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Wird das Grüne Band bald UNESCO-Welterbe? – Themenabend in Duderstadt liefert Antworten

Themenabend: "Welterbe Grünes Band - Perspektiven für das Eichsfeld" im Haus der Sparkasse Duderstadt am 28. Januar 2026.© Christoph Mischke
Themenabend: "Welterbe Grünes Band - Perspektiven für das Eichsfeld" im Haus der Sparkasse Duderstadt am 28. Januar 2026. Abschluss-Gruppenfoto der Teilnehmenden.© Christoph Mischke
Themenabend: "Welterbe Grünes Band - Perspektiven für das Eichsfeld" im Haus der Sparkasse Duderstadt am 28. Januar 2026.© Christoph Mischke

Das „Grüne Band Deutschland“ soll UNESCO-Welterbe werden. Welche Perspektiven und Chancen sich daraus für das Eichsfeld ergeben, wurde am Mittwoch, 28.01.2026, im Rahmen eines Themenabends in der Sparkasse Duderstadt diskutiert.

Seit Dezember 2023 steht das „Grüne Band Deutschland“ – einst innerdeutsche Grenze, heute ein ökologisch bedeutsamer Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten – auf der deutschen UNESCO-Vorschlagsliste (Tentativliste). Die offizielle Bewerbung als gemischtes Welterbe – eine Verbindung von Natur- und Kulturerbe – wird derzeit vorbereitet.

Wie ist der Stand der Bewerbung? Welche Chancen und Herausforderungen ergeben sich daraus für das Eichsfeld? Diese Fragen standen am Mittwochabend, 28. Januar 2026, im Mittelpunkt eines Themenabends, zu dem die Heinz Sielmann Stiftung und das Grenzlandmuseum Eichsfeld eingeladen hatten.

Vom Todesstreifen zum lebendigen Denkmal

Markus Teichert, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Duderstadt, begrüßte als Hausherr die rund 150 Gäste im voll besetzten Saal und versprach mit Blick auf die nachfolgenden Referentinnen und Referenten einen hochkarätigen Abend.

Wolfgang Nolte, ehemaliger Bürgermeister von Duderstadt und amtierender Vorstand des Grenzlandmuseums Eichsfeld sowie stellvertretender Stiftungsratsvorsitzender der Heinz Sielmann Stiftung, erinnerte einführend an die große historische Bedeutung des Grünen Bandes. Vom zweiten Weltkrieg mit Millionen von Toten und Vertriebenen über die deutsche Teilung, dem Mauerbau, einem jahrzehntelangen Todestreifen quer durch Deutschland bis hin zur Wiedervereinigung. All das sei Teil der deutschen Geschichte und untrennbar mit dem Grünen Band verbunden. Umso wichtiger sei es, „das Grüne Band als Mahn- und Naturerlebnisroute auch touristisch weiterzuentwickeln“, resümierte Nolte.

Dr. Thadäus König, Präsident des Thüringer Landtags, betonte in seinem Grußwort: „Das Grüne Band ist heute ein Symbol für die Überwindung von Teilung und Unfreiheit und es zeigt, welche Chancen aus dem friedlichen Zusammenwachsen entstehen können.“ Vor dem Hintergrund der friedlichen Revolution im Herbst 1989 sei der einstige Todestreifen heute zu einem wichtigen Ort für Aufarbeitung von Diktaturerfahrung und Demokratiebildung geworden. Wie Nolte zeigte sich auch König fest davon überzeugt, dass der angestrebte Welterbeantrag erfolgreich sein werde und große Chancen für die touristische Entwicklung der Region mit sich bringe. Zugleich verwies er darauf, wie aufwendig das Antragsverfahren für ein gemischtes Welterbe sei. Frühestens 2031 soll der Antrag eingereicht werden, bis dahin sei noch viel Arbeit zu leisten.

Chancen für Wirtschaft und Naturtourismus

Peter Südbeck, Leiter des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer und Vorstand der Nationalen Naturlandschaften e.V., beleuchtete die wirtschaftliche und touristische Bedeutung einer UNESCO-Welterbestätte. Den Bewerbungsprozess und die 2009 erfolgte Auszeichnung des Wattenmeeres als UNESCO-Weltnaturerbe hat Südbeck eng begleitet und konnte daher eindrücklich aufzeigen, welche ökonomischen Chancen in einer Auszeichnung als Welterbe stecken. „Was wir heute sagen können: Die Anerkennung zum Weltnaturerbe hat bei uns etwa 2.000 zusätzliche Arbeitsplätze generiert“, bilanzierte Südbeck.

Hoffnung auf erste gemischte Welterbestätte Deutschlands

Im Anschluss diskutierten Mira Keune, Geschäftsführerin des Grenzlandmuseums Eichsfeld, und Jochen Paleit, Vorstandsvorsitzender der Heinz Sielmann Stiftung, gemeinsam mit Prof. Dr. Kai Frobel, Initiator des Grünen Bandes Deutschland, und Dr. Alexandra Kruse, Referentin für das Projekt „Auf dem Weg zum Welterbe – Der Natur- und Kulturraum Grünes Band“, über die Perspektiven und Potenziale einer gemischten Welterbestätte Grünes Band.

Prof. Dr. Kai Frobel erklärte, welchen herausragenden internationalen Stellenwert eine Anerkennung als gemischte Welterbestätte hat. Weltweit gibt es laut Frobel davon bisher nur 41, dazu gehören weltberühmte Natur- und Kulturorte wie Machu Picchu in Peru. Insofern sei es bereits ein großer Erfolg, überhaupt auf die Tentativliste der UNESCO zu kommen. Um allein Chancen auf eine Anerkennung als Weltnaturerbe zu haben, müsse das Grüne Band von allen beteiligten Bundesländern als Nationales Naturmonument ausgewiesen werden. Bis auf ein Bundesland hätten sich alle Bundesländer auf diesen Weg begeben. „Einzig Niedersachsen hat bis heute noch nicht einmal die politische Absicht erklärt, ein Nationales Naturmonument Grünes Band auszuweisen“, mahnte Frobel an.

Dr. Alexandra Kruse verwies auf die schwierige Gemengelage und komplizierten Abstimmungsprozesse, die auf dem Weg zum Welterbeantrag noch auszuloten seien. „Es sind mit Berlin sogar zehn Bundesländer und 20 Ministerien daran beteiligt. Welterbe in Deutschland ist Sache der Bundesländer. Das heißt, die Bundesländer müssen sich darauf verständigen, dass sie das Grüne Band nominieren möchten. Erst wenn das erfolgt ist, können wir loslegen“, sagte Kruse. Vor diesem Hintergrund sei sie mit einem Zeitplan bisher noch vorsichtig.

Filmbeiträge von Heinz Sielmann und jungen Filmemachern

Den künstlerischen Rahmen der Veranstaltung bildeten ein Auszug aus Heinz Sielmanns wegweisendem Film „Tiere im Schatten der Grenze“ von 1988 sowie einem Kurzfilm aus dem Projekt „GreenCut-Jump goes Grünes Band“, der von Schülerinnen und Schülern des Eichsfeld-Gymnasiums Duderstadt produziert wurde.

Den Schlussakkord setzte Dr.-Ing. E.h. Fritz Brickwedde, Stiftungsratsvorsitzender der Heinz Sielmann Stiftung, mit einem persönlichen Fazit und Ausblick. „Ich denke, es ist wichtig, dass wir einerseits die Erinnerung an diese schreckliche Grenze aufrechterhalten und andererseits diesen einzigartigen Naturraum für die Vielfalt der Tiere- und Pflanzenarten bewahren, den uns das Grenzregime geschenkt hat“, sagte Brickwedde und fügte an: „Hoffentlich helfen auch diese Veranstaltung und die hier vorgetragenen guten Argumente dabei, dem Welterbeantrag den nötigen Rückenwind zu geben.“

 

HINTERGRÜNDE

Prozess begleiten – Dialoge fördern

Der Themenabend „Welterbe Grünes Band: Perspektiven für das Eichsfeld“ ist Teil der Veranstaltungsreihe „Auf dem Weg zum UNESCO-Welterbe – Das Grüne Band in Thüringen“, die den Prozess der Bewerbung des Grünen Bandes als Welterbe mit zahlreichen Terminen zwischen September 2025 und Juni 2026 begleitet. Zahlreiche Kooperationspartner aus der Erinnerungskultur und dem Naturschutz beteiligen sich mit eigenen Beiträgen. Ziel ist es, über den Welterbe-Prozess zu informieren und den Dialog zwischen Akteuren aus Naturschutz, Erinnerungskultur, Bildung und Tourismus zu fördern.

Mehr Infos zur Veranstaltungsreihe finden Sie hier.

Sielmanns Biotopverbund Grünes Band Eichsfeld-Werratal

Auf 130 Kilometern zwischen den Nationalparks Harz und Hainich erstreckt sich Sielmanns Biotopverbund Grünes Band Eichsfeld-Werratal. Entlang des Nationalen Naturmonuments „Grünes Band“ ist durch die jahrzehntelange Sperrzone ein einzigartiges Refugium für Tiere und Pflanzen entstanden. In Sielmanns Biotopverbund leben heute noch rund 340 bundesweit gefährdete oder bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Die Heinz Sielmann Stiftung unternimmt auf ihren Flächen Naturschutzmaßnahmen, die sich eng an den Lebensraumansprüchen der Arten orientieren.

Mehr über Sielmanns Biotopverbund Grünes Band Eichsfeld-Werratal erfahren Sie hier.

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