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Ninja-Nadine Kage über Ihre Beziehung zum Weißensteiner Wald

Diplom-Biologin Ninja-Nadine Kage setzt sich gemeinsam mit ihrer Familie leidenschaftlich für den Erhalt des Waldes am Weißensteiner Schloss ein. Sie übernimmt in Kooperation mit der Heinz Sielmann Stiftung vor Ort wichtige Aufgaben. Wir haben mit Frau Kage über ihre Motivation und Ziele im Projektgebiet gesprochen.

1. Frau Kage, warum liegt Ihnen der Wald am Weißensteiner Schloss so am Herzen?

Bäume haben in der Vergangenheit schon immer den Menschen inspiriert, beispielsweise als Symbol seiner eigenen Existenz. Bäume sind erstaunliche Geschöpfe, die nur wenige Dinge zum Überleben benötigen: Erde (mit Laubstreuorganismen), Wasser und Luft. Sie leben gerne in Gemeinschaften und bilden hier komplexe und hoch interessante Netzwerke - z.B. auch im allerkleinsten, fast nicht mehr sichtbaren Bereich.

Der berufliche Hintergrund unserer Familie - wir sind im Bereich der wissenschaftlichen Fotografie (Mikrofotografie) tätig - und mein Studium der Biologie trugen insbesondere dazu bei, uns in der Familie intensiv mit dem Schlosswald mit all seinen "fantastischen Wesen" zu befassen und sie näher zu erforschen.

Immer wieder fanden und finden wir Anschauungsobjekte für unsere Forschungsarbeit oder die wissenschaftliche Fotografie im Wald und seiner Umgebung, wie z.B. entzückende winzig kleine Bärtierchen (Tardigraden), die man in manchen Moosen des Waldes finden kann, mikroskopisch kleine Laubstreuorganismen, spezielle Insekten oder wunderschöne Flechten und Moose.

Mit diesen und anderen Kleinstorganismen möchten wir die Betrachter unserer Bildwerke und Filme sowie die Besucher unseres Museums im Schloss für die Natur und ihre Lebewesen begeistern, berühren und das Thema Natur im wahrsten Sinne begreifbar machen. Dass wir die Möglichkeit haben diese Begeisterung weiterzugeben, ist für uns alle in der Familie etwas Wunderbares und sehr Erfüllendes.

Der Wald ist für unsere Familie jedoch nicht nur aus biologischer oder ökologischer Sicht interessant, wir verbinden mit ihm auch den Begriff "lebendige Heimat". Meine Eltern setzten sich bereits in der Vergangenheit stets für den Naturschutz und im Besonderen den Erhalt alter Bäume aber auch der allerkleinsten Lebewesen auf unserer Erde ein. Und so ist es auch heute der Fall, dass wir uns intensiv als Familie in diesem Bereich ehrenamtlich einsetzen. Wir alle engagieren uns daher aus purer Überzeugung und Hingabe für den Erhalt des Waldes, da er uns mit allen seinen Wesen schlicht am Herzen liegt. In der Natur habe ich mich stets sicher und wohl gefühlt, konnte aus ihr Kraft und Kreativität schöpfen.

Als ich Ende der neunziger Jahre zum ersten Mal das Schloss Weißenstein besuchte, den Wald hinter dem Schloss sah und mich dadurch umgehend Zuhause fühlte wusste ich in dieser Sekunde, dass ich mich für den Erhalt dessen - wenn irgend möglich - einsetzen möchte.

 

2. Was ist das Besondere an diesem Wald? Warum ist er für die Vielfalt unserer Natur so wichtig?

Den Schlosswald zeichnet ein wertvoller alter Waldbestand u.a. mit wunderschönen Buchen-, Ahorn- und Eschenbäumen sowie eine hohe Artenvielfalt aus. Wir Menschen sind mit allen Lebewesen dieser Erde eng vernetzt und könnten ohne dieses fantastische Artengefüge in unserer heutigen Form nicht existieren. Wir gehören zur Natur, sind ein Teil von ihr und hängen hinsichtlich unserer Nahrung, der Baumaterialien oder Arzneimittel ganz maßgeblich von der biologischen Vielfalt ab.

Eine Vielzahl menschlicher Einflüsse und insbesondere der Nutzungsdruck auf unsere Landschaft, wie z.B. die Vernichtung eines Großteils der europäischen Wälder und die damit einhergehende Fragmentierung von Habitaten, führte leider in der Vergangenheit dazu, dass wertvolle Lebensräume nach und nach verloren gingen. Manche Arten wurden hierdurch seltener oder es wurde sogar die Wahrscheinlichkeit ihres Aussterbens erhöht. Allerdings steht mit solchen Ereignissen nicht nur das Schicksal einzelner Arten auf dem Spiel, sondern auch die Funktionsfähigkeit des gesamten Nahrungsnetzes, von dem letztendlich auch wir Menschen abhängig sind.

Naturnahe Waldflächen können als Klimaregler (CO2-Abbau), als Wasserspeicher und -filter (z.B. für unsere Trinkwasserquellen), als Luftschadstofffänger, als Erosionsschutz und Bodenstabilisator und als Stabilisator für den landwirtschaftlichen Ertrag dienen. 

Wenn wertvolle Biotopinseln gefördert, erhalten und geschützt werden, können wichtige Refugien für seltene Tier- und Pflanzenarten erhalten werden und der so wichtigen Förderung der Umweltbildung dienen. In naturbelassenen Wäldern oder anderen besonderen Biotopinseln sind außergewöhnliche Naturerlebnisse möglich, insbesondere das Beobachten und Entdecken von seltenen Pflanzen und Tieren. 

 

3. Wie entstand der Kontakt mit der Heinz Sielmann Stiftung? 

Seit einigen Jahren formierte sich in unserer Familie der Wunsch den Schlosswald nachhaltig zu erhalten. Wir sind nun überglücklich, dass sich die HSS und deren Menschen, die sich mit großem Herzblut und Fachwissen für die Natur einsetzen, für den Kauf und Schutz des Waldes entschieden haben.

Michael Beier, der Vorstandsvorsitzende der Heinz Sielmann Stiftung, äußerte so trefflich: „Jeder Biotopbaustein hilft dabei, dem Artenrückgang entgegen zu wirken und damit auch unsere Lebensgrundlage zu sichern.“ Genau hierzu passt einer unserer Leitsätze in unserer beruflichen Tätigkeit der Mikrofotografie von Christian Gottfried Ehrenberg: „Der Welten Kleines auch ist wunderbar und groß. Und aus dem Kleinen bauen sich die Welten.“

Mein Vater, Manfred P. Kage, hatte in früherer Zeit in seiner Tätigkeit als Mikrofotograf mit Heinz Sielmann zusammengearbeitet und von dieser Kooperation immer wieder begeistert erzählt. Dabei entstand u.a. der Film „Giftige Schönheiten des Meeres“, der mikroskopische Film-Aufnahmen meines Vaters zeigt. So trafen damals zwei Pioniere ihres jeweiligen Fachs und zwei außergewöhnliche Menschen aufeinander.

 

4. Welche Aufgaben übernehmen Sie vor Ort?

Wir werden das Gebiet regelmäßig begutachten, Ansprechpartner vor Ort sein und regelmäßig Boden und Wasser im mikroskopischen Bereich untersuchen.

 

5. Wie soll es weitergehen im Weißensteiner Wald?

Ein Wald, in den nur im speziellen Falle eingegriffen wird, und welcher sonst sich selbst überlassen wird, um sich selbst zu regulieren, wäre unser großer Wunsch. Das erklärte Ziel der Heinz Sielmann Stiftung, den wertvollen alten Waldbestand im Sinne insbesondere der Förderung der Biodiversität zu erhalten, entspricht daher exakt diesem speziellen Wunsch für die Entwicklung des Gebietes.

Auch den Bestand der Wanderwege, wie z.B. dem Albsteig, einem der bekanntesten zertifizierten Wanderwege in Baden-Württemberg oder dem sogenannten Albtraufgängerweg an der Albtraufkante, gesäumt von wunderschönen alten Bäumen, begrüßen wir sehr. Ebenso ist uns die Öffentlichkeitsarbeit und Einbindung der Anwohner wichtig, um die hiesigen Bürger und Besucher dieses schönen Fleckchens Erde auf dieser spannenden Reise mitzunehmen.

Aus der Erfahrung unserer Familie heraus gesprochen, kann man Menschen besonders nachhaltig erreichen, wenn man einfühlsam und in mitreißender Weise das offenbart, was vielleicht ansonsten im Verborgenen liegt. Es gibt den schönen Satz „Man kann nur schützen, was man liebt.“ Ergänzen würde ich ihn um „Man kann nur lieben, was man wirklich (er)kennt.“

In diesem Sinne begrüßen wir die Öffentlichkeitsarbeit der Stiftung außerordentlich und unterstützen diese selbstverständlich mit all unseren Mitteln. Auch aus diesem Grunde haben mein Mann und ich die Homepage Natur-Lauterstein erarbeitet, um für die Natur in Lauterstein und deren Erhalt zu werben.

 

6. Eine allgemeine Frage: Welches ist für Sie DAS Umweltthema unserer Zeit?

Aus meiner Sicht ist dies tatsächlich der Artenschutz und der damit verbundene Erhalt der Biodiversität. Und ein maßgeblich wichtiges Thema in diesem Zusammenhang stellt für mich der Erhalt naturnaher Wälder dar. Wenn wir Menschen in naturnahen Wäldern und anderen wertvollen Biotopinseln lebende Schätze erkennen können, dann sollten wir meiner Meinung nach mit aller Kraft entschlossen versuchen, diese Schätze in unserem eigenen Interesse zu schützen.

Aus meiner festen Überzeugung heraus kann ich sagen, dass es neben den größeren Schutzgebieten dieser Erde gerade irgendwann einmal die kleinen Biotopinseln und die kleinen Bausteine sein können, welche für die gesamte Erde und ihre Artenvielfalt (und somit auch den Menschen) eine maßgebliche (Überlebens-)Rolle spielen… Die Zeit und die Fort-Entwicklung unserer Erde und der Menschheit wird es zeigen.

Für uns in der Familie war und ist es stets wichtig die so vielfältigen Wunder des Lebens zu erforschen und fest daran zu glauben, das scheinbar Unmögliche erreichen zu können. Wir Menschen sollten niemals aufgeben neugierig zu bleiben und daran zu glauben, dass wir (und sei es auch im Kleinen) etwas für unsere Umwelt und Natur und damit letztendlich auch für uns selbst bewirken können.

Zum Abschluss möchte ich daher einen der großen Denker und Wissenschaftler unserer Zeit zitieren, Stephen Hawking, der folgende Worte an Wissenschaftler richtete: „Seid tapfer, neugierig und entschlossen und überwindet alle Widrigkeiten! Wir können es schaffen.“

Ninja-Nadine Kage, 2019