Lebenslanger Forscherdrang

Geschichten aus dem Leben des Tierfilmers

Eine ungewöhnliche Einladung

Kommen Sie nach Buldern und bringen Sie einen Sack Zement mit.

Mit diesen skurrilen Worten holte der bekannte Verhaltensforscher Konrad Lorenz Heinz Sielmann an sein Institut. Der junge Filmer fand bald heraus, was es damit auf sich hatte. 

Gemeinsam mit dem Forscher Dr. Irenäus Eibl-Eibesfeldt fertigte er einen Hamsterbau aus Beton, um das Hamsterverhalten zu erforschen.

Naturnahe Wohnung

Ein unterirdischer Hamsterbau lässt sich schwer filmen. Daher entwarfen die Forscher Sielmann und Eibl-Eibesfeldt einen bequemen Wohnkessel aus Beton.

In den zwei Meter hohen und eineinhalb Meter breiten Bau integrierten sie eine Vorratskammer, einen Fluchtweg und jeweils eine Röhre für Zugang und Ausstieg. So konnten sie sichergehen, dass der Hamster alles fand, was er zum Leben brauchte.

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Hauptdarsteller beim Dreh von „Im Hamsterrevier“

Hamster im Spotlight

Scheinwerfer erzeugen große Hitze. Das bekam auch der kleine Hamster in seinen Gängen zu spüren und verkroch sich bei den Dreharbeiten in die letzte Ecke seiner künstlichen Behausung. Um den Bau etwas abzukühlen, entfernte Heinz Sielmann kurzerhand die schützende Scheibe. 

Sogleich wagte sich der kleine Nager wieder hervor und verblieb überraschenderweise trotzdem in seinem Gangsystem.

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Feldhamster in seiner unterirdischen Speisekammer
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Die Feldhamster-Kinderstube

Quakende Mitbewohner

Mit einem Tierfilmer im Haus muss man sich auf Kurioses einstellen. So erging es Witwe Wilbers, die Heinz Sielmann und seine Frau Inge während der Zeit in Buldern beherbergte. Eines Morgens fand sie ihr Wohnzimmer voller Frösche, die auf Möbeln und Boden hockten. 

Heinz Sielmann hatte die Kleindarsteller für einen Dreh besorgt und sie am Abend zuvor im Wohnraum in einem Sack vergessen.

Farbfreuden

Farbaufnahmen versprühen mehr Lebendigkeit als Schwarz-Weiß-Aufnahmen. Kein Wunder, dass Heinz Sielmann voller Vorfreude auf seine erste Farbfilmproduktion „Wiesensommer“ blickte. 

So war es ihm möglich, die Welt der Wiesenpflanzen und Tiere im Nymphenburger Park in München in ihrem vollen Farbspektrum zur Geltung zu bringen.

Besondere Effekte

Dank Zeitraffer kann man dem Gras beim Wachsen zusehen. Auch Heinz Sielmann nutzte diese Technik, um Pflanzenwachstum und Schmetterlingsmetamorphosen anschaulich zu zeigen.

Dafür installierte er die Kamera an einem geschützten Ort, wo sie alle paar Sekunden ein Bild des gewünschten Protagonisten ablichtete. Zusammengesetzt ergaben diese Aufnahmen eine magische Bewegung.

Nachtschwärmer

Im Dunkeln wirkt einiges verdächtig. Kein Wunder, dass Heinz Sielmanns nächtliche Ausgrabung eines Erdhummelbaus bei der Münchner Polizei Aufsehen erregte.

Erstaunt stellten die Ordnungshüter den schaufelnden Tierfilmer zur Rede. 

Dank einer Drehgenehmigung war die Sache schnell geklärt und der Bau wurde noch in derselben Nacht in einen für die Kamera einsehbaren Glaskasten umgesetzt.

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Steinadler sind scharfsinnige Beutegreifer. Als Feind der Nutztiere verrufen, wurden die Raubvögel bereits im 18. Jahrhundert vom Menschen systematisch ausgerottet. Nur in abgelegenen Regionen der Alpen fanden die Könige der Lüfte letzte Rückzugsorte.
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Kein Zufall, dass Heinz Sielmann ganze zwei Jahre lang recherchierte, bis er für Filmaufnahmen endlich einen versteckten Adlerhorst aufspüren konnte.

Doktor der Wildnis

Wer sich ständig in der Wildnis herumtreibt, hat keine Zeit zum Studieren. 

Aufgrund der zweijährigen Dreharbeiten am Film „Herrscher des Urwalds“ schaffte es Heinz Sielmann nicht, seinen Doktor der Biologie abzuschließen.

Grenzenloses Interesse

Heinz Sielmann interessierte sich zeit seines Lebens für Mensch und Natur.

So versuchte er zu verstehen, was den Menschen vor Ort wichtig ist und wie regionaler Naturschutz am wirkungsvollsten umgesetzt werden kann. 

Dies zeigte er unter anderem beim Besuch eines Braunkohle-Tagebaus in Brandenburg, wo seine Stiftung 2003 ein großes ehemaliges Tagebaugebiet erwarb, um es unter Schutz zu stellen. 

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