Über Heinz Sielmann Prominente Stimmen

Heinz Sielmann hat mit seiner Arbeit viele Menschen nachhaltig bewegt und beeinflusst. Wir haben einige Personen des öffentlichen Lebens dazu befragt, welchen Einfluss der berühmte Tierfilmer auf sie hatte. 

Ehemaliger Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) Prof. Dr. Klaus Töpfer

Wir erinnern uns an einen jungen, noch nicht einmal 20jährigen Mann, der mit seiner ersten Kamera bereits mit 21 Jahren seinen ersten Film fertig stellte: „Vögel über Haff und Wiesen“.

Heinz Sielmann weckte die Neugierde für Natur, er ließ aufhorchen, er drohte nicht mit dem erhobenen Zeigefinger, sondern lockte, warb und überzeugte mit der Schönheit und der Größe der vielfältigen Natur.

Er war ein herausragender, sensibler Filmemacher, der die Menschen erfreute. Er verstand es mit der Kamera auch das auf Zelluloid festzuhalten, was Anderen als unmöglich zu beobachten, geschweige denn zu filmen galt. Er war ein Visionär, der nicht in seinen Träumen verblieb, sondern seine Visionen beherzt und konsequent verfolgte, sie mit der exakten wissenschaftlichen Analyse erarbeitete, sie in seiner Filmkunst verwirklichte: Diese Vision der Verantwortung für die vielfältige Schöpfung, die Verpflichtung des Menschen, diese Vielfalt als Geschenk Gottes an die Menschen, zu schützen und zu bewahren.

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Bleibend sind die vielen Ehrungen, die seine Arbeit auszeichneten, Ehrungen, die seine Persönlichkeit würdigten. Das Bild steht lebendig vor mir: Bundespräsident Horst Köhler überreicht Heinz Sielmann den „Umweltpreis 2005“der Deutschen Stiftung Umwelt, den Ehrenpreis für seine Lebensleistung.

Wir wissen uns mit Heinz Sielmann einig in der Forderung Ernst Blochs: „Nur das Erinnern ist fruchtbar, das daran erinnert, was noch zu tun ist.“ Mit der Heinz-Sielmann-Stiftung haben Heinz und Inge Sielmann Vorsorge getroffen. Die Erinnerung an dieses Lebenswerk wird fruchtbar bleiben.

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Fernsehmoderatorin, Buchautorin und Journalistin Nina Ruge

Ab Mitte der 60er hatten wir im Wohnzimmer einen Fernseher, der kolossal hässlich war. Buchenfurnier. Die merkwürdige Lamellen-Schiebetür war genauso hässlich und fast immer zu, abgeschlossen. Geöffnet wurde sie nur nach strenger Prüfung seitens meiner Eltern für wenige auserwählte Sendungen.

Für meine Schwester und mich war es also ein Fest, wenn sich die graue Mattscheibe zeigte, um dann… auf Expedition ins Tierreich zu gehen! Mein Gott, dachte ich mir. 

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Dieser ordentliche Herr mit Schlips und Kragen und der Stimme wie ein Offizier, war der wirklich an all den fernen, gefährlichen Orten? Kongo? Galapagos? Neuguinea? Naja, musste wohl so sein, trotz Schlips und Kragen. Denn dieser Herr Sielmann, der wusste ja so viel über die Tiere! Und der fand alle Tiere toll. Auch die, vor denen ich mich eher fürchtete, oder die eklig waren. Schlangen, Würmer, Käfer, alles. Und wie der mir zeigte, dass alles mit allem zusammenhing!

Also, dieser Herr, der ein bisschen aussah wie der von der Sparkasse nebenan, dem gelang es mit der Zeit, mich zu infizieren. Ich wurde Fan. Ich bin ihm so dankbar, dass er mir so behutsam half, meinen Horizont zu erweitern. Vom „ich“ zum „wir“, und vom „wir“ zum tiefen Bedürfnis, Verantwortung zu übernehmen, für den Schutz des großen Wunders Natur, dessen Teil wir sein dürfen.

Liebe Heinz Sielmann, Sie sind ein heimlicher Fährtenleger für meinen späteren Berufswunsch gewesen! …denn ich studierte Biologie. Danke dafür!

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Bürgermeister von Duderstadt und Stiftungsratsmitglied Wolfgang Nolte

Die Entscheidung der Stifter Prof. Heinz und Inge Sielmann für Duderstadt im Eichsfeld war und ist für unsere Stadt und die gesamte Region ein großer Glücksfall. Ausgangspunkt waren die Dreharbeiten für die ARD-Sendung „Tiere im Schatten der Grenze“, die am 21.03.1989 – also knapp sechs Monate vor dem Fall des Eisernen Vorhangs – ausgestrahlt wurde. Die in diesem Zusammenhang aufgebauten persönlich-freundschaftlichen Kontakte haben wir seit April 1994 – also unmittelbar vor der Stiftungsgründung am 02. Juni 1994, dem 77. Geburtstag von Prof. Heinz Sielmann - intensiv fortgesetzt. Bei den vorbereitenden Gesprächen und letztlich einem Besuch der Eheleute Heinz und Inge Sielmann in Duderstadt ist dann im wahrsten Sinne des Wortes „der Funke der Begeisterung übergesprungen“, was atemberaubend schnell zu konkreten Planungen für die Aktivierung des damals gerade verfügbaren Stadtguts Herbigshagen mit der großen Hofstelle und 100 ha Fläche drumherum führte.

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Herbigshagen ist seit 1996 Sitz der Heinz Sielmann Stiftung und in einzigartiger Weise modellhaft weiterentwickelt. Die Stiftungszentrale – jetzt mitten in Deutschland.

Wir alle – Bürger und Stadtrat - haben von Anfang an die riesigen Chancen und Potentiale gesehen. Mit der Ansiedlung der Stiftung ist auch für mich ganz persönlich ein Traum Wirklichkeit geworden. Im Zusammenspiel mit weiteren wichtigen Einrichtungen und Projekten in und um Duderstadt, wie z. B. dem Naturschutzgroßprojekt Grünes Band und dem Grenzlandmuseum Eichsfeld, ist die Sielmann Stiftung ein herausragend wichtiger Lern- und Erlebnisort sowie ein einzigartiger Zukunftsbaustein.

Das Naturerlebniszentrum mit der Stiftungszentrale ist ein einzigartiger Leuchtturm und mit jährlich mehr als 100.000 Gästen ein absoluter Besuchermagnet mit einer Strahlkraft weit über unsere Region hinaus. Herbigshagen ist nicht nur ein großartiger Ort für Naturfreunde, Touristen und Kinder, sondern auch ein zukunftsorientiertes, herausragendes Erlebnis- und Bildungszentrum. Die Stiftung steht mit ihrer gesamten Arbeit dabei insbesondere auch für Nachhaltigkeit im Handeln.

Die Vernetzung mit zahlreichen Partnern und Institutionen ist vorbildlich. Es bestehen direkte Kooperationen mit Schulen in Niedersachsen und Thüringen. Die Stiftung hat sich als außerschulischer Lernort einen Namen gemacht und ist darüber hinaus ein anerkanntes Regionales Umweltbildungszentrum (RUZ). Es ist einfach fantastisch, wie vor allem Kinder und Jugendliche durch persönliches Erleben an einen positiven Umgang mit der Natur herangeführt werden. Die Stiftung leistet damit einen ganz wichtigen Beitrag zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit für den Natur- und den Artenschutz und damit für die Bewahrung der Schöpfung. Auch als regionaler Träger des Naturschutzgroßprojekts „Grünes Band Harz-Eichsfeld-Werratal“ ist die Stiftung ein herausragend wichtiger Partner.

Der 100. Geburtstag des großen Tierfilmers und national und international noch immer anerkannten vorbildlichen Naturschützers ist eine einmalige Gelegenheit, überzeugend zu verdeutlichen, welch glückliche Fügung, welch gelungene Synthese das intensive und freundschaftliche Miteinander zwischen dem Eichsfeld und der Stiftung darstellt.

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Tier- und Naturfilmer, Filmproduzent und Stiftungsratsmitglied Jan Haft

Heinz Sielmann war für mich als Kind ein großes Vorbild. Einerseits war er der Naturexperte schlechthin; glaubhaft und sympathisch. Andererseits trat er nie vor riesigen Teleobjektiven oder am Steuer hochgerüsteter Geländewagen vor die Kamera, sondern im karierten Hemd vor Holzstativ und VW-Käfer. Das gefiel mir schon damals. Sielmann warb für den Schutz seltener Arten und war gleichzeitig ein neugieriger Entdecker, der es mit viel Einfallsreichtum fertig brachte, noch nie gezeigtes Tierverhalten mit der Kamera einzufangen. Auch diese Kombination imponierte mir. 

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Dabei zeigte Sielmann in seinen „Expeditionen ins Tierreich“ nicht nur die exotische Tierwelt ferner Länder, sondern gerade auch die Tiere und Pflanzen der Heimat. Da ich als Kind, von Familienurlauben abgesehen, kaum Möglichkeiten hatte in die Ferne, zu den Wüsten und Regenwäldern der Welt, zu reisen, inspirierten mich Filme über „Kobolde des Waldes“, „Leben vor der Haustüre“ oder „Begegnungen im Spechtrevier“ zu eigenen Expeditionen in die Umgebung des Elternhauses. Niemals hätte ich es mir damals erträumt, selbst einmal Naturfilmer zu werden, obwohl ich im Alter von 12 Jahren mit der Super-8 Kamera meines Vaters Kreuzottern, Singvögel und meine Haustiere filmte (und mich dabei als kleiner Heinz Sielmann fühlte). Aber mein Interesse an allem was da kreuchte und fleuchte wurde von Jahr zu Jahr größer und ich wusste genau, dass ich mein ganzes Leben in der Natur und mit Tieren verbringen wollte. Dafür waren nicht zuletzt auch die „Expeditionen ins Tierreich“ verantwortlich.

Die begeisterte und begeisternde Art, mit der Heinz Sielmann die Themen in seinen Filmen vortrug, ist mir bis heute Vorbild. Ich bin stolz drauf, dass ich vor vielen Jahren mit dem großen Tierfilmpionier für eine Jubiläumssendung des NDR zusammenarbeiten durfte und ich freue mich, dass ich als Tierfilmer und als Stiftungsrat der Heinz Sielmann-Stiftung das Erbe von Heinz Sielmann ein kleines Stückchen weiterführen kann.

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Fernsehköchin und Autorin Sarah Wiener

Mit seinen Tieraufnahmen hat Heinz Sielmann ein herausragendes filmisches Werk geschaffen, mehr noch verbinde ich mit ihm aber seine Bemühungen für den Umweltschutz. Er war sich bereits früh der Gefahren bewusst, denen Tiere in ihren natürlichen Lebensräumen ausgesetzt sind. Vielfalt erhalten, Wissen vermitteln, Natur beschützen – das hat er sich daher zur Lebensaufgabe gemacht. Durch seine Arbeit mit Kindern und Jugendlichen konnte er die Notwendigkeit des Umweltschutzes auch an die nächste Generation weitergeben – eine große Leistung.

Förster, Buchautor, Preisträger Biodiversitätspreis der Heinz Sielmann Stiftung Peter Wohlleben

In meiner Jugend war es ein Straßenfeger, wenn Heinz Sielmann mit seinen wunderbaren Natursendungen im Wohnzimmer vorbeischaute. Vor allem die „Expeditionen ins Tierreich“ hatten es mir angetan, und in mir entbrannte der heftige Wunsch, später als Wildhüter in Kenia tätig zu werden. Dass dies kein gängiger Ausbildungsberuf in Deutschland ist, wurde mir später klar.

Heute bin ich Förster und bewirtschafte einen ökologisch ausgerichteten Forstbetrieb in der Gemeinde Wershofen. Zudem habe ich eine Waldakademie in meinem Wohnort Hümmel gegründet, um die Ideen des Waldnaturschutzes weiterzutragen. Denn genau das ist es: Die Fackel muss weitergereicht werden. Heinz Sielmann war in dieser Beziehung etwas ganz Besonderes: Er hat Tausende solcher Fackeln angezündet, nicht nur bei mir. Und dieses Feuer von Heinz Sielmann für den Tier- und Naturschutz brennt noch lange weiter, selbst wenn sein eigenes Lebenslicht erloschen ist. Daher dürfen wir uns zu seinem 100. Geburtstag alle beglückwünschen.

Professor für Fernsehjournalismus & Tier- und Naturfilmproduzent Michael Sutor

Forschung über Heinz Sielmann

Aufbruch um halb vier Uhr morgens - drückende, tropische Schwüle. Matsch und Regen beim Klettern rauben die letzten Kräfte. Eine Stunde vor Dämmerung erreicht das Team den Ansitz: ab jetzt Ausharren auf engstem Raum. Ziel: Aufnahmen vom Roten Paradiesvogel in Papua Neuguinea. Das Jahr? 1963! Heinz Sielmann, ein Pionier des deutschen Tierfilms im Einsatz! Gemeinsam mit Bernhard Grzimek stand Sielmann jahrzehntelang als Synonym für Abenteuer und Tiere im Fernsehen. Sielmann prägte die „Expeditionen ins Tierreich“.

Heinz Sielmann, 2006 gestorben, wird in diesem Jahr 100 Jahre.

Die Jüngeren, fast alle unter 40, kennen ihn nicht mehr. 1990 verabschiedete er sich von der öffentlich-rechtlichen Bühne, wirkte noch ein paar Jahre bei den Privaten, um sich dann seinem Hauptwerk zu widmen, dem Naturschutz. 

Man kann ihn mögen oder auch ablehnen: doch keiner kann ihm absprechen, eine Ikone des deutschen Nachkriegsfernsehen zu sein. Sein Weg war voller Hindernisse, doch immer hatte er das gewisse Quantum Glück in einer schier aussichtslosen Situation weiterzukommen. Diese Spur Fortune zieht sich wie ein roter Faden durch sein Leben.

Es begann in der Jugend in Ostpreußen und setzte sich über den 2. Weltkrieg fort. Er kam voran, verfolgte seinen Weg. Sein Naturinteresse führte ihn nach dem Krieg in die Wälder des Nordens, mit Hilfe von geliehenen Kameras und Kollegen sensibilisierte er die Zeitgenossen für den Erhalt bedrohter Landschaften.Seine Beharrlichkeit brachte ihn in das Umfeld von Konrad Lorenz. Wieder bewirkten günstige Umstände, dass das belgische Königshaus auf ihn aufmerksam wurde und seine Dienste in Anspruch nahm. Der Kinofilm „Herrscher der Wildnis“, Zeugnis Belgiens zur Weltausstellung in Brüssel 1958, katapultierte ihn in die erste Liga. Die sechziger Jahre stellen den Zenit seines Schaffens dar. Er produzierte seine eigenen Kinofilme und war darin überaus erfolgreich.

Heinz Sielmanns Werktagebücher stellen eine interessante Quelle des Schaffens dar. Sie zeichnen die Wege und Beschwerlichkeiten der Dreharbeiten nach und vermitteln die Arbeitsstrategien.

Reisen in den Vierziger und Fünfziger Jahren ist nicht mit den Bedingungen heute zu vergleichen. Sielmann verließ Frau und Sohn und arbeitete monate- , manchmal sogar jahrelang auf anderen Kontinenten. Das Reisen stand synonym für Abenteuer: ein Flug nach Australien dauerte tagelang. Ankunft oft unbekannt. Wie organisiert man Einfuhr von Geräten etc.? Heutzutage kaum ein Problem, damals eine diplomatische Meisterleistung. Heinz Sielmanns beispielloser Aufstieg ist eng verwoben mit der frühen Geschichte des deutschsprachigen Kinos und Fernsehens.

Michael Sutor unterrichtet als Professor für Fernsehjournalismus an der Hochschule Hannover. Der Tier- und Naturfilm ist sein Metier, er produzierte zahlreiche Filme für den NDR. Aktuell arbeitet er an einer Dokumentation über Heinz Sielmann.

Fernsehmoderator Willi Weitzel

Wenn ich an Heinz Sielmann denke, fühle ich mich sofort wohl. Dann klingt seine vertraute Stimme in meinem Ohr, und ich fühle mich wie ein Enkelsohn, der neben seinem Großvater in einem Tarnzelt sitzt und ohne jeden Zweifel jedes Wort glaubt, das aus seinem Mund kommt.

Als Kind saß ich mit meinen Geschwistern immer gespannt vor dem Fernseher, wenn Heinz Sielmann zu seinen Expeditionen ins Tierreich aufgebrochen ist. Besonders die Filme über die afrikanische Savanne hatten es mir angetan, typisch Junge wollte ich hauptsächlich Löwen sehen.

Viele Jahre später bin ich als junger Reporter fürs Radio nach Afrika gereist. Für mich war das die Chance, auf den Spuren meines Idols eine eigene Reportage über die wilde Savanne aufzunehmen.

Mit einem Ranger begleitete ich eine riesige Gruppe von Pavianen. Kleine Babys hingen an den Bäuchen ihrer Mütter oder ritten auf deren Rücken, jugendliche Affen tobten unter Gekreische umher, während würdige Männchen mit wuchtigen Mähnen und langen Eckzähnen stolz durch das trockene Gras schritten.

Es war eine absolut große Ehre, einige Kilometer weit mit all den Tieren zu wandern. Halblaut aber aufgeregt stellte ich dem Ranger hunderte von Fragen und war scheinbar so von Sinnen, dass mir gar nicht auffiel, dass ich den Mikrofonstecker nicht in die Mikrofonbuchse, sondern in die Phonebuchse, also die für den Kopfhörer, eingesteckt hatte. Kein einziger Ton war schließlich auf der Cassette. Ich war tief enttäuscht (und zugegeben richtig sauer). Aber ich konnte bei dieser Lektion einen Eindruck davon bekommen, wie schwierig Tieraufnahmen – erstrecht  auf Film – sind.

Heinz Sielmann hat bis heute meinen Respekt; und meine Dankbarkeit!