Mit der Kamera um die ganze Welt Mein Leben

Ein Leben für die Natur
Heinz Sielmann (1917 - 2006)

Wie alles begann

Heinz Sielmann wurde am 2. Juni 1917 in Rheydt/Mönchenglad­bach geboren. Hier arbeitete sein Vater als Chemiker in einem Kabelwerk. 1924 zog die Familie nach Königsberg in Ost­preußen, wo Dr. Paul Sielmann eine Elektro- ­und Baustoffhandlung gründete. Er begeisterte sich für Kiebitz, Rotschenkel, Uferschnepfe und Bekassine – kurzum die schnepfenartigen Wiesenvögel.

Der Vater verfolgte die Passion des Sohnes mit Sorge, weil sie seine Leistungen in der Schule beeinträch­tigte. Die Mutter hingegen, eine französische Schweizerin, wurde seine größte Verbündete und schenkte ihrem Sohn eine Mentor-Spiegelreflexkamera. Schon bald entstanden eindrucksvolle Fotos aus dem Privatleben der Schnepfenvögel.

Schutzengel im Krieg

Bevor Heinz Sielmann 1939 zum Wehrdienst einberufen wurde, warnte ihn sein Vater: 

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„Es sieht nicht gut aus, mein Junge. Die Luft riecht nach Blei, wir werden Krieg bekommen. Werde Funker, dann bist du weit ab vom Schuss.“ So ging Heinz Sielmann zur Luftnachrichtentruppe. 1939 wurde er Funklehrer für Bordfunker. Dort lernte er den später weltberühmten Künstler Joseph Beuys kennen. Bis zu dessen Tod verband beide eine enge Freundschaft.

Erster Kinoerfolg

Kurz nach seiner Rückkehr nach Deutschland erhielt Heinz Sielmann vom Niedersächsischen Ministerium für Landwirtschaft und Forsten den Auftrag, einen Dokumentarfilm zu drehen. Dieser sollte zeigen, dass der Krieg und seine Auswirkungen in den einst artenreichen Landschaften wie Wald, Meer und Heide vielerlei Schaden bereitet hatte. Der Film „Lied der Wildbahn“ war ein Aufruf, die Natur gemeinsam zu erhalten.

Expeditionen ins Tierreich

Bekannt wurde Heinz Sielmann vor allem durch die seit den 60er Jahren in der ARD laufende Sendereihe „Expeditionen ins Tierreich“. In zahlreichen Folgen zeigte er bedrohte Tierarten aus aller Welt in ihren Lebensräumen.

Heinz Sielmann veröffentlichte mehr als 30 Bücher, darunter seinen autobiographischen Bildband „Mein Abenteuer Natur“. Er nutzt neben seinen Fernsehsendungen und Büchern intensive Gespräche und öffentliche Auftritte, wie zum Beispiel als Honorarprofessor an der Ludwig-Maximilians-Universität München, um auf die Anliegen des Naturschutzes aufmerksam zu machen.

Heinz Sielmann verstarb am 6. Oktober 2006 in München. Er hat seine letzte Ruhestätte in Duderstadt auf Gut Herbighagen in der Franz-von-Assisi-Kapelle. 

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Heinz und Inge Sielmann
Die Natur bestimmte unser Leben

Heinz: "So lernte ich meine Frau kennen: Es hatte sich im NDR bald herumgesprochen, dass ein junger „Waldläufer“ im Vorführraum seine Tierfilme anschaute, und jedes Mal schlichen Angestellte des NDR in den Kinoraum, um „Tiere in freier Wildbahn" zu erleben. Unter ihnen war Inge Witt. Ich kam mit der jungen Dame ins Gespräch und war beeindruckt von ihrem Interesse und ihrer Sachkenntnis."

Inge: "Als ich am 22. Dezember 1951 im Alter von 21 Jahren heiratete, war mir nicht klar, wie oft ich in Zukunft allein sein würde. Wir waren jung und naturbegeistert. Ich ahnte nicht, mit welcher Beharrlichkeit und Kraft mein Mann seine Ziele verfolgen würde, obwohl mich gerade seine Begeisterungsfähigkeit und die Freude an der Arbeit sehr faszinierten."

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Inge: "Die Erfahrung seines Lebens hat meinem Mann gezeigt, wie sehr die letzten Paradiese unserer Erde bedroht sind. Ich durchlebte seine Wandlung anhand seiner spannenden Reiseberichte. Immer öfter sprach er von den gravierenden Veränderungen und der Zerstörung von Lebensräumen. Wir dachten viel über seine Erkenntnisse nach, und das tägliche Weltgeschehen zeigte uns immer mehr, wie die Menschen innerhalb nur weniger Generationen in Jahrmillionen entwickelte Lebensformen vernichten.

Im Laufe der Jahre entwickelte er sich vom ehrgeizigen Verhaltensforscher zu einem engagierten Naturschützer. Mit der Heinz Sielmann Stiftung möchten wir gemeinsam den uns möglichen Beitrag zur Bewahrung unserer schönen Natur leisten."

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Das Erbe für die Zukunft bewahren
Gründung der Heinz Sielmann Stiftung

"Im Supermarkt alles kaufen zu können oder dem bunten Treiben der Schmetterlinge zuzusehen und den frischen Duft einer Sommerwiese einzuatmen? Ich bin ein Leben lang in der Natur tätig und setze mich leidenschaftlich für ihre Erhaltung ein. Jeder Mosaikstein, den ich für den Naturschutz setzen kann, ist für mich eine beglückende Bereicherung, ein Zugewinn an Lebensqualität.

Dieses Bewusstsein möchte ich möglichst vielen Menschen weitergeben. Deshalb traf ich zusammen mit meiner Frau Inge die Entscheidung, eine eigene Stiftung zu gründen und unser Kapital dort einzubringen, wo wir es in unserem Sinne genutzt wissen, zumal unser Sohn 1978 im Alter von 24 Jahren bei einem Unfall ums Leben kam und wir keine Erben haben."

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"In diesem Sinne sollen Kinder und Jugendliche an einen positiven Umgang mit der Natur herangeführt werden, letzte Refugien unserer Heimat bewahrt und das im Laufe der Jahrzehnte immens gewachsene Film- und Fotoarchiv künftigen Generationen nutzbar gemacht werden.

Am 1. Juni 1994, einen Tag vor meinem 77. Geburtstag, stellten wir unsere Stiftung und deren Ziele im Berliner Zoologischen Garten der Öffentlichkeit vor. Die überwältigende Resonanz bestärkte mich, meine neue Aufgabe mit Leben zu füllen, und mit meinen Anliegen für die Stiftung, richtig zu liegen.

Zum Ziel meiner Stiftung habe ich das Resumee meines lebenslangen Schaffens in der Natur gewählt: „Naturschutz als positive Lebensphilosophie"."

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Für Heinz Sielmanns Lieblingstier Fischotterschutz

Sielmanns Lieblingstier
Die letzten Fischotter

"Ein Teil des Geldes, das ich mit meiner Stiftung mobilisierte, fließt der Naturschutzstation Zippelsförde/ Rägelsdorf am Oberlauf des Rhin in Brandenburg zu. In der geschützten Uferlandschaft sind seltene Tiere wie der europäische Fischotter, der Schwarzstorch, der Seeadler und der Kranich zu Hause.

Die Mitarbeiter der Station erfassen und schützen die Tiere. Seit der Grenzöffnung, zwischen 1990 und 1994, wurden 253 Otter im Land Brandenburg tot aufgefunden. Zwar zeigt diese alarmierende Zahl, dass es in Brandenburg vermutlich die meisten Fischotter in Deutschland geben muss, sie belegt aber auch, dass diese Tiere besonders gefährdet leben.

Jeder Fischotter braucht einen Aktionsradius von zwanzig Kilometern, und weil ein solches Gebiet fast immer von Straßen durchschnitten wird, gehen siebzig Prozent der toten Otter auf das Konto der Autofahrer. Mit Unterstützung meiner Stiftung sollen Ottertunnel an Totfundschwerpunkten gebaut werden, damit die Fischotter gefahrlos die Straße passieren können. Das Naturschutzgebiet am Rhin, eines der letzten Paradiese der Fischotter, ist zu einem beliebten Ausflugsziel für Touristen geworden und muss unbedingt geschützt werden."

Heinz Sielmann