Die Heimat der letzten Wildpferde
Schutz für Przewalski-Pferde in der kasachischen Steppe
von Nora Künkler
Die Heimat der letzten Wildpferde
Schutz für Przewalski-Pferde in der kasachischen Steppe
von Nora Künkler
Unendliche Weite
In der kasachischen Steppe verschwimmen Horizont und Himmel. Das Auge schweift über die weite Landschaft, die hier fast unendlich scheint. Kein Baum, kein Hügel stören die Weitsicht. Ist das dort hinten Wasser? Oder flimmert die Luft in der heißen Sonne? Es ist kaum auszumachen.
Es ist ein Lebensraum der Extreme. Tagsüber wird es heiß, nachts bitterkalt. Die Temperaturen schwanken jahreszeitlich zwischen +40 und - 40 Grad Celsius. Der Wind pfeift über die offene Landschaft. Niedrige Büsche und Kräuter wachsen eng an den Boden gedrückt.
Hier streifen die Przewalski-Pferde über die weite Ebene. Einst waren sie Teil einer der größten Tierwanderungen auf der Erde. Gemeinsam mit den Saiga-Antilopen und Kulan-Wildeseln prägten sie die Graslandschaft. Heute sind sie dank internationaler Schutzbemühungen zurückgekehrt.
Die Rückkehr
In Folge von Jagd und der Zerstörung ihrer Lebensräume starben Przewalski-Pferde und Kulan Wildeseln vor etwa 100 Jahren in Kasachstan aus. Die „Altyn Dala Conservation Initiative“ siedelt beide Arten in ihrem ursprünglichen Verbreitungsgebiet wieder an.
Die Tiere stammen aus Nachzuchten aus europäischen Zoos. Der Zoo in Prag hatte bereits Przewalski-Pferde in der Mongolei ausgewildert und leitet das internationale Erhaltungszuchtprogramm. Ein Teil der Herde kommt aus dem Berliner Tierpark.
Mit Flugzeugen und Lkw wurden die Tiere in das Auswilderungsgebiet gebracht. Ein großes Team aus Naturschutzexperten, Wildtierökologen, Tierpflegern und Veterinären betreut die Pferde und Esel auf ihrer Reise.
Ein Zwischenstopp
Bevor die Przewalski-Pferd endgültig in die Freiheit entlassen werden, können sie sich im Wiederansiedlungszentrum „Alibi“ in Zentralkasachstan behutsam an die neuen Bedingungen gewöhnt. In einem 55 Hektar großen eingezäunten Gehege sollen sie sich an den rauen Lebensraum anpassen.
Die Wiederansiedlungsstation wird von der Naturschutzorganisation "Association for the Conservation of Biodiversity of Kazakhstan" (ACBK) betrieben. Unterstützt wird die Organisation von vielen internationalen Partnern und der kasachischen Regierung.
Unterbringung all inclusive
Während der Eingewöhnung umsorgen Mitarbeitende der Station die Pferde im Gehege. Vor allem die Wasserversorgung muss gewährleistet sein, da die Tiere noch nicht zu natürlichen Wasservorkommen wandern können.
Auch die Sozialstruktur der Tiere in ihrer Herde muss sich festigen. In freier Wildbahn sind sie aufeinander angewiesen. Das braucht Vertrauen und klare Regeln untereinander. Dafür bekommen sie im Eingewöhnungsgehege genügend Zeit.
Damit die Pferde später möglichst gesund in die Wildnis galoppieren, werden sie engmaschig von Tierpflegern und Veterinären umsorgt. Die Wiederansiedlungsstation bietet dafür moderne tiermedizinische Infrastruktur.
Es gibt immer etwas zu tun
Im Wiederansiedlungszentrum „Alibi“ gibt es immer etwas zu reparieren oder instand zu setzen. Doch im Frühjahr 2025 kam es besonders heftig. Eine ungewöhnliche Frühjahrsflut beschädigte große Teile des Zentrums.
Für den flutsicheren Wiederaufbau der Wildpferd-Gehege wurde zusätzliche finanzielle Unterstützung benötigt. Die Heinz Sielmann Stiftung stellte dafür Fördermittel in Höhe von 20.000 Euro bereit.
Hier finden Sie mehr Informationen zur Verwendung von Spendengeldern für das Förderprojekt.
Gekommen, um zu bleiben
Nach über 200 Jahren kehren also die Wildpferde zurück in die „goldene Steppe“ – nach Altyn Dala. Mindestens 40 Tiere sollen zunächst den Grundstein für eine stabile Population bilden.
Doch wozu der ganze Aufwand? Die Wildpferde und -Esel gestalten das Ökosystem Steppe durch ihr Verhallten maßgeblich. Die Tiere schaffen und erhalten die Biodiversität und Resilienz des Ökosystems. Davon profitieren wiederum viele kleinere Tiere und seltene Pflanzenarten.
Wussten Sie schon?
Ein bisschen Steppe wagen wir auch vor den Toren Berlins. In Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide lebt ebenfalls eine Herde Przewalski-Pferde. Sie durchstreifen gemeinsam mit Wisenten den alten Truppenübungsplatz. Ihr Job ist der Gleiche: Die Landschaft offen halten – für mehr Biodiversität.
Über den Autor

Nora Künkler
Nora Künkler ist studierte Biologin und arbeitete bis März 2023 als Pressesprecherin bei der Heinz Sielmann Stiftung. Aktuell schreibt sie freiberuflich für die Stiftung.
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