Bruthilfe für die Flussseeschwalbe

Artenrettung in Sielmanns Naturlandschaft Groß Schauener Seen

von Caroline Hübenbecker

Sommergäste aus dem Süden

Jeden Frühling kehren sie an die Groß Schauener Seen im südlichen Brandenburg zurück: Nach Tausenden Kilometern Flug aus Afrika sind die Flussseeschwalben an der Seenkette angekommen. Sie verbringen den Sommer hier, um ihre Küken aufzuziehen. Flussseeschwalben leben in großen Kolonien.

Die eleganten Vögel brüten gern auf sandigen Ufern und Kiesbänken. Doch die sind selten geworden. Staudämme, Ausbau von Wasserstraßen und Bebauung haben viele natürliche Ufer verschwinden lassen. Inzwischen ist die Entwicklung so dramatisch, dass diese Art als stark gefährdet gilt.

Zurückgekehrt, um zu bleiben

Die Groß Schauener Seenkette befindet sich als Sielmanns Naturlandschaft im Besitz der Heinz Sielmann Stiftung. Über 1.000 Hektar Wasser und Ufer mit Röhrichten, Erlenbruchwald und Schilf bieten vielen Tier- und Pflanzenarten ein Zuhause.

Die Flussseeschwalbe ist hier wieder heimisch, nachdem sie lange in der Region fehlte. In den nährstoffreichen Seen finden die Vögel genug Nahrung.

Stiftung kauft die Seenkette

Im Jahr 2001 konnte die Stiftung die Groß Schauener Seenkette erwerben und so die Flächen dauerhaft im Sinne des Naturschutzes sichern. Inge und Heinz Sielmann entschieden sich für diesen Schritt, um den Lebensraum für bedrohte Arten zu erhalten. 

In den Folgejahren begleitete das Stifterehepaar die Weiterentwicklung der Sielmanns Naturlandschaft. Es entstanden unter anderem ein Naturlehrpfad, der Aussichtsturm Selchow, eine kleine Ausstellung und ein Fischadlerhorst auf einem Strommast.

Im Bild sind Heinz und Inge Sielmann mit dem damaligen Minister für Ländliche Entwicklung, Umwelt- und Verbraucherschutz im Land Brandenburg, Dietmar Woidke, zu sehen. Im Mai 2005 wurde gemeinsam mit dem Netzbetreiber e.dis eine Live-Kamera an dem Fischadlerhorst eingeweiht.

Künstliche Brutinseln sollen helfen

Um das Problem der fehlenden Brutplätze zu lösen, dachten sich die Naturschutz-Experten der Stiftung etwas Unkonventionelles aus. Schwimmende Brutinseln, je sechs Quadratmeter groß, befüllt mit Sand und Kies, sollen natürliche Kiesbänke nachahmen.

Die Plattformen bestehen aus wetterfestem Aluminium und wurde schwimmend konzipiert. Zusätzlich installierte Wildtierkameras überwachen das Treiben auf den Inseln, ohne die brütenden Vögel zu stören.

Mit geeinten Kräften

„Gemeinsam mit den Rangern der Naturwacht Brandenburg und Mitarbeitern des Naturguts Köllnitz konnten wir die Inseln zu Wasser lassen. Eine tolle Zusammenarbeit vor Ort!." sagt Rebecca Oechslein, ehem. Gebietsbetreuerin der Sielmanns Naturlandschaft Groß Schauener Seen.

Im Jahr 2023 wurden die ersten beiden Inseln beladen und ins Wasser gelassen. Eine liegt so vor Anker, dass man sie vom hölzernen Aussichtsturm am Großen Wochowsee sehen kann.

Kaum schwammen die Inseln, landeten die ersten Flussseeschwalben und begannen sofort mit der Balz und Paarung.

Behütet aufwachsen

Die stark gefährdeten Vogel legten Eier, brüteten und verteidigten ihre Nester. Im Jahr 2023 wurden während einer Beringung 29 kleine Flusseeschwalben gezählt – ein großer Bruterfolg für die Art! Auch in den nächsten zwei Jahren konnten die Flussseeschwalben ähnlich viel Nachwuchs zeugen.

Auf den Inseln sind die jungen Nestlinge hervorragend vor Feinden wie Waschbären, Mardern und Füchsen geschützt. Der glatte Aluminiumrahmen bietet den Räubern keine Möglichkeit zum Hinaufklettern. Außerdem schützen kleine Holzdächer die Küken vor Fressfeinden aus der Luft.

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Personalausweis am Fuß

Um mehr über das Leben jedes einzelnen Vogels und dessen Zugverhalten zu erfahren, erhält jedes der geschlüpften Küken einen Ring mit einer individuellen Nummer. In einem zentralen Register der Vogelwarte Hiddensee werden die beringten Vögel erfasst.

Wird ein Vogel mit Ring gefunden, zeichnen alle verfügbaren Daten ein umfassendes Bild: wo und wann das Tier geboren wurde und welche Route es im Herbst und Frühjahr fliegt. Fachleute sammeln so Erkenntnisse über Populationsgröße und Zugrouten.

Population sichern – Arten schützen

Die Anschaffung der beiden Brutinseln wurde erst durch Spenden möglich. So konnte die Flussseeschwalben-Population in Sielmanns Naturlandschaft Groß Schauener Seen gesichert werden. Die Erfolge sind sichtbar und messbar.

Damit sich die Population weiter so gut entwickeln kann, möchten wir in diesem Winter zwei weitere Brutinseln anschaffen. Bitte unterstützen Sie dieses Vorhaben!

Ermöglichen Sie uns, weitere Brutinseln für die Flussseeschwalben anzuschaffen.

Über den Autor

Caroline Hübenbecker
Caroline Hübenbecker verantwortet die Website und die Social Media Kanäle der Heinz Sielmann Stiftung. Sie freut sich immer wieder Neues über heimische Arten Tipps für den Garten von ihren Kolleginnen und Kollegen zu erfahren und diese weitergeben zu können.

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