Jede Blüte ein Pixel

Drohnen im Einsatz für die Heide

von Nora Künkler

Rosa Blütenteppich

Die Besenheide (Calluna vulgaris) beeindruckt insbesondere in Sielmanns Naturlandschaft Kyritz-Ruppiner Heide mit einem endlosen Blütenmeer. Sie ist eine der größten Heideflächen Europas.

Das menschliche Auge erkennt in dem Blütenmeer unterschiedliche Farbnuancen, mal kräftig lila, mal eher rötlich, manchmal noch blass rosa oder sogar dunkel graugrün.

Naturschutz per Drohne

Die Fläche der Kyritz-Ruppiner Heide ist aufgrund der früheren Nutzung als Truppenübungsplatz mit alter Munition belastet. Kein geeignetes Terrain, um das Gelände zu Fuß zu erkunden. Die Lösung?

Wissenschaftler von NaTec (Naturschutz und Technik) – einem Projekt der Heinz Sielmann Stiftung und dem GeoForschungsZentrum Potsdam – entwickelten eine Möglichkeit, um diese Unterschiede in der Farbgebung der Heide messbar zu machen. Mit Drohnen überfliegen sie die Heide und machen Fotos.

Fitness-Check

Mit der Fernerkundung kann für jede Einzelpflanze auf der etwa 4.000 Hektar großen Fläche festgestellt werden, wie es ihr geht. Die unterschiedlichen Farben der Heide geben Aufschluss über den jeweiligen Zustand der Pflanze und wie viele Blüten oder Samen sie gebildet hat.

Daneben sammeln Forscher Informationen über die Höhe der Vegetation. So lassen sich junge Pflanzen, die noch niedrig wachsen, von älteren, höheren Exemplaren unterschieden. Aus der Farbanalyse der Heide kombiniert mit den Höhenangaben verstehen die Wissenschaftler den Lebenszyklus der Heide besser.

Auf Ursachenforschung

Damit sich die Heide verjüngt und nicht abstirbt, wird sie stets gemäht oder abgebrannt. Aus den Daten der Fernerkundung erkennen wir, wie viele Sträucher nach einem Brand aus dem Stock austreiben oder neu keimen. Pflanzen aus Stockaustrieben wachsen viel schneller in die Höhe als neue Keimlinge.

Außerdem spielen Alter, genetische Veranlagung, Wuchs oder kleinräumige Bodenunterschiede für den jeweiligen Zustand der Pflanze eine Rolle. Wo die Wurzeln eines Nachbarn noch an Wasser heranreichen, kämpft der nächste Busch auf einer kleinen sandigen Erhöhung schon ums Überleben.

Spezialisten unter sich

Auch das Erfassen sämtlicher Tiere, Pflanzen und Pilze ist Teil des NaTec-Projekts. Über 1.800 verschiedene Arten konnten bereits in der Kyritz-Ruppiner Heide nachgewiesen werden. Insekten wie der Heide-Steppenrüssler, das Heide-Grünwidderchen und einige Wildbienen sind auf die Heide spezialisiert.

Manche Wildbienen ernähren sich nur vom Nektar und den Pollen des Heidekrauts. Sie können bloß hier existieren. In unserer intensiv genutzten Kulturlandschaft werden Refugien für solche Spezialisten immer seltener. Schutzgebiete wie die Kyritz-Ruppiner Heide sind dann die letzten Rückzugsräume.

Technik für den Naturschutz

Die Kyritz-Ruppiner Heide wurde als exemplarisches Testgebiet für den Einsatz von Fernerkundung im Monitoring ausgewählt. Die Projektverantwortlichen berichten regelmäßig über Forschungsergebnisse und die angewandte Naturschutzpraxis.

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