Spenden Spenden Veranstaltungen Veranstaltungen Newsletter

Sterben durch VerdurstenDas Moor - ein lebenswichtiger Naturraum braucht Therapie

In den vergangenen Jahrzehnten sind in Europa infolge menschlicher Eingriffe die vitalen Moorflächen mit Torfproduktion weiter zurückgegangen. Selbst in dem moorreichen Brandenburg konzentrieren sich die naturnahen Moore nur noch auf kleine Flächen. Mit ihren vielfältigen Funktionen und ihrem Klimafaktor sind Moore aber wertvolle Lebensräume für Menschen, Tiere und Pflanzen. 

Moorschutz sichert die biologische Artenvielfalt und leistet Klimaschutz

Moorschutz sichert Lebensräume für viele Tier- und Pflanzenarten. Diese Rückzugsräume sichern die biologische Vielfalt in Deutschland und weltweit. Mit dem Rückhalt von Wasser in der Landschaft erhalten wir das wertvolle Gut Wasser in den Regionen. Verbesserung des Landschaftswasserhaushaltes ist eine Kernaufgabe des Naturschutzes. Moorschutz ist auch praktizierter Klimaschutz, denn hier sind große Mengen des Klimakillers Kohlendioxid gebunden. 

ProjekteZweite Chance für unsere Moore

Der Braunkohletagebau hat viele Landschaften in Deutschland stark geschädigt. Besondere Sorgenkinder sind die Moore. Die Heinz Sielmann Stiftung sorgt mit Schutz­maßnahmen dafür, dass sich die Gebiete erholen können. Damit wieder ein natur­belassener Lebensraum entsteht, von dem Menschen, Tiere und Pflanzen profitieren.

Die Auswirkungen der Grundwasser­absenkungen vom Kohletagebau sind sichtbar: Alter Baumbestand ist verdorrt, seltene Tier- und Pflanzenarten immer rarer, die Wasser­quellen versiegt und Moore ausgetrocknet – mit der Folge, dass die Torfe sich durch Kontakt mit Luft zersetzen. Dadurch entweichen riesige Mengen Kohlendioxid und Lachgas – beide Gase sind klima­schädigend und tragen erheblich zum Klimawandel bei. Mit Wiederanstieg des Grund­wassers erhielten die Moore zwar wieder etwas Wasser. Doch die typische Moor­vegetation war verschwunden. 

weiterlesen

Rettungsplan für Moore im ehemaligen Tagebaugebiet: Flächenkauf und „Therapieplan“

Zur Rettung und Wiederbelebung der wertvollen Moorflächen erwarb die Heinz Sielmann Stiftung in den letzten 15 Jahren in vier Moorgebieten bisher rund drei Quadratkilometer Land und erarbeitete mit Partnern Konzepte zur Revitalisierung. Die Kosten von etwa 383.000 Euro wurden aus Spendengeldern, Fördermitteln des Landes Brandenburg, des Naturschutzfonds Brandenburg sowie durch den Landkreis Dahme-Spreewald finanziert. Insgesamt standen bisher 203.300 Euro Fördermittel für Moorschutzmaßnahmen zur Verfügung. Die Stiftung engagiert sich seit dem Jahr 2000 in Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen, seit 2005 in vier Moorgebieten dort.

Bergen-Weißacker Moor74,80 ha
Heidegrund Grünswalde

68,10 ha

Gehrener Mühlbusch16,30 ha
Borcheltsbusch und Brandkieten     113, 60 ha

 

Jeder Moortyp benötigt passgenaue Maßnahmen – Doch wenn das Wasser richtig fließt, erholen sich alle Moore

Nach detaillierten Erhebungen konnten Schutzmaßnahmen für die vier Moore in Angriff genommen werden. Alle Gebiete benötigen eine umfassende Neuorganisation des Wasserzu- und ablaufs. Denn Wasser ist das Elixier für den Erhalt und die Entwicklung einer naturbelassenen Moorlandschaft für Tiere und Pflanzen. Fast alle Moore sind als besonders erhaltenswert im Schutzgebietsnetz Natura 2000 aufgenommen.

Wasser holen: Schotten dicht machen und Quellen aktivieren

Das Schutzgebiet Bergen-Weißacker Moor ist ein Durchströmungsmoor und nicht weit vom Tagebau Schlabendorf-Süd entfernt. Es konnte nur durch gezielte Zuleitung von Tiefbrunnenwasser über viele Jahre vor dem vollständigen Austrocknen bewahrt werden. Nach dem Verschluss von Gräben und dem Einbau von Dichtungsschichten konnte die Entwässerung entscheidend verringert werden und es entwickeln sich wieder typische Moorpflanzen.

Im Schutzgebiet Heidegrund Grünswalde liegen zwei wertvolle Quellmoore. Vergleichbare Moore sind in Brandenburg extrem selten. Im Moorschutzrahmenplan Brandenburgs wurde es mit der höchsten Priorität für Renaturierungsprojekte eingeordnet, denn die aktive Moorfläche hat sich um das zweiundzwanzigfache reduziert.

Entstehen sollen hier ein Verlandungs- und ein Hangmoor. Dazu wird die Quellsituation verändert, damit das Moor optimaler bewässert wird. Zugleich sollen Wasserausweichflächen geschaffen werden. Neben Grabenverschlüssen wurde zugleich das natürliche Abflusssystem wieder hergestellt. Mit dem Abtrag von erdigem Boden können sich wieder moortypische Pflanzen ansiedeln und Moorwachstum geschaffen werden. Die Kiefermonokulturen sollen durch Laubmischwälder ersetzt werden. Mehrere Kranichpaare haben hier nun einen Brutplatz gefunden.

Dem Wasser den Weg zeigen: „Kanalisation“ im Gehrener Mühlbusch

Auch der Gehrener Mühlbusch gehört zu den Schutzgebieten der Quell- und Hangmoore. Diesem Moor wurde Quell- und Oberflächenwasser durch den Betrieb mehrerer Mühlen abgezogen, Gräben entwässerten und Wasserläufe wurden zusammengelegt. Das führte zu Wasserknappheit, Erosion und Hochwassergefährdung.

Seit die Heinz Sielmann Stiftung die Flächen im Jahre 2010 gekauft hat, wurde umfassend an den Zu- und Abwasserwegen gearbeitet. So konnte das schnelle Abfließen des Wassers verzögert werden, damit es seinen heilsamen Dienst im Moor tun kann.

Fischotter, Biber und Kraniche sind hier zu Hause – Im Borcheltsbusch

Das Naturschutzgebiet Borcheltsbusch und Brandkieten liegt südlich von Luckau. Auch hier wurde die natürliche Wasserzufuhr aufgrund des Braunkohletagebaus unterbrochen. Naturschutzmaßnahmen lassen sich hier schwer realisieren, da die Eigentümerstruktur kleinteilig ist. Seit Jahrzehnten dient der Borcheltsbusch als international bedeutender Kranichsammel- und Rastplatz, in dem im Herbst bis zu 4.000 Kraniche übernachten. Die ausgedehnten Schilfgebiete bieten einer Vielzahl von seltenen Tierarten als Lebensraum. Hier kommt der Fischotter und Biber vor, Kraniche, Große Rohrdommel und Blaukehlchen brüten im Gebiet. Moorfrösche laichen in den Flachwasserbereichen. Dieses Gebiet soll in seiner Gesamtheit erhalten bleiben.

weniger

Professor Dr. Michael SuccowKlimafaktor Moor

Wachsende Moore sind die wichtigste Kohlenstoffsenke auf dem Festland. Ihr Verlust verstärkt die Klimaerwärmung dramatisch. Wer gegensteuern will, muss die Funktionstüchtigkeit dieser Ökosysteme erhalten – und die von ihnen erbrachten Leistungen monetarisieren.

Hier den Artikel als PDF lesen.