Der Sieger steht fest Deutschlands Naturwunder 2018

Ob trockene Heiden, feuchte Wiesen, alte Wälder, sandige Dünen oder schroffe Felsformationen - die Vielfalt der Lebensräume in Deutschlands Nationalen Naturlandschaften ist schier sensationell. Dort finden auch geschützte Insekten einen Rückzugsort. Sowohl hochspezialisierte Raritäten als auch genügsame Generalisten spielen eine wichtige Rolle für den Fortbestand unserer Ökosysteme. Doch viele von ihnen haben es schwer, in unserer intensiv genutzen Landschaft zu überleben.

Für den Titel Deutschlands Naturwunder 2018 haben sich die letzten Refugien für bedrohte Insekten zur Wahl gestellt. Wir gratulieren herzlich dem Natur- und Geopark Terra.vita, dessen Gnadenhof-Blühwiese Blumiges Melle mit über 37% der Stimmen den ersten Platz belegt hat!

Niedersachsen, Natur- und Geopark TERRA.vita Gnadenhof-Blühwiese Blumiges Melle

Lebensraumtyp: Extensiv bewirtschaftete Blühwiese

Typische Insektenarten: Seltene Schmetterlingsarten z. B. Schwalbenschwanz sowie 14 verschiedene Wildbienenarten, darunter die gefährdete Andrena argentata

Beschreibung: Diese idyllische Blühwiese in der Ortschaft Westerhausen bei Melle ist ein Ort der Einkehr. Blütenbestäuber wie Bienen und Schmetterlinge laben sich an regionalen Wildblumenarten, die im Rahmen des Naturschutz­projekts "Blumiges Melle" gemeinsam mit der Grundschule Westerhausen ausgesät wurden. Die notwendige Pflege übernehmen Tiere des örtlichen Gnadenhofes, sodass die Blühwiese langfristig bestehen kann.


Foto: Melanie Schnieders, Natur- und Geopark TERRA.vita
37.16 %

Saarland, Naturpark Saar-Hunsrück Nationales Geotop Saarschleife

Lebensraumtyp: Felsspaltenvegetation, Schlucht- und Hangmischwälder

Typische Insektenarten: Veilchenblauer Wurzelhalsschnellkäfer, Russischer Bär

Beschreibung: An dieser Stelle brach die Saar durch den Taunus­quarzit des Hunsrücks. Geo­mor­pho­logisch handelt es sich um ein tiefes Kerb- bis Kerbsohlen­tal, das von bis zu 200 Meter hohen Steil­hängen um­rahmt wird. Wie ein Mosaik wechseln sich offene, trockene und besonnte sowie geschlossene, feuchte und schattige Laub­wald­­gesell­schaften mit großflächigen Block­krüppel­wäldern und Eichen­wäldern entlang der Saar ab.


Foto: Winfried Götzinger/Saarschleifenland Tourismus GmbH
31.73 %

Sachsen, Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft Libellenreich Oberlausitzer Teiche

Lebensraumtyp: Teiche, Moore, Tieflandbäche

Typische Insektenarten: Gebänderte Heidelibelle, Östliche Moosjungfer, Feuerlibelle, Spitzenfleck

Beschreibung: Fast drei Viertel aller in Deut­schland heimischen Libellen­arten leben in der Ober­lau­sitz, im Land der Tausend Teiche. Menschen haben vor Jahr­hun­derten die Teiche angelegt, in denen noch heute Karpfen gezüchtet werden. Diese Kultur­land­schaft im Mosaik mit Mooren, Heiden, Tagebau­see und kleinen Flüssen ist der perfekte Lebens­raum für Libellen und viele andere Wasser­insekten.


Foto: Mario Trampenau
4.43 %

Niedersachsen, Nationalpark Harz Harzer Hochmoore

Lebensraumtyp: Hochmoor

Typische Insektenarten: Alpen-Smaragdlibelle

Beschreibung: Jahrtausende hat es gedauert, bis die Harzer Hoch­moore zu ihrer beein­drucken­den Größe heran­gewachsen sind. Dank des regen­reichen Klimas finden sich in diesen faszi­nierenden Lebens­räumen unzäh­lige Kleinst­gewässer, die Schlenken. Nur hier vermehrt sich die durch ihre grünen Augen auf­fallende und vom Aussterben bedrohte Alpen-Smaragd­libelle. Diese kälteliebende Art ist auch durch den Klima­wandel bedroht und kann deshalb nur in den kalten Hoch­lagen des Harzes überleben.


Foto: Kathrin Baumann, NP Harz
3.37 %

Bayern, Naturpark Nördlicher Oberpfälzer Wald Flachmoorwiese im Kainzbachtal

Lebensraumtyp: Feuchtwiese

Typische Insektenarten: Mädesüßperlmuttfalter, Große Goldschrecke, Sumpfschrecke, Kurzflügelige Beißschrecke

Beschreibung: Dieses blütenreiche Paradies beherbergt viele gefährdete Insekten­arten. Die extensiv bewirt­schaftete Flach­moor­wiese liegt im FFH-Gebiet Kainzbach­tal. Die Wiese wird nur einmal jährlich gemäht. So entstand dieser wert­volle Lebens­raum für Insekten. Zur Blütezeit des Heilziests zieht das große Nektar­angebot verschiedene Schmetterlinge, sowie Bienen und Hummeln an.


Foto: NP Nördlicher Oberpfälzer Wald
3.25 %

Saarland, Biosphärenreservat Bliesgau Orchideengebiet Gersheim

Lebensraumtyp: Kalk-Halbtrockenrasen, Kalkflachmoor und Orchideenbuchenwald

Typische Insektenarten: Goldener Scheckenfalter, Thymian-Ameisenbläuling, Gottesanbeterin

Beschreibung: Hier kommt knapp die Hälfte der sechzig in Deutschland heimischen Orchideen­arten vor. Die Muschel­kalk­böden sind eine optimale Grund­lage für die hohe Dichte verschiedener Orchideen. Ihnen folgen viele hoch­spezialisierte und bedrohte Insekten­arten. Der im Jahr 2017 eingerichtete „Orchideenpfad“ zeigt die besonderen Arten und warum sie ausge­rechnet hier vorkommen. Neben Orchideen stellt er auch Schmetter­linge, Vögel und Heu­schrecken vor.


Foto: Thomas Stephan
3.6 %

Thüringen, Naturpark Thüringer Schiefergebirge/ Obere Saale Dorf-Garten Gahma

Lebensraumtyp: Berg- und Streuobstwiesen, strukturreiche Hecken

Typische Insektenarten: Wildbienen, Schmetterlinge, Heuschrecken

Beschreibung: Im Herbst 2014 wurden verschiedene Apfel-, Birnen-, Pflaumen- und Kirsch­bäume gepflanzt und damit ein Ort zum Verweilen, Lauschen und Genießen geschaffen – nicht nur für den Menschen. Dem Besucher wird auch erläutert, was auf der Wiese, in den Bäumen und Sträuchern kreucht und fleucht, summt und brummt und in der Naturpark­region behei­matet ist. Auf den zweiten Blick wird aus dem vermeintlich ungepflegten Wiesen­grund­stück ein kleines Naturwunder.


Foto: Kristin Pfeiffer-Geheeb, NPV Thüringer Schiefergebirge/ Obere Saale
2.73 %

Bayern, Nationalpark Bayerischer Wald Urwaldgebiet Höllbachgespreng

Lebensraumtyp: Natürlicher Bergmischwald

Typische Insektenarten: Rindenschröter, ein seltener Urwaldkäfer

Beschreibung: Steil aufragende Fels­forma­tionen, mächtige Baum­giganten, ein Heer aus winzigen Keim­lingen und mit Moos überzo­genes Totholz: Das Urwald­gebiet Höllbachgespreng unweit des Falken­steins zählt zu den Hotspots der biolo­gischen Vielfalt in Deutsch­land. Der unberührte Wald ist Rückzugs­ort für vieler Urwald­relikte, wie den Rinden­schröter, ein Käfer, der ausschließ­lich in totem Holz lebt. Hier darf, gemäß dem Nationalpark­motto, Natur Natur sein.


Foto: Rainer Simonis, NP Bayerischer Wald
2.52 %

Baden-Württemberg, Biosphärengebiet Schwarzwald Gletscherkessel Präg

Lebensraumtyp: montane Borstgrasrasen und grünlandreiche Waldlandschaft

Typische Insektenarten: Warzenbeißer, Mittlerer Perlmutterfalter, Wachtelweizen-Scheckenfalter, Widderchen

Beschreibung: Hier flossen während der letzten Eiszeit sechs Gletscher zusammen. Das Eis im Kessel türmte sich bis zu 500 Meter auf. Im heutigen Naturschutz- und Natura 2000-Gebiet sind Relikte der Eiszeit wie Block­halden, steile Felsen und Schluchten, Seen, Rund­höcker und Findlinge erhalten. Weiden, Wiesen und Wäldern bieten Lebens­räume für viele bedrohte Insekten­arten. Ein tierisches Relikt aus der Eiszeit ist der Präger Dammläufer, ein Laufkäfer, der auf den Block­halden des Gletscher­kessels erstmals nachge­wiesen wurde.


Foto: Thomas Stephan, BG Schwarzwald
2.18 %

Mecklenburg-Vorpommern, Müritz-Nationalpark Weltnaturerbe Alte Buchenwälder Serrahn

Lebensraumtyp: Alte Buchenwälder

Typische Insektenarten: Feuerschmied und etwa 330 weitere holzbewohnende Käfer

Beschreibung: Rund um den kleinen Ort Serrahn im Osten des Müritz-National­parks haben alte Buchen­wälder wechsel­hafte Zeiten über­dauert. Sie sind die Heimat für eine be­merkens­werte Zahl hoch­speziali­sierter Urwald-Käfer. Der alte Wald ist eine Kost­barkeit in unserer intensiv genutzten Land­schaft und eine Schatz­truhe der Biolo­gischen Vielfalt. Die Buchen­wälder wurden 2011 zum UNESCO-Weltnatur­erbe ernannt.


Foto: Naturfotografie Roman Vitt
1.73 %

Niedersachsen, Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue Alte Kopfweiden der Elbtalaue

Lebensraumtyp: Flussauen, Kopfweidengruppen und -reihen

Typische Insektenarten: Walzenförmiger Faulholzrüssler und Westlicher Schwamm-Pochkäfer

Beschreibung: Ein prägendes Element der Elbtalaue sind die malerischen Kopf­weiden. Ihre Gestalt erhielten sie durch die Kürzung des Stammes und den wieder­holten Schnitt von Flecht-Zweigen. Im Totholz des Kopf­bereichs lebt etwa der seltene Walzenförmige Faulholz­rüssler. Eine aus­ge­sprochene Rarität ist zudem der Westliche Schwamm-Pochkäfer, der sich in den Frucht­körpern von Porlingen am Stamm der Kopfweiden entwickelt.


Foto: Jürgen Borris
1.1 %

Bayern, Biosphärenregion Berchtesgadener Land Blütenreiche Wiese auf der Mordau-Alm

Lebensraumtyp: Alpen-Magerweide in montaner Höhenstufe

Typische Insektenarten: Wiesenhummel

Beschreibung:  

Die Mordau-Alm liegt auf knapp 1.300 Meter über dem Meeresspiegel mit herrlichem Blick auf Watzmann und Hochkalter. Die nährstoff­armen, buckeligen Almweiden gehören zu den wertvollsten einheimischen Biotopen, da sich auf engstem Raum unterschiedlichste Lebensräume abwechseln. Unglaubliche 170 nach­gewiesene Wiesen-Arten bieten auf der Mordau-Alm Nahrungsquelle und Nistplätze für Schmetterlinge, Käfer und zahlreiche Wildbienenarten, wie etwa die Wiesenhummel.

 


Foto: Dr. Peter Loreth
1.19 %

Sachsen-Anhalt, Biosphärenreservat Mittelelbe Solitäreichen im Wörlitzer Winkel

Lebensraumtyp: Flussaue mit Wiesen und Hudewäldern

Typische Insektenarten: Heldbock, Hirschkäfer, Eremit

Beschreibung: Solitäreichen, Jahrhunderte alt und mächtig: Die beein­druckenden Baum­riesen sind charak­teristisch für die Elbauen im Wörlitzer Winkel. Die einzeln stehenden Eichen prägen das Bild der Kultur­land­schaft maßgeblich. Sie sind Land­marken und Orientierungs­hilfen. Seltene und geschützte Käfer wie Eremit und Hirsch­käfer haben im Bereich der mittleren Elbe ihren Verbreitungs­schwerpunkt für Mittel­europa, weil sie in den alten Bäumen die Zeiten überdauern konnten.


Foto: Mirko Pannach, BR Mittelelbe Archiv
0.97 %

Mecklenburg-Vorpommern, Biosphärenreservat Südost-Rügen Mergelkliff von Klein Zicker

Lebensraumtyp: Mergelkliff, Steilküste

Typische Insektenarten: Lehm-Pelzbiene, Schmarotzerbiene, Ragwurz-Zikadenwespe

Beschreibung: Die extrem seltene Lehm-Pelzbiene kommt hier im südexponierten, warmen, sonnigen Kliffbereich vor. Dort graben die Weibchen ihre Nester in die Steilwand. Es ist das einzige nennenswerte Vorkommen dieser Art deutschlandweit. Das Kliff ist ein einzigartiger und besonders ursprünglicher Lebensraum für teils hochspezialisierte Pflanzen- und Tierarten. Die Küste ist hier ständig in Bewegung. Wind und Wasser zerstören und schaffen gleichzeitig neue Lebensräume.


Foto: Stefan Woidig, BRA Südost-Rügen
0.97 %

Mecklenburg-Vorpommern, Biosphärenreservat Schaalsee Extensives Grünland bei Hakendorf

Lebensraumtyp: Extensivgrünland

Typische Insektenarten: Schmetterlinge, Wildbienen, Hummeln, Schwebfliegen, Zikaden

Beschreibung: Extensiv genutztes Grünland ist selten - es lohnt sich vermeintlich nicht. Um diesem Trend entgegen zu wirken, geht das Biosphären­reservat Schaalsee als Modell­region für nachhaltige Ent­wicklung, neue Wege. Ehemals intensiv bewirt­schaftete Flächen werden zu arten­reichem Grünland. Kräuter­reiche, regionale Saat­gut­mischungen bringen die Vielfalt zurück. Sanfte Beweidung und Verzicht auf Dünger erhalten später die Wiesen. Zahlreiche Insekten­arten wie Wild­bienen, Hummeln und Schmetter­linge profitieren.


Foto: S. Raabe, BRA Schaalsee-Elbe
0.97 %

Mecklenburg-Vorpommern, Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe Binnendünen im Urstromtal der Elbe

Lebensraumtyp: Dünen mit offenen Grasflächen mit Silber- und Sandgras

Typische Insektenarten: Steppengrashüpfer, Blauflügelige Ödlandschrecke, Ameisenlöwe, Schwalbenschwanz

Beschreibung: Der Wind türmte aus unzäh­ligen Sand­körnchen die größte wandernde Binnen­düne Europas auf. Über zwei Kilometer Länge und 600 Meter Breite erhebt sich das waldfreie Dünen­massiv über 28 Meter hoch in der Talaue der Elbe. Nur echte Spezialisten kommen mit der Nähr­stoff­armut, den großen Temperatur­unter­schieden und der Trocken­heit auf dem blanken Sand klar. Ins­besondere Heu­schrecken, Libellen, Schmetter­linge oder Ameisen­löwen finden hier einen geschützten Lebensraum.


Foto: Thomas Lerch, Oliver Ulmer
0.92 %

Baden-Württemberg, Nationalpark Schwarzwald Blockhalde am Altsteigerskopf

Lebensraumtyp: Blockhalden der Mittelgebirge

Typische Insektenarten: Bosch's Berg-Dammläufer, Blockhalden-Wolfspinne, Berg-Bartläufer

Beschreibung: Vegetations­freie Block­halden finden sich seit der letzten Eiszeit in vielen mittel­euro­päischen Mittel- und Hoch­gebirgen. Vor allem Spinnen und Käfer haben sich an das extreme Mikro­klima auf Block­halden angepasst. Die Lebens­räume sind in der Regel sehr isoliert und räumlich begrenzt. Die einzelnen Insekten­popula­tionen sind folglich eher klein und können sich fast nicht unter­einander aus­tauschen. Daher besteht ein erhöhtes Aussterbe­risiko für hoch­spezialisierte Arten.


Foto: Dr. Jörn Buse
0.56 %

Sachsen, Naturpark Erzgebirge/Vogtland Naturschutzgebiet Dreiländereck

Lebensraumtyp: Wiesen, Weiden und Bachufer

Typische Insektenarten: Zweigestreifte Quelljungfer, Steinfliegen, Köcherfliegen, Eintagsfliegen

Beschreibung: Die kleine Gemeinde Eichigt im sächsi­schen Vogtland grenzt an Tschechien und Bayern. Das Natur­schutz­gebiet Drei­länder­eck ist Teil des FFH-Gebietes Grünes Band Sachsen/Bayern. Das blüten­reiche Offen­land am ehemaligen Grenz­streifen wird vom natur­nahen Bach­lauf der Weißen Elster begleitet. Dieses Lebens­raum­mosaik ist Heimat für eine vielfältige Insekten­fauna.


Foto: Thomas Findeis
0.61 %

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Mit der Wahl zum schönsten Natur­wunder 2018 möchten EUROPARC Deutschland e.V. und die Heinz Sielmann Stiftung auf außer­ge­wöhn­liche Natur­phänomene vor der eigenen Haustür und in den Urlaubs­regionen Deutschlands aufmerksam machen.