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Eremitenschutz durch Wissenschaft

Eremit im Fokus

Baumkartierung und Schutzstrategien für Thüringer Vorkommen

Der Eremit (Osmoderma eremita), auch Juchtenkäfer genannt, gehört zu den seltensten Käferarten Europas und ist streng geschützt. In Thüringen befindet sich eines seiner wichtigsten Vorkommen im Naturschutzgebiet „Ichstedter Lehde“ und dem FFH-Gebiet „Kyffhäuser – Badraer Schweiz – Solwiesen“. Fachleute bewerten dieses Vorkommen als die größte bekannte Eremit-Population Thüringens mit einem außergewöhnlich guten Erhaltungszustand. 

 

Schwarzer Juchtenkäfer, auch als Eremit bekannt, auf der Rinde eines Baumes © Jörg Gebert

Der Eremit ist vollständig auf alte, höhlenreiche Bäume angewiesen. Seine Larven entwickeln sich über mehrere Jahre im sogenannten Mulm – einem Gemisch aus zersetztem Holz und Pilzen im Inneren von Baumhöhlen. Da die Käfer nur kurze Distanzen zurücklegen und einzelne Brutbäume oft über Jahrzehnte nutzen, ist der Erhalt dieser besonderen Lebensräume von entscheidender Bedeutung. 

Um die langfristige Habitatkontinuität zu sichern, wurden in der historischen Lindenallee bei Ichstedt und den angrenzenden Streuobstwiesen insgesamt 1.175 Bäume erfasst und bewertet. Die Untersuchungen zeigten die herausragende Bedeutung der alten Linden als Lebensraum für den Eremiten und zahlreiche weitere spezialisierte Tierarten.

 

 

Allee aus kahlen Linden im Herbst, Laub auf dem Boden © Isabel Hümpfner / Trägerverbund Natura 2000-Station Possen e.V.

Auf Grundlage der Kartierungsergebnisse konnten bereits erste gezielte Schutzmaßnahmen umgesetzt werden. An allen Bäumen der rund 1,2 Kilometer langen Lindenallee wurde das Lichtraumprofil hergestellt, wodurch die Besonnung der Stämme verbessert und die Habitatqualität für den Eremiten erhöht wurde. Gleichzeitig erfolgten Pflegemaßnahmen an wertvollen Altbäumen, die Wiederherstellung von Mulmhöhlen sowie die Anlage und Ergänzung von Totholzstrukturen. 

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Reduzierung des Mistelbefalls. An mehreren hundert Linden wurden Misteln schonend entfernt, um die Vitalität der Bäume langfristig zu stärken und die wertvollen Habitatstrukturen zu erhalten. 

 

 

Luftaufnahme auf eine Lindenallee und Streuobstbäume im Herbst © Isabel Hümpfner / Trägerverbund Natura 2000-Station Possen e.V.

Die Maßnahmen haben die ursprünglichen Projektziele in wesentlichen Punkten übertroffen. Die Habitatqualität konnte nachhaltig verbessert, wichtige Brutbäume gesichert und die Voraussetzungen für die Entwicklung zukünftiger Habitatbäume geschaffen werden. Damit wurde ein wichtiger Beitrag zum langfristigen Erhalt einer der bedeutendsten Eremit-Populationen Thüringens geleistet.

Auch in den kommenden Jahren werden weitere Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen erforderlich sein. Ziel ist es, die historische Lindenallee als wertvollen Lebensraum zu erhalten und die Lebensgrundlagen des Eremiten dauerhaft zu sichern. 

Die Heinz Sielmann Stiftung unterstützte das Projekt mit einer Förderung von 18.996,40 Euro im Zeitraum vom 04.11.2024 bis 31.03.2026

Kontakt

Trägerverbund Natura 2000-Station Possen e. V.

Martin-Andersen-Nexö-Straße 61
99706 Sondershausen

Tel.: +49 3632 665777

possen@natura2000-thueringen.de

 

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