Heinz Sielmann Tierfilmer aus Leidenschaft

"Ich erlebte die Entwicklung des Tierfilms von Anfang an mit und spezialisierte mich auf die vergleichende Verhaltensforschung. Meine Fernsehtätigkeit begann 1954, sieben Jahre nachdem ich beim Institut für Film und Bild als Regisseur und Kameramann angefangen hatte. 

Sir Peter Scott, neben David Attenborough der bekannteste Tierfilmer des englischen Fernsehens, lud mich in seine Sendung bei der BBC ein. Im Januar 1955 präsentierte ich mit ihm in London meinen Spechtfilm. Wie wir später hörten, übertraf unsere Sendung „Woodpecker" an Zuschaltungen sogar die Fußballweltmeisterschaft in Bern." Im Verlauf von drei Jahren zeigte ich bei der BBC alle Filme, die ich für unser Filminstitut (FWU) gemacht hatte. Inzwischen fand auch das Deutsche Fernsehen den Anschluss. Die ersten Sendungen zeigte ich ab 1956 beim NDR."

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"1962 war die Zeit, als durch den Existenzkampf zwischen Film und Fernsehen große Spannungen zwischen den beiden Medien aufgetreten waren. Obgleich damals im Fernsehen schwarzweiß gesendet wurde, hatten die Kinos die Konkurrenz dieses Mediums zu fürchten, und der Produzentenverband des Kinos hielt es für unerlässlich, keine Produktionen einzusetzen, die bereits im Fernsehen gezeigt worden waren.

So mag es damals futuristisch geklungen haben, Expeditionen für Kino und Fernsehen sind kostenmäßig nur in einer Koproduktion möglich."

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Tierfilmer und Naturschützer Sielmanns Berufung

Zimmerleute des Waldes (1954) So entsteht ein Tierfilm

Michael Sutor
Professor für Fernsehjournalismus, Tier- und Naturfilmproduzent
" Michael Sutor

Aufbruch um halb vier Uhr morgens - drückende, tropische Schwüle. Matsch und Regen beim Klettern rauben die letzten Kräfte. Eine Stunde vor Dämmerung erreicht das Team den Ansitz: ab jetzt Ausharren auf engstem Raum. Ziel: Aufnahmen vom Roten Paradiesvogel in Papua Neuguinea. Das Jahr? 1963! Heinz Sielmann, ein Pionier des deutschen Tierfilms im Einsatz! Gemeinsam mit Bernhard Grzimek stand Sielmann jahrzehntelang als Synonym für Abenteuer und Tiere im Fernsehen. Sielmann prägte die „Expeditionen ins Tierreich“.

Im Reiche der Steinadler - Expeditionen ins Tierreich Ein schwieriger Dreh am Berg

Wie dreht man einen Tierfilm? Die Story ist entscheidend

"Jugendliche fragten mich oft, wie man Tierfilmer wird. Ich habe schon als Kind mit dem Beobachten, Fotografieren und Filmen begonnen. Der Tierfilmer sollte es sich zur Pflicht machen, bei seinen Planungen Naturschutzwarte oder Revier- und Waldbesitzer aufzusuchen und eine Genehmigung einzuholen. Meist bekommt man auch die Erlaubnis, einen bereits bestehenden Hochsitz zu benutzen. Vögel, die bereits so selten geworden sind, dass sie auf der Roten Liste der in ihrer Existenz gefährdeten Arten stehen, werden aufgrund eines vorbildlichen Beschlusses der Gesellschaft Deutscher Tierfotografen nicht am Nistplatz fotografiert.

Das Ziel jedes Tierfilmers sollte es sein, Regisseur und Kameramann in einer Person zu werden. Auch vom Schnitt sollte er etwas verstehen. Entscheidend ist allein, ob ich das Geschehen von der Totale bis zur Großaufnahme dramaturgisch so erfassen kann, dass am Schneidetisch eine eindrucksvolle Story aus dem Material entsteht."

Wie dreht man einen Naturfilm? Sielmanns Wissen