Erstmals seit Jahrzehnten fließt die Alte Niers auf dem Teilabschnitt nördlich des Bresgesparks wieder an der Oberfläche. Über viele Jahre war der Bach hier unterirdisch kanalisiert. Im Rahmen eines gemeinsamen Naturschutzprojekts entwickeln die Stadt Mönchengladbach, die NEW, mags und die Heinz Sielmann Stiftung die rund zwei Hektar große Fläche nun zu einem naturnahen Lebensraum mit Ufer- und Auenbereichen, artenreichem Grünland und heimischen Gehölzen. Ein öffentlicher Weg und Informationsangebote sollen das Gelände zugleich für die Bevölkerung als Ort für Naturerlebnisse und Naherholung erschließen.
Neue Lebensräume mitten in der Stadt
„Mit dem Wasser im neuen Bachbett ist jetzt die Voraussetzung geschaffen, dass die Natur hier zurückkehren kann. Dieses Projekt zeigt beispielhaft, wie Naturschutz und Stadtentwicklung erfolgreich zusammengebracht werden können. Es entstehen neue Lebensräume und zugleich ein Ort, an dem Menschen Natur unmittelbar erleben können. Das Heinz Sielmann Biotop hat das Potenzial, zu einem Vorbild für viele weitere Projekte dieser Art in Nordrhein-Westfalen zu werden“, betont Oliver Krischer, Minister für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen.
„Der gebürtige Rheydter Heinz Sielmann hat mit seinen Natur- und Tierfilmen Millionen Menschen die Tierwelt nähergebracht und Begeisterung für die Natur geweckt. Nun entsteht in seiner Heimatstadt ein Ort, der genau daran anknüpft: Hier können Menschen Natur entdecken, Tiere beobachten und erleben, wie sich ein neuer Lebensraum entwickelt. Dass dieser besondere Ort Wirklichkeit wird, ist dem gemeinsamen Engagement vieler Beteiligter zu verdanken. Dafür danke ich allen Partnern, die dieses Projekt möglich machen“, sagt Felix Heinrichs, Oberbürgermeister von Mönchengladbach.
Ein Baustein auf dem Weg zur klimaresilienten Stadt
Die Offenlegung der Alten Niers fügt sich auch in die Pläne der Stadt zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels ein. Mönchengladbach verfolgt das Ziel, Grün- und Wasserstrukturen stärker zu vernetzen, Flächen zu entsiegeln und die Stadt damit widerstandsfähiger gegenüber Hitze, Trockenheit und Starkregen zu machen.
„Ein offenes Gewässer, naturnahe Ufer und Feuchtwiesen können dazu beitragen, Wasser stärker in der Landschaft zu halten und zugleich kühlende, ökologisch wertvolle Räume zu schaffen. Mit Gewässerrenaturierungen, wie hier an der Alten Niers, und weiteren Maßnahmen verfolgen wir diesen Ansatz bereits an mehreren Stellen in Mönchengladbach und wollen ihn weiter ausbauen“, erläutert Claudia Schwan-Schmitz, Technische Beigeordnete und Dezernatsleiterin für Planen, Bauen, Mobilität und Umwelt der Stadt Mönchengladbach.
NEW AG setzt wasserbauliche Maßnahmen um
Die wasserbauliche Planung und Umsetzung des Projekts liegen bei der NEW, die bereits andere Gewässer in Mönchengladbach wie den Bungtbach erfolgreich renaturiert hat. Eine Besonderheit des Vorhabens an der Alten Niers ist die Verbindung von Gewässerentwicklung, Naturschutz und öffentlicher Besucherlenkung auf einer innerstädtischen Fläche.
„Die besondere Herausforderung besteht darin, einen bislang verrohrten Gewässerabschnitt im städtischen Raum wieder offenzulegen und dabei Wasserwirtschaft, Naturschutz und öffentliche Nutzung zusammenzubringen. Gerade diese Verbindung macht das Projekt auch für weitere Vorhaben interessant. Es ist keine Schablone, die sich eins zu eins übertragen lässt, aber ein gutes Beispiel dafür, wie wir vergleichbare Projekte gemeinsam mit starken Partnern entwickeln können“, sagt Thomas Bley, Vorstand der NEW.
Ein Biotop in Heinz Sielmanns Geburtsstadt
Das neue Biotop trägt den Namen des bekannten Tierfilmers und Naturschützers Heinz Sielmann, der 1917 in Rheydt geboren wurde. Gemeinsam mit seiner Frau Inge gründete er 1994 die Heinz Sielmann Stiftung. Das Biotop soll an seinem Geburtsort dauerhaft Naturschutz und Naturerleben miteinander verbinden.
„Heinz Sielmann wäre sicherlich stolz auf das, was hier in seiner Geburtsstadt entsteht. Er hat sein Leben lang dafür geworben, Natur zu beobachten, zu verstehen und zu schützen. Genau dafür soll auch das Heinz Sielmann Biotop an der Alten Niers stehen. Mit der Inbetriebnahme des neuen Bachlaufs haben wir einen weiteren Meilenstein in der Umsetzung dieses Projekts erreicht. Wir arbeiten mit Hochdruck darauf hin, das Biotop im kommenden Jahr zu Heinz Sielmanns 110. Geburtstag feierlich einweihen zu können“, sagt Dr.-Ing. E.h. Fritz Brickwedde, Vorsitzender des Stiftungsrates der Heinz Sielmann Stiftung.
Nach der Fertigstellung des Bachlaufs steht nun ab September die Gestaltung der umliegenden Flächen an. Dafür werden unter anderem Blühflächen gesät, Steinhaufen und Benjeshecken angelegt und zahlreiche Bäume und Sträucher gepflanzt. Die Einweihung des Biotops ist für den 2. Juni 2027 geplant.
