Mit der zweiten Ansiedlung der Jungfrösche an einem angelegten Tümpel in Kißlegg steigen die Chancen auf eine langfristige Erholung der regionalen Laubfroschbestände. „Wir haben im Frühjahr bereits Jungtiere aus der letztjährigen Ansiedlung rufen hören. Das Kleingewässer wird gut angenommen. Das ist beachtlich, nachdem wir es erst vor zwei Jahren neu angelegt haben“, erklärt Moritz Ott, Wildtierökologe und stellvertretender Geschäftsführer des Landschaftserhaltungsverbands (LEV) im Landkreis Ravensburg. Er betreibt die Aufzuchtstation am Bodensee und betreut die in Süddeutschland erstmalige Nachzucht der Laubfrösche.
Weiterer Meilenstein im Projekt
Die Heinz Sielmann Stiftung, der LEV Ravensburg und der Landkreis Ravensburg haben sich zum Ziel gesetzt, dem Laubfrosch wieder bessere Überlebenschancen zu bieten. Dazu sollen bis 2027 insgesamt 50 Tümpel neu angelegt oder renaturiert werden – der aktuelle Stand liegt bei 28 Gewässern.
Das Naturschutzprojekt „50 Tümpel für den Laubfrosch“ wird zu rund 80 Prozent durch eine Förderung der Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg finanziert. Die zweite Ansiedlung von Jungfröschen ist ein weiterer wichtiger Schritt zur Stärkung der Populationen im Landkreis. Die Nachzucht aus gesammeltem Laich erhöht die Individuenzahl und fördert gleichzeitig die genetische Vielfalt. Da Laubfrösche erst im zweiten Lebensjahr geschlechtsreif werden, ist eine mehrmalige Ansiedlung am selben Standort notwendig.
Hand in Hand mit der Bevölkerung
Der Laubfroschbestand ist in den vergangenen Jahrzehnten im Landkreis Ravensburg bedenklich zurückgegangen. In Baden-Württemberg und deutschlandweit gilt er als gefährdet. Indem ein zusammenhängendes Netz aus Lebensräumen für Amphibien angelegt wird, kann er sich künftig wieder ansiedeln und großräumig vermehren.
„Den bisherigen Erfolg haben wir auch den vielen Privatgrundbesitzern zu verdanken, die ihre Flächen für die Tümpel zur Verfügung gestellt haben“, betont Matthias Roth, Projektverantwortlicher der Heinz Sielmann Stiftung. „Nur wenn wir als Gesellschaft zusammenarbeiten, um der Natur wieder mehr Raum zu geben, können wir die negativen Entwicklungen der Vergangenheit aufhalten und die Lebensbedingungen für Pflanzen, Tiere und Menschen wieder verbessern.“
Mit dem Laubfrosch kommen Vögel, Reptilien und Säugetiere
Der gerade einmal drei bis fünf Zentimeter große Froschlurch ist ein wichtiger Bestandteil unserer Ökosysteme. Er ernährt sich von Insekten, die teilweise als Schädlinge gelten, wie Stechmücken und Blattläusen. Gleichzeitig dient er vielen Tiergruppen als Nahrung, etwa Vögeln, Reptilien und Säugetieren. „Durch die Anlage eines Rettungsnetzes aus Tümpeln helfen wir nicht nur dem Laubfrosch, sondern auch uns selbst“, erklärt Matthias Roth. „Wir leisten damit einen Beitrag zur Stabilisierung der regionalen Ökosysteme, auf die auch wir langfristig angewiesen sind.“
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