Die Larven der Flussperlmuschel (Margaritifera margaritifera) können sich in unserer Region nur auf den Kiemen der Bachforelle entwickeln. Das neue Naturschutzprojekt der Heinz Sielmann Stiftung im Landkreis Freyung-Grafenau verbessert nun gezielt den Lebensraum der Fischart. In enger Kooperation mit dem bundesweiten Artenschutzprojekt für die Flussperlmuschel „Margaritifera Restoration Alliance“ (MARA) sollen dadurch auch die Chancen für die in Deutschland vom Aussterben bedrohte Muschel verbessert werden.
Geplante Maßnahmen
Auf den neu erworbenen Flächen der Stiftung bei Ranfels werden in den kommenden Jahren zwei Fließgewässerabschnitte und ihre angrenzenden Flächen ökologisch aufgewertet. Geplant ist eine Verbesserung der Gewässerstruktur, beispielsweise durch die Einbringung von Kies, der der Bachforelle geeignete Laichplätze bietet und zugleich wichtige Lebensräume für die Flussperlmuschel schafft.
Die Förderung einer naturnahen Auenvegetation und die Bepflanzung der Ufer sorgen für mehr Schatten, halten die Gewässer im Sommer kühler und schaffen zugleich wertvolle Lebensräume für Tiere und Pflanzen. Eine extensive Bewirtschaftung auf anliegenden Flächen soll zudem Nährstoff- und Schadstoffeinträge reduzieren.
Gemeinsam für die Flussperlmuschel
„Auf unseren Flächen befinden sich Zuflüsse der Kleinen und der Großen Ohe. Diese werden wir durch unsere Maßnahmen wieder attraktiv für die Bachforelle, insbesondere für Laich und Jungtiere, gestalten“, erklärt Bernhard Gohlke, Leiter der Sielmanns Biotopverbünde Ostbayern. „Wir stimmen uns dabei eng mit dem Landschaftspflegeverein Passau ab, der an MARA beteiligt ist und vor Ort über die entsprechende Expertise zum Schutz der Flussperlmuschel verfügt.“
Dr. Marco Denic, Verantwortlicher für das MARA-Projekt beim Landschaftspflegeverband Passau, betont: „Dass die Heinz Sielmann Stiftung diese Flächen erworben hat, erleichtert unsere Arbeit und begünstigt die positiven Effekte auf die Lebensräume der Flussperlmuschel. Wir sind sehr froh über diese wichtige Kooperation.“
Eine stark gefährdete Art
Die Bestände der Flussperlmuschel sind seit den 1930er Jahren um rund 90 Prozent zurückgegangen. Wasserverschmutzung, Gewässerausbau und die Intensivierung der Bodennutzung haben ihre Lebensräume weitgehend zerstört. Deutschland trägt eine besondere Verantwortung für ihren Schutz, da hier einige ihrer wichtigsten verbliebenen Bestände Mitteleuropas vorkommen.
Die Bachforelle ist für das Überleben der Muschel entscheidend: Ihre Larven, sogenannte Glochidien, heften sich an die Kiemen der Wirtsfische und reifen dort zu Jungmuscheln heran. Anschließend lösen sie sich von den Kiemen und sinken auf den Gewässergrund, wo sie ihr weiteres Leben verbringen. „In unseren bayerischen Mittelgebirgsgewässern besitzt die Flussperlmuschel nur die Bachforelle als Wirtsfisch“, erklärt Gohlke. „Leider sind auch ihre Bestände stark rückläufig.“
Ökologische Bedeutung der Flussperlmuschel
Die Flussperlmuschel trägt ihrerseits zur Verbesserung der Gewässerqualität bei: Über 50 Liter Wasser kann eine einzelne erwachsene Muschel täglich filtern – davon profitieren auch zahlreiche andere Organismen. Ihren Lebenszyklus kann man zeitlich mit dem eines Menschen vergleichen: Erst mit etwa 15 Jahren wird die Muschel geschlechtsreif, manche Exemplare werden über 100 Jahre alt.
„Allein die Tatsache, dass die Flussperlmuschel dieses hohe Alter erreicht, gibt uns noch die Möglichkeit, sie zu retten. Nachkommen gibt es seit vielen Jahrzehnten kaum mehr“, betont Denic. Aktuell wird mit einem Nachzuchtprogramm nachgeholfen. Langfristiges Ziel der Umweltorganisationen ist es, die Süßwasser-Ökosysteme wieder zu stärken und damit die Überlebenschancen zahlreicher Arten zu verbessern.
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