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Schmetterlinge

Farbenfroh durch die Luft

Farbenprächtige Sommerboten

Ab März sieht man sie wieder fliegen: Schmetterlinge. Mit den steigenden Temperaturen segeln immer mehr dieser anmutigen Insekten in den vielfältigsten Farbkombinationen durch die Lüfte und verzaubern uns mit ihrer Eleganz. Doch sie können weit mehr als nur hübsch auszusehen. Ob im Gewand einer Wespe oder als Vogelkot getarnte Raupe haben Schmetterlinge so einige Tricks auf Lager, um sich vor Fressfeinden zu schützen. Doch dem menschengemachten Verlust an Lebensraum und Futterpflanzen können sie kaum etwas entgegensetzen. So ist der Artenreichtum bei den bunten Insekten inzwischen einer gewissen Eintönigkeit gewichen. Während man die gelben Zitronenfalter noch vielerorts finden kann, gelten Arten wie der Maivogel (Euphydryas maturna) und der Große Schillerfalter (Apatura iris) mittlerweile als extrem selten.

 

Schmetterling-Wissen

etwa lebte der erste gemeinsame Vorfahr der heutigen Tag- und Nachtfalter.

189

Tagfalterarten gibt es in Deutschland.

42 %

davon gelten laut Roter Liste als ausgestorben oder bestandsgefährdet.

3 Jahre

kann das Puppenstadium einiger Nachtfalter dauern.

80 km/h

schnell können Taubenschwänzchen (Macroglossum stellatarum) fliegen.

15.000 km

kann die Wanderbewegung des Distelfalters (Vanessa cardui) von Afrika bis nach Nordeuropa betragen und sich über sechs Generationen erstrecken.

Sensible Verwandlungskünstler

Schmetterlinge durchlaufen im Laufe ihres Lebens vier verschiedene Phasen, in denen sich ihr Aussehen komplett wandelt. Vom Ei zur Raupe über das Puppenstadium im Kokon bis hin zum geflügelten Falter vollziehen sie eine erstaunliche Metamorphose. In jeder dieser Lebensphasen stellen Schmetterlinge andere Ansprüche an ihre Umwelt und sind auf passende Lebensbedingungen angewiesen.

 

Nur wenn alle Faktoren für den jeweiligen Lebensabschnitt genau passen, gelangen die Schmetterlinge unbeschadet ins nächste Stadium. Dabei spielen das nötige Nahrungsangebot und ausgeklügelte Warn- und Tarnmechanismen eine essentielle Rolle.

Ausgesuchte Feinschmecker

So vielfältig die Schmetterlinge in ihrer Form und Farbe sind, so unterschiedlich sind ihre Lebensräume. Sowohl die ausgewachsenen Falter als auch ihre Raupen sind oft eng an bestimmte Futterpflanzen angepasst und auf deren Vorkommen angewiesen. Deshalb reagieren sie äußerst sensibel auf einen Rückgang ihres spezifischen Futters. Die Raupen des Baldrian-Scheckenfalters (Melitaea diamina) beispielsweise ernähren sich ausschließlich von Baldrianblättern. Als ausgewachsener Falter kommt diese Art darum – genau wie die Futterpflanze – nur auf feuchten Wiesen, an Ufern und an lichtdurchfluteten Waldrändern vor. Im Ferbitzer Bruch in Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide gibt es sie zum Beispiel noch. Ein Rückgang der Artenvielfalt bei Blütenpflanzen bewirkt einen Verlust an Schmetterlingen, die auf diese Pflanzenarten angewiesen sind.

 

 

 

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Klein, aber bedeutsam fürs Ökosystem

Schmetterlinge sind essentiell für unsere Ökosysteme. Sowohl als Larve, Raupe oder auch als Falter dienen sie Vögeln, Kröten, Fledermäusen, Igeln und anderen Tieren als proteinreiche Nahrung. Auch als Bestäuber nehmen die bunten Falter eine wichtige Rolle ein. Mit ihrem sehr langen Rüssel sind sie an spezielle Pflanzen mit tiefen Blütenkelchen angepasst. Bestimmte Pflanzenarten wie Blutweiderich (Lythrum salicaria), Teufelsabbiss (Succisa pratensis) und Natternkopf (Echium) werden durch Schmetterlinge besonders effizient bestäubt. Diese Arten werden wegen ihrer violetten, roten oder pinkfarbenen Blüten gern von Tagfaltern angeflogen. Die Farben signalisieren, dass die Blüten reich an Nektar sind. Viele Schmetterlingsarten haben im Laufe der Evolution gelernt, diese Farben mit Nahrung zu verbinden und suchen daher gezielt nach Blüten dieser Farbe. Pflanzen mit gelben oder weißen Blüten sind bei Nacht gut sichtbar, da sie das vorhandene Mond- und Sternenlicht reflektieren. Darum ziehen Nachtkerzen und Lichtnelken vermehrt Nachtfalter an und werden von diesen bestäubt.

 

Taktische Täuschmanöver

Um sich vor natürlichen Feinden zu schützen, haben Schmetterlinge im Laufe der Evolution raffinierte Anpassungen entwickelt. So haben sich bei einigen Schmetterlingen wie dem Tagpfauenauge (Aglais io) Augenflecken auf den Flügeln durchgesetzt. Sie sollen potentielle Fressfeinde auf den ersten Blick an die Augen räuberischer Säugetiere erinnern und abschrecken. Andere Arten wie der Jakobskrautbär (Tyria jacobaeae) warnen potentielle Feinde mit einer auffälligen Färbung vor ihren Giftstoffen. Einige harmlose Falterarten ahmen das Aussehen anderer Tiere nach – wissenschaftlich wird diese Anpassung als Mimikry bezeichnet. Der Wespen-Glasflügler (Synanthedon vespiformis) mit seinen schwarz-gelben Signalfarben gibt sich beispielsweise als Wespe aus und passt sogar sein Fluggeräusch dem von Wespen an. Im Gegensatz dazu nutzen wieder andere Schmetterlinge die deutlich zurückhaltendere Variante der Täuschung, die Mimese. Dabei ähneln sie in Form und Farbe einem Blatt und verschwimmen so optisch mit ihrem Umfeld wie beispielsweise die Rostbinde, die mit zusammengeklappten Flügeln kaum vom sandigen Untergrund zu unterscheiden ist.

 

 

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Unsere heimischen Schmetterlinge

Schmetterlinge für unterwegs

Mit unserem kompakten Naturführer lernen Sie Erkennungsmerkmale einiger typischer heimischer Schmetterlinge kennen und erfahren, in welchem Monat Sie welche Art am besten beobachten können. Außerdem finden Sie darin eine kleine Übersicht, mit welchen Pflanzen Sie Schmetterlingen und ihren Raupen helfen können.

Von Spannern, Bären und Eulen

Schmetterlinge unterscheidet man grob nach Tag- und Nachtfaltern. Doch eine Einteilung nach Aktivität im Tagesverlauf ist, anders als der Name vermuten lässt, nicht pauschal möglich. So sind nicht alle Nachtfalter, anders als ihr Name vermuten lässt, ausschließlich in der Dunkelheit aktiv. Zu dieser Gruppe gehören Spinner, Spanner, Wickler, Geistchen, Zünsler, Bären, Glucken und Eulen. Die meisten davon fliegen nachts und sind oft unauffälliger gefärbt, damit sie bei Tageslicht in Ruhestellung nicht auffallen. In allen Gruppen gibt es aber auch einige Arten, die das Tageslicht nicht scheuen. Daszu gehören beispielsweise das schnell schwirrende Taubenschwänzchen, die Tageule oder der Heidekrautspanner. Dagegen sind die meisten Tagfalter oft tagsüber auf bunten Blüten und Blumen unterwegs. Optisch unterscheiden sich Tagfalter durch ihre schlanke, glatte Körperform von den eher großen und flaumigen Nachtfaltern. Während einer Flugpause klappen Tagfalter ihre Flügel hoch, um sich in ihrer Umgebung zu tarnen. Nachtfalter lassen ihre Flügel stattdessen dauerhaft geöffnet.

 

Die bunte Vielfalt verblasst

Schmetterlinge sind an ganz bestimme Lebensräume gebunden und leben je nach Art auf Heiden, Wiesen, Streuobstwiesen, in Wäldern oder Brachen. Oft sind die Raupen auf spezifische Futterpflanzen angewiesen, die ausgewachsenen Falter auf Blütenreichtum und überwinternde Arten auf Strukturen, in denen sie den Winter überstehen. Doch der Verlust und die Veränderung ihrer natürlichen Habitate schränkt ihren Lebensraum ein. Viele Flächen werden gemäht, bebaut oder werden landwirtschaftlich genutzt. Wo weit und breit nur Raps, Sonnenblumen oder Hafer angebaut werden, finden Schmetterlinge sehr einseitige Bedingungen vor. Das macht es vor allem Spezialisten unter ihnen nahezu unmöglich, geeignete Nahrung zu finden und die nächste Generation zu sichern. Hinzu kommt der Einsatz von Insektengiften und anderen Pestiziden, die den Schmetterlingen zusetzen.

Auf der anderen Seite führen Monokulturen wie Kiefernwälder dazu, dass sich bestimmte Arten wie Kiefernspinner (Dendrolimus pini), Nonnen oder Voreulen extrem vermehren. Auf diese Weise geraten empfindsame Ökosysteme ins Ungleichgewicht. Deutlich wird dies am Beispiel des Eichenprozessionsspinners (Thaumetopoea processionea). Einige Vogelarten wie der Kuckuck (Cuculus canorus) oder Pirol (Oriolus oriolus) reduzieren auf natürliche Weise deren Bestand, da ihnen die haarigen Raupen nichts ausmachen. In den vergangenen Jahren haben jedoch die Populationen von Kuckuck und Pirol abgenommen, während sich der Nachwuchs des Eichenprozessionsspinners überdurchschnittlich ausbreitet.

 

Wie können Sie Schmetterlingen helfen?

Sollten Sie einen Garten oder Balkon haben, können Sie aktiv etwas zum Schutz der Artenvielfalt unter den Schmetterlingen beitragen.

 

  • Pflanzen Sie nektarreiche Blumen:

    Schmetterlinge bevorzugen Blumen wie Disteln, Sommerflieder oder Wasserdost, die mit flachen, offenen Blüten in rot oder violett leicht zugänglich sind.

  • Heimische Futterpflanzen für Raupen:

    Um den Hunger der gefräßigen Raupen von Kleinem Fuchs, Admiral oder Kaisermantel zu stillen, sollten einheimische Wildpflanzen wie Brennnesseln, Himbeeren, Brombeeren und Veilchen im Garten nicht fehlen.

  • Bieten Sie verschiedene Pflanzenhöhen:

    Mit niedrigen Bodendeckern, mittelgroßen Stauden und höheren Sträucher werden Sie den unterschiedlichen Vorlieben der Schmetterlinge hinsichtlich Höhe und Art der Pflanzen gerecht.

  • Bieten Sie Wasserquellen:

    Schmetterlinge benötigen Wasser zum Trinken und Erfrischen. Dazu eignen sich flache Schalen mit ein paar Steinen, die als Landeplätze dienen.

  • Schaffen Sie Sonnenplätze:

    Schmetterlinge sind kaltblütig und benötigen Sonnenwärme, um ihre Körpertemperatur zu regulieren. Sorgen Sie darum für sonnige Bereiche, in denen sich Schmetterlinge aufwärmen können.

  • Sorgen Sie für Unterschlupf: Schmetterlinge benötigen Schutz vor Wind und Witterung. Diesen bieten ihnen dichte Büsche, Sträucher oder Kletterpflanzen.

  • Vermeiden Sie Pestizide: Pestizide können schädlich für Schmetterlinge sein. Setzen Sie stattdessen auf Nützlinge oder Jauche aus Brennnesseln.

Das tun wir zum Schutz der Schmetterlinge

Die Heinz Sielmann Stiftung erhält Offenlandlebensräume, auf die viele Schmetterlinge angepasst und angewiesen sind. In unseren Heidelandschaften sowie an den Weiher- und Wiesenstandorten unserer Biotopverbünde finden seltene Schmetterlingsarten Pflanzen, auf die sie seit Millionen Jahren spezialisiert sind.

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