen und die Pflegemaßnahmen der Stiftung zu optimieren.
Luftaufnahme einer violetten Heidefläche mit vereinzelten Bäumen
Erfolg

Die verheerenden Waldbrände der vergangenen Jahre haben verstärkte Schutzmaßnahmen nötig gemacht. Bereits im Sommer 2023 wurde deshalb in Sielmanns Naturlandschaft Tangersdorfer Heide ein vorhandener Brandschutzstreifen in einem monotonen Kiefernforst von 20 auf 50 Meter Breite erweitert. Dafür wurde die brandgefährdete Kiefermonokultur auf dieser Fläche vollständig entfernt, die Pflanzendecke abgetragen und der offene Sandboden geglättet. Der Streifen soll als zusätzliche Barriere gegen Brände dienen und die nahegelegene Ortslage Tangersdorf besser schützen.

Junges Heidekraut besiedelt Brandschutzstreifen

Was zunächst als rein technische Brandschutzmaßnahme geplant war, zeigt mittlerweile auch einen überraschend positiven ökologischen Effekt. Seit dem Sommer 2024 besiedeln zahlreiche Jungpflanzen des Heidekrauts (Calluna vulgaris) die freigestellten Flächen – und viele davon blühen jetzt im Spätsommer.

„Diese schnelle und vitale Rückkehr der Heide haben wir so nicht erwartet. Die natürliche Samenbank im Boden enthielt also auch nach vielen Jahren noch viele keimfähige Samen des Heidekrauts,“ erklärt Rebecca Oechslein, Leiterin der Sielmanns Naturlandschaft Tangersdorfer Heide: „Diese Entwicklung der Heide allein aus Samen im Boden zeigt das erstaunliche Regenerationspotenzial, das selbst noch in stark veränderten Landschaften steckt – und wie wichtig es ist, diese Potenziale künftig gezielter zu stärken.“

Eine neue trockenresistente Generation wächst heran

Im Mai 2025 dokumentierte Oechslein mit einem weiteren Experten der Heinz Sielmann Stiftung den Zustand des neuen Heidekrauts. Zur Freude der Fachleute hatten sich die jungen Pflanzen trotz des extrem trockenen Frühjahrs gut entwickelt. „Gerade junge Pflanzen reagieren oft widerstandsfähiger auf Trockenperioden und können sich flexibler an wechselnde Umweltbedingungen anpassen“, stellt Oechslein fest.

In Zeiten des Klimawandels ist es daher umso wichtiger, dass immer wieder neue Generationen an Pflanzen heranwachsen, die an die standortspezifischen, klimatischen Bedingungen angepasst sind und so das langfristige Überleben ihrer Art sichern. Neben dem Heidekraut stellten die Experten auch noch weitere für karge Sandflächen typische Pflanzenarten wie Silbergras (Corynephorus canescens), Berg-Sandglöckchen (Jasione montana) und Nacktstängeliger Bauernsenf (Teesdalia nudicaulis) fest, die sich den Brandschutzstreifen als Lebensraum zurückerobern.

Wertvoller Lebensraum für Tiere und Pflanzen

Die Maßnahme in der Tangersdorfer Heide zeigt, dass effektiver Brandschutz und der Erhalt gefährdeter Lebensräume keineswegs im Widerspruch zueinander stehen müssen. „Im Gegenteil: Wenn solche Maßnahmen mit der nötigen naturschutzfachlichen Expertise und Weitsicht geplant und umgesetzt werden, können sie sowohl zur Gefahrenabwehr als auch zur Förderung geschützter Lebensraumtypen beitragen“, sagt Oechslein.

Heidelandschaften stehen wegen ihrer hohen Bedeutung für die Artenvielfalt europaweit unter Naturschutz. Über die vergangenen Jahrzehnte sind sie zunehmend intensiv genutzten Forst- und Agrarlandschaften gewichen und immer seltener geworden. Wo das Heidekraut verschwindet, verlieren auch viele hochspezialisierte Tier- und Pflanzenarten ihre Heimat. Deshalb engagiert sich die Heinz Sielmann Stiftung in Brandenburg gezielt für den Erhalt und die Pflege dieser wertvollen Landschaften.

Mehr über Sielmanns Naturlandschaft Tangersdorfer Heide erfahren Sie hier.

Erfolg

Mithilfe spezieller Aufnahmegeräte haben Experten der Heinz Sielmann Stiftung in 19 Nächten über 6.000 Rufe heimischer Fledermausarten aufgenommen. Die sogenannten Batcorder erfassen den für Menschen nicht wahrnehmbaren Ultraschall, den Fledermäuse nutzen, um sich zu orientieren. „Wir konnten immerhin neun von insgesamt 25 in Deutschland vorkommenden Fledermausarten auf unseren Flächen nachweisen“, erklärt Rebecca Oechslein, Leiterin der Sielmanns Naturlandschaft Kyritz-Ruppiner Heide.

Strukturreiche Landschaft bietet gute Lebensbedingungen

Die vorgefundenen Arten haben teilweise sehr unterschiedliche Ansprüche, was ihren Lebensraum und das vorhandene Nahrungsangebot betreffen. Das zeigt, dass die Jäger der Nacht offenbar von der Strukturvielfalt auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz profitieren. Die Heinz Sielmann Stiftung setzt sich für den Erhalt der offenen Heideflächen ein, schützt aber auch Wälder als sogenannte Prozessschutzflächen. Dort finden keine forstlichen Maßnahmen mehr statt und Bäume können dick und alt werden.

Die Fledermäuse finden dadurch gute Jagdreviere im Offenland und in den Waldrandbereichen sowie geeignete Verstecke in den Wäldern. Auch die alten Dörfer im Umfeld der Heide spielen eine Rolle als Tagesquartier. Viele Fledermausarten verbringen den Tag in Dachstühlen oder Mauerritzen. Auch vor Licht- und Lärmverschmutzung sind die Fledermäuse in der Kyritz-Ruppiner Heide weitgehend abgeschirmt. Das Gebiet zählt zu den dunkelsten Orten in Deutschland und bietet Fledermäusen somit ideale Bedingungen, um in der Dämmerung und Nacht ungestört nach Insekten zu jagen.

Fledermäuse finden einen gedeckten Tisch in der Heide

Insbesondere die enorme Insektenvielfalt in der Heide liefert den Fledermäusen eine optimale Nahrungsgrundlage, die sie auf intensiv genutzten landwirtschaftlichen Flächen kaum noch vorfinden. So jagt der Große Abendsegler (Nyctalus noctula) mit Geschwindigkeiten von bis zu 50 km/h nach Fluginsekten im freien Luftraum. Das Große Mausohr (Myotis myotis) ist hingegen spezialisiert auf die Jagd nach großen Käfern oder Grillen am Boden. Die Art ist mit einer Flügelspannweite von etwa 40 Zentimetern Deutschlands größte Fledermaus.

Auch die kleinste heimische Fledermaus, die Mückenfledermaus (Pipistrellus pygmaeus), kommt in der Kyritz-Ruppiner Heide vor. Sie passt mit eingeklappten Flügeln in eine Streichholzschachtel und wiegt nicht mehr als ein Stück Würfelzucker. Gemäß Bundesnaturschutzgesetz und der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtline stehen alle Fledermausarten unter Schutz. Auch ihre Jagdgebiete sowie Tages- und Winterquartiere sind durch die Richtlinie geschützt.

Fledermäuse werden weiterhin belauscht

Die Fledermäuse in Sielmanns Naturlandschaft Kyritz-Ruppiner Heide müssen sich vorerst weiter darauf einstellen, abgehört zu werden. Das Monitoring soll in den Folgejahren wiederholt werden. Auf diese Weise möchten die Experten der Heinz Sielmann Stiftung noch mehr über die Fledermausbestände erfahren und herausfinden, wie man sie durch gezielte Naturschutzmaßnahmen unterstützen kann. „Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass wir mit unseren Maßnahmen in der Landschaftspflege, aber auch mit den Flächen für Prozessschutz bereits auf dem richtigen Weg sind“, sagt Rebecca Oechslein.

Mehr über Sielmanns Naturlandschaft Kyritz-Ruppiner Heide erfahren Sie hier.

Erfolg

Etwa 31 Schmetterlingsarten in Brandenburg leben ausschließlich in Heidelandschaften. Bis auf wenige Ausnahmen kommen sie alle in Sielmanns Naturlandschaft Kyritz-Ruppiner Heide vor. Das stellten Experten im Auftrag der Heinz Sielmann Stiftung fest: ein herausragender Befund, der die Einzigartigkeit von Sielmanns Naturlandschaft Kyritz-Ruppiner Heide belegt. Insgesamt wurden in dem Gebiet 264 Arten von Großschmetterlingen registriert. 

Hohe Artenvielfalt und gesunde Bestände

Besonders erfreulich ist dabei nicht nur die große Artenvielfalt, sondern auch die schiere Anzahl an vorgefundenen Art-Individuen, was für durchweg stabile Vorkommen spricht. „Die Ergebnisse zeigen, dass in der Kyritz-Ruppiner Heide ideale Lebensbedingungen für viele heidetypische Schmetterlingsarten herrschen“, sagt Schmetterlingsexperte Dr. Jörg Gelbrecht, der durch die Heinz Sielmann Stiftung mit der Erfassung beauftragt worden war. 

Störfaktoren wie Düngemittel und Pestizide aus der Landwirtschaft oder künstliches Licht dringen in viele Teile von Sielmanns Naturlandschaft Kyritz-Ruppiner Heide nicht vor. „Das Gebiet ist dadurch ein wertvoller Rückzugsraum für Arten, die aus anderen Gegenden bereits verschwunden sind“, erklärt Gelbrecht. 

Rückkehr eines Spezialisten

Unter den gefundenen Arten befinden sich bekannte Tagfalter wie Zitronenfalter (Gonepteryx rhamni), Trauermantel (Nymphalis antiopa) und Argusbläuling (Plebejus argus), ebenso weniger bekannte Arten wie Mondvogel (Phalera bucephala), Zimtbär (Phragmatobia fuliginosa) oder Holzeule (Lithophane ornitopus): Allesamt Schmetterlinge, die auch andere Ökosysteme als Heidelandschaften besiedeln können. 

Für die Experten ist jedoch vor allem die hohe Vielfalt von Arten bemerkenswert, die auf Heidekraut oder Heiden als Lebensraum angewiesen sind. Darunter befinden sich solche wie der Steppenheiden-Grünspanner (Chlorissa viridata), der Frankfurter Ringelspinner (Malacosoma franconica) und die Sandheiden-Rindeneule (Acronicta cinerea). Wegen ihrer starken Spezialisierung sind sie entsprechend anspruchsvoll in Bezug auf ihre Lebensräume.

So auch der deutschlandweit vom Aussterben bedrohte Heidekraut-Fleckenspanner (Dyscia fagaria): Er wurde 1995 zuletzt im heutigen Gebiet von Sielmanns Naturlandschaft Kyritz-Ruppiner Heide registriert und ist hier nun wiedergefunden worden. Er ist auf große, offene Heiden angewiesen, die mit sandigen Stellen durchsetzt sind. 

Ohne Pflege verschwindet die Heidelandschaft

Solche Offenlandschaften haben ursprünglich unter anderem Großwildherden auf natürliche Weise geschaffen. Heute befinden sich die letzten großen Heiden in Brandenburg fast alle auf ehemaligen Truppenübungsplätzen wie der Kyritz-Ruppiner Heide. Dort hat die langjährige militärische Nutzung den Boden künstlich offen gehalten. 

Seit 2011 hat die Heinz Sielmann Stiftung insgesamt 4.000 Hektar im Süden der Kyritz-Ruppiner Heide erworben, um diese dauerhaft für den Naturschutz zu sichern und gemeinsam mit Partnern wie dem Bundesforst zu pflegen. Ohne menschliches Zutun würden die Heideflächen mit der Zeit zuwachsen und verschwinden.

„Die Ergebnisse unseres Schmetterlings-Monitorings sind auch ein Beleg dafür, dass wir bei der Pflege der Landschaft in den vergangenen Jahren vieles richtig gemacht haben. Das freut uns natürlich“, sagt Dr. Jörg Müller, Verantwortlicher für ökologisches Monitoring bei der Heinz Sielmann Stiftung. 

„Die Kyritz-Ruppiner Heide befindet sich als Landschaft in einem empfindlichen Zustand“, sagt Müller. „Würden wir nicht ständig gegen den zunehmenden Bewuchs anarbeiten, würde die Heidelandschaft allmählich zu einem Wald werden. Damit würden auch viele der hier lebenden seltenen Arten verschwinden.“ Weil Sielmanns Naturlandschaft Kyritz-Ruppiner Heide so groß ist, kann allerdings nicht ständig an allen Stellen zugleich das Vordringen von Pflanzen verhindert werden. „Deshalb haben wir auf dem Gebiet ganz unterschiedliche Zustände der Heide“, sagt Müller. 

Artenreichtum nicht bloß bei Schmetterlingen

So profitiert etwa die Heidekraut-Bodeneule (Xestia agathina), ein ebenfalls hochspezialisierter Nachtfalter, von der Verbuschung der Landschaft: Die Raupe des Falters frisst nichts anderes als Besenheide, braucht jedoch zugleich Halbschatten – den sie unter vordringenden Bäumen findet. Bisher trat die Art nur südlich von Berlin auf. In der Kyritz-Ruppiner Heide konnte sie nun erstmals nachgewiesen werden, was zugleich ihren nordöstlichsten Verbreitungspunkt markiert. 

„Die herausragende Vielfalt der heidetypischen Großschmetterlinge ist dabei nur ein Beispiel für den Artenreichtum von Sielmanns Naturlandschaft Kyritz-Ruppiner Heide“, betont Monitoring-Experte Müller. Auch bedrohte Vogelarten wie die Heidelerche oder der Wiedehopf und viele weitere heimische Tiere und Pflanzen finden hier diverse Lebensräume, die andernorts verschwunden sind. „Wir müssen ständig weiter daran arbeiten, dass uns diese wertvolle Landschaft nicht durch die Finger rinnt“, sagt Müller.

Mehr Informationen über Sielmanns Naturlandschaft Kyritz-Ruppiner Heide finden Sie hier. 

Weitere Hintergründe zur Entstehung und Pflege von Heidelandschaften finden Sie hier.

Die Heinz Sielmann Stiftung erhält die Heidelandschaft in ihrer vollständigen Größe und entwickelt die Kiefernforsten behutsam zu Laubmischwäldern. Auf den zugänglichen Bereichen finden Veranstaltungen der Umweltbildung sowie des Astrotourismus statt, um ein umfassendes Naturerleben zu ermöglichen.

Sielmanns Naturlandschaft Kyritz-Ruppiner Heide
Rebecca Oechslein - Gebietsbetreuung Tangersdorfer & Kyritz-Ruppiner Heide

Zur Döberitzer Heide 9

14641 Wustermark / Elstal

+49 5527 914-422 +49 151 44204582 E-Mail schreiben