Rund sechzig Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Fachbehörden, Region und Naturschutz nahmen an der Auftaktveranstaltung am Moor „Kleine Hohe Warte“ und im Bahnhof Rennsteig nahmen teil. Bundesumweltminister Carsten Schneider und Umweltstaatssekretärin Karin Arndt (in Vertretung von Umweltminister Tilo Kummer) würdigten in ihren Grußworten die Bedeutung des Vorhabens für Biodiversität und Klimaschutz.
Umweltminister Tilo Kummer erklärt dazu: „Der Thüringer Wald ist eine der herausragenden Naturlandschaften Deutschlands und weit über die Grenzen unseres Landes bekannt. Wir haben hier einen besonderen Naturschatz vor der Haustür, mit wertvollen Bergwiesen, Bächen und Mooren sowie gefährdeten Arten wie Schwarzstorch, Feuersalamander oder die Arnika. Diese einzigartige Natur zu erhalten, ist unsere gemeinsame Verantwortung. Ich freue mich sehr, dass dank der kombinierten Bundes- und Landesförderung dieses Projekt starten kann.“
Der Geschäftsführer der Naturstiftung David, Adrian Johst, ergänzt: „Die breite Unterstützung aus der Region und das Vertrauen von Bund und Land sowie den vielen Finanzierungspartnern geben uns Rückenwind. Gemeinsam mit unseren Partnern werden wir die wertvollen Lebensräume im Thüringer Wald nachhaltig entwickeln und langfristig sichern.“
Stellvertretend für die Heinz Sielmann Stiftung nahm Jochen Paleit, Vorstandsvorsitzender der Stiftung, an dem Termin teil und betont: „Der Thüringer Wald gehört mit seinen Bergbächen, Mooren und artenreichen Bergwiesen-Komplexen zu den bedeutendsten Naturräumen Deutschlands. Wenn wir diese empfindlichen Lebensräume wieder in einen guten Zustand bringen und dauerhaft sichern, stärken wir die Biodiversität weit über die Region hinaus. Deshalb hält die Heinz Sielmann Stiftung das Projekt für besonders wichtig und fördert es gerne.“
Grundlage der Umsetzung
Basis der Umsetzung ist ein detaillierter „Pflege- und Entwicklungsplan“, der rund 16.000 Einzelflächen und 570 Bachkilometer im UNESCO-Biosphärenreservat Thüringer Wald betrachtet. Er wurde in den vergangenen vier Jahren von Fachbüros erstellt und intensiv mit regionalen Partnern abgestimmt. Der Plan dokumentiert ein sehr umfangreiches Spektrum an Handlungsbedarfen für die geschädigten Bäche, Moore und Bergwiesen in dem rund 6.100 Hektar großen Projektgebiet. Deshalb konzentriert sich das Projekt zunächst auf die hoch priorisierten Maßnahmen.
Ausgewählte Maßnahmen im Projektgebiet:
- Auf mindestens 72 Bachkilometern werden Starktotholz und Störsteine eingebracht, um Strukturvielfalt und Eigendynamik der Gewässer zu erhöhen.
- Mindestens 172 Querbauwerke und Anlagen in den Bächen werden zurückgebaut oder umgestaltet, um die ökologische Durchgängigkeit der Fließgewässer wiederherzustellen.
- Auf rund 73 Hektar Moorstandorten im Wald werden Gehölze ganz oder teilweise entfernt, um die natürliche Moorvegetation zu fördern.
- In 42 Moorstandorten werden Entwässerungsstrukturen zurückgebaut oder Wasserstände angehoben, um die natürliche Speicherfunktion der Moore wiederherzustellen.
- Für etwa 154 Hektar Berggrünland werden gemeinsam mit den Bewirtschaftenden Möglichkeiten einer stärkeren Nutzung abgestimmt und umgesetzt, um Verbuschung zu verhindern und konkurrenzschwache Arten zu erhalten.
- Außerdem werden invasive Arten wie die Staudenlupine bekämpft.
Diese und weitere Maßnahmen fördern die Lebensraum- und Artenvielfalt, stärken die Vorkommen seltener Arten wie Feuersalamander oder Rundblättriger Sonnentau und fördern für die Region wichtige Ökosystemleistungen, dazu zählen: Kohlenstoffbindung, Wasserspeicherung, Hochwasserschutz und Stabilisierung des Wasserhaushalts.
Finanzierung und Partner
Das Umsetzungsprojekt hat ein Gesamtvolumen von etwa 10,4 Millionen Euro. Es wird im Bundesprogramm „chance.natur“ vom Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit zu 75 Prozent mit 7,8 Millionen Euro gefördert. Der Freistaat Thüringen beteiligt sich mit 1,56 Millionen Euro zu 15 Prozent an der Finanzierung. Die Naturstiftung David bringt gemeinsam mit weiteren Finanzierungspartnern den erforderlichen zehnprozentigen Eigenanteil (1,04 Millionen Euro) ein. Auch die Heinz Sielmann Stiftung gehört zu den Förderpartner und unterstützt das Projekt bereits seit September 2021 mit einer Gesamtfördersumme von 110.000 Euro.
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