Schon seit Tagen sind die Rotmilane mit der Balz beschäftigt. Immer wieder lassen sie sich zur Paarung auf der künstlichen Nisthilfe auf einem Hochspannungsmast nieder und tragen Zweige zum Horstbau hinauf. Mit diesem Verhalten zeigen sie ihren Artgenossen und anderen Greifvögeln, dass dieser Platz schon besetzt ist. Die Fischadler zeigen sich davon unbeeindruckt. Auch sie fliegen den Horst immer wieder an, paaren sich und schaffen Nistmaterial heran.
„Verhaltensbiologisch sind das hochinteressante Szenen, die man nur in äußerst seltenen Fällen so nah beobachten kann“, erklärt Tim Funkenberg, Gebietsbetreuer in Sielmanns Naturlandschaft Groß Schauener Seen.
Wer zuerst kommt, wohnt am besten?
Kurz nach dem Einschalten der Kamera vor vier Wochen zeigten sich die ersten Rotmilane auf dem Horst. Die Art kann ganzjährig in Brandenburg beobachtet werden. Der überwiegende Teil zieht jedoch im Herbst in den klimatisch milderen Süden Europas. Schon im Februar kehren sie in ihre Brutgebiete zurück undbeginnen mit der Balz.
„Hochspannungsmasten sind eigentlich eher untypische Brutplätze für Rotmilane. Sie bauen ihren Horst für gewöhnlich auf hohen Bäumen“, erklärt Funkenberg und ergänzt: „Bisher scheint noch nicht entschieden, welches Brutpaar am Ende den Nistplatz für sich nutzen kann. In der Regel setzen sich in solchen Fällen aber die Fischadler als kräftigere und dominantere Art durch.“
Auch Fischadler zeigen ein ausgeprägtes Revierverhalten während der Paarungszeit. Männchen und Weibchen verschaffen sich lautstark – auch gern im Duett – den Respekt der Artgenossen. Das Rufen dient nicht nur dem Abschrecken der Konkurrenz, sondern ist Teil des aufwendigen Balzverhaltens. „Auf der Kamera sehen wir, dass die Fischadler damit beginnen, den Horst gemeinsam aufzubereiten. Das ist ein wichtiger Bestandteil bei der Paarbildung und Balz“, erklärt Funkenberg.
Ungestellte, seltene Einblicke dank Wildtierkamera
Wer sich den Tatort Adlerhorst und die spannendsten Szenen der vergangenen Tage anschauen möchte, kann den Live-Stream auf der Internetseite oder den Instagram-Kanal der Heinz Sielmann Stiftung besuchen.
Sielmanns Naturlandschaft Groß Schauen
Seit 2001 betreut die Heinz Sielmann Stiftung 1.167 Hektar im Naturpark Dahme-Heideseen südöstlich von Berlin.Die Seenlandschaft ist Heimat für viele, teils seltene Arten wie den Fischotter, den Moorfrosch, die Große Rohrdommel ebenso wie die Flussseeschwalbe. Naturliebhaber können die landschaftliche Schönheit und Vogelvielfalt der Groß Schauener Seen auf Rund- und Wanderwegen hautnah erleben. Eine Ausstellung auf dem Gelände des Naturguts Köllnitz und ein Naturlehrpfad zeigen die Schätze dieser Naturlandschaft.
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