Mit einem feierlichen Weideauftrieb hat die Heinz Sielmann Stiftung gestern im Beisein von Ralf Reinhardt, Landrat des Landkreises Ostprignitz-Ruppin, Thomas Kresse, Amtsdirektor des Amtes Temnitz, Nico Ruhle, Bürgermeister der Fontanestadt Neuruppin, und Dr. Philipp Wacker, Bürgermeister von Wittstock/Dosse das zunächst auf fünf Jahre angelegte Beweidungsprojekt gestartet. Bis zu zehn Konik-Pferde kommen ab sofort auf den Heideflächen am Sielmann-Hügel und entlang des Heide-Erlebniswegs als tierische Landschaftspfleger zum Einsatz.
Landschaftspflege mit Hufen und Zähnen
Durch Verbiss, Tritt und Wälzen brechen die Koniks die dichte Moosschicht auf, legen offenen Sandboden frei und lassen ein Mosaik aus Heide, Rohboden und lockerem Bewuchs entstehen. So verhindern sie, dass die Heide zuwächst, und schaffen Nischen für Insekten, Reptilien und Bodenbrüter. Zahlreiche seltene und gefährdete Bewohner der Heide – darunter der Ziegenmelker mit mehr als 500 Brutpaaren sowie Heidelerche und Wiedehopf – profitieren von den offenen, strukturreichen Flächen.
„Mit der naturnahen Beweidung nach dem Konzept der Wilden Weiden beginnen wir ein weiteres ambitioniertes Projekt, das dazu beitragen soll, die Kyritz-Ruppiner Heide als wertvolles Naturschutz- und Erholungsgebiet langfristig zu erhalten. Die Konik-Pferde erfüllen nicht bloß eine ökologisch wichtige Funktion, sie bereichern auch das Naturerlebnis der Besucherinnen und Besucher“, erklärte Jochen Paleit, Vorstandsvorsitzender der Heinz Sielmann Stiftung.
„Mit den Konik-Pferden kommt noch mehr Leben in die Heide. Sie machen auch den Naturschutz, den wir hier gemeinsam verfolgen, noch besser erlebbar. Ich hoffe, dass sich die Tiere gut einleben werden. Vielen Dank an die Heinz Sielmann Stiftung und alle beteiligten Partner aus unserer Region für ihr Engagement“, sagte Landrat Ralf Reinhardt.
Warum die Heide Pflege braucht
Ohne regelmäßige Pflege würde die Heide allmählich zu Wald werden. Bislang halten Mahd und kontrolliertes Brennen die Flächen offen. Zunehmend aber überzieht eine dichte Moosschicht den offenen Sandboden, den viele Insekten zum Leben und die Besenheide (Calluna vulgaris) zur Verjüngung brauchen. Hier setzt die Beweidung an: Sie ergänzt die bisherige Pflege und bringt natürliche Dynamik in die Landschaft zurück.
Pilotprojekt mit herausfordernden Bedingungen
Die kleine Herde wird nun nacheinander einzelne Teilflächen abgrasen. Betreut werden sie vom Beweidungsbetrieb Wilde Heide GbR, der bereits in der Lübtheener Heide gemeinsam mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) Koniks auf ehemaligen Truppenübungsflächen einsetzt.
Weil die trockene Kyritz-Ruppiner Heide besondere Anforderungen an Tiere und Halter stellt, begleiten die Stiftung und ihre Partner das erste Jahr eng. Besonders dem Amt Temnitz und seinem Direktor Thomas Kresse ist es zu verdanken, dass die Wasserversorgung der Pferde sichergestellt werden konnte. Maßgeblich unterstützt wird das Projekt außerdem vom Bundesforstbetrieb Westbrandenburg der BImA als Flächeneigentümerin, dem Landkreis Ostprignitz-Ruppin und dem Naturpark Stechlin-Ruppiner Land.
Heide erleben, Pferde beobachten
Der Start des Projekts fällt in das von den Vereinten Nationen ausgerufene Internationale Jahr der Weidelandschaften und des Hirtentums. Für Besucherinnen und Besucher entsteht zugleich ein neues Naturerlebnis. Wer den Koniks begegnen möchte, folgt am besten dem Heide-Erlebnisweg. Besonders lohnend ist der Spätsommer, wenn ab August die Besenheide die Landschaft violett färbt.
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