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20. Todestag von Heinz Sielmann: Ein Leben für den Tierfilm und den Naturschutz

Heinz Sielmann steht lächelnd in einem kurzärmeligen Hemd an der Kamera, hinter ihm eine tropische Landschaft© Heinz Sielmann Stiftung

Am 6. Oktober 2026 jährt sich der Todestag von Heinz Sielmann zum 20. Mal. Mit seinen „Expeditionen ins Tierreich“ brachte der Tierfilmer einem Millionenpublikum die Natur nahe und warb für ihren Schutz. Neue Einblicke in sein Leben und Werk eröffnet die Biografie „Abenteuer Naturfilm. Heinz Sielmann – Vom Tierfilmer zum Medienpionier“ von Michael Sutor.

Heinz Sielmann gehört bis heute zu den prägenden Persönlichkeiten des deutschen Fernsehens. Mit seinen „Expeditionen ins Tierreich“ führte er ab Mitte der 1960er-Jahre ein Millionenpublikum an Orte, die damals für die meisten Menschen unerreichbar waren. Generationen von Fernsehzuschauern reisten mit ihm zu den Meerechsen der Galapagosinseln, den Paradiesvögeln Neuguineas oder den Berggorillas im Kongo. Bis in die 1990er-Jahre hinein brachte er die Vielfalt der Tierwelt in deutsche Wohnzimmer und schärfte zugleich den Blick für die zunehmende Gefährdung ihrer Lebensräume.

„Heinz Sielmann hat mit seinen Filmen bei Millionen Menschen Neugier und Liebe für die Natur geweckt. Vor und hinter der Kamera vermittelte er seine Begeisterung so, dass die Zuschauer selbst mehr entdecken wollten. Zugleich zeigte er, wie verletzlich die Lebensräume sind, die er filmte. Gemeinsam mit seiner Frau Inge hat er dafür gesorgt, dass sein Einsatz für ihren Schutz über sein Leben hinaus weitergeht. Diesen Auftrag führen wir fort, indem wir Lebensräume sichern, wiederherstellen und miteinander vernetzen“, sagt Dr.-Ing. E.h. Fritz Brickwedde, Vorsitzender des Stiftungsrats der Heinz Sielmann Stiftung.

Von der Vogelbeobachtung zum internationalen Tierfilm

Heinz Sielmann wurde am 2. Juni 1917 in Rheydt, heute ein Stadtteil von Mönchengladbach, geboren. Doch schon bald zog die Familie nach Königsberg in Ostpreußen um. Schon als Schüler beobachtete und fotografierte er Vögel auf den Wiesen am Frischen Haff. Besonders die Balz der Kampfläufer faszinierte ihn. Wissenschaftler erkannten sein Talent und förderten den jungen Naturbeobachter. 1938 stellte er seinen ersten Film „Vögel über Haff und Wiesen“ vor.

Nach dem Krieg produzierte Sielmann Unterrichtsfilme im Auftrag des Instituts für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht (FWU). Für seine frühen Filme, wie etwa „Quick, das Eichhörnchen“ und „Zimmerleute des Waldes“, machte er weitgehend verborgene Lebensvorgänge heimischer Tierarten sichtbar. Gemeinsam mit seinen Mitarbeitern entwickelte er Aufnahmemethoden, die seltene Einblicke in Nester und Tierbauten ermöglichten. Die Filme brachten Sielmann mehrere Bundesfilmpreise und große Anerkennung in wissenschaftlichen Fachkreisen ein. Für seine Projekte arbeitete Sielmann unter anderem mit den bekannten Verhaltensforschern Konrad Lorenz und Irenäus Eibl-Eibesfeldt zusammen.

Vom Abenteurer zum deutschen Fernsehstar

1960 wagte Sielmann den Schritt zum selbstständigen Produzenten. Für „Galapagos – Landung in Eden“ reiste er mit einem kleinen Team nach Südamerika. Es folgten Expeditionen nach Australien, Neuguinea und später Nordamerika, die mit großen Entbehrungen und Risiken verbunden waren. Umso wichtiger waren Ausdauer und technische Improvisation: Im Regenwald dämpften mit Moos isolierte Verstecke die lauten Kameras, damit scheue Vögel nicht sofort aufflogen. An einzelnen Motiven arbeitete das Team manchmal über Wochen unter widrigsten Bedingungen.

Mit der 1965 gestarteten NDR-Reihe „Expeditionen ins Tierreich“ wurde Sielmann einem Millionenpublikum bekannt. Mehr als 25 Jahre lang vermittelte er Naturwissen zur besten Sendezeit und ließ die Zuschauer an Entdeckungen aus aller Welt teilhaben. Zugleich plante er Drehreisen, verhandelte mit Sendern und begleitete Schnitt und Vertonung. Verbindungen zur BBC und später zu National Geographic trugen zur internationalen Verbreitung seiner Filme bei.

Neue Biografie öffnet den Blick hinter die Kamera

Neue Einblicke in die Entstehungsgeschichten von Sielmanns Filmen liefert die am 3. September 2026 erschienene Biografie „Abenteuer Naturfilm. Heinz Sielmann – Vom Tierfilmer zum Medienpionier“. Der Autor Prof. Michael Sutor, selbst Dokumentarfilmer, hat dafür Sielmanns Tagebücher, Briefe, Fotografien sowie den Nachlass seines langjährigen Mitarbeiters Georg Theilacker ausgewertet. Im Mittelpunkt stehen Sielmanns Arbeiten und großen Expeditionen der 1960er-Jahre – mit beschwerlichen Reisen, technischen Pannen und hohen finanziellen Risiken.

Sutor zeigt auch den Menschen hinter der Kamera. Als Sielmann am Great Barrier Reef bei einem Tauchgang in Lebensgefahr geriet, rettete ihn Theilacker. Während der langen Abwesenheiten führte Inge Sielmann den Betrieb in Deutschland weiter und hielt ihren Mann per Brief auf dem Laufenden.

Lebensräume bewahren und miteinander verbinden

Die Expeditionen der sechziger Jahre sind die Basis für Sielmanns weitere Karriere. Eines seiner wichtigsten Werke drehte er 1988 am damaligen innerdeutschen Grenzstreifen: „Tiere im Schatten der Grenze“ zeigt den erstaunlichen Artenreichtum, der zwischen den Grenzanlagen der beiden deutschen Staaten entstanden war. Bereits vor dem Mauerfall warb Sielmann für eine Überwindung der deutschen Teilung und ein gemeinsames Naturschutzprojekt von Ost und West. Auch nach der Wende setzte sich Sielmann dafür ein, die auf dem Grenzstreifen entstandenen Lebensräume dauerhaft zu bewahren. Dieses Anliegen verbindet auch die von ihm und Inge Sielmann im Jahr 1994 gegründete Heinz Sielmann Stiftung bis heute mit dem Grünen Band.

Mit der Stiftung gaben Heinz und Inge Sielmann ihrem Naturschutzengagement eine dauerhafte Grundlage. 2004 erweiterte Heinz Sielmann mit dem Vogelforscher Prof. Dr. Peter Berthold das Stiftungsengagement mit dem Aufbau des Biotopverbunds Bodensee.

Die Heinz Sielmann Stiftung sichert und entwickelt heute bundesweit Lebensräume und vernetzt sie zu Biotopverbünden. Ihre Natur-Erlebniszentren in Brandenburg und im niedersächsischen Duderstadt vermitteln besonders Kindern und Jugendlichen Wissen über die heimische Natur. Sielmann starb am 6. Oktober 2006 im Alter von 89 Jahren in München.

Buchvorstellung zum Gedenken

Im Gedenken an den großen Tierfilmer lädt die Heinz Sielmann Stiftung am 1. Oktober 2026 um 18:30 Uhr im Museum der Natur Hamburg und am 6. Oktober um 15 Uhr im Natur-Erlebniszentrum Gut Herbigshagen in Duderstadt zu einer Buchpräsentation mit Prof. Michael Sutor ein. Anhand ausgewählter Fotografien und Filmsequenzen lässt Sutor die legendären Expeditionen Heinz Sielmanns wieder lebendig werden und zeichnet dessen Werdegang vom leidenschaftlichen Tierfilmer zum international anerkannten Pionier des Naturfilms nach.

Im anschließenden Bühnengespräch mit dem Autor geht es um die Frage, welche Bedeutung sein Vermächtnis für Naturfilm und Naturschutz bis heute hat. Beide Veranstaltungen sind kostenfrei; eine Anmeldung ist erforderlich. Mehr Informationen zu den Veranstaltungen finden Sie auf der Webseite der Heinz Sielmann Stiftung.

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