Heinz Sielmann
Seine Werke im Kino und Fernsehen

Heinz Sielmann zeigte als Erster Tierdokumentationen im Fernsehen. Bis heute wurden allein in der Reihe „Expeditionen ins Tierreich" mehr als 250 Folgen ausgestrahlt. Daneben drehte er in Zu­sammenarbeit mit dem FWU (Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unter­richt, München) rund 30 Unterrichtsfilme für allgemeinbildende Schulen.

Für das Institut für den Wissenschaftlichen Film (IWF) in Göttingen fertigte er etwa 100 Dokumentatio­nen für die Internationale Zoologische Film­enzyklopädie an. Seine großen Kinofilme „Lied der Wildbahn", „Herrscher des Ur­walds", „Galapagos - Landung in Eden" und „Lockende Wildnis - durch die Wildbahnen von Nordamerika" wurden weltweit in 25 Sprachfassungen gezeigt.

Nachstellung des Originals von 1954 1969: Zu "Zimmerleute des Waldes"

Welt im Bild - Sonderausgabe Der Deutsche Filmpreis (1955)

Erster Kinofilm, der für den Schutz von Landschaften und Tieren warb
Lied der Wildbahn (1949)

"Nach Kriegende litt nicht nur die Bevölkerung unter den Folgen des Krieges, auch die Natur bekam die Auswirkungen zu spüren. In Wald, Feld und Flur wurde hemmungslos gewildert. Die Fleischzuteilungen waren gering, und den Menschen schien das Schicksal des Waldes und seiner Bewohner egal zu sein. Wertvolle Waldflächen wurden für die Siegermächte abgeholzt. Die freilebenden Tiere waren in Gefahr.

Die Anregung für einen Film kam vom Niedersächsischen Ministerium für Landwirtschaft und Forsten. Unser Filminstitut sollte einen abendfüllenden Dokumentarfilm über das Tierleben in den heimischen Wildbahnen drehen. Mein Film sollte wieder Verständnis für die Natur wecken. Eine großartige Aufgabe, die zwanzig Monate in Anspruch nahm."

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"Das Forstamt Springe mit Saupark und Wisentgehege, bot ideale Arbeitsmöglichkeiten. Die Forstverwaltung unterstützte uns nach besten Kräften, und es gelang uns, in den wildreichen Revieren einheimische Arten wie Rotwild, Damwild, Rehwild, Mufflons und Wildschweine zu filmen. Das Birkwild filmten wir in der Lüneburger Heide, wo damals noch fünfzehn bis zwanzig Hähne auf einer Balzarena zusammenkamen. Für heimisches Wasserwild und Greifvögel boten sich die Meissendorfer Teiche an. Dort nisteten noch Rohrdommeln und die aus dem Bundesgebiet weitgehend verschwundene Korn- und Wiesenweihen.

Im Herbst 1949 wurde „Lied der Wildbahn", mein erster Kinofilm, in Hannover uraufgeführt. Der Film wurde ein Kinoerfolg und warb in Stadt und Land für den Schutz von Landschaften und Tieren."

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Eine einzigartige Expedition Aus dem Film "Galapagos" (1962)

Faszinierende Begegnungen im Kongo Aus "Expeditionen ins Reich der Gorillas"

Auf den Spuren Darwins
Galapagos – Trauminseln im Pazifik

"Mein Freund Eibl-Eibesfeldt, erzählte mir anhand seiner Fotos von der erstaunlichen Tierwelt von Galapagos, der „Arche Noah im Pazifik". Ich war begeistert, und es fiel mir nicht schwer, die Leitung des Instituts für Film und Bild für die Produktion neuartiger Unterrichtsfilme zu gewinnen. Auch das Göttinger Institut für den Wissenschaftlichen Film war sehr an einer Dokumentation über die Tierwelt von Galapagos interessiert. Für das wirtschaftliche Gelingen der Expedition schien es mir besonders verlockend, dass ich das englische und das deutsche Fernsehen als Partner gewinnen konnte."

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"1962 war die Uraufführung in der „Filmbühne Wien" auf dem Kurfürstendamm. Doch kein Filmverleih wagte es zunächst, den Kinofilm Galapagos unter Vertrag zu nehmen. Als der auf den Einsatz von Dokumentarfilmen spezialisierte Miniverleiher Fritz Müller, Globus, sich schließlich dazu entschloss, den Galapagos-Film in den Vertrieb zu nehmen, wurde er großer Erfolg. In vielen Premierentheatern deutscher Städte lief der Film mehrere Wochen im vollen Programm, und wir verkauften die Theaterrechte in 20 Länder, u.a. nach Japan und Russland.

Dieser Erfolg brachte für mich die Überlegung, ob ich nicht künftig die Herstellung von Filmen für Fernsehen, Unterricht und Forschung in eigener Produktion machen sollte. Zumal ich schon beim „Unternehmen Galapagos" den beherrschenden Teil der Filmaufnahmen selbst gemacht hatte, während meine Mitarbeiter abwechselnd für die zweite Kamera und die Tonaufnahmen zuständig waren."

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Das Erfolgsformat von Heinz Sielmann und dem NDR
Expeditionen ins Tierreich

"In den siebziger Jahren hatte sich das Interesse für Tiersendungen bei den fernsehbegeisterten Zuschauern in Deutschland derart vermehrt, dass der NDR dafür einsetzte, dass meine Fernsehreihe „Expeditionen ins Tierreich" künftig sechsmal im Jahr in der besten Sendezeit von 20:15 Uhr gezeigt wurde.

Durch meinen Zugang zu den Filmen des BBC, der National Geographic Society und anderen Produktionsfirmen fiel es uns nicht schwer, das erforderliche Pensum zu leisten. Die Nutzung von Fremdmaterial und die Neuproduktion konnten so ideal koordiniert werden. In der langen schönen Zusammenarbeit mit Günter Tovar und seiner NDR-Redaktion „Feature“, entstanden an die 140 Sendungen „Expeditionen ins Tierreich"."

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"Die Dreharbeiten führten Tovar und mich rund um die Welt, von den Pelzrobben der Pribilof-Inseln in der Beringsee zu den Berggorillas in Ruanda bis ins Reich der Glanzfasane auf dem Anapurna-Massiv in Nepal, wo wir auf 3.000 Metern Höhe unser Filmlager aufgeschlagen hatten.

Für den NDR drehte ich weitere Folgen meiner Reihe „Expeditionen ins Tierreich" über bedrohte heimische Tierarten und ihre Lebensräume. Es entstanden die Filme „Umstrittene Europäer", ein Film über die Wiedereinbürgerung von Wildtieren, „Tiere in der Großstadt, „Bedrohte Idyllen" und „Letzte Wildnis am Strom".

1988 und 1989 drehte ich zwei Filme für den NDR, die für meine weitere Arbeit mitbestimmend waren: „Tiere im Schatten der Grenze" zeigte die außergewöhnlich reiche Tier- und Pflanzenwelt, die auf dem ehemaligen Grenzstreifen zwischen alten und neuen Bundesländern erhalten blieb."

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Im Überblick
Sielmanns Werke

1938
Vögel über Haff und Wiesen
1949
Lied der Wildbahn
1951
Quick, das Eichhörnchen
1952
Im Hamsterrevier
1954
Zimmerleute des Waldes
1957
Herrscher des Urwalds
1960
Das Jahr der Störche
1960
Galapagos
1969
Lockende Wildnis
1988
Tiere im Schatten der Grenze
bis 1991
über 170 Folgen "Expeditionen ins Tierreich" (ARD)
1991 / 92
10 Folgen "Sielmann 2000" (RTL)
1993
Heinz Sielmann Report (SAT.1)
1996
Abenteuer Natur
2003
Galapagos (Überarbeitung)

Filmarbeiten auf Komodo
Insel der Drachen

"Für meine Filmarbeiten im Auftrag der National Geographie Society unternahm ich zwei Reisen, die mich besonders beeindruckten. Eine davon führte mich nach Komodo. Die indonesische Insel durften wir nur mit Genehmigung der obersten Naturschutzbehörde in Djakarta betreten. Wir erhielten die Erlaubnis unter der Bedingung, Dr. Effendi Abdoessocki, einen indonesischen Zoologen, und seinen Begleiter mitzunehmen.

Wir zogen in das bewaldete Bergland zu den Riesenwaranen. Mit einer Ziege lockten wir die riesigen Echsen schnell an. Wir filmten, wie sich die furchterregenden Fleischfresser über die Beute hermachten. Warane werden bis zu drei Meter lang und 135 Kilo schwer. Die Tiere kommen nur auf Komodo, Rintja, Padar und an der westlichen Küste von Flores vor. Sie haben beim Fressen keine Rangordnung. Sie greifen die Beutetiere nie frontal an, sondern mit wuchtigen Schwanzhieben. Ein abenteuerliches Schauspiel, das uns tagelang in seinen Bann zog."