Sterben durch Verdursten Das Moor - ein lebenswichtiger Naturraum braucht Therapie

In den vergangenen Jahrzehnten sind in Europa infolge menschlicher Eingriffe die vitalen Moorflächen mit Torfproduktion weiter zurückgegangen. Selbst in dem moorreichen Brandenburg konzentrieren sich die naturnahen Moore nur noch auf kleine Flächen. Mit ihren vielfältigen Funktionen und ihrem Klimafaktor sind Moore aber wertvolle Lebensräume für Menschen, Tiere und Pflanzen. 

Moorschutz sichert die biologische Artenvielfalt und leistet Klimaschutz

Moorschutz sichert Lebensräume für viele Tier- und Pflanzenarten. Diese Rückzugsräume sichern die biologische Vielfalt in Deutschland und weltweit. Mit dem Rückhalt von Wasser in der Landschaft erhalten wir das wertvolle Gut Wasser in den Regionen. Verbesserung des Landschaftswasserhaushaltes ist eine Kernaufgabe des Naturschutzes. Moorschutz ist auch praktizierter Klimaschutz, denn hier sind große Mengen des Klimakillers Kohlendioxid gebunden. 

Rettung für die Moore Sind Moorschutzprojekte ein Erfolgsgarant?

Nachdem Moore jahrzehntelang genutzt wurden und mit der Zeit immer mehr von ihren natürlichen Eigenschaften verloren haben, stehen sie heute unter einem besonderen Schutz. So wurde erkannt, dass lebende Moore einen wichtigen Beitrag für den Klimaschutz leisten, eine hohe Bedeutung für die Artenvielfalt besitzen und wichtige Funktionen im Landschaftswasserhaushalt erfüllen.

Seit einigen Jahren engagiert sich die Heinz Sielmann Stiftung für den Schutz der Moore. So wurde im Jahr 2014 im Bergen-Weißacker Moor (Süd-Brandenburg) die Maßnahme „Torferhalt durch Grabenverschluss“ zur Belebung des Moorkörpers umgesetzt. Für dieses Jahr ist der Verschluss von Entwässerungsgräben im Brandteich Moor vorgesehen (Süd-Brandenburg). Das vorrangige Ziel der Maßnahmen stellt dabei die Wiederbelebung des Torfwachstums dar.

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Doch wie effektiv sind die Maßnahmen für den Schutz der Moore?

Um abbilden zu können, ob eine Moorschutzmaßnahme tatsächlich zu einer Wiederbelebung des Moores bzw. zum Erhalt der Moorfunktionen führt, unterstützt die Heinz Sielmann Stiftung seit Oktober 2015 in Kooperation mit der Universität Hildesheim ein Promotionsvorhaben. Im Rahmen des Forschungsprojektes wird eine Erfolgskontrolle im Bergen-Weißacker Moor durchgeführt, um die Effektivität der dort durchgeführten Moorschutzmaßnahme bewerten zu können. Dazu werden über einen Zeitraum von 2 Jahren Daten zum Wasserhaushalt, der Vegetation und den lokalen klimatischen Bedingungen aufgenommen. Die gewonnenen Informationen bilden die Grundlage für die abschließende Maßnahmenbewertung.

Vorausschauend denken und handeln - Status Quo als Bewertungsgrundlage für die Erfolgskontrolle

Eine Erfolgskontrolle lässt sich nur durchführen wenn auch Kenntnisse zum Zustand des Moorgebietes vor der Umsetzung der Maßnahme vorliegen. Das bedeutet, dass bereits in der Planungsphase der Maßnahme Informationen zum Moorgebiet gesammelt werden müssen. So wurden bereits im Sommer 2016 Daten zur Vegetation, dem Torfkörper und dem Wasserhaushalt im Brandteich Moor erhoben, um den Status Quo für die im Herbst 2017 geplante Maßnahme abbilden zu können.

Welche Daten sind wirklich wichtig für eine Bewertung?

Sowohl im Freiland als auch im Labor lässt sich eine Vielzahl von Methoden einsetzen um Informationen zum Torfkörper und dem Moorwasserhaushalt gewinnen zu können. Doch wie detailliert müssen diese Informationen sein um den Erfolg oder Misserfolg einer Maßnahme abbilden zu können? Um dieser Frage nachzugehen wird in diesem Jahr ein Moorgebiet in die Betrachtungen einbezogen, in dem bereits vor mehr als 10 Jahren eine Moorschutz-maßnahme umgesetzt wurde. Dabei werden die Daten ausgewertet, die seit der Realisierung des Projektes aufgenommen wurden. Aus diesen Informationen soll abgeleitet werden ob eine ausreichende Datengrundlage geschaffen wurde, um die umgesetzte Maßnahme abschließend bewerten zu können.

Perspektiven

Mit der Beendigung des Promotionsvorhabens 2018 wird der Grundstein für die Bewertung einer Moorschutzmaßnahme gelegt. Da eine Beurteilung der Maßnahmenwirkung nur über sehr lange Zeiträume (> 10 Jahre) möglich ist, ist eine Fortführung der Datenaufnahmejedoch auch über den Projektzeitraum hinaus notwendig. Erst dann kann abschließend eine Aussage darüber getroffen werden ob die durchgeführten Maßnahmen tatsächlich als Erfolgsgaranten für den Moorschutz bezeichnet werden können.

Autorin: Sarah Matheis, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Geographie der Universität Hildesheim
E-Mail: matheiss@uni-hildesheim.de

Projekte Zweite Chance für unsere Moore

Der Braunkohletagebau hat viele Landschaften in Deutschland stark geschädigt. Besondere Sorgenkinder sind die Moore. Die Heinz Sielmann Stiftung sorgt mit Schutzmaßnahmen dafür, dass sich die Gebiete erholen können. Damit wieder ein naturbelassener Lebensraum entsteht, von dem Menschen, Tiere und Pflanzen profitieren.

Die Auswirkungen der Grundwasserabsenkungen vom Kohletagebau sind sichtbar: Alter Baumbestand ist verdorrt, seltene Tier- und Pflanzenarten immer rarer, die Wasserquellen versiegt und Moore ausgetrocknet – mit der Folge, dass die Torfe sich durch Kontakt mit Luft zersetzen. Dadurch entweichen riesige Mengen Kohlendioxid und Lachgas – beide Gase sind klimaschädigend und tragen erheblich zum Klimawandel bei. Mit Wiederanstieg des Grundwassers erhielten die Moore zwar wieder etwas Wasser. Doch die typische Moorvegetation war verschwunden. 

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Rettungsplan für Moore im ehemaligen Tagebaugebiet: Flächenkauf und „Therapieplan“

Zur Rettung und Wiederbelebung der wertvollen Moorflächen erwarb die Heinz Sielmann Stiftung in den letzten 11 Jahren in vier Moorgebieten bisher rund drei Quadratkilometer Land und erarbeitete mit Partnern Konzepte zur Revitalisierung. Die Kosten von etwa 383.000 Euro wurden aus Spendengeldern, Fördermitteln des Landes Brandenburg, des Naturschutzfonds Brandenburg sowie durch den Landkreis Dahme-Spreewald finanziert. Insgesamt standen bisher 203.300 Euro Fördermittel für Moorschutzmaßnahmen zur Verfügung. Die Stiftung engagiert sich seit dem Jahr 2000 in Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen, seit 2005 in vier Moorgebieten dort.

Bergen-Weißacker Moor74,80 ha
Heidegrund Grünswalde

68,10 ha

Gehrener Mühlbusch16,30 ha
Borcheltsbusch und Brandkieten     113, 60 ha

 

Jeder Moortyp benötigt passgenaue Maßnahmen – Doch wenn das Wasser richtig fließt, erholen sich alle Moore

Nach detaillierten Erhebungen konnten Schutzmaßnahmen für die vier Moore in Angriff genommen werden. Alle Gebiete benötigen eine umfassende Neuorganisation des Wasserzu- und ablaufs. Denn Wasser ist das Elixier für den Erhalt und die Entwicklung einer naturbelassenen Moorlandschaft für Tiere und Pflanzen. Fast alle Moore sind als besonders erhaltenswert im Schutzgebietsnetz Natura 2000 aufgenommen.

Wasser holen: Schotten dicht machen und Quellen aktivieren

Das Schutzgebiet Bergen-Weißacker Moor ist ein Durchströmungsmoor und nicht weit vom Tagebau Schlabendorf-Süd entfernt. Es konnte nur durch gezielte Zuleitung von Tiefbrunnenwasser über viele Jahre vor dem vollständigen Austrocknen bewahrt werden. Nach dem Verschluss von Gräben und dem Einbau von Dichtungsschichten konnte die Entwässerung entscheidend verringert werden und es entwickeln sich wieder typische Moorpflanzen.

Im Schutzgebiet Heidegrund Grünswalde liegen zwei wertvolle Quellmoore. Vergleichbare Moore sind in Brandenburg extrem selten. Im Moorschutzrahmenplan Brandenburgs wurde es mit der höchsten Priorität für Renaturierungsprojekte eingeordnet, denn die aktive Moorfläche hat sich um das zweiundzwanzigfache reduziert.

Entstehen sollen hier ein Verlandungs- und ein Hangmoor. Dazu wird die Quellsituation verändert, damit das Moor optimaler bewässert wird. Zugleich sollen Wasserausweichflächen geschaffen werden. Neben Grabenverschlüssen wurde zugleich das natürliche Abflusssystem wieder hergestellt. Mit dem Abtrag von erdigem Boden können sich wieder moortypische Pflanzen ansiedeln und Moorwachstum geschaffen werden. Die Kiefermonokulturen sollen durch Laubmischwälder ersetzt werden. Mehrere Kranichpaare haben hier nun einen Brutplatz gefunden.

Dem Wasser den Weg zeigen: „Kanalisation“ im Gehrener Mühlbusch

Auch der Gehrener Mühlbusch gehört zu den Schutzgebieten der Quell- und Hangmoore. Diesem Moor wurde Quell- und Oberflächenwasser durch den Betrieb mehrerer Mühlen abgezogen, Gräben entwässerten und Wasserläufe wurden zusammengelegt. Das führte zu Wasserknappheit, Erosion und Hochwassergefährdung.

Seit die Heinz Sielmann Stiftung die Flächen im Jahre 2010 gekauft hat, wurde umfassend an den Zu- und Abwasserwegen gearbeitet. So konnte das schnelle Abfließen des Wassers verzögert werden, damit es seinen heilsamen Dienst im Moor tun kann.

Fischotter, Biber und Kraniche sind hier zu Hause – Im Borcheltsbusch

Das Naturschutzgebiet Borcheltsbusch und Brandkieten liegt südlich von Luckau. Auch hier wurde die natürliche Wasserzufuhr aufgrund des Braunkohletagebaus unterbrochen. Naturschutzmaßnahmen lassen sich hier schwer realisieren, da die Eigentümerstruktur kleinteilig ist. Seit Jahrzehnten dient der Borcheltsbusch als international bedeutender Kranichsammel- und Rastplatz, in dem im Herbst bis zu 4.000 Kraniche übernachten. Die ausgedehnten Schilfgebiete bieten einer Vielzahl von seltenen Tierarten als Lebensraum. Hier kommt der Fischotter und Biber vor, Kraniche, Große Rohrdommel und Blaukehlchen brüten im Gebiet. Moorfrösche laichen in den Flachwasserbereichen. Dieses Gebiet soll in seiner Gesamtheit erhalten bleiben.

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Aktuelles Projekt Das Brandteichmoor retten

Moore sind nicht nur Lebensräume für seltene und bedrohte Tier- und Pflanzenarten, sondern auch wichtige Klimaschützer, für die es keinen Ersatz gibt. Wir wollen das im Naturpark Nieder­lausitzer Landrücken gelegene Brandteichmoor bei Bornsdorf in einen naturbelassenen Lebensraum zu­rückverwandeln und den Grundwasserspiegel der Moorfläche wieder anheben. Bitte unterstützen Sie uns mit Ihrer Spende!

Professor Dr. Michael Succow Klimafaktor Moor

Wachsende Moore sind die wichtigste Kohlenstoffsenke auf dem Festland. Ihr Verlust verstärkt die Klimaerwärmung dramatisch. Wer gegensteuern will, muss die Funktionstüchtigkeit dieser Ökosysteme erhalten – und die von ihnen erbrachten Leistungen monetarisieren.

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