Moore gehören zu den wichtigsten CO₂-Speichern und sind einzigartige Lebensräume. Das liegt vor allem auch an den Torfmoosen, die einen großen Anteil der Vegetation in Mooren ausmachen. Während Laubbäume und Sträucher kahl stehen und den Winter im Ruhezustand überdauern, laufen Torfmoose jetzt zu Höchstleistungen auf. Denn die kleinen, unscheinbaren Gewächse können bereits bei niedrigen Temperaturen ihre volle Photosynthese-Leistung erbringen. Sie binden nun dank der dauerfeuchten Bedingungen besonders viel CO₂, indem sie vermehrt Biomasse bilden.
Wertvolle Lückenbüßer der Vegetation
„Der Winter ist der Sommer der Torfmoose“, sagt Dr. Jörg Müller, Experte für ökologisches Monitoring bei der Heinz Sielmann Stiftung. Bereits bei fünf Grad Celsius erreichen Moose ihre maximale Leistung. Andere Pflanzen wie Gräser, Sträucher und Bäume brauchen dafür deutlich höhere Temperaturen. „Moose sind sowohl zeitlich als auch räumlich die Lückenbüßer der Vegetation“, erklärt Müller: „Fehlt im Winter das Laub anderer Pflanzen, haben Moose besseren Zugriff auf Nährstoffe und erhalten mehr Sonnenlicht, um Photosynthese zu betreiben. Dafür müssen sie aber auch die niedrigen Temperaturen aushalten.“
Torfmoose wachsen nur langsam. Je mehr Biomasse sie derweil produzieren, desto schwerer werden sie und sacken in den weichen Moorboden ein, wo die unteren Teile der Moospflanze absterben. Unter Sauerstoffabschluss entsteht aus diesem toten Pflanzenmaterial wertvoller Torf, der Moore zu hocheffizienten CO₂-Speichern macht. Der Prozess ist sehr langwierig: Pro Jahr entwickelt sich eine etwa einen Millimeter dicke Torfschicht. Bis ein Meter Torf entstanden ist, dauert es also rund 1.000 Jahre. Gesunde Moore sind ein wichtiger Faktor, um möglichst viel von dem Klimagas aus der Atmosphäre zu binden. Pro Quadratmeter können sie rund fünfmal so viel CO₂ wie Wälder und 500-mal so viel wie Ozeane speichern.
Fehlende Niederschläge gefährden Moore
Bei Minusgraden nimmt jedoch auch die Leistungsfähigkeit der Moose ab. Bei strengem Frost und geschlossener Schneedecke fahren auch sie ihren Stoffwechsel auf ein Minimum herunter und warten auf wärmeres Wetter. Der schmelzende Schnee bringt dann willkommenes Nass. Denn Moose sind dringend auf Feuchtigkeit angewiesen: Sie haben keine Wurzeln und nehmen Wasser über ihre gesamte Oberfläche auf.
„Ist ein Winter sonnig, aber niederschlagsarm, besteht die Gefahr, dass Moose austrocknen“, sagt Müller. Dann droht das Moor seine CO₂-Speicherfähigkeit zu verlieren. Trockene Winter oder starke Temperaturschwankungen sind daher für Moose – und damit Moore – eine große Herausforderung. Denn eigentlich sollte der Winter mit seinen Niederschlägen das Wasser zurückgeben, das im übrigen Jahr durch Wärme verdunstet ist oder von Pflanzen verbraucht wurde.
Kostenfreier Online-Vortrag zum Thema
Am Donnerstag, 29. Januar, veranstaltet die Heinz Sielmann Stiftung ein kostenloses Webinar zum Thema „Moore: Klimaretter und einzigartige Lebensräume“. Interessierte können sich direkt hier anmelden.
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